Kommentar

Center Parcs Park Allgäu – Ein PR-Albtraum für die Region?

Die Nachricht, dass Center Parcs ins Allgäu kommt, rief überwiegend positive Reaktionen hervor. Ein Debakel wie das von letzter Woche hätte wohl niemand erwartet. Schadet das dem Ruf des Allgäus dauerhaft?

Der Center Parcs Park Allgäu eröffnete am 1. Oktober seinen 27. Park. 350 Millionen Euro wurden investiert, um jährlich eine Million Gäste begrüßen zu können. Dann die Ernüchterung: Der Park ist noch nicht fertig. Das stellte nicht der Betreiber fest, sondern die Gäste.

Stellen Sie sich vor, Sie fahren mit Ihrer Familie stundenlang an einen Urlaubsort, der sich noch im Bau befindet. Sie müssen Möbel und elektronische Geräte selbst aufbauen und installieren, manches Inventar fehlt, putzen müssen Sie auch. So erging es Besuchern des neuen Center Parcs in Leutkirch. Sie wandten sich per Facebook an die Öffentlichkeit, mit teils dramatischen Anschuldigungen. Center Parcs reagierte und schloss den Park vorläufig für neue Gäste. Aus „technischen und operativen Gründen“, wie es hieß. Erst am 22. Oktober eröffnet er wieder. Doch der Schaden ist bereits angerichtet. Auch für das Allgäu?

Image und Marke Allgäu seien bereits in der Namensgebung und im Marketing des Center Parcs gut integriert, lobten Dr. Peter Lintner von der IHK Schwaben und Klaus Holetschek, Vorsitzender des Tourismusverbandes Allgäu/Bayerisch Schwaben, anfangs. Das könnte sich nun wohl negativ auswirken. Die Berichte der Gäste werfen nicht nur ein schlechtes Licht auf den Betreiber. Der Schatten fällt auch auf die Region selbst. Postings wie „Das Allgäu hat mich als Gast für immer verloren“ gingen online. Wie übertrieben das ist, bleib abzuwarten.

Das Internet ist ein launischer Ort mit viel Stimmungsmache. Wie viel Fakt hinter solchen Aussagen steckt, muss kritisch beurteilt werden. Ja, Soziale Medien haben Macht, der gute Ruf des Allgäus ist aber stärker als die Panne einer niederländischen Kette. Wer auf Google nach dem Begriff „Allgäu“ sucht, wird aktuell zwar noch mit Meldungen über den Park überschüttet, doch das wird sich legen. Zu viel neues, positives übernimmt die Schlagzeilen, als dass sich dieser Fauxpas zu einem PR-Albtraum für eine ganze Region entwickeln könnte.

Außerdem wissen sich die Tourismusexperten vor Ort zu helfen. Mit gutem Beispiel voran ging Isny. Die Stadt reagiert auf die Vorfälle im neuen Allgäuer Feriendorf und bot den gestrandeten Gästen ihre Hilfe an. Es wurde eine extra Notfall-Homepage für Center Parcs Gäste eingerichtet. Unterkünfte werden vermittelt und alternative Programme erarbeitet. Hier zeigt das Allgäu sich von seiner besten Gastgeberseite und hält die Touristen in der Region.

Was die Auswirkungen auf den Dienstleistungssektor, die Wertschöpfung und die Kaufkraft in der Region angeht, wird es sich wohl in Grenzen halten. Zwar gibt es auch jene Touristen, die ihren Urlaub gar nicht erst antreten, doch der Park brachte 5.000 zusätzliche Betten in die Region.

Einen höheren Schaden richtete der Center Parcs beim Thema Fachkräfte an. Zwar ist der Park auch attraktiv für Fachpersonal aus anderen Regionen, die nach einer neuen Herausforderung suchen. Center Parcs zog aber auch teils Mitarbeiter von regionalen Betrieben und Einrichtungen ab, wie der Oberstdorf Therme. In einer umkämpften Branche, die bereits vorher händeringend nach Mitarbeitern suchte, verschärft der Park die Situation weiter.

Dass der Vorfall peinlich ist, lässt sich nicht leugnen. Schuld daran ist Center Parcs selbst. Der Park setzt nun alles daran, den Fehler auszubügeln, hält Kontakt zur Öffentlichkeit, schweigt es nicht tot. Damit bleibt das Allgäu weiter im Fokus der Medien, und wie der irische Schriftsteller Brendan Behan schon sagte: „Es gibt keine schlechte Publicity, außer deinem eigenen Nachruf“ – und vom Tod ist die Region noch Lichtjahre entfernt.

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