Kommentar

Wird das Drei Mohren für seine Tradition bestraft?

Das Steigenberger Hotel Drei Mohren Augsburg. Foto: B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
Die Jugendgruppe von Amnesty International will das Hotel „Drei Mohren“ umbenennen. Die Kampagne schießt jedoch am Ziel vorbei. Zeit und Energie wären an anderer Stelle sinnvoller genutzt.

Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis solch eine Petition startete. Wirklich gewundert hat es wohl die wenigsten, denn seit geraumer Zeit stört sich die Gesellschaft an fast allem. Sei es „Fuchs du hast die Gans gestohlen“, dem Veganern in Limburg für ein paar Tage den Ton abgedreht haben oder Frauen, die sich bei dem Wort „Kunde“ nicht angesprochen fühlen. Da war es nur ein kleiner Schritt, bis auch das „Drei Mohren“ aneckte – nach gut 500-jähriger Geschichte.

Amnesty International tritt für Menschenrechte ein, für Meinungsfreiheit, für den Schutz von Leib und Leben. Sei es bei der Beschneidung von Mädchen in Afrika, der Seerettung von Flüchtlingen im Mittelmeer oder der Verfolgung von Homosexuellen. Die Jugendgruppe des Vereins verfolgt die gleichen Ziele – eigentlich. Beim Blick auf die aktuell laufende Petition „Umbenennung des Hotels ‚Drei Mohren‘ in Augsburg“ stellt sich jedoch die Frage, ob es diesen Sommer wirklich kein anderes Problem auf dieser Welt gibt, gegen das es sich zu kämpfen lohnt. Als Gegenvorschlag wurde „Drei Möhren“ angegeben. Ebenfalls nicht ganz unproblematisch, denn Möhren sind die Kurzform von Mohrrüben.

Wenn das „Drei Mohren“ so ein Problem ist, was ist dann mit dem Haus „Im Mohren“ in Bonn? Oder dem „Haus zum Mohren“ in Aachen? Der Mohrenbrauerei aus Österreich? Dem Bier „Kleiner Mohr“ von Thorbräu? Der Gemeinde Mohrenhausen im Unterallgäu? Lauingen wird auch die Mohrenstadt genannt. Mohr ist zudem ein verbreiteter Familienname. All diese Orte und Namen eint ein gemeinsamer Nenner: die Historie.

Der Name Mohr beruht bei all diesen Beispielen auf historischer Tradition. Um beim Augsburger Hotel zu bleiben: Hier nächtigten der Geschichte nach 1495 drei Abessinische Mönche über den Winter beim Gastwirt Minner. Dieser ließ vor ihrer Abreise ihr Bildnis auf eine Tafel malen und hängte sie als Gasthausschild auf. Seither nächtigten über die Jahrhunderte zahlreiche Kaiser, Könige, Herrscher und Gelehrte dort. Den Namen zu ändern hieße also auch, einem Stück Geschichte den Rücken zu kehren.

Gelänge das Vorhaben, wäre es bestenfalls ein Pyrrhussieg auf Kosten des Unternehmens, das für seine Tradition bestraft wird. Denn: Was ist mit Folgekosten? Einen bekannten (Marken)Namen zu ändern, ist nicht billig. Den neuen Namen etablieren, Berufskleidung, Werbemittel und Druckutensilien neu anschaffen, ein Logo designen… Wer kommt hierfür auf? Wohl kaum der Verein, dessen Name für Straferlass und Begnadigung steht.

Die wohl drängendste Frage ist jedoch: Wird hier Rassismus bekämpft, oder nur Publicity gesucht? Auf den Alternativ-Vorschlag trifft dies gewiss zu. Der Verein gab zu, dass „(…)‚Drei Möhren‘ zur Verbreitung unserer Idee dienen(…)“. Doch welcher Idee? Einem Unternehmen Schaden zufügen zu wollen, dass nichts für seinen Namen kann? Politisch korrekte Sprache komme was wolle überall dort, wo Interpretationsspielraum herrscht? Laut Aussage der Gruppe geht es bei der Umbenennung um die „Aufarbeitung des deutschen Kolonialismus“. Nur, dass der Name geschichtlich nicht hierauf beruht.

Den aktuell rund 330 Befürwortern stellen sich in einer Gegenpetition 128 Menschen entgegen, die so ihre Solidarität ausdrücken wollen. Auch sie sehen hier viel mehr eine übertriebene poltische Korrektheit, als echten offenen Rassismus. Eines muss man dem Möhren-Vorschlag abschließend aber lassen – er würde unser Maiskolben-Gebäude prima ergänzen.

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Wird das Drei Mohren für seine Tradition bestraft?

Das Steigenberger Hotel Drei Mohren Augsburg. Foto: B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
Die Jugendgruppe von Amnesty International will das Hotel „Drei Mohren“ umbenennen. Die Kampagne schießt jedoch am Ziel vorbei. Zeit und Energie wären an anderer Stelle sinnvoller genutzt.

Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis solch eine Petition startete. Wirklich gewundert hat es wohl die wenigsten, denn seit geraumer Zeit stört sich die Gesellschaft an fast allem. Sei es „Fuchs du hast die Gans gestohlen“, dem Veganern in Limburg für ein paar Tage den Ton abgedreht haben oder Frauen, die sich bei dem Wort „Kunde“ nicht angesprochen fühlen. Da war es nur ein kleiner Schritt, bis auch das „Drei Mohren“ aneckte – nach gut 500-jähriger Geschichte.

Amnesty International tritt für Menschenrechte ein, für Meinungsfreiheit, für den Schutz von Leib und Leben. Sei es bei der Beschneidung von Mädchen in Afrika, der Seerettung von Flüchtlingen im Mittelmeer oder der Verfolgung von Homosexuellen. Die Jugendgruppe des Vereins verfolgt die gleichen Ziele – eigentlich. Beim Blick auf die aktuell laufende Petition „Umbenennung des Hotels ‚Drei Mohren‘ in Augsburg“ stellt sich jedoch die Frage, ob es diesen Sommer wirklich kein anderes Problem auf dieser Welt gibt, gegen das es sich zu kämpfen lohnt. Als Gegenvorschlag wurde „Drei Möhren“ angegeben. Ebenfalls nicht ganz unproblematisch, denn Möhren sind die Kurzform von Mohrrüben.

Wenn das „Drei Mohren“ so ein Problem ist, was ist dann mit dem Haus „Im Mohren“ in Bonn? Oder dem „Haus zum Mohren“ in Aachen? Der Mohrenbrauerei aus Österreich? Dem Bier „Kleiner Mohr“ von Thorbräu? Der Gemeinde Mohrenhausen im Unterallgäu? Lauingen wird auch die Mohrenstadt genannt. Mohr ist zudem ein verbreiteter Familienname. All diese Orte und Namen eint ein gemeinsamer Nenner: die Historie.

Der Name Mohr beruht bei all diesen Beispielen auf historischer Tradition. Um beim Augsburger Hotel zu bleiben: Hier nächtigten der Geschichte nach 1495 drei Abessinische Mönche über den Winter beim Gastwirt Minner. Dieser ließ vor ihrer Abreise ihr Bildnis auf eine Tafel malen und hängte sie als Gasthausschild auf. Seither nächtigten über die Jahrhunderte zahlreiche Kaiser, Könige, Herrscher und Gelehrte dort. Den Namen zu ändern hieße also auch, einem Stück Geschichte den Rücken zu kehren.

Gelänge das Vorhaben, wäre es bestenfalls ein Pyrrhussieg auf Kosten des Unternehmens, das für seine Tradition bestraft wird. Denn: Was ist mit Folgekosten? Einen bekannten (Marken)Namen zu ändern, ist nicht billig. Den neuen Namen etablieren, Berufskleidung, Werbemittel und Druckutensilien neu anschaffen, ein Logo designen… Wer kommt hierfür auf? Wohl kaum der Verein, dessen Name für Straferlass und Begnadigung steht.

Die wohl drängendste Frage ist jedoch: Wird hier Rassismus bekämpft, oder nur Publicity gesucht? Auf den Alternativ-Vorschlag trifft dies gewiss zu. Der Verein gab zu, dass „(…)‚Drei Möhren‘ zur Verbreitung unserer Idee dienen(…)“. Doch welcher Idee? Einem Unternehmen Schaden zufügen zu wollen, dass nichts für seinen Namen kann? Politisch korrekte Sprache komme was wolle überall dort, wo Interpretationsspielraum herrscht? Laut Aussage der Gruppe geht es bei der Umbenennung um die „Aufarbeitung des deutschen Kolonialismus“. Nur, dass der Name geschichtlich nicht hierauf beruht.

Den aktuell rund 330 Befürwortern stellen sich in einer Gegenpetition 128 Menschen entgegen, die so ihre Solidarität ausdrücken wollen. Auch sie sehen hier viel mehr eine übertriebene poltische Korrektheit, als echten offenen Rassismus. Eines muss man dem Möhren-Vorschlag abschließend aber lassen – er würde unser Maiskolben-Gebäude prima ergänzen.

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