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Interview: AKW Gundremmingen geht 2021 vom Netz
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Interview: AKW Gundremmingen geht 2021 vom Netz

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Dr. Heiko Ringel, Leiter des Kernkraftwerks Gundremmingen. Foto: RWE Nuclear GmbH, Standort Gundremmingen
Von Laura Cedrone

Das letzte Jahr Stromproduktion im Kernkraftwerk Gundremmingen ist angebrochen. Dr. Heiko Ringel, Leiter der Anlage, erklärt im Interview, wie es mit den Mitarbeitern weitergeht und wie sich das Abschalten auf Bayerisch-Schwaben auswirken wird.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Seit 1967 ist das Kernkraftwerk im kommerziellen Betrieb. 2021 ist nun das letzte Jahr der Stromproduktion angebrochen. Wie ist die Stimmung vor Ort?

Dr. Heiko Ringel: In den vergangenen Jahren konnten wir uns glücklicherweise frühzeitig auf die Situation einstellen: Rückbau ist eine herausfordernde Aufgabe, für die engagierte und professionelle Experten mit Anlagenkenntnis benötigt werden. Die Stimmung in der Belegschaft ist gut und unsere Mitarbeiter sind motiviert, die neuen Aufgaben anzugehen. Sie haben erkannt: Das eigene Tätigkeitsbild wird sich in den kommenden Jahren immer wieder an die jeweilige Anlagensituation anpassen. Zudem ist für jeden einzelnen Mitarbeiter die Zukunft planbar. Wir wissen, wie lange der Rückbau dauern wird. Das ist eine Sicherheit für unsere Mitarbeiter, die viele andere Unternehmen so nicht bieten können.

Sie beginnen bereits vor der Abschaltung mit einem sogenannten Stretch-out-Betrieb. Weshalb?

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Mit der aktuellen Kernbeladung werden wir voraussichtlich im Oktober 2021 in den sogenannten Streckbetrieb gehen. Danach wird die Leistung kontinuierlich absinken, so dass wir den Block C zum Ende des Jahres bei einer Generatorleistung von etwa 80 Prozent endgültig – entsprechend Atomgesetz – abschalten. Technischer Hintergrund dieses Stretch-out-Betriebes: Jeder Produktionszyklus in einem Kernkraftwerk endet aufgrund des zur Neige gehenden Brennstoffs in einem solchen Streckbetrieb. Normalerweise müsste dann eine Revision folgen, in deren Kontext Brennstoff nachgeladen wird. Dann könnte der nächste Produktionszyklus folgen.

Wie geht es mit den Mitarbeitern weiter?

Die veränderte Anlagensituation hat auch Auswirkungen auf den Personalstand. Denn der sichere Rückbau erfordert deutlich weniger Mitarbeiter als der Leistungsbetrieb. Zum Anfang Januar 2020 waren 540 Mitarbeiter bei uns beschäftigt. Ende des Jahres 2022 planen wir mit rund 440. Mit Hilfe unserer Abbauplanung ermitteln wir, wie viele Mitarbeiter wir mit welchen Qualifikationen zu welcher Zeit für den Nachbetrieb und Rückbau der Anlage benötigen. Der Stellenabbau erfolgt sozialverträglich und unter Einbeziehung der Arbeitnehmervertreter.

Was ist mit den ganzen Abfällen geplant?

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Der überwiegende Teil der Abfälle beim Rückbau unterscheidet sich nicht von Material, das auch beim Abbruch anderer Industrieanlagen anfällt: Beton, Glas, Kabel, Stähle oder Kunststoff bilden mit rund 90 Prozent den Hauptanteil eines Kernkraftwerks. Für diese Abfälle gilt, was auch für Abfälle aus Privathaushalten gilt: Was immer recycelt werden kann, wird recycelt, der Rest wird konventionell entsorgt. Bei den Reststoffen aus dem Kontrollbereich eines Kernkraftwerkes – die nicht als radioaktiver Abfall einem Endlager zugeführt werden – gibt es dafür nach dem Freimessverfahren ausschließlich zwei Wege: Nach sogenannter uneingeschränkter Freigabe werden diese Stoffe in den Wertstoffkreislauf zurückgeführt oder konventionell entsorgt. Abfälle mit spezifischer Freigabe werden immer als Abfall klassifiziert und durch Verbrennung oder Deponierung beseitigt. Abfälle, die nicht freigegeben werden können, werden als radioaktiver Abfall fachgerecht verpackt und an den Bund zur Endlagerung übergeben.

Der Block B wurde bereits 2017 abgeschaltet. Wie läuft hier der Rückbau?

Dort werden gerade im konventionellen Bereich des Maschinenhauses Raumbereiche der Turbinenölsysteme abgebaut. Parallel dazu werden sukzessive eine Vielzahl von Systemen, sowohl in der Verfahrenstechnik als auch in der Mess-, Regel und Leittechnik, zunächst stillgelegt.

Wie viele Jahrzehnte wird es ungefähr dauern, bis keine Radioaktivität mehr in Gundremmingen nachzuweisen ist?

Unser erklärtes Ziel ist die Entlassung aus dem Atomgesetz – dieses wollen wir bis Mitte beziehungsweise Ende der 2030er Jahre sicher und effizient erreichen. Auf Basis des Atomgesetzes werden wir bis dahin die gesamte Anlage rückgebaut haben und aktivitätsfrei hinterlassen, stetig unter engmaschiger Kontrolle der Gutachter unserer zuständigen Aufsichtsbehörden.

Wie wird sich das Abschalten des Kernkraftwerks auf Bayerisch Schwaben auswirken?

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Grob geschätzt kann man mit der Leistung unseres Blockes C ständig die gesamte Stadt München mitsamt ihrem Umland sicher, verlässlich und klimafreundlich versorgen. Die jährliche Stromproduktion von Block C liegt bei rund 10 Milliarden Kilowatt pro Stunde. Es ist Aufgabe der Bundesnetzagentur und der Übertragungsnetzbetreiber die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Dass hier Handlungsbedarf – insbesondere in Süddeutschland – besteht, haben die Übertragungsnetzbetreiben erkannt und entsprechende besondere netztechnische Betriebsmittel ausgeschrieben.

Gibt es bereits Pläne für die zukünftige Nutzung des Areals?

Nach der Entlassung aus dem Atomgesetz werden hier die Gebäudehüllen konventionell zurückgebaut oder einer anderweitigen Nutzung zugeführt. Über die weitere Zukunft des Standorts wird dann zu gegebener Zeit entschieden. Hierbei werden wir selbstverständlich auch die politischen Stakeholder der Region frühzeitig einbinden.

Wenn das Kernkraftwerk sprechen könnte, welche Worte an die Region würde es unbedingt noch loswerden wollen?

Das Kernkraftwerk würde sagen: „Ich habe über Jahrzehnte zu einer sicheren und klimafreundlichen Stromversorgung in Bayern beigetragen. Mit der politischen Entscheidung, aus der Kernenergie auszusteigen, und meiner damit verbundenen Abschaltung wird dieses Kapitel beendet und eine motivierte und erfahrende Kraftwerksmannschaft wird mich verantwortungsbewusst und sicher zurückbauen. Als Partner habe ich über Jahrzehnte als Arbeitgeber, Ausbildungsbetrieb und Sponsor die Region Bayerisch Schwaben nachhaltig geprägt.“

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