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In Bayerisch-Schwaben ist eine wichtige neue Energieverbindung in Betrieb gegangen: Die Pipeline „Augusta“ verläuft auf rund 41 Kilometern Länge von Wertingen im Landkreis Dillingen bis nach Kötz im Landkreis Günzburg. Sie ergänzt eine bereits bestehende Leitung und soll künftig größere Mengen Gas transportieren können.
Der Hintergrund: Der Energiebedarf bleibt hoch, gleichzeitig entstehen neue Kraftwerksprojekte in der Region. In Leipheim und Gundremmingen etwa sind flexible Gaskraftwerke geplant, die einspringen sollen, wenn erneuerbare Energien zeitweise nicht genügend Strom liefern. Die zusätzliche Pipeline soll sicherstellen, dass ausreichend Gas zur Verfügung steht. Der Bau der Leitung war ein komplexes Infrastrukturprojekt. Bahnlinien und Autobahnen mussten unterquert werden, zudem waren Gespräche mit mehr als 300 Grundstückseigentümern notwendig. Landwirte erhielten Entschädigungen für mögliche Ernteausfälle während der Bauarbeiten.
Die Pipeline „Augusta“ wird in das bestehende Gastransportsystem integriert. Dieses Netz wird vom Unternehmen Bayernets betrieben und umfasst in Südbayern rund 1.700 Kilometer Leitungen. Insgesamt wurden für die neue Trasse etwa 2.400 Stahlrohre verlegt. Die Investitionskosten belaufen sich auf rund 180 Millionen Euro. Neben der Versorgung Bayerns kann die Leitung künftig auch eine Verbindung zu Gasspeichern im südbayerischen Raum sowie in Salzburg herstellen und damit zur Stabilität der Energieversorgung beitragen. Gerade in geopolitisch unsicheren Zeiten gewinnt diese Infrastruktur an Bedeutung. Eine leistungsfähige Gasversorgung gilt weiterhin als wichtiger Baustein für die Energiesicherheit.
Auch wenn der Ausbau erneuerbarer Energien voranschreitet, wird Erdgas in den kommenden Jahren weiterhin eine Rolle spielen. Vor allem dann, wenn Wind und Sonne zeitweise wenig Energie liefern. Flexible Gaskraftwerke können in solchen Situationen kurzfristig Strom erzeugen und damit Schwankungen im Energiesystem ausgleichen. In Bayern wird deshalb in den kommenden Jahren zusätzliche Kraftwerkskapazität aufgebaut.
Langfristig richtet sich der Blick jedoch bereits auf die nächste Entwicklungsstufe der Energieversorgung. Die Pipeline „Augusta“ ist deshalb von Anfang an „H₂-ready“ gebaut worden. Denn sie kann künftig auch Wasserstoff transportieren. Damit soll sie perspektivisch Teil einer Infrastruktur werden, die klimafreundlichen Wasserstoff verteilt. Dieser gilt als wichtiger Energieträger für Industrie und Energieversorgung, insbesondere dort, wo eine direkte Elektrifizierung schwierig ist. Der Übergang dürfte allerdings schrittweise erfolgen. Fachleute gehen davon aus, dass Gas und Wasserstoff über längere Zeit parallel genutzt werden. Mit zwei Leitungen könnte künftig beispielsweise eine Pipeline Gas transportieren, während die andere für Wasserstoff genutzt wird.
Interessant ist dabei auch der historische Blick: Die erste Leitung zwischen Wertingen und Kötz wurde in den 1960er Jahren ursprünglich als Ölpipeline gebaut. Heute transportiert sie Gas und künftig könnte durch die Region Wasserstoff fließen. Die neue Pipeline zeigt damit exemplarisch, wie sich Energieinfrastruktur im Laufe der Zeit verändert. Während sie kurzfristig die Versorgung stabilisieren soll, ist sie gleichzeitig bereits auf die Anforderungen einer klimaneutralen Energiezukunft vorbereitet.