Wie Banken in der Corona-Krise helfen

VR Bank Augsburg-Ostallgäu: Staatliche Hilfen kommen an

Die Corona-Pandemie hat viele Unternehmen in Existenznot gebracht. Wir haben bei Banken in der Region nachgefragt, wie sie ihre Kunden in dieser Zeit unterstützen. Dr. Hermann Starnecker, Vorstandssprecher der VR Bank Augsburg-Ostallgäu, verrät im Interview, wieso viele Unternehmen noch mit der Antragstellung auf Corona-Hilfen warten.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Wie wirkt sich die Krise auf Ihre Bank aus?

Dr. Hermann Starnecker: Während der Ausgangsbeschränkungen haben wir zunächst einige Geschäftsstellen geschlossen bzw. die Öffnungszeiten heruntergefahren, jetzt fahren wir die Öffnungszeiten wieder hoch. Die Kunden sind in dieser Zeit auf alternative Kommunikationswege wie Telefon, VideoService oder Online-Banking umgestiegen. Wie alle Geschäfte, müssen wir natürlich die geforderten Regelungen erfüllen - das bedeutet Mehraufwand in vielen Bereichen und fordert Flexibilität von unseren Mitarbeitern. Im Bereich Firmenkunden ist die Zahl der Anfragen durch Kunden, die von Corona betroffen sind und Unterstützung suchen, deutlich gestiegen.

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie als Bank? Haben Sie Ihre Personalkapazitäten für Firmenkunden aufgestockt?

Herausfordernd für unsere Mitarbeiter sind die in rascher Folge veröffentlichten unterschiedlichen Förderprogramme mit immer neuen oder geänderten Programmrichtlinien und die enorme Anzahl an Kundengesprächen in Zusammenhang mit der Corona-Krise. Um die Anfragen unserer Kunden zu beantworten, leistet unser Firmenkundenbereich derzeit Überstunden und arbeitet auch am Wochenende. Dabei werden die Mitarbeiter von Kollegen aus anderen Bereichen tatkräftig unterstützt. Eine Aufstockung der Personalkapazitäten ist nicht erfolgt.

Wie viele Unternehmen haben bereits Förderkredite in Anspruch genommen?

Das sind bis dato gar nicht so viele wie man meinen würde. Die meisten Kunden nutzen zunächst andere Möglichkeiten, wie Kostensenkungen, Kurzarbeitergeld, Soforthilfen und Tilgungs- und Ratenaussetzung. So haben wir unseren Kunden erstmal Zeit und Liquidität verschafft. Langsam werden durch die Erleichterungen der Politik die Perspektiven klarer, die Kunden haben, häufig in Zusammenarbeit mit uns, erste Kapitalbedarfe und Einschätzungen erarbeitet. Daraus wird sich jetzt der Liquiditätsbedarf ergeben - dann rechnen wir mit weiteren Anfragen nach Förderkrediten. Parallel verzeichnen wir aber auch weiterhin auch ein sehr gutes und erfreuliches „normales“ Kreditgeschäft.

Welche Möglichkeiten gibt es?

Die KfW beziehungsweise LfA Förderbank Bayern bieten jeweils die sogenannte Schutzschirm- beziehungsweise Schnellkredite. 

Wer bekommt die Kredite zu günstigen Konditionen? Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein?

Grundsätzlich kann jedes Unternehmen Anträge stellen. Voraussetzung ist, dass das Unternehmen über ein tragfähiges Geschäftsmodell verfügt und sich vor der Krise nicht bereits in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befand.

Kommt die Hilfe vom Staat auch wirklich bei den Unternehmen an? Welche Rückmeldungen erhalten Sie?

Das würde ich bejahen. Nur ein Beispiel: Wir haben für einen Kunden am 6. April einen KfW-Schutzschirmkredit beantragt und unser Kunde hatte am 15. April das Geld auf seinem Geschäftskonto. Voraussetzung ist natürlich, dass wir vom Unternehmen die nötigen Unterlagen und Informationen für die Antragstellung vorliegen haben. Wie bereits erläutert, warten viele Kunden aber mit der Beantragung noch, bis die Situation klarer ist.

Haften Sie als Hausbank, wenn der Kredit nicht zurückbezahlt wird? 

Die Schutzschirmkredite von KfW und LfA sind mit einer Haftungsfreistellung von 80 Prozent beziehungsweise 90 Prozent je nach Unternehmensgröße ausgestattet, die Schnellkredite mit einer Haftungsfreistellung von 100 Prozent. Die darüberhinausgehenden Kreditvolumina werden im Obligo unserer Bank ausgereicht.

Wo gibt es abseits von Förderkrediten derzeit erhöhten Beratungsbedarf?

Die Kunden besprechen in der Regel die aktuelle Situation ausführlich mit ihrer Hausbank, das bedeutet auch Beratung im Hinblick auf weitere mögliche Maßnahmen wie zum Beispiel Tilgungsstreckungen  oder -aussetzungen und zusätzliche Liquiditätshilfen. Weitere Themen sind Möglichkeiten wie Kurzarbeit, Steuerstundung, Aussetzung von Leasingraten, Stundung von Miet- und Pachtzahlungen oder weitere Kostensenkungsmaßnahmen.

Was können kleine Unternehmen und Selbstständige tun?

Sie können über die jeweilige Bezirksregierung Corona-Soforthilfen beantragen.

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Dr. Hermann Starnecker: Während der Ausgangsbeschränkungen haben wir zunächst einige Geschäftsstellen geschlossen bzw. die Öffnungszeiten heruntergefahren, jetzt fahren wir die Öffnungszeiten wieder hoch. Die Kunden sind in dieser Zeit auf alternative Kommunikationswege wie Telefon, VideoService oder Online-Banking umgestiegen. Wie alle Geschäfte, müssen wir natürlich die geforderten Regelungen erfüllen - das bedeutet Mehraufwand in vielen Bereichen und fordert Flexibilität von unseren Mitarbeitern. Im Bereich Firmenkunden ist die Zahl der Anfragen durch Kunden, die von Corona betroffen sind und Unterstützung suchen, deutlich gestiegen.

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie als Bank? Haben Sie Ihre Personalkapazitäten für Firmenkunden aufgestockt?

Herausfordernd für unsere Mitarbeiter sind die in rascher Folge veröffentlichten unterschiedlichen Förderprogramme mit immer neuen oder geänderten Programmrichtlinien und die enorme Anzahl an Kundengesprächen in Zusammenhang mit der Corona-Krise. Um die Anfragen unserer Kunden zu beantworten, leistet unser Firmenkundenbereich derzeit Überstunden und arbeitet auch am Wochenende. Dabei werden die Mitarbeiter von Kollegen aus anderen Bereichen tatkräftig unterstützt. Eine Aufstockung der Personalkapazitäten ist nicht erfolgt.

Wie viele Unternehmen haben bereits Förderkredite in Anspruch genommen?

Das sind bis dato gar nicht so viele wie man meinen würde. Die meisten Kunden nutzen zunächst andere Möglichkeiten, wie Kostensenkungen, Kurzarbeitergeld, Soforthilfen und Tilgungs- und Ratenaussetzung. So haben wir unseren Kunden erstmal Zeit und Liquidität verschafft. Langsam werden durch die Erleichterungen der Politik die Perspektiven klarer, die Kunden haben, häufig in Zusammenarbeit mit uns, erste Kapitalbedarfe und Einschätzungen erarbeitet. Daraus wird sich jetzt der Liquiditätsbedarf ergeben - dann rechnen wir mit weiteren Anfragen nach Förderkrediten. Parallel verzeichnen wir aber auch weiterhin auch ein sehr gutes und erfreuliches „normales“ Kreditgeschäft.

Welche Möglichkeiten gibt es?

Die KfW beziehungsweise LfA Förderbank Bayern bieten jeweils die sogenannte Schutzschirm- beziehungsweise Schnellkredite. 

Wer bekommt die Kredite zu günstigen Konditionen? Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein?

Grundsätzlich kann jedes Unternehmen Anträge stellen. Voraussetzung ist, dass das Unternehmen über ein tragfähiges Geschäftsmodell verfügt und sich vor der Krise nicht bereits in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befand.

Kommt die Hilfe vom Staat auch wirklich bei den Unternehmen an? Welche Rückmeldungen erhalten Sie?

Das würde ich bejahen. Nur ein Beispiel: Wir haben für einen Kunden am 6. April einen KfW-Schutzschirmkredit beantragt und unser Kunde hatte am 15. April das Geld auf seinem Geschäftskonto. Voraussetzung ist natürlich, dass wir vom Unternehmen die nötigen Unterlagen und Informationen für die Antragstellung vorliegen haben. Wie bereits erläutert, warten viele Kunden aber mit der Beantragung noch, bis die Situation klarer ist.

Haften Sie als Hausbank, wenn der Kredit nicht zurückbezahlt wird? 

Die Schutzschirmkredite von KfW und LfA sind mit einer Haftungsfreistellung von 80 Prozent beziehungsweise 90 Prozent je nach Unternehmensgröße ausgestattet, die Schnellkredite mit einer Haftungsfreistellung von 100 Prozent. Die darüberhinausgehenden Kreditvolumina werden im Obligo unserer Bank ausgereicht.

Wo gibt es abseits von Förderkrediten derzeit erhöhten Beratungsbedarf?

Die Kunden besprechen in der Regel die aktuelle Situation ausführlich mit ihrer Hausbank, das bedeutet auch Beratung im Hinblick auf weitere mögliche Maßnahmen wie zum Beispiel Tilgungsstreckungen  oder -aussetzungen und zusätzliche Liquiditätshilfen. Weitere Themen sind Möglichkeiten wie Kurzarbeit, Steuerstundung, Aussetzung von Leasingraten, Stundung von Miet- und Pachtzahlungen oder weitere Kostensenkungsmaßnahmen.

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