Krisenmanagement

Interview: Agentur für Arbeit Donauwörth zieht Corona-Fazit

Ein Jahr Pandemie liegt hinter Bayerisch-Schwaben. Und damit ein Jahr Krise. Richard Paul, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Donauwörth, schätzt im Interview die Lage ein – und gibt einen Ausblick auf die kommenden Monate.

Herr Paul, wir blicken auf ein Jahr Corona-Pandemie zurück. Welche Auswirkungen hatte das auf den Arbeitsmarkt

Richard Paul: Wir hatten im Frühjahr 2020 im Grunde über Nacht eine historisch einzigartige Situation bei Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit, deren Dimension alles in den Schatten gestellt hat, was wir bisher aus Krisen kannten. Über die Sommermonate zeichnete sich eine deutliche Erholung ab. Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit sanken, die Beschäftigung hat wieder etwas an Fahrt aufgenommen. Mit dem 2. Lockdown ab Mitte Dezember wurde diese Entwicklung gebremst und abgeschwächt. Aber es gab bei Weitem keinen Einbruch wie im Frühjahr des vergangenen Jahres.

Gibt es diesmal Unterschiede?

Die gibt es. Gründe dafür sind unter anderem, dass diesmal nur bestimmte Branchen besonders betroffen sind, während im Frühjahr 2020 nahezu alle Wirtschaftsbereiche massiv eingeschränkt waren, zum Beispiel wegen unterbrochener, weltweiter Lieferketten. Zudem trägt die Kurzarbeit wesentlich dazu bei, den Arbeitsmarkt zu stabilisieren und hilft den Unternehmen die Beschäftigten zu halten. Dennoch hat die Pandemie nachhaltige Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen, das ist klar erkennbar. Die Arbeitslosigkeit ist insgesamt deutlich höher als vor einem Jahr und die Nachfrage nach Arbeitskräften sehr verhalten.

Was kostet die Bewältigung der Krise der Arbeitsagentur?

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Thema Nummer 1 war vergangenes Jahr die Kurzarbeit. Sie trägt in einem nie dagewesenen Maße zur Sicherung der Beschäftigung bei. Im Jahr 2020 wurde dafür sehr viel Geld aufgewendet. So zahlte die Agentur Donauwörth beachtliche 73 Millionen Euro für Kurzarbeitergeld aus und es wurden über 54 Millionen Euro Sozialversicherungsbeiträge erstattet. Ein Jahr zuvor waren es insgesamt lediglich 3,6 Millionen Euro. Diese Entwicklung zeigt, dass Instrumente wie das Kurzarbeitergeld greifen und einen wesentlichen Beitrag zur sozialen Absicherung der Menschen beitragen. Ebenso sind die Ausgaben für das Arbeitslosengeld I sind um 46,5 Prozent gestiegen. In gesamten Jahr 2020 wurden 115 Millionen Euro Arbeitslosengeld I inclusive Sozialversicherungsbeiträgen ausbezahlt.

Wie lange dauert im Schnitt die Auszahlung von Kurzarbeitergeld?

Vor Krisenbeginn lag der übliche Standard bei 15 Arbeitstagen. Mit Beginn der Corona-Pandemie dauerte es kurzfristig etwas länger, weil der Personalstand erst hochgefahren und geschult werden musste. Aber nach wenigen Wochen haben wir es geschafft, sogar schneller als üblich zu sein und seither dauert die Bearbeitung in der Regel fünf bis acht Tage.

Gibt es deshalb auch Änderungen in Ihren Dienststellen?

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Da unsere Häuser zum Teil für den Publikumsverkehr geschlossen wurden, wurde die Telefonie deutlich ausgeweitet. Durch die Bereitstellung von zusätzlichen lokalen Rufnummern konnten wir sicherstellen, dass uns die Menschen trotzdem gut erreichen. Auch hierfür wurden aus allen Teams Mitarbeiter/innen abgezogen.

Gibt es auch positive Effekte durch die Krise?

Corona hat auch in der Bundesagentur für Arbeit die Digitalisierung massiv beschleunigt. So entfällt aktuell zum Beispiel durch das Selfie-Ident-Verfahren die persönliche Vorsprache zur Identifizierung bei der Antragstellung auf Arbeitslosengeld. Viele unserer elektronischen Services wurden verbessert und ausgeweitet.

Was heißt das konkret?

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Chat-Bots helfen beim Ausfüllen von Formularen und Anträgen. In der Berufsberatung und der Arbeitsvermittlung haben unsere Kunden jetzt die Möglichkeit, sich per Videochat mit ihrem Berater auszutauschen, da die Gelegenheit zu persönlichen Gesprächen oftmals nicht gegeben ist. Interne Besprechungen und Schulungen unserer Mitarbeiter werden online abgehalten.

Grundsätzlich bleibt die Krise aber was sie ist: Eine Krise. Wie sind die weiteren Aussichten?

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben die negativen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt verstärkt und beschleunigt. Bereits seit beinah zwei Jahren beobachten wir eine konjunkturelle Eintrübung in bestimmten Branchen. Betriebe haben Stellen abgebaut oder nutzten Kurzarbeit. Ebenso sind strukturelle Veränderungen im Gange. Technischer Fortschritt und die zunehmende Digitalisierung erfordern Anpassungen, um als Unternehmen zukunftssicher zu bestehen. Die Deckung und Sicherung des Fachkräftebedarfes wird dabei ein großes Thema bleiben.

Wie kann das bewerkstelligt werden?

Ein wichtiger Pfeiler bei der Fachkräftesicherung ist die betriebliche Ausbildung der eigenen Nachwuchskräfte. Zum Glück haben dies die Firmen in unserer Region erkannt und halten trotz Pandemie daran fest. In anderen Regionen sind die Stellenmeldungen besorgniserregend zurückgegangen.

Was kann die Politik machen?

Um die negativen Folgen der Corona-Pandemie auf den Ausbildungsmarkt abzufedern, hat die Bundesregierung letztes Jahr ein Hilfsprogramm beschlossen, bei dem kleine und mittelständische Unternehmen durch Ausbildungsprämien gefördert werden, die das Ausbildungsniveau halten oder sogar erhöhen. Eine Verlängerung und Ausweitung der Förderung wird erwartet.

Und was können die Unternehmen der Region machen?

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Qualifizierung der Beschäftigten aus dem eigenen Betrieb. In den neuen Technologien liegen viele unternehmerische Chancen, aber auch Herausforderungen. Neue Tätigkeitsfelder entstehen, Berufe verändern sich. Für die Unternehmen ist es von enormer Wichtigkeit, das Wissen und die Fähigkeiten der Beschäftigten anzupassen und auszubauen. Übrigens kann auch die Zeit in Kurzarbeit für die Qualifizierung von Beschäftigten genutzt werden!

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Ein Jahr Pandemie liegt hinter Bayerisch-Schwaben. Und damit ein Jahr Krise. Richard Paul, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Donauwörth, schätzt im Interview die Lage ein – und gibt einen Ausblick auf die kommenden Monate.

Herr Paul, wir blicken auf ein Jahr Corona-Pandemie zurück. Welche Auswirkungen hatte das auf den Arbeitsmarkt

Richard Paul: Wir hatten im Frühjahr 2020 im Grunde über Nacht eine historisch einzigartige Situation bei Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit, deren Dimension alles in den Schatten gestellt hat, was wir bisher aus Krisen kannten. Über die Sommermonate zeichnete sich eine deutliche Erholung ab. Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit sanken, die Beschäftigung hat wieder etwas an Fahrt aufgenommen. Mit dem 2. Lockdown ab Mitte Dezember wurde diese Entwicklung gebremst und abgeschwächt. Aber es gab bei Weitem keinen Einbruch wie im Frühjahr des vergangenen Jahres.

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Die gibt es. Gründe dafür sind unter anderem, dass diesmal nur bestimmte Branchen besonders betroffen sind, während im Frühjahr 2020 nahezu alle Wirtschaftsbereiche massiv eingeschränkt waren, zum Beispiel wegen unterbrochener, weltweiter Lieferketten. Zudem trägt die Kurzarbeit wesentlich dazu bei, den Arbeitsmarkt zu stabilisieren und hilft den Unternehmen die Beschäftigten zu halten. Dennoch hat die Pandemie nachhaltige Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen, das ist klar erkennbar. Die Arbeitslosigkeit ist insgesamt deutlich höher als vor einem Jahr und die Nachfrage nach Arbeitskräften sehr verhalten.

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Wie lange dauert im Schnitt die Auszahlung von Kurzarbeitergeld?

Vor Krisenbeginn lag der übliche Standard bei 15 Arbeitstagen. Mit Beginn der Corona-Pandemie dauerte es kurzfristig etwas länger, weil der Personalstand erst hochgefahren und geschult werden musste. Aber nach wenigen Wochen haben wir es geschafft, sogar schneller als üblich zu sein und seither dauert die Bearbeitung in der Regel fünf bis acht Tage.

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Corona hat auch in der Bundesagentur für Arbeit die Digitalisierung massiv beschleunigt. So entfällt aktuell zum Beispiel durch das Selfie-Ident-Verfahren die persönliche Vorsprache zur Identifizierung bei der Antragstellung auf Arbeitslosengeld. Viele unserer elektronischen Services wurden verbessert und ausgeweitet.

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Grundsätzlich bleibt die Krise aber was sie ist: Eine Krise. Wie sind die weiteren Aussichten?

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben die negativen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt verstärkt und beschleunigt. Bereits seit beinah zwei Jahren beobachten wir eine konjunkturelle Eintrübung in bestimmten Branchen. Betriebe haben Stellen abgebaut oder nutzten Kurzarbeit. Ebenso sind strukturelle Veränderungen im Gange. Technischer Fortschritt und die zunehmende Digitalisierung erfordern Anpassungen, um als Unternehmen zukunftssicher zu bestehen. Die Deckung und Sicherung des Fachkräftebedarfes wird dabei ein großes Thema bleiben.

Wie kann das bewerkstelligt werden?

Ein wichtiger Pfeiler bei der Fachkräftesicherung ist die betriebliche Ausbildung der eigenen Nachwuchskräfte. Zum Glück haben dies die Firmen in unserer Region erkannt und halten trotz Pandemie daran fest. In anderen Regionen sind die Stellenmeldungen besorgniserregend zurückgegangen.

Was kann die Politik machen?

Um die negativen Folgen der Corona-Pandemie auf den Ausbildungsmarkt abzufedern, hat die Bundesregierung letztes Jahr ein Hilfsprogramm beschlossen, bei dem kleine und mittelständische Unternehmen durch Ausbildungsprämien gefördert werden, die das Ausbildungsniveau halten oder sogar erhöhen. Eine Verlängerung und Ausweitung der Förderung wird erwartet.

Und was können die Unternehmen der Region machen?

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Qualifizierung der Beschäftigten aus dem eigenen Betrieb. In den neuen Technologien liegen viele unternehmerische Chancen, aber auch Herausforderungen. Neue Tätigkeitsfelder entstehen, Berufe verändern sich. Für die Unternehmen ist es von enormer Wichtigkeit, das Wissen und die Fähigkeiten der Beschäftigten anzupassen und auszubauen. Übrigens kann auch die Zeit in Kurzarbeit für die Qualifizierung von Beschäftigten genutzt werden!

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