Wie Banken in der Corona-Krise helfen

Stadtsparkasse Augsburg: Direkte Hilfen stehen im Fokus

Dr. Walter Eschle, Vorstandsmitglied der Stadtsparkasse Augsburg. Foto: Stadtsparkasse Augsburg
Die Corona-Pandemie hat viele Unternehmen in Existenznot gebracht. Wir haben bei Banken in der Region nachgefragt, wie sie ihre Kunden in dieser Zeit unterstützen. Dr. Walter Eschle, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse Augsburg, wieso die Förderkredite nicht den Schwerpunkt ausmachen.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Wie wirkt sich die Krise auf Ihre Bank aus?

Dr. Walter Eschle: Wir arbeiten derzeit im Hochbetrieb, da wir gerade in diesen Zeiten für unsere Kunden da sein wollen. Wir unternehmen alles, um unsere Geschäftsprozesse für die Kunden weiterhin stabil zu halten. Gerade jetzt, wo für uns trotz Nähe der notwendige Abstand ganz wichtig ist, sind wir natürlich online und telefonisch erreichbar. Trotzdem haben wir für alle, die ein persönliches Gespräch bevorzugen, alle Standorte geöffnet. Gerade im gewerblichen Bereich herrscht jede Menge Aktivität, da wir die Hilfsprogramme der Förderbanken für Unternehmen, die wegen der Corona-Krise Liquiditätshilfen brauchen, als Hausbank vor Ort umsetzen, aber auch mit unseren eigenen Mitteln den Kunden helfen wollen.

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie als Bank? Haben Sie Ihre Personalkapazitäten für Firmenkunden aufgestockt?

Im gewerblichen Bereich sind das zum Beispiel die Informationsflut. Gerade in den ersten Wochen haben wir oft mehrfach täglich Informationen beziehungsweise Pressemeldungen zu neuen Kreditprogrammen der Förderbanken und staatlichen Hilfen erhalten. Hier ist es wichtig, offenen Punkte schnell geklärt werden und Programme gesucht werden, die zur jeweiligen Kundensituation passen.

Ein weiteres Problem war der zeitlicher Verzug zwischen der Veröffentlichung beziehungsweise Ankündigung eines neuen Programmes der Förderbanken und den Zeitpunkt der tatsächlichen Bekanntgabe der Kreditbedingungen sowie die daraus resultierende technische Umsetzung. Bei der Haftungsfreistellung, die je nach Programm zwischen 80 und 100 Prozent liegt, stellen wir ein großes Erklärungsbedürfnis bei den Kunden fest, da diese teilweise annehmen, dass sie selbst nicht mehr für ihr Unternehmen haften bzw. ins Risiko gehen müssen. Bestimmte Bereiche wurden durch hausinterne Umstrukturierungen personell aufgestockt, wie Öffentliche Mittel-Stelle oder Business.Direkt, um die Flut der Anfragen schnellst möglich abarbeiten zu können.

Wie viele Unternehmen haben bereits Förderkredite in Anspruch genommen?

Wir verzeichnen einen hohen Informationsbedarf unserer gewerblichen Kunden zu den KfW-Krediten beziehungsweise den Krediten des Landesförderinstituts des Freistaats Bayern (LfA Förderbank Bayern). Mit der konkreten Beantragung warten allerdings viele noch und fahren "auf Sicht". Daher liegen uns bislang zum KfW-Schnellkredit nur eine mittlere einstellige Anzahl an Anfragen vor. In den anderen Förderprogrammen der LfA und KfW haben wir (Stand 05.05.2020) aber über 70 Anträge in Vorbereitung oder bereits bei den Förderinstituten gestellt. Wir rechnen in den kommenden Wochen mit mehr Anfragen, gerade auch aus dem Handwerksbereich und wenn die Details zum LfA-Schnellkredit für Unternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern bekannt sind.

Welche Möglichkeiten gibt es?

Zu den oben genannten Möglichkeiten der KfW- bzw. LfA-Krediten stellt der Bund unbürokratisch zu gewährende Soforthilfen, die nicht zurückgezahlt werden müssen, für Solo­-Selbstständige, Freiberufler und kleine Unternehmen zur Verfügung.

Darüber hinaus stellen Tilgungsaussetzungen, Stundungen, Bürgschaften oder eine Erhöhung des Kontokorrentkredits Möglichkeiten dar, die Krise zu überstehen. Voraussetzung ist immer ein tragfähiges Geschäftsmodell. Das heißt aber auch, dass Unternehmen gemäß den Förderrichtlinien nur unterstützt werden können, wenn sie vor der Corona-Krise profitabel waren.

Wer bekommt die Kredite zu günstigen Konditionen? Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein?

Der Staat stellt über verschiedene Förderbanken Kreditmittel zur Verfügung, die zu besonderen Konditionen beansprucht werden können. Die LfA und die KfW etwa können hohe Volumina zu günstigen Kreditkonditionen vergeben und übernehmen auch den Großteil des Haftungsrisikos der Hausbanken. Wer einen Antrag stellen will, wendet sich an seine Hausbank. Unsere Kunden wenden sich natürlich an uns, wir prüfen den Kreditantrag, und sorgen dann bei erfolgreicher Prüfung für eine rasche Auszahlung.

Dabei gibt es klare Regeln und die besagen, dass antragstellende Unternehmen grundsätzlich ein tragfähiges Geschäftsmodell haben müssen und darlegen müssen, dass sie vor der Corona-Krise erfolgreich waren und erst durch die Krise in Finanzierungsschwierigkeiten geraten sind.

Die Hausbank darf die Kredite aber „nicht blind rausgeben“. Daher darf sich das Unternehmen nicht schon am 31. Dezember 2019 in Schwierigkeiten befunden haben. Außerdem muss die Rückzahlfähigkeit für das Darlehen in der Zukunft gegeben sein.

Kommt die Hilfe vom Staat auch wirklich bei den Unternehmen an? Welche Rückmeldungen erhalten Sie?

Die Stadtsparkasse Augsburg hat bereits kurz nach Ausbruch der Pandemie reagiert und beschlossen, sich möglichst großzügig Firmenkunden gegenüber bei Tilgungsaussetzungen zu verhalten. Die schnelle Reaktion mit Kurzkrediten und Tilgungsaussetzungen kommt bei den Kunden gut an, so dass wir viele sehr positive Rückmeldungen unserer Kunden erhalten haben.

Haften Sie als Hausbank, wenn der Kredit nicht zurückbezahlt wird?

Es gibt eine Haftungsfreistellung für die finanzierende Hausbank – jedoch nur bis zu einer bestimmten Höhe. Dies hängt vom jeweils vergebenen Kredit ab. Das heißt: Wenn der Kredit nicht zurückbezahlt werden würde, bekäme die ausreichende Hausbank den größeren Anteil an diesem Kreditausfall von der Förderbank „erstattet“ – den Rest muss die Hausbank selbst übernehmen.

Wo gibt es abseits von Förderkrediten derzeit erhöhten Beratungsbedarf? 

Die Förderkredite machen zahlenmäßig nicht den Schwerpunkt aus. In den meisten Fällen geht es um allgemeine Beratungen, Ausschöpfen bestehender Kreditlinien oder neue Kredite seitens der Sparkassen. Die direkten Hilfen der Sparkasse stehen im Mittelpunkt. Häufig erreichen uns auch Fragen zu Tilgungsaussetzungen oder auch zu kurzfristigen Finanzierungsmitteln. Um die Liquiditätssituation der Unternehmen zu entlasten, sind gerade Tilgungsaussetzungen ein probater Hebel. Darüber hinaus erreichen uns Fragen zur Unternehmensplanung in der Krise, zum Kurzarbeitergeld, Steuerstundung, Bürgschaften etc. Aber auch die Planung für die Zeit nach der Corona-Krise beinhaltet einen erheblichen Beratungsaspekt.

Was können kleine Unternehmen und Selbstständige tun?

Für Solo­-Selbstständige, Freiberufler und kleine Unternehmen stehen die Soforthilfeprogramme der Bundesregierung und des Freistaates Bayern zur Verfügung. Diese unbürokratisch zu gewährenden Soforthilfen, die nicht zurückgezahlt werden müssen, können direkt über die Regierung von Schwaben beantragt werden. Voraussetzung für die Unterstützung der Unternehmen ist ein grundsätzlich tragfähiges Geschäftsmodell und die Bereitschaft der Hausbanken, diese Angebote in die Gesamtfinanzierung einzubinden, ggfs. auch Vorfinanzierung.

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B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Wie wirkt sich die Krise auf Ihre Bank aus?

Dr. Walter Eschle: Wir arbeiten derzeit im Hochbetrieb, da wir gerade in diesen Zeiten für unsere Kunden da sein wollen. Wir unternehmen alles, um unsere Geschäftsprozesse für die Kunden weiterhin stabil zu halten. Gerade jetzt, wo für uns trotz Nähe der notwendige Abstand ganz wichtig ist, sind wir natürlich online und telefonisch erreichbar. Trotzdem haben wir für alle, die ein persönliches Gespräch bevorzugen, alle Standorte geöffnet. Gerade im gewerblichen Bereich herrscht jede Menge Aktivität, da wir die Hilfsprogramme der Förderbanken für Unternehmen, die wegen der Corona-Krise Liquiditätshilfen brauchen, als Hausbank vor Ort umsetzen, aber auch mit unseren eigenen Mitteln den Kunden helfen wollen.

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie als Bank? Haben Sie Ihre Personalkapazitäten für Firmenkunden aufgestockt?

Im gewerblichen Bereich sind das zum Beispiel die Informationsflut. Gerade in den ersten Wochen haben wir oft mehrfach täglich Informationen beziehungsweise Pressemeldungen zu neuen Kreditprogrammen der Förderbanken und staatlichen Hilfen erhalten. Hier ist es wichtig, offenen Punkte schnell geklärt werden und Programme gesucht werden, die zur jeweiligen Kundensituation passen.

Ein weiteres Problem war der zeitlicher Verzug zwischen der Veröffentlichung beziehungsweise Ankündigung eines neuen Programmes der Förderbanken und den Zeitpunkt der tatsächlichen Bekanntgabe der Kreditbedingungen sowie die daraus resultierende technische Umsetzung. Bei der Haftungsfreistellung, die je nach Programm zwischen 80 und 100 Prozent liegt, stellen wir ein großes Erklärungsbedürfnis bei den Kunden fest, da diese teilweise annehmen, dass sie selbst nicht mehr für ihr Unternehmen haften bzw. ins Risiko gehen müssen. Bestimmte Bereiche wurden durch hausinterne Umstrukturierungen personell aufgestockt, wie Öffentliche Mittel-Stelle oder Business.Direkt, um die Flut der Anfragen schnellst möglich abarbeiten zu können.

Wie viele Unternehmen haben bereits Förderkredite in Anspruch genommen?

Wir verzeichnen einen hohen Informationsbedarf unserer gewerblichen Kunden zu den KfW-Krediten beziehungsweise den Krediten des Landesförderinstituts des Freistaats Bayern (LfA Förderbank Bayern). Mit der konkreten Beantragung warten allerdings viele noch und fahren "auf Sicht". Daher liegen uns bislang zum KfW-Schnellkredit nur eine mittlere einstellige Anzahl an Anfragen vor. In den anderen Förderprogrammen der LfA und KfW haben wir (Stand 05.05.2020) aber über 70 Anträge in Vorbereitung oder bereits bei den Förderinstituten gestellt. Wir rechnen in den kommenden Wochen mit mehr Anfragen, gerade auch aus dem Handwerksbereich und wenn die Details zum LfA-Schnellkredit für Unternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern bekannt sind.

Welche Möglichkeiten gibt es?

Zu den oben genannten Möglichkeiten der KfW- bzw. LfA-Krediten stellt der Bund unbürokratisch zu gewährende Soforthilfen, die nicht zurückgezahlt werden müssen, für Solo­-Selbstständige, Freiberufler und kleine Unternehmen zur Verfügung.

Darüber hinaus stellen Tilgungsaussetzungen, Stundungen, Bürgschaften oder eine Erhöhung des Kontokorrentkredits Möglichkeiten dar, die Krise zu überstehen. Voraussetzung ist immer ein tragfähiges Geschäftsmodell. Das heißt aber auch, dass Unternehmen gemäß den Förderrichtlinien nur unterstützt werden können, wenn sie vor der Corona-Krise profitabel waren.

Wer bekommt die Kredite zu günstigen Konditionen? Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein?

Der Staat stellt über verschiedene Förderbanken Kreditmittel zur Verfügung, die zu besonderen Konditionen beansprucht werden können. Die LfA und die KfW etwa können hohe Volumina zu günstigen Kreditkonditionen vergeben und übernehmen auch den Großteil des Haftungsrisikos der Hausbanken. Wer einen Antrag stellen will, wendet sich an seine Hausbank. Unsere Kunden wenden sich natürlich an uns, wir prüfen den Kreditantrag, und sorgen dann bei erfolgreicher Prüfung für eine rasche Auszahlung.

Dabei gibt es klare Regeln und die besagen, dass antragstellende Unternehmen grundsätzlich ein tragfähiges Geschäftsmodell haben müssen und darlegen müssen, dass sie vor der Corona-Krise erfolgreich waren und erst durch die Krise in Finanzierungsschwierigkeiten geraten sind.

Die Hausbank darf die Kredite aber „nicht blind rausgeben“. Daher darf sich das Unternehmen nicht schon am 31. Dezember 2019 in Schwierigkeiten befunden haben. Außerdem muss die Rückzahlfähigkeit für das Darlehen in der Zukunft gegeben sein.

Kommt die Hilfe vom Staat auch wirklich bei den Unternehmen an? Welche Rückmeldungen erhalten Sie?

Die Stadtsparkasse Augsburg hat bereits kurz nach Ausbruch der Pandemie reagiert und beschlossen, sich möglichst großzügig Firmenkunden gegenüber bei Tilgungsaussetzungen zu verhalten. Die schnelle Reaktion mit Kurzkrediten und Tilgungsaussetzungen kommt bei den Kunden gut an, so dass wir viele sehr positive Rückmeldungen unserer Kunden erhalten haben.

Haften Sie als Hausbank, wenn der Kredit nicht zurückbezahlt wird?

Es gibt eine Haftungsfreistellung für die finanzierende Hausbank – jedoch nur bis zu einer bestimmten Höhe. Dies hängt vom jeweils vergebenen Kredit ab. Das heißt: Wenn der Kredit nicht zurückbezahlt werden würde, bekäme die ausreichende Hausbank den größeren Anteil an diesem Kreditausfall von der Förderbank „erstattet“ – den Rest muss die Hausbank selbst übernehmen.

Wo gibt es abseits von Förderkrediten derzeit erhöhten Beratungsbedarf? 

Die Förderkredite machen zahlenmäßig nicht den Schwerpunkt aus. In den meisten Fällen geht es um allgemeine Beratungen, Ausschöpfen bestehender Kreditlinien oder neue Kredite seitens der Sparkassen. Die direkten Hilfen der Sparkasse stehen im Mittelpunkt. Häufig erreichen uns auch Fragen zu Tilgungsaussetzungen oder auch zu kurzfristigen Finanzierungsmitteln. Um die Liquiditätssituation der Unternehmen zu entlasten, sind gerade Tilgungsaussetzungen ein probater Hebel. Darüber hinaus erreichen uns Fragen zur Unternehmensplanung in der Krise, zum Kurzarbeitergeld, Steuerstundung, Bürgschaften etc. Aber auch die Planung für die Zeit nach der Corona-Krise beinhaltet einen erheblichen Beratungsaspekt.

Was können kleine Unternehmen und Selbstständige tun?

Für Solo­-Selbstständige, Freiberufler und kleine Unternehmen stehen die Soforthilfeprogramme der Bundesregierung und des Freistaates Bayern zur Verfügung. Diese unbürokratisch zu gewährenden Soforthilfen, die nicht zurückgezahlt werden müssen, können direkt über die Regierung von Schwaben beantragt werden. Voraussetzung für die Unterstützung der Unternehmen ist ein grundsätzlich tragfähiges Geschäftsmodell und die Bereitschaft der Hausbanken, diese Angebote in die Gesamtfinanzierung einzubinden, ggfs. auch Vorfinanzierung.

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