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Anfang der Woche hat Ministerpräsident Dr. Markus Söder (CSU) bekanntgegeben, dass der erste Fusionsreaktor Deutschlands in Gundremmingen entstehen soll – auf dem Gelände des ehemaligen Atomkraftwerks, dessen Kühltürme im Oktober 2025 gesprengt wurden.
Neben dem ersten Fusionsreaktor Deutschlands könnte es sich bei der Anlage auch um die erste weltweit handeln, denn Fusionsenergie als nennenswerte Energiequelle gibt es bisher nur in der Theorie.
Bei der Kernfusion verschmelzen zwei leichte Atomkerne, zum Beispiel Deuterium und Tritium, zu einem schwereren Kern. Der entstehende Kern hat insgesamt weniger Masse als die beiden Ausgangskerne zusammen. Durch diesen Massenunterschied wird Energie freigesetzt. Bei der D‑T‑Fusion entstehen ein Heliumkern und ein Neutron: Das Neutron trägt den Großteil der Energie, die in Wärme umgewandelt und anschließend über Wärmetauscher und Turbine zu Strom gemacht werden soll.
Technisch wird hierfür ein extrem heißes Fusionsplasma (bei Deuterium-Tritium über 100 Millionen °C) benötigt, das unter hohem Druck die Kernfusion auslöst. In Labortests hat das Verfahren in vergangenen Jahren erste Erfolge gezeigt, die Erzeugung nennenswerter Energiemengen ist bisher jedoch nicht gelungen. Dementsprechend ist auch noch nicht konkret abzusehen, wie lange es dauert, bis ein Fusionskraftwerk in Betrieb genommen werden kann, welches eine Region großflächig und stabil mit Strom versorgt. Schätzungen liegen zwischen 20 und 50 Jahren.
Kernfusion gilt als Energiequelle der Zukunft, da, sobald das Verfahren konstant reproduziert und damit skaliert werden kann, kaum radioaktiver Müll entsteht. Die Frage nach einem Endlager erübrigt sich also. Der Günzburger Landrat Hans Reichhart erklärt: „Unsere Region liefert mit diesem Projekt die Antwort auf die entscheidenden Energiefragen der Zukunft. Der Magnetfusionsreaktor verspricht eine CO₂-freie und grundlastfähige Energiequelle, die langfristig für stabile Energiepreise sorgen wird – ein unschätzbarer Vorteil für unsere Bürgerinnen und Bürger sowie die lokale Wirtschaft.“ Landtagsabgeordnete Jenny Schack (CSU) ergänzt: „Mit der Entscheidung für die Magnetfusion setzen wir auf eine innovative Technologie, die höchste Sicherheitsstandards mit klimaschonender Energieerzeugung vereint. Die Magnetfusion bietet uns grundlastfähigen Strom, ohne das ungelöste Problem der Endlagerung an die nächste Generation weiterzureichen.“
Auf dem AKW-Areal sind noch weitere Projekte geplant: Der bisher größte Batteriespeicher Deutschlands entsteht dort aktuell bereits, ein Gaskraftwerk sowie ein Solarpark seien ebenfalls in der Planung.
Laut den Beteiligten sei die Entscheidung für Deutschlands erstes Fusionskraftwerk nach jahrelanger Planung auf Gundremmingen gefallen. Neben dem Energiebetreiber RWE sei man hierfür auch in regem Austausch mit Universitäten und Hochschulen sowie Unternehmen und Start-ups der Region gewesen. Gundremmingens Bürgermeister Tobias Bühler betont: „Nach dem Ende der Kernenergie haben wir bewusst nach vorne geschaut. Die Entscheidung für Gundremmingen ist ein starkes Signal: Wir sichern hochqualifizierte Arbeitsplätze, nutzen unsere bestehende Infrastruktur und leisten einen aktiven Beitrag zu sauberem, verlässlichem und CO₂-freiem Strom. Das ist eine große Chance – für unsere Gemeinde und für die nächste Generation.“
Der Plan, zeitnah ein erstes Fusionskraftwerk zu bauen, reiht sich nahtlos in einen Aktionsplan der Bundesregierung ein. Der Aktionsplan Fusion, der im Oktober 2025 von Dorothee Bär (CSU), Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, vorgestellt wurde, sieht eine Förderung von mehr als zwei Milliarden Euro für Fusionsforschung vor. Auch haben sich bereits mehrere Bundesländer zu einer „Fusionsallianz“ zusammengeschlossen, um die Technologie voranzutreiben.