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Auf dem Gelände des ehemaligen Kernkraftwerks Gundremmingen entsteht ein neuer Energiestandort. Bereits ab 2027 will das Münchner Start-up Proxima Fusion nach Unternehmensangaben Hochtemperatur-Supraleiterkabel und später auch Magnete für Fusionsreaktoren am Standort produzieren. Die Komponenten sind zunächst für den Demonstrationsreaktor „Alpha“ vorgesehen, der in Garching entstehen und den Weg für ein kommerzielles Fusionskraftwerk ebnen soll.
Langfristig planen Proxima Fusion und RWE, auf dem ehemaligen AKW-Gelände das Fusionskraftwerk „Stellaris“ zu errichten. Es soll Ende der 2030er-Jahre Strom aus Kernfusion ins Netz einspeisen.
Einen wichtigen Meilenstein hat Proxima Fusion Anfang Juli mit einer Finanzierungsrunde über 411 Millionen Euro erreicht. Zu den Investoren gehören unter anderem RWE, Google, XTX Ventures und East X Ventures. Nach Angaben des Unternehmens ist Proxima Fusion damit das bestfinanzierte Fusionsunternehmen Europas.
Mit dem Kapital will das Unternehmen den Bau des Demonstrationsreaktors „Alpha“ vorantreiben, die Produktion von Hochtemperatur-Supraleiterkabeln und Magneten ausbauen sowie seine Entwicklungs- und Fertigungskapazitäten erweitern. Für den Demonstrator werden Investitionen von rund zwei Milliarden Euro veranschlagt.
Die erfolgreiche Finanzierungsrunde erfüllt zudem eine wichtige Voraussetzung für die vom Freistaat Bayern in Aussicht gestellte Kofinanzierung in Höhe von 400 Millionen Euro. Voraussetzung dafür ist allerdings auch eine Beteiligung des Bundes.
Mit der geplanten Fertigung entsteht in Gundremmingen erstmals ein industrieller Teil der Wertschöpfungskette für die europäische Fusionsenergie. Nach Unternehmensangaben sollen zunächst Hochtemperatur-Supraleiterkabel und anschließend Magnete produziert werden. Der erste Magnet soll Ende 2027 fertiggestellt werden und im Demonstrationsreaktor „Alpha“ zum Einsatz kommen.
Damit entwickelt sich der ehemalige Kernkraftwerksstandort nicht nur zu einem möglichen Standort für ein späteres Fusionskraftwerk, sondern bereits in den kommenden Jahren zu einem Produktionsstandort für Schlüsseltechnologien der Kernfusion.
Rückenwind erhält das Vorhaben auch aus der Politik. Bei einem Treffen mit Vertretern von Proxima Fusion und RWE in Gundremmingen bekräftigte Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger die Unterstützung der Staatsregierung.
„Die Transformation des Standorts Gundremmingen ist eine große Chance. Aus einem historischen Kraftwerksstandort kann ein globaler Leuchtturm der Fusionsenergie werden. Wir nutzen die vorhandene Infrastruktur, das technische Know-how und die industrielle Kompetenz vor Ort für die Energieversorgung von morgen“, sagte Aiwanger.
Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums soll Gundremmingen zu einem Zentrum für moderne Energieerzeugung und Fusionsenergie ausgebaut werden. Mit Einrichtungen wie dem Max-Planck-Institut für Plasmaphysik verfüge Bayern bereits heute über eine weltweit führende wissenschaftliche Basis. Ziel sei es, den Technologietransfer von der Forschung in die industrielle Anwendung zu beschleunigen und Bayern im internationalen Wettbewerb um die Kernfusion zu positionieren.
Parallel zu den Fusionsplänen investiert RWE weiter in den Standort Gundremmingen. Geplant sind unter anderem ein Gaskraftwerk mit 850 Megawatt Leistung, zwei Spitzenlastkraftwerke sowie ein Batteriespeicher mit 400 Megawatt Leistung und einer Speicherkapazität von 700 Megawattstunden.
Damit wandelt sich das ehemalige Kernkraftwerksgelände zunehmend zu einem modernen Energie- und Industriestandort. Während das kommerzielle Fusionskraftwerk noch Zukunftsmusik ist, beginnt die industrielle Entwicklung bereits deutlich früher – mit der Produktion zentraler Komponenten für Europas Fusionsprojekt.