Interview

Wie muss eine moderne Ausbildung aussehen, Oliver Heckemann?

Am 1. September starten viele Jugendliche in der Region ihre Ausbildung. Wir haben bei Oliver Heckemann von der IHK Schwaben nachgefragt, was ein Unternehmen jungen Leuten bieten muss und was die IHK gegen unbesetzte Lehrstellen unternimmt.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Was raten Sie Mittelständlern, um Azubis für sich zu gewinnen?

Oliver Heckemann: Wir von der IHK Schwaben raten ganz klar dazu, dass Azubi-Marketing zu intensivieren und den ganzen Prozess des Recruitings zu optimieren. Ist das Bewerberverfahren auf den Azubi zugeschnitten? Wie ist die Ausschreibung formuliert?

Ganz wichtig ist, genügend Praktikumstellen anzubieten. Das ist immer noch DAS erfolgreichste Instrument. Wer ein Praktikum gemacht hat, weiß danach ganz genau, ob die Ausbildung für ihn passt oder nicht. Die Jugendlichen tauschen sich auch gegenseitig über ihre Erfahrungen aus. Ein Unternehmen kann sich so positiv hervorheben.

Was muss ein Unternehmen jungen Leuten bieten können?

Die Unternehmen müssen sich auf die Generation Z einstellen. Dazu gehören Jugendliche, die nach 1995 geboren sind. Diese jungen Leute sind anders als ihre Vorgänger, die Generation X, nicht mehr bereit, unheimlich lange zu arbeiten und Überstunden zu machen. Sie wollen eine klare Trennung zwischen Beruflichem und Privatem. Die Generation Z fragt auch sehr stark nach dem Sinn, ihre Arbeit muss sie daher erfüllen. Nur so können sie sich mit ihr identifizieren.

Eine New York Umgebung kommt da sehr gut an, darauf sollten sich die Unternehmen einstellen. Diese jungen Leute arbeiten sehr gerne miteinander, da bieten sich gemeinsame Azubi-Projekte an. Das bietet große Chancen für Unternehmen. 

Wie sieht eine moderne Ausbildung aus?

Eine duale Ausbildung hat den großen Vorteil, dass es sowohl für den Betrieb als auch für die Schule nur einen sogenannten Rahmenausbildungsplan beziehungsweise -lehrplan gibt. Daher ist der individuelle Ausbildungsplan von enormer Bedeutung. Die Unternehmen müssen die Azubis auf das Arbeiten 4.0 vorbereiten. Deshalb ist es am besten, den jungen Leuten interdisziplinäre Projekte machen zu lassen. Die  Generation Z ist die erste, die komplett mit Smartphones aufgewachsen ist. Sie haben bei vielen Fragen eine natürliche Affinität zu Medien und setzen neue Technologien und neues Wissen nahezu selbstverständlich ein. Dennoch sollten Unternehmen den Azubis je nach Kompetenzen und Fähigkeiten Zusatzqualifikation anbieten. Wer enorm punkten möchte, sollte seinen Azubis einen Auslandsaufenthalt ermöglichen.

Immer mehr Azubis brechen ihre Ausbildung ab. Was sind die Gründe dafür?

In Bayerisch-Schwaben haben wir ziemlich konstant über die drei Jahre Ausbildung hinweg eine Quote von 20 Prozent. 10 Prozent davon spielen sich in den ersten vier Monaten ab. Darin spiegelt sich die Hauptursache wider: Das Problem sind unklare Berufsvorstellungen. Deshalb müssen die Unternehmen und wir als IHK die Berufsorientierung weiter optimieren und sie lebendiger machen. Nur so erreich die Betriebe den Kopf und das Herz der jungen Leute.

Was unternimmt die IHK dagegen?

Wir setzen ganz stark auf Schulpartnerschaften. Diese machen das Thema Berufsorientierung lebendig. Zu der Kooperation gehören zum Beispiel Unternehmensbesichtigungen sowie gemeinsame Projekte zwischen Azubis und Schülern.

Viele Lehrstellen bleiben unbesetzt. Wie reagieren Sie als IHK darauf?

Wir versuchen auch nach dem Ausbildungsstart für junge Leute einen Ausbildungsplatz zu finden. Einige Stellen werden jedoch unbesetzt bleiben, da der Fachkräftemangel dieses Jahr deutlich spürbar ist.

Fördert die Akademisierung den Fachkräftemangel?

Der Trend zu einer höheren Schulbildung und zu einem Hochschulstudium direkt nach der Schule ist eine große Herausforderung. Das führt dazu, dass weniger für den Ausbildungsmarkt zur Verfügung stehen. Unsere Botschaft als IHK ist ganz klar: Der Einstieg mit einer dualen Ausbildung ist nie ein Fehler. Danach ist immer noch ein berufsbegleitendes Hochschulstudium möglich.

Steigende Studierendenzahlen haben auch mehr Studienabbrecher zur Folge. Wie wollen Sie diese für eine duale Ausbildung gewinnen?

Wir haben hier den Ansatz „Steig um statt aus“, den wir an der Hochschule Augsburg testen. Wir wollen so die jungen Leute, die gerade ihr Studium angefangen haben, für eine Ausbildung gewinnen. Bei den Firmen sind diese sehr beliebt, da sie qualifiziert sind und den Eifer haben, die Ausbildung durchzuziehen.

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Am 1. September starten viele Jugendliche in der Region ihre Ausbildung. Wir haben bei Oliver Heckemann von der IHK Schwaben nachgefragt, was ein Unternehmen jungen Leuten bieten muss und was die IHK gegen unbesetzte Lehrstellen unternimmt.

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Oliver Heckemann: Wir von der IHK Schwaben raten ganz klar dazu, dass Azubi-Marketing zu intensivieren und den ganzen Prozess des Recruitings zu optimieren. Ist das Bewerberverfahren auf den Azubi zugeschnitten? Wie ist die Ausschreibung formuliert?

Ganz wichtig ist, genügend Praktikumstellen anzubieten. Das ist immer noch DAS erfolgreichste Instrument. Wer ein Praktikum gemacht hat, weiß danach ganz genau, ob die Ausbildung für ihn passt oder nicht. Die Jugendlichen tauschen sich auch gegenseitig über ihre Erfahrungen aus. Ein Unternehmen kann sich so positiv hervorheben.

Was muss ein Unternehmen jungen Leuten bieten können?

Die Unternehmen müssen sich auf die Generation Z einstellen. Dazu gehören Jugendliche, die nach 1995 geboren sind. Diese jungen Leute sind anders als ihre Vorgänger, die Generation X, nicht mehr bereit, unheimlich lange zu arbeiten und Überstunden zu machen. Sie wollen eine klare Trennung zwischen Beruflichem und Privatem. Die Generation Z fragt auch sehr stark nach dem Sinn, ihre Arbeit muss sie daher erfüllen. Nur so können sie sich mit ihr identifizieren.

Eine New York Umgebung kommt da sehr gut an, darauf sollten sich die Unternehmen einstellen. Diese jungen Leute arbeiten sehr gerne miteinander, da bieten sich gemeinsame Azubi-Projekte an. Das bietet große Chancen für Unternehmen. 

Wie sieht eine moderne Ausbildung aus?

Eine duale Ausbildung hat den großen Vorteil, dass es sowohl für den Betrieb als auch für die Schule nur einen sogenannten Rahmenausbildungsplan beziehungsweise -lehrplan gibt. Daher ist der individuelle Ausbildungsplan von enormer Bedeutung. Die Unternehmen müssen die Azubis auf das Arbeiten 4.0 vorbereiten. Deshalb ist es am besten, den jungen Leuten interdisziplinäre Projekte machen zu lassen. Die  Generation Z ist die erste, die komplett mit Smartphones aufgewachsen ist. Sie haben bei vielen Fragen eine natürliche Affinität zu Medien und setzen neue Technologien und neues Wissen nahezu selbstverständlich ein. Dennoch sollten Unternehmen den Azubis je nach Kompetenzen und Fähigkeiten Zusatzqualifikation anbieten. Wer enorm punkten möchte, sollte seinen Azubis einen Auslandsaufenthalt ermöglichen.

Immer mehr Azubis brechen ihre Ausbildung ab. Was sind die Gründe dafür?

In Bayerisch-Schwaben haben wir ziemlich konstant über die drei Jahre Ausbildung hinweg eine Quote von 20 Prozent. 10 Prozent davon spielen sich in den ersten vier Monaten ab. Darin spiegelt sich die Hauptursache wider: Das Problem sind unklare Berufsvorstellungen. Deshalb müssen die Unternehmen und wir als IHK die Berufsorientierung weiter optimieren und sie lebendiger machen. Nur so erreich die Betriebe den Kopf und das Herz der jungen Leute.

Was unternimmt die IHK dagegen?

Wir setzen ganz stark auf Schulpartnerschaften. Diese machen das Thema Berufsorientierung lebendig. Zu der Kooperation gehören zum Beispiel Unternehmensbesichtigungen sowie gemeinsame Projekte zwischen Azubis und Schülern.

Viele Lehrstellen bleiben unbesetzt. Wie reagieren Sie als IHK darauf?

Wir versuchen auch nach dem Ausbildungsstart für junge Leute einen Ausbildungsplatz zu finden. Einige Stellen werden jedoch unbesetzt bleiben, da der Fachkräftemangel dieses Jahr deutlich spürbar ist.

Fördert die Akademisierung den Fachkräftemangel?

Der Trend zu einer höheren Schulbildung und zu einem Hochschulstudium direkt nach der Schule ist eine große Herausforderung. Das führt dazu, dass weniger für den Ausbildungsmarkt zur Verfügung stehen. Unsere Botschaft als IHK ist ganz klar: Der Einstieg mit einer dualen Ausbildung ist nie ein Fehler. Danach ist immer noch ein berufsbegleitendes Hochschulstudium möglich.

Steigende Studierendenzahlen haben auch mehr Studienabbrecher zur Folge. Wie wollen Sie diese für eine duale Ausbildung gewinnen?

Wir haben hier den Ansatz „Steig um statt aus“, den wir an der Hochschule Augsburg testen. Wir wollen so die jungen Leute, die gerade ihr Studium angefangen haben, für eine Ausbildung gewinnen. Bei den Firmen sind diese sehr beliebt, da sie qualifiziert sind und den Eifer haben, die Ausbildung durchzuziehen.

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