Kommentar

Kurzarbeitergeld wird verlängert: Aufschwungs-Bremse?

Das Kurzarbeitergeld war eine richtige und wichtige Entscheidung. Aber die Regelung noch einmal zu verlängern ist gefährlich. Die Millionen wären woanders besser aufgehoben.

Gastronomie, Autoindustrie, Messebauer, Veranstalter – viele Branchen hat die Corona-Pandemie hart getroffen. Viele Unternehmen haben daher ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt.  So konnten Entlassungen und Unternehmenspleiten vermieden werden.  Union und SPD haben sich nun darauf geeinigt, die Zahlung von Kurzarbeitergeld von 12 auf bis zu 24 Monate auszuweiten. Dies soll bis Ende 2021 gelten. Kling im ersten Moment gut – doch im zweiten fragt man sich: ist das wirklich hilfreich?

Mit diesem Instrument so locker umzugehen, bringt nämlich auch Nachteile mit sich. Firmen mit strukturellen Problemen werden dadurch künstlich am Leben gehalten. Bereinigende Entscheidungen werden möglichweise auf die lange Bank geschoben. Wer sich jetzt noch keine Taktik überlegt hat, wie er sein Geschäft aufstellen muss, um auch in Zukunft (wieder) Gewinne zu erwirtschaften, wird diese wahrscheinlich auch Ende 2021 noch nicht haben. Mit Geschäftsmodellen von gestern wird man auch nicht nach Corona den großen Gewinn erzielen können. Kuka, Premium Aerotec, MAN und ZF Friedrichshafen wollten ohnehin Arbeitsplätze abbauen. Auch Betriebe, die schon vor Corona vor der Pleite standen, werden durch eine Verlängerung des Kurzarbeitergeldes nicht gerettet.

Sinnvoller als eine Verlängerung des Kurzarbeitergeldes, seien Eigenkapitalhilfen und ein unbegrenzter Verlustrücktrag, sagte Wirtschaftsforscher Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), der „Rheinischen Post“. So können Unternehmen, die Ideen haben, sich vielleicht alleine aus der Krise hieven und gehen gestärkt aus der Pandemiewelle hervor. Durch das Möglichmachen von Investitionen kann eine Spirale in Gang gesetzt werden, von der positive Impulse auch für Partnerunternehmen ausgehen. Im schlimmsten Fall könnte sich die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes gar als Aufschwungs-Bremse entpuppen.

Dass die Politik Milliarden in die Hand nimmt, um die Wirtschaft wieder ans Laufen zu bringen, ist der richtige Weg. Aber sie sollte das Geld lieber in zukunftsfähige Arbeitsplätze investieren. Wieso nicht Start-ups oder forschende Unternehmen mehr unterstützen? Es sollten auch Firmen belohnt werden, die weiter in die Ausbildung investieren. Wir können es uns definitiv nicht leisten, den Strukturwandel einfach zu ignorieren und darauf zu hoffen, dass er sich in Luft auflöst. Ansonsten sieht es düster für unser Zukunft aus.

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Mit diesem Instrument so locker umzugehen, bringt nämlich auch Nachteile mit sich. Firmen mit strukturellen Problemen werden dadurch künstlich am Leben gehalten. Bereinigende Entscheidungen werden möglichweise auf die lange Bank geschoben. Wer sich jetzt noch keine Taktik überlegt hat, wie er sein Geschäft aufstellen muss, um auch in Zukunft (wieder) Gewinne zu erwirtschaften, wird diese wahrscheinlich auch Ende 2021 noch nicht haben. Mit Geschäftsmodellen von gestern wird man auch nicht nach Corona den großen Gewinn erzielen können. Kuka, Premium Aerotec, MAN und ZF Friedrichshafen wollten ohnehin Arbeitsplätze abbauen. Auch Betriebe, die schon vor Corona vor der Pleite standen, werden durch eine Verlängerung des Kurzarbeitergeldes nicht gerettet.

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Dass die Politik Milliarden in die Hand nimmt, um die Wirtschaft wieder ans Laufen zu bringen, ist der richtige Weg. Aber sie sollte das Geld lieber in zukunftsfähige Arbeitsplätze investieren. Wieso nicht Start-ups oder forschende Unternehmen mehr unterstützen? Es sollten auch Firmen belohnt werden, die weiter in die Ausbildung investieren. Wir können es uns definitiv nicht leisten, den Strukturwandel einfach zu ignorieren und darauf zu hoffen, dass er sich in Luft auflöst. Ansonsten sieht es düster für unser Zukunft aus.

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