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„Jahrhundertchance“: Universitätsklinikum Augsburg als Motor für Wirtschaftskraft
A³ Veranstaltung

„Jahrhundertchance“: Universitätsklinikum Augsburg als Motor für Wirtschaftskraft

Welche Chancen entstehen für die Region Augsburg durch das Universitätsklinikum? Foto: B4B/ Katharina Seeburger
Welche Chancen entstehen für die Region Augsburg durch das Universitätsklinikum? Foto: B4B/ Katharina Seeburger

Bis zu 6.500 neue Arbeitsplätze sollen im Wirtschaftsraum Augsburg entstehen. Der Treiber: Die Universitätsmedizin. Darüber haben bei einer Veranstaltung von A³ Vertreter aus Politik, Industrie und Medizin diskutiert.

Vor zehn Jahren wurde das damals kommunale Zentralklinikum in Augsburg zur Uniklinik überführt. Inzwischen ist ein Großteil der Lehrstühle besetzt. Als Alleinstellungsmerkmale zeigen sich die Bereiche Umweltmedizin und Informatik. „Angefangen damit, dass Forschung und Entwicklung ausgebaut werden, ergibt sich jetzt die Möglichkeit, dass wir die gesamte Region wirtschaftlich stärken, weil Unternehmen und Start-ups andocken können“, sagte Augsburgs Oberbürgermeisterin Eva Weber. „Damit entstehen ein neues Ökosystem und wirtschaftliche Kraft für die Region.“

Ein Beispiel sei das Safety Camp: Die Augsburger Allgemeine und die Uniklinik hatten Ende Januar zusammen die erste Konferenz zu medizinischer Sicherheit im Kongress am Park ausgerichtet. „Das sind genau die Impulse, die von der Uniklinik ausstrahlen und die Wirtschaft beeinflussen“, so Weber. Sie bezeichnet die Uniklinik und ihr Potenzial als „Jahrhundertchance für Augsburg“.

Praxisbeispiel: Medizinisch Digitaler Innovationshub in Augsburg

Der Medizinisch Digitale Innovationshub in Augsburg will die medizinische Start-up-Szene in Augsburg unterstützen. Oft hätten Ärzte oder Pflegekräfte in ihrem Arbeitsalltag Ideen, um dort Probleme zu lösen oder für neue medizinische Produkte. Doch meist fehlten Zeit und Kraft, diese Ideen zu verfolgen. Der Medizinisch Digitale Innovationshub in Augsburg bietet eine Anlaufstelle für diese Ideen und Unterstützung, sie zu entwickeln. So sollen Ausgründungen und Technologietransfer gefördert werden.

Ein Beispiel ist die Lipospec GmbH. Ein Start-up aus der Biotech-Branche. Lipospec entwickelt medizinische Messgeräte, mit denen Kosten und Entwicklungszeit bei mRNA-Medikamenten gesenkt werden sollen. Entstanden ist es zwischen den Lehrstühlen für Physik und Medizin.

Zusammenarbeit in der Region

Große Chancen durch die Universitätsmedizin und die Gesundheitswirtschaft in Augsburg sieht auch Dr. Stefanie Demirci von vdi/vde Innovation + Technik GmbH. Sie begleitet seit 2019 die Entwicklung in Augsburg, etwa durch eine Industriestandortanalyse. Laut Demirci ist die Gesundheitswirtschaft in Bayern eine tragende Stütze der Wirtschaft. 2023 lag deren Anteil an der Wirtschaftsleistung bei 10,6 Prozent. Durch den Aufbau der Universitätsmedizin erwartet eine Studie eine jährliche Wertschöpfung von 400 Millionen Euro und bis zu 6.500 neue Arbeitsplätze.

„Wenn es so einen riesigen Beschäftigungsmagneten gibt, geht es auch um Themen wie öffentlicher Nahverkehr, Betreuungsangebote, bezahlbarer Wohnraum“, erklärt Demirci. „Denn die Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte, die neu in die Region kommen, bringen auch Familie mit. Die Familienmitglieder sind vor allem auch für andere Branchen potenzielle Erwerbstätige. Auch für die muss eine gewisse Attraktivität geschaffen werden.“

Demirci sieht die Uniklinik und die damit zusammenhängende wirtschaftliche Entwicklung auf einem guten Weg. „Bleiben Sie dran, machen Sie weiter“, rät sie bei der Veranstaltung. Und: „Arbeiten Sie in einem Prozess zusammen, der die Region und die umliegenden Kommunen miteinschließt.“

Lesen Sie hier:Neue Uniklinik Augsburg soll Wirtschaftsregion stärken

Praxisbeispiel: MT Aerospace und Uniklinik

Was haben Luftfahrt und Medizin miteinander zu tun? Auf den ersten Blick nicht viel, auf den zweiten können sie voneinander lernen. Das zeigten Bernd Beschorner, Vorstand Operations bei MT Aerospace und Dr. Florian Sommer, Geschäftsführender Oberarzt am Universitätsklinikum Augsburg am Beispiel der Patientensicherheit. „Die Luftfahrt macht nicht weniger Fehler, sie hat aber bessere Systeme, um einen Schaden zu vermeiden“, erklärte Beschorner. So gelte in der Luftfahrt, dass alle Fehler und Auffälligkeiten sofort gemeldet werden müssen. „Alle Infos müssen dort sein, wo die Entscheidung getroffen wird“, so Beschorner. Fehler zu melden, habe nichts mit Denunziation zu tun. Ein Prinzip, das in der Medizin oft noch zu wenig angewendet werde.

Das gleiche gilt für Checklisten und Standardisierungen. „In der Medizin ist das noch nicht so angekommen und wir sehen es oft als bürokratische Last“, erklärt Sommer. „Das war aber der Schlüssel, um die Sicherheit in der Luftfahrt zu verbessern.“

Neubau Uniklinik Augsburg

Auch der Neubau der Uniklinik bietet für die Bauunternehmen und damit für die Wirtschaft der Region Potenzial. Prof. Dr. Klaus Markstaller, ärztlicher Direktor der Uniklinik Augsburg, gab Einblick in die Pläne für den Klinikneubau. Derzeit ist geplant, den Neubau im Westen zu bauen, dort, wo aktuell der Patientenpark ist. Das Bauleitverfahren soll in den kommenden Wochen eingeleitet werden. Dann könne Baurecht geschaffen werden.

Im neuen Universitätsklinikum sollen die akute und die elektive Medizin räumlich getrennt werden. Das bedeutet, dass Notfälle von der Aufnahme bis zur Versorgung und OP in einem eigenen Gebäude behandelt werden. Weiter soll das Gebäude standardisiert werden. Dadurch könne die Größe einzelner Fachrichtungen dem Bedarf entsprechend angepasst werden.

Dass der Neubau notwendig ist, sei unstrittig. Im laufenden Betrieb müssten notfallmäßig Reparaturen durchgeführt werden – etwa wenn es über der Apotheke einen Wasserrohrbruch hat. In circa fünf Jahren müssen die ersten Stahlträger des Gebäudes ausgewechselt werden. „Das aktuelle Gebäude ist im Vollverschleiß“, erklärte Markstaller.

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