Fujitsu, Produktion, Innovationspark

Interview mit Eva Weber zum Wirtschaftsstandort Augsburg

Eva Weber, Zweite Bürgermeisterin der Stadt Augsburg. Foto: Ruth Plössl/Stadt Augsburg
Das einzig konstante ist der Wandel – der betrifft auch Augsburg. Eva Weber, Zweiter Bürgermeisterin der Stadt, äußert sich im Interview zu der Zukunft des Standortes und warum Unternehmens-Ansiedlungen und –Schließungen nicht unbedingt ein Widerspruch sind.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Frau Weber, wohin entwickelt sich der Wirtschaftsstandort Augsburg aktuell?

Eva Weber: Digitaler, technologieorientierter, vernetzter: Wobei es hierbei nicht um eine rein aktuelle Entwicklung geht. Es ist ein Entwicklungspfad, der seit vielen Jahren auf Basis der wirtschaftlichen Kompetenzfelder in einem engen Verbund von Wirtschaft, Wissenschaft, den Wirtschaftskammern und -verbänden, Verwaltung und Politik beschritten wird. Für uns als Stadt stehen dabei die Themen Infrastruktur – also leistungsfähige Verkehrswege oder Ausbau des ÖPNV –, Innovationstreiber mit den anwendungsorientierten Forschungsinstituten sowie Vernetzung über Technologietransfer oder Netzwerktreffen im Vordergrund.

Viele neue Unternehmen siedeln sich an, einige alteingesessene gehen. Wie passt das zusammen?

Im Fokus steht die dynamische Bestandspflege und -entwicklung. Durch Standorterweiterungen und Expansion haben sich – und das bestätigt der Blick auf unsere Gewerbestandorte (Sheridan Park, Südtiroler Straße, Umweltpark) – die bereits ansässigen Firmen weiterentwickelt, investiert und Arbeitsplätze gesichert und aufgebaut. Nicht zu vergessen: Kuka hat den Standort in Augsburg deutlich gestärkt und investiert massiv. Diese Woche wurde bei MAN Energy Solutions das Schwerlastzentrum eröffnet. Der Fruchthof Ehinger hat in Lechhausen einen neuen Firmensitz bezogen. Und diese Liste ließe sich noch fortführen.

Wir müssen die sich zum Teil rasend schnell entwickelnde Wirtschaftswelt immer im Blick haben. Globale Herausforderungen wie Ressourcenknappheit, Trends wie New-Work oder die veränderten Anforderungen durch Digitalisierung und Industrie 4.0 fordern auch den Wirtschaftsstandort permanent. Es gibt viele gute Unternehmerbeispiele, die in den letzten Jahren diese Chance der Veränderung genutzt haben und sich neu gegründet oder neu aufgestellt haben.

Natürlich gibt es auch die anderen Beispiele: Weltbild, Ledvance und aktuell Fujitsu stehen dafür. Solche Ereignisse sind natürlich ein Schlag ins Kontor, stehen aber nicht im Widerspruch, weil – und das haben uns die Gespräche mit den Verantwortlichen gezeigt – keine standortbezogenen Gründe ausschlaggebend waren. Wichtig ist für Augsburg als Wirtschaftsstandort, dass wir weiterhin breit aufgestellt bleiben, hervorragende Rahmenbedingungen für die Unternehmen bieten und neue Chancen – wie das Thema Gesundheitswirtschaft mit der neuen Uniklinik – konsequent anpacken.

Ein aktuelles Negativ-Beispiel ist Fujitsu. Welche Faktoren haben hier Ihrer Meinung nach zusammengespielt?

Auch hier gilt, was ich eben erwähnte: Es handelt sich um eine Konzernentscheidung eines Unternehmens, das global aufgestellt ist. Ich bin der Ansicht, dass dabei die Qualität und das Know-how der Beschäftigten hierbei in Augsburg nicht ausreichend in die Waagschale geworfen wurde. Dies gilt nicht minder für die anderen oben genannten Beispiele.

Der Wirtschaftsstandort fokussiert sich immer mehr auf Technologie. Ist das Augsburgs Zukunft?

Natürlich war vor 10 Jahren nicht absehbar, was beispielsweise mit - damals - OSRAM in 2017 oder aktuell mit Fujitsu passieren wird. Was wir aber damals schon erkannt haben ist, dass die Anforderungen für unsere Produktionsunternehmen sich ändern werden. Und dass wir als Region auf diese veränderten Anforderungen gemeinsam mit den Unternehmen Antworten suchen müssen. Und die Suche nach Antworten hat bereits Ergebnisse gebracht: der Augsburg Innovationspark, neue wissenschaftliche und Forschungsinstitute von Fraunhofer und DLR, die neue Universitätsklinik oder eine lebendige Startup-Szene – der Standort prosperiert in vielerlei Hinsicht. Auch der Austausch mit Innovationstreibern beziehungsweise der Technologietransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft wächst.

Wir wollen – und das ist ein breiter Konsens von den Akteuren in der Stadt, der Region und nicht zuletzt des Freistaates Bayern – Produktion als Rückgrat der Wirtschaft- und Beschäftigungsstruktur stärken und weiterentwickeln. Ein Großteil der Wertschöpfung und der Wertschöpfungsnetze entsteht daraus. Viele produktionsnahe Dienstleister entstehen und arbeiten an den Schnittstellen zur Produktion. Auch der Tourismus profitiert massiv von den geschäftlich induzierten Reisen und Übernachtungen in Augsburg. Und trotz der zahlreichen digitalen Kommunikationsmöglichkeiten spielt die räumliche Nähe der Akteure immer (noch) beziehungsweise der direkte Kontakt eine wichtige Rolle. Deshalb steht auch der Vernetzungsgedanke ganz stark bei uns im Mittelpunkt.

Wo und wie begleiten Stadt und Wirtschaftsförderung den aktuellen Wandel?

Die Wirtschaftsförderung ist in vielen Bereichen involviert: bei der Bereitstellung geeigneter Gewerbeflächen, wobei wir hier aktuell auf Grund der hohen Nachfrage, so wie andere Standorte auch, nicht jede Anfrage bedienen können. Wir forcieren Innenentwicklungspotenziale in den Gewerbegebieten wie beispielsweise in Augsburg-Ost, anwendungsorientierte Forschungsinfrastruktur, Technologietransfer, Vernetzung auch zwischen neuen Akteuren der Kultur- und Kreativwirtschaft mit „etablierten“ Wirtschaftsunternehmen sind uns ebenso ein Anliegen wie eine intensive Start-up-Förderung. Hier möchte ich noch die besondere Rolle unserer beiden Gründerzentren betonen, aber auch die spürbare Aufbruchsstimmung ansprechen, die wir in Augsburg in der Start-up-Szene erleben. Die ausgebuchte Veranstaltung „Augsburg gründet“ mit über 400 Teilnehmern in dieser Woche war der beste Beweis.

Welche Rolle nimmt speziell der Innovationspark hier ein?

Der Innovationspark ist so etwas wie der Schmelztiegel für den wissensbasierten Wirtschaftsstandort Augsburg. Wobei ich ausdrücklich betone: Der Innovationspark führt kein Eigenleben. Er ist stark verflochten mit den Unternehmen in Stadt und Region. Aber natürlich stellt der Innovationspark im Standortmarketing einen wichtigen Baustein dar, um den Wirtschaftsstandort insgesamt in der überregionalen Wahrnehmung zu positionieren. Ich freue mich auf jeden Fall sehr darüber, dass der Park inzwischen auch von der privaten Wirtschaft, von privaten Investoren angenommen wird und die ersten Bagger im westlichen Teil aufgefahren sind.

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Eva Weber: Digitaler, technologieorientierter, vernetzter: Wobei es hierbei nicht um eine rein aktuelle Entwicklung geht. Es ist ein Entwicklungspfad, der seit vielen Jahren auf Basis der wirtschaftlichen Kompetenzfelder in einem engen Verbund von Wirtschaft, Wissenschaft, den Wirtschaftskammern und -verbänden, Verwaltung und Politik beschritten wird. Für uns als Stadt stehen dabei die Themen Infrastruktur – also leistungsfähige Verkehrswege oder Ausbau des ÖPNV –, Innovationstreiber mit den anwendungsorientierten Forschungsinstituten sowie Vernetzung über Technologietransfer oder Netzwerktreffen im Vordergrund.

Viele neue Unternehmen siedeln sich an, einige alteingesessene gehen. Wie passt das zusammen?

Im Fokus steht die dynamische Bestandspflege und -entwicklung. Durch Standorterweiterungen und Expansion haben sich – und das bestätigt der Blick auf unsere Gewerbestandorte (Sheridan Park, Südtiroler Straße, Umweltpark) – die bereits ansässigen Firmen weiterentwickelt, investiert und Arbeitsplätze gesichert und aufgebaut. Nicht zu vergessen: Kuka hat den Standort in Augsburg deutlich gestärkt und investiert massiv. Diese Woche wurde bei MAN Energy Solutions das Schwerlastzentrum eröffnet. Der Fruchthof Ehinger hat in Lechhausen einen neuen Firmensitz bezogen. Und diese Liste ließe sich noch fortführen.

Wir müssen die sich zum Teil rasend schnell entwickelnde Wirtschaftswelt immer im Blick haben. Globale Herausforderungen wie Ressourcenknappheit, Trends wie New-Work oder die veränderten Anforderungen durch Digitalisierung und Industrie 4.0 fordern auch den Wirtschaftsstandort permanent. Es gibt viele gute Unternehmerbeispiele, die in den letzten Jahren diese Chance der Veränderung genutzt haben und sich neu gegründet oder neu aufgestellt haben.

Natürlich gibt es auch die anderen Beispiele: Weltbild, Ledvance und aktuell Fujitsu stehen dafür. Solche Ereignisse sind natürlich ein Schlag ins Kontor, stehen aber nicht im Widerspruch, weil – und das haben uns die Gespräche mit den Verantwortlichen gezeigt – keine standortbezogenen Gründe ausschlaggebend waren. Wichtig ist für Augsburg als Wirtschaftsstandort, dass wir weiterhin breit aufgestellt bleiben, hervorragende Rahmenbedingungen für die Unternehmen bieten und neue Chancen – wie das Thema Gesundheitswirtschaft mit der neuen Uniklinik – konsequent anpacken.

Ein aktuelles Negativ-Beispiel ist Fujitsu. Welche Faktoren haben hier Ihrer Meinung nach zusammengespielt?

Auch hier gilt, was ich eben erwähnte: Es handelt sich um eine Konzernentscheidung eines Unternehmens, das global aufgestellt ist. Ich bin der Ansicht, dass dabei die Qualität und das Know-how der Beschäftigten hierbei in Augsburg nicht ausreichend in die Waagschale geworfen wurde. Dies gilt nicht minder für die anderen oben genannten Beispiele.

Der Wirtschaftsstandort fokussiert sich immer mehr auf Technologie. Ist das Augsburgs Zukunft?

Natürlich war vor 10 Jahren nicht absehbar, was beispielsweise mit - damals - OSRAM in 2017 oder aktuell mit Fujitsu passieren wird. Was wir aber damals schon erkannt haben ist, dass die Anforderungen für unsere Produktionsunternehmen sich ändern werden. Und dass wir als Region auf diese veränderten Anforderungen gemeinsam mit den Unternehmen Antworten suchen müssen. Und die Suche nach Antworten hat bereits Ergebnisse gebracht: der Augsburg Innovationspark, neue wissenschaftliche und Forschungsinstitute von Fraunhofer und DLR, die neue Universitätsklinik oder eine lebendige Startup-Szene – der Standort prosperiert in vielerlei Hinsicht. Auch der Austausch mit Innovationstreibern beziehungsweise der Technologietransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft wächst.

Wir wollen – und das ist ein breiter Konsens von den Akteuren in der Stadt, der Region und nicht zuletzt des Freistaates Bayern – Produktion als Rückgrat der Wirtschaft- und Beschäftigungsstruktur stärken und weiterentwickeln. Ein Großteil der Wertschöpfung und der Wertschöpfungsnetze entsteht daraus. Viele produktionsnahe Dienstleister entstehen und arbeiten an den Schnittstellen zur Produktion. Auch der Tourismus profitiert massiv von den geschäftlich induzierten Reisen und Übernachtungen in Augsburg. Und trotz der zahlreichen digitalen Kommunikationsmöglichkeiten spielt die räumliche Nähe der Akteure immer (noch) beziehungsweise der direkte Kontakt eine wichtige Rolle. Deshalb steht auch der Vernetzungsgedanke ganz stark bei uns im Mittelpunkt.

Wo und wie begleiten Stadt und Wirtschaftsförderung den aktuellen Wandel?

Die Wirtschaftsförderung ist in vielen Bereichen involviert: bei der Bereitstellung geeigneter Gewerbeflächen, wobei wir hier aktuell auf Grund der hohen Nachfrage, so wie andere Standorte auch, nicht jede Anfrage bedienen können. Wir forcieren Innenentwicklungspotenziale in den Gewerbegebieten wie beispielsweise in Augsburg-Ost, anwendungsorientierte Forschungsinfrastruktur, Technologietransfer, Vernetzung auch zwischen neuen Akteuren der Kultur- und Kreativwirtschaft mit „etablierten“ Wirtschaftsunternehmen sind uns ebenso ein Anliegen wie eine intensive Start-up-Förderung. Hier möchte ich noch die besondere Rolle unserer beiden Gründerzentren betonen, aber auch die spürbare Aufbruchsstimmung ansprechen, die wir in Augsburg in der Start-up-Szene erleben. Die ausgebuchte Veranstaltung „Augsburg gründet“ mit über 400 Teilnehmern in dieser Woche war der beste Beweis.

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