Werks-Aus

Vera Schneevoigt im Interview: Darum schließt Fujitsu in Augsburg

Der Computerhersteller Fujitsu hat Ende Oktober bekanntgegeben, das Augsburger Werk bis September 2020 zu schließen. Werkschefin Vera Schneevoigt hat uns im Interview erklärt, was bis dahin getan werden muss und was die Gründe für das Aus sind.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Warum schließt Europas letztes PC-Werk?

Vera Schneevoigt: Der Markt für IT-Hardware ist einer der wettbewerbsintensivsten überhaupt. Dazu gibt es in der Branche eine massive Globalisierungstendenz, der nun auch der Fujitsu-Konzern folgt. Er hat entschieden, IT-Produkte insbesondere für die europäischen Märkte nicht mehr in Augsburg regional zu fertigen, sondern die Verantwortung für die Entwicklung und die Produktion von Hardware in Japan zu bündeln. Dafür gibt es eine Vielzahl von Gründen: Dazu zählen branchenweit sinkende Stückzahlen mit entsprechenden Konsequenzen für die Auslastung.

Die hier in Augsburg vorgenommene kundenindividuelle Konfiguration verliert zudem bei vielen Produkten an Bedeutung und der Trend geht hin zu in sehr großen Stückzahlen hergestellten identischen Geräten. Hinzu kommt, dass die überwiegende Mehrzahl der Zulieferer mittlerweile in Asien ansässig ist, sodass wir fast alle Komponenten, die wir für die Fertigung benötigen, nur noch von dort beziehen können, was eine entsprechend aufwendige Logistik zur Folge hat.

Lohnt sich die Fertigung hierzulande nicht mehr?

Wichtige Aspekte der globalen Rahmenbedingungen, die zu dieser strategischen Entscheidung des Konzerns geführt haben, habe ich eben kurz erläutert. Wichtig ist mir persönlich, klar zu stellen, dass es nicht an den Mitarbeitern hier in Augsburg lag. Das sieht man auch daran, dass der Betrieb hier auch jetzt reibungslos weitergeht. Die Qualifikation und das Engagement der Belegschaft sind exzellent.

Wie wirkt sich die Schließung auf die weiteren deutschen Standorte aus?

Auch an anderen Standorten in Deutschland gibt es Mitarbeiter, die eng mit den Funktionen und Aufgabenbereichen des Werks Augsburg verbunden und dementsprechend von der geplanten globalen Zentralisierung der Aufgaben betroffen sind.

Was sind die nächsten Schritte bis September 2020?

Unser Hauptaugenmerk liegt nun darauf, Klarheit für unsere Beschäftigten, für unsere Partner und für unsere Kunden zu schaffen. Vor einigen Tagen haben die Beratungen mit den zuständigen Arbeitnehmervertretungen begonnen. Ziel dieser Beratungen und den darauffolgenden Verhandlungen ist es, sozial verträgliche Lösungen für die betroffenen Mitarbeiter zu finden. Darüber hinaus gilt es, den Betrieb aufrecht zu erhalten und einen geordneten Übergang zu finden.

Denn Fujitsu wird ja auch künftig Produkte anbieten. Diesbezüglich sind wir auch in engem Kontakt mit der Konzernzentrale in Japan. In den kommenden fast zwei Jahren werden schrittweise Aufgaben an Japan abgegeben und letztendlich bislang in Augsburg gefertigte Produkte künftig aus Asien geliefert.

Wie geht es für die Mitarbeiter weiter?

Es ist ein elementarer Aspekt der Gespräche, die wir jetzt mit den Arbeitnehmervertretungen führen, sozialverträgliche Lösungen für die Beschäftigten zu finden. Die Voraussetzungen für einzelne Mitarbeiter sind dabei sehr unterschiedlich: Viele haben auch sehr kurzfristig hervorragende Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Denn der Arbeitsmarkt für Mitarbeiter aus vielen Bereichen ist tendenziell gut in der Region. Wir haben zudem auch schon etliche sehr konkrete Anfragen von anderen Firmen erhalten, die auf der Suche nach Arbeitskräften sind. Aber es gibt eben auch Mitarbeiter, die es schwerer haben werden, neue Stellen zu finden und um die wir uns besonders kümmern müssen.

Speziell bei diesen Aspekten bin ich für die Unterstützung durch viele Akteure aus der Region sehr dankbar. So sind wir mit der Augsburger Wirtschaftsreferentin Eva Weber, mit Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl, der bayerischen Staatsregierung, der Arbeitsagentur, der IHK, aber auch anderen Firmen aus der Region Augsburg in engem Kontakt, um Beschäftigten in den nächsten beiden Jahren beim Finden neuer Arbeitsplätze zu helfen.

Was passiert mit dem Werksgelände?

Fujitsu erwägt, das Grundstück zu veräußern.

Haben Sie persönlich schon Pläne für die Zeit nach Fujitsu?

Derzeit haben so viele andere Punkte Priorität, dass diese Frage nicht mal für mich selbst im Vordergrund steht.

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Die hier in Augsburg vorgenommene kundenindividuelle Konfiguration verliert zudem bei vielen Produkten an Bedeutung und der Trend geht hin zu in sehr großen Stückzahlen hergestellten identischen Geräten. Hinzu kommt, dass die überwiegende Mehrzahl der Zulieferer mittlerweile in Asien ansässig ist, sodass wir fast alle Komponenten, die wir für die Fertigung benötigen, nur noch von dort beziehen können, was eine entsprechend aufwendige Logistik zur Folge hat.

Lohnt sich die Fertigung hierzulande nicht mehr?

Wichtige Aspekte der globalen Rahmenbedingungen, die zu dieser strategischen Entscheidung des Konzerns geführt haben, habe ich eben kurz erläutert. Wichtig ist mir persönlich, klar zu stellen, dass es nicht an den Mitarbeitern hier in Augsburg lag. Das sieht man auch daran, dass der Betrieb hier auch jetzt reibungslos weitergeht. Die Qualifikation und das Engagement der Belegschaft sind exzellent.

Wie wirkt sich die Schließung auf die weiteren deutschen Standorte aus?

Auch an anderen Standorten in Deutschland gibt es Mitarbeiter, die eng mit den Funktionen und Aufgabenbereichen des Werks Augsburg verbunden und dementsprechend von der geplanten globalen Zentralisierung der Aufgaben betroffen sind.

Was sind die nächsten Schritte bis September 2020?

Unser Hauptaugenmerk liegt nun darauf, Klarheit für unsere Beschäftigten, für unsere Partner und für unsere Kunden zu schaffen. Vor einigen Tagen haben die Beratungen mit den zuständigen Arbeitnehmervertretungen begonnen. Ziel dieser Beratungen und den darauffolgenden Verhandlungen ist es, sozial verträgliche Lösungen für die betroffenen Mitarbeiter zu finden. Darüber hinaus gilt es, den Betrieb aufrecht zu erhalten und einen geordneten Übergang zu finden.

Denn Fujitsu wird ja auch künftig Produkte anbieten. Diesbezüglich sind wir auch in engem Kontakt mit der Konzernzentrale in Japan. In den kommenden fast zwei Jahren werden schrittweise Aufgaben an Japan abgegeben und letztendlich bislang in Augsburg gefertigte Produkte künftig aus Asien geliefert.

Wie geht es für die Mitarbeiter weiter?

Es ist ein elementarer Aspekt der Gespräche, die wir jetzt mit den Arbeitnehmervertretungen führen, sozialverträgliche Lösungen für die Beschäftigten zu finden. Die Voraussetzungen für einzelne Mitarbeiter sind dabei sehr unterschiedlich: Viele haben auch sehr kurzfristig hervorragende Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Denn der Arbeitsmarkt für Mitarbeiter aus vielen Bereichen ist tendenziell gut in der Region. Wir haben zudem auch schon etliche sehr konkrete Anfragen von anderen Firmen erhalten, die auf der Suche nach Arbeitskräften sind. Aber es gibt eben auch Mitarbeiter, die es schwerer haben werden, neue Stellen zu finden und um die wir uns besonders kümmern müssen.

Speziell bei diesen Aspekten bin ich für die Unterstützung durch viele Akteure aus der Region sehr dankbar. So sind wir mit der Augsburger Wirtschaftsreferentin Eva Weber, mit Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl, der bayerischen Staatsregierung, der Arbeitsagentur, der IHK, aber auch anderen Firmen aus der Region Augsburg in engem Kontakt, um Beschäftigten in den nächsten beiden Jahren beim Finden neuer Arbeitsplätze zu helfen.

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