Kommentar

Genderisierung: Ist Muttersprache im Vaterland noch modern?

Symbolbild. Überweisungsanträge der Sparkassen ohne Gender. Foto: Iris Zeilnhofer/B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
Die Sparkasse wird wegen maskulin formulierten Formularen angeklagt, eine Gleichstellungsbeauftragte will die Nationalhymne ändern. Wie weit darf Genderisierung gehen?

Wenn Sie Google fragen, wie viele Gender es gibt, lautet die Antwort 60. In deutschen Pässen ist mittlerweile ein drittes Geschlecht anerkannt. Das entschied der Bundesgerichtshof letztes Jahr. Dieser verhandelt nun über die Begriffe „Kunde“ und „Inhaber“ auf Sparkassenformularen. Laut Klägerin sprechen diese nur Männer an. Fehlen Frauen in der Geschäfts-Sprache?

Wer eine Stelle ausschreibt, sucht nicht nur Mitarbeiter, sondern auch Mitarbeiterinnen. Magazine sprechen Leser und Leserinnen an. An der Uni promovieren Doktoren und Doktorinnen. Warum in Banken dann nur Kunden begrüßen? Ganz einfach: Der Begriff schließt Frauen nicht aus. Im Gegenteil: Er schließt jeden mit ein, ganz neutral.

Das bestätigte auch die Kreissparkasse Augsburg: Mit „Kunde“ seien alle angesprochen. Der Aufwand, alle schriftlichen Dokumente umzustellen, sei enorm. Ähnliches berichtet die Stadtsparkasse Augsburg. Über 800 Vordrucke für verschiedene Verträge gibt es. Auf beiden Vertrags-Seiten können sich ein oder mehrere Männer oder Frauen oder Personen beiderlei Geschlechts befinden. Eine kaum überschaubare Vielzahl denkbarer Konstellationen. Verträge würden nur noch komplexer werden. Hinzu kommt das anerkannte dritte Geschlecht. Mit Kundin und Inhaberin ist es nicht getan: Wer Frau und Mann anspricht, müsste auch das Es benennen. Oder eines der anderen 57 Gender, wenn man Google glaubt.

Beschwerden hat es bei beiden Banken bisher nicht gegeben. Das Thema sei erst mit der Klage aufgekommen. Ein allgemeines Problem scheint es also nicht zu sein. Dennoch bewegt „Gender“ immer wieder die Gemüter. Betroffen ist aktuell nicht nur das Bankwesen:

Kristin Rose-Möhring, Gleichstellungsbeauftragte des Bundesfamilienministeriums, schlägt vor, die deutsche Nationalhymne zu ändern. Heimat- statt Vaterland, brüderlich durch couragiert ersetzen. Sicher – bisher nur ein Vorschlag. Doch er lässt sich weiterspinnen: Sportler spielen nicht mehr in Mannschaften, zu Weihnachten gibt es keine Lebkuchenmänner mehr, ganz zu schweigen von Schneemännern. Tochterunternehmen gehören nicht länger zu Mutterkonzernen.

Den meisten ist das am Ende aber wohl doch egal: Im Einzelhandel ist der Kunde König. Im Hotel ist er Gast. Ein Paket geht an einen Empfänger. Doch Frauen shoppen weiter, schlafen in Hotels und nehmen Päckchen an. Warum? Weil ein Name personalisiert, nicht die weibliche Ansprache. Übertriebene Genderisierung stigmatisiert, stellt heraus, dass es eine Rolle spielt ob männlich oder weiblich. Gleichberechtigung sieht anders aus.

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