Kommentar

Warum die Zukunft der Industrie NICHT in den Sternen steht

Ulrich Pfaffenberger, vmm wirtschaftsverlag. Foto: Bernd Jaufmann / B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
Corona hat der Weltwirtschaft geschadet. Auch in Augsburg sind die Auswirkungen der Krise spürbar: MAN ES, Premium Aerotec, um nur zwei zu nennen. Die Arbeit muss wieder zurück nach Bayerisch-Schwaben geholt werden, kommentiert unser Redakteur Ulrich Pfaffenberger.

Ein Industriestandort, wie es sie in diesem Land nur noch wenige gibt: Bayerisch-Schwaben gilt als Ausnahmeerscheinung in der mitteleuropäischen Wirtschaftslandschaft. Die meisten vergleichbaren Regionen verzeichnen längst niedrigere Anteile an „Hardware“-Produktion. In einer guten Konjunktur bedeutet das: Selbstläufer. In der Krise aber wird’s brandgefährlich.

Krise wird nicht folgenlos bleiben

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Vor ein paar hundert Jahren hätten die schlechten Nachrichten, die den Wirtschaftsraum Augsburg gerade erschüttern, keinen gewundert: Zuerst zieht eine Plage durchs Land, dann erscheint ein Komet am Himmel – da hätten selbst die Hinterhof-Astrologen leichtes Spiel gehabt, den Ursprung der Krise dingfest zu machen. Und heute? Man braucht nicht in den Sternen zu lesen, sondern kann es Marktberichten und Bilanzen entnehmen, dass die aktuelle Krise nicht folgenlos bleiben kann.

Krisenzeiten bei Airbus, Premium Aerotec und MAN

Es liegt nahe, der erschütterten Weltkonjunktur und dem stillstehenden Export in Folge der Corona-Krise die Schuld in die Schuhe zu schieben, wenn MAN Stellen abbauen muss. Es drängt sich auf, die Krise bei Airbus und Premium Aerotec dem flügellahmen Weltluftverkehr anzulasten. Es scheint nur logisch, dass Umsätze einbrechen, Kurzarbeit zunimmt, weitere Entlassung absehbar sind.

Drastische Signale an den Arbeitsmarkt

So einfach ist die jedoch Antwort nicht. Was wir derzeit erleben ist – wie bei den Infektionszahlen auch – ein exponentieller Anstieg einer Entwicklung, die schon in den 1970er Jahren begonnen hat. Damals, als sich die Textilindustrie aus Augsburg verabschiedete, die über Jahrhunderte Quelle des Wohlstands und des Wachstums war. Damals, als über die Geschicke von Unternehmen noch am Standort selbst entschieden wurde. Seitdem sind Osram und MAN Roland, einst Aushängeschilder für deutsche Industrie, ein Schatten ihrer Geschichte. Das PC-Werk von Fujitsu bald abgeschaltet. Haindl und Kuka aus internationalen Konzernzentralen ferngesteuert. Dort, wo Industrie noch als als „Konjunkturmaschine“ wahrgenommen wird, ist „made in Augsburg“ nicht mal mehr zweite Liga. Die Signale an den Arbeitsmarkt, die daraus entstehen, sind nicht neu. Jedoch waren sie schon lange nicht mehr so drastisch. Der vor Jahresfrist noch gefeierte Zugewinn an Jobs an der Uni-Klinik: Wie ist der nun zu bewerten, wenn an anderer Stelle eine vergleichbare Zahl wegbricht?

Bedarf an Fachkräften in der Wirtschaft weiterhin groß

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Das ist fürs Erste eine Katastrophe für die Beschäftigten, denen dieser Tage eine Kündigung ins Haus steht. Aber der Bedarf an Fachkräften im Rest der Wirtschaft bleibt groß. Warum sollte man kompetente Mitarbeiter in der Ferne rekrutieren, wenn sie vor der Haustür wohnen? Wir pflegen heute einen anderen Umgang mit Ausgangsqualifikationen als noch vor zehn oder zwanzig Jahren. Es kommt nicht darauf an, was man hat, sondern was man daraus macht, lautet die anerkannte Regel für den Weg zum unternehmerischen Erfolg. Die deutsche, die schwäbische Wirtschaft hat es schon oft genug erlebt, das mühsam über Jahre gewonnene Arbeitsplätze mit einem Federstrich binnen Tagen wieder ausradiert wurden. Sie wird auch jetzt wieder einen Weg aus dem Tal finden.

Arbeit wieder „nach Hause“ holen

So einfach ist daher auch der Abgesang auf „die Industrie“ nicht. Mit dem Cluster Carbon, mit der Umwelttechnik sind Produktionsfelder herangereift, die in die Rolle der alten Meister schlüpfen werden. Auch die Dezentralisierung des Standorts über die Stadtgrenzen hinaus, in Verbindung mit der innovativen Industrieszene des Allgäus haben das Potenzial in sich, die Position Bayerisch-Schwabens langfristig zu sichern. Die Chancen stehen zudem nicht schlecht, über die Neugestaltung von Lieferketten wieder Arbeit „nach Hause“ zu holen. Digitalisierung und fortschrittliche Verfahren wie der 3D-Druck steuern ihren Teil zu dieser Entwicklung bei. Nur eins darf nicht passieren: Abwarten, ob sich die Sache von selbst regelt. Denn dann erledigt sich auch der Standort.

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Ein Industriestandort, wie es sie in diesem Land nur noch wenige gibt: Bayerisch-Schwaben gilt als Ausnahmeerscheinung in der mitteleuropäischen Wirtschaftslandschaft. Die meisten vergleichbaren Regionen verzeichnen längst niedrigere Anteile an „Hardware“-Produktion. In einer guten Konjunktur bedeutet das: Selbstläufer. In der Krise aber wird’s brandgefährlich.

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Krisenzeiten bei Airbus, Premium Aerotec und MAN

Es liegt nahe, der erschütterten Weltkonjunktur und dem stillstehenden Export in Folge der Corona-Krise die Schuld in die Schuhe zu schieben, wenn MAN Stellen abbauen muss. Es drängt sich auf, die Krise bei Airbus und Premium Aerotec dem flügellahmen Weltluftverkehr anzulasten. Es scheint nur logisch, dass Umsätze einbrechen, Kurzarbeit zunimmt, weitere Entlassung absehbar sind.

Drastische Signale an den Arbeitsmarkt

So einfach ist die jedoch Antwort nicht. Was wir derzeit erleben ist – wie bei den Infektionszahlen auch – ein exponentieller Anstieg einer Entwicklung, die schon in den 1970er Jahren begonnen hat. Damals, als sich die Textilindustrie aus Augsburg verabschiedete, die über Jahrhunderte Quelle des Wohlstands und des Wachstums war. Damals, als über die Geschicke von Unternehmen noch am Standort selbst entschieden wurde. Seitdem sind Osram und MAN Roland, einst Aushängeschilder für deutsche Industrie, ein Schatten ihrer Geschichte. Das PC-Werk von Fujitsu bald abgeschaltet. Haindl und Kuka aus internationalen Konzernzentralen ferngesteuert. Dort, wo Industrie noch als als „Konjunkturmaschine“ wahrgenommen wird, ist „made in Augsburg“ nicht mal mehr zweite Liga. Die Signale an den Arbeitsmarkt, die daraus entstehen, sind nicht neu. Jedoch waren sie schon lange nicht mehr so drastisch. Der vor Jahresfrist noch gefeierte Zugewinn an Jobs an der Uni-Klinik: Wie ist der nun zu bewerten, wenn an anderer Stelle eine vergleichbare Zahl wegbricht?

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Arbeit wieder „nach Hause“ holen

So einfach ist daher auch der Abgesang auf „die Industrie“ nicht. Mit dem Cluster Carbon, mit der Umwelttechnik sind Produktionsfelder herangereift, die in die Rolle der alten Meister schlüpfen werden. Auch die Dezentralisierung des Standorts über die Stadtgrenzen hinaus, in Verbindung mit der innovativen Industrieszene des Allgäus haben das Potenzial in sich, die Position Bayerisch-Schwabens langfristig zu sichern. Die Chancen stehen zudem nicht schlecht, über die Neugestaltung von Lieferketten wieder Arbeit „nach Hause“ zu holen. Digitalisierung und fortschrittliche Verfahren wie der 3D-Druck steuern ihren Teil zu dieser Entwicklung bei. Nur eins darf nicht passieren: Abwarten, ob sich die Sache von selbst regelt. Denn dann erledigt sich auch der Standort.

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