Kommentar

Frauen als Chef haben viel Potential – doch es wird verschenkt

Frauen sind in der Chefetage deutscher und auch bayerisch-schwäbischer Unternehmen immer noch eine Seltenheit. Bundesfrauenministerin Franziska Giffey fordert daher eine Frauenquote. Als Frau sagt unsere Redakteurin Angelina Märkl: Frauenquote? Nein, danke!

Die erste Frau an der Spitze eines Dax-Konzerns ist bereits wieder Geschichte. Jennifer Morgan war seit Mitte Oktober 2019 Chefin von SAP. Ein halbes Jahr später wird der Konzern wieder allein von einem Mann geführt. In der Coronakrise brauche SAP „klare Führung“ für ein „schnelles, entschlossenes Handeln“ – so erklärte der Softwarekonzern jüngst den Abgang von Morgan.

Das zeigt wieder einmal, wie es hierzulande um Frauen in Führungsposition steht. Für den bekannten Personalberater Heiner Thorborg ist die Botschaft klar. „Wenn es kracht und stinkt, muss bei SAP ein starker Mann ran, das ist nichts für Mädels,“ provoziert Thorborg, der sich für Frauen in Führungspositionen einsetzt, im Manager-Magazin. Denn Morgan habe als ehemalige Chefin des USA-Geschäfts einen viel besseren Lebenslauf als der neun Jahre jüngere Klein, der fast seine gesamte Karriere in Walldorf verbracht hat. Und trotzdem hat man(n) sich wieder für den „starken” Mann entschieden.  

Von Gleichberechtigung sind wir weit entfernt

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Doch der Konzern ist leider kein Einzelfall. Die Corona-Krise zeigt deutlich, dass wir von Gleichberechtigung noch weit entfernt sind. Wer hat sich um die Kinder gekümmert, als Kitas und Schulen wegen des Lockdowns geschlossen hatten? Überwiegend Frauen. In guten Zeiten dürfen wir mit unseren Ideen die Unternehmen nach vorne bringen, in schlechten Zeiten werden wir  in alte Rollenbilder zurückgedrängt. Küche und Kind statt Karriere. Da ist es völlig egal, wie viel Talent eine Frau hat oder wie ihre Qualifikationen sind. Schuld sind das Lohngefälle und unsere veralteten Rollenbilder. Ein Mann, der sich um die Kindererziehung kümmert und den Haushalt schmeißt wird immer noch belächelt. Kann doch kein Mann sein. Und eine Frau, die Karriere machen will, ist ungesehen eine Rabenmutter – und wenn sie sich noch so viele Beine ausreißt, um alles unter einen Hut zu bekommen. Wären hier nicht Staat und Unternehmen gefordert, gemeinsam besser Lösungen zu finden, damit Familie und Beruf vereint werden können?  

Bundesfrauenministerin Giffey fordert Frauenquote

Doch was macht der Staat? Bundesfrauenministerin Franziska Giffey und Justizministerin Christine Lambrecht wollen die Quotenfrau durchsetzen. Die beiden SPD-Politikerinnen haben einen Gesetzesentwurf entwickelt, der mindestens ein weibliches Mitglied in den Vorständen von Deutschlands großen Unternehmen vorsieht. Der Vorschlag soll für Aktiengesellschaften mit mehr als 2000 Mitarbeitern und mindestens vier Vorstandsmitgliedern gelten. Doch wer will schon die Quotenfrau sein?  

Seit Anfang 2016 müssen die etwa hundert größten börsennotierten und voll mitbestimmungspflichtigen Unternehmen in Deutschland frei werdende Aufsichtsratsposten mit Frauen neu besetzen, bis mindestens ein Frauenanteil von 30 Prozent erreicht ist. Seit Inkrafttreten des Gesetzes stieg der Anteil demnach von 25 Prozent auf 32,5 Prozent im Jahr 2017 und in diesem Jahr auf 35,2 Prozent. „Freiwillig tut sich wenig, nur die feste Quote wirkt", sagen die SPD-Politikerinnen. Doch die erzwungene Frauenquote bekämpft vielleicht die Symptome, aber nicht die Ursachen.  

Frauen brauchen keine Quote 

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Wir Frauen wollen keine Position, weil eine Quote sie uns verschafft hat. Und wir wollen auch nicht, dass einem Mann aus demselben Grund eine Führungsrolle verweigert wird, obwohl er besser qualifiziert dafür ist. Wir wollen den Job, der zu unserer Qualifikation und unseren Talenten passt. Was wir brauchen ist eine Politik, die sich für moderne Familien einsetzt. Die uns ermöglicht, Kind und Karriere so unter einen Hut zu bekommen, dass wir an beiden Fronten unser Bestes geben können - und keine Seite vernachlässigt wird. Dass Mädchen von klein auf lernen, dass auch Frauen erfolgreiche Managerinnen und Gründerinnen werden können. Nicht nur Männer. 

Wirtschaft darf weibliches Potential nicht verschwenden

Wir brauchen aber auch Unternehmen, die sich nicht für einen Mann auf dem Chefposten allein auf Grund seines Geschlechts entscheiden oder weil die aussichtsreiche Frau vielleicht doch noch irgendwann schwanger werden könnte. Unsere Wirtschaft kann es sich angesichts von Fachkräftemangel und der schwierigen Zeit nicht mehr leisten, weibliches Potential zu verschwenden. Denn Drecksarbeit machen, Ärmel hochkrempeln und einen Dax-Konzern durch die Krise führen ist keine ureigene männliche Eigenschaft. Dafür braucht es Durchsetzungsstärke, Entscheidungsfreude, Empathie, Klarheit und Cleverness. Und diese Eigenschaften haben nichts mit dem Geschlecht zu tun.  

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Das zeigt wieder einmal, wie es hierzulande um Frauen in Führungsposition steht. Für den bekannten Personalberater Heiner Thorborg ist die Botschaft klar. „Wenn es kracht und stinkt, muss bei SAP ein starker Mann ran, das ist nichts für Mädels,“ provoziert Thorborg, der sich für Frauen in Führungspositionen einsetzt, im Manager-Magazin. Denn Morgan habe als ehemalige Chefin des USA-Geschäfts einen viel besseren Lebenslauf als der neun Jahre jüngere Klein, der fast seine gesamte Karriere in Walldorf verbracht hat. Und trotzdem hat man(n) sich wieder für den „starken” Mann entschieden.  

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Bundesfrauenministerin Giffey fordert Frauenquote

Doch was macht der Staat? Bundesfrauenministerin Franziska Giffey und Justizministerin Christine Lambrecht wollen die Quotenfrau durchsetzen. Die beiden SPD-Politikerinnen haben einen Gesetzesentwurf entwickelt, der mindestens ein weibliches Mitglied in den Vorständen von Deutschlands großen Unternehmen vorsieht. Der Vorschlag soll für Aktiengesellschaften mit mehr als 2000 Mitarbeitern und mindestens vier Vorstandsmitgliedern gelten. Doch wer will schon die Quotenfrau sein?  

Seit Anfang 2016 müssen die etwa hundert größten börsennotierten und voll mitbestimmungspflichtigen Unternehmen in Deutschland frei werdende Aufsichtsratsposten mit Frauen neu besetzen, bis mindestens ein Frauenanteil von 30 Prozent erreicht ist. Seit Inkrafttreten des Gesetzes stieg der Anteil demnach von 25 Prozent auf 32,5 Prozent im Jahr 2017 und in diesem Jahr auf 35,2 Prozent. „Freiwillig tut sich wenig, nur die feste Quote wirkt", sagen die SPD-Politikerinnen. Doch die erzwungene Frauenquote bekämpft vielleicht die Symptome, aber nicht die Ursachen.  

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Wirtschaft darf weibliches Potential nicht verschwenden

Wir brauchen aber auch Unternehmen, die sich nicht für einen Mann auf dem Chefposten allein auf Grund seines Geschlechts entscheiden oder weil die aussichtsreiche Frau vielleicht doch noch irgendwann schwanger werden könnte. Unsere Wirtschaft kann es sich angesichts von Fachkräftemangel und der schwierigen Zeit nicht mehr leisten, weibliches Potential zu verschwenden. Denn Drecksarbeit machen, Ärmel hochkrempeln und einen Dax-Konzern durch die Krise führen ist keine ureigene männliche Eigenschaft. Dafür braucht es Durchsetzungsstärke, Entscheidungsfreude, Empathie, Klarheit und Cleverness. Und diese Eigenschaften haben nichts mit dem Geschlecht zu tun.  

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