Interview

Tobias Kollewe: Augsburg wird zur heimlichen Barcamp-Hauptstadt

Tobias Kollewe bei einem Barcamp. Foto: cowork AG
Tobias Kollewe ist Vorstandsvorsitzender der cowork AG. Diese entwickelt und betreibt Coworking-Spaces, veranstaltet aber auch sogenannte Barcamps. Was es mit diesen auf sich hat, warum das Format #digicamp in Augsburg so gut geht und jetzt sogar in Aachen stattfindet lesen Sie im Interview.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Was ist ein Barcamp?

Tobias Kollewe: Barcamps gibt es seit rund 15 Jahren. Als sogenannte „Un-Konferenz“ stehen sie häufig unter einem Leitmotto, zum Beispiel „Digitalisierung“. Jeder Teilnehmer kann selbst zum Konferenzprogramm beitragen. Das Programm wird dabei von den Teilnehmern selbst vorgeschlagen und koordiniert. Vergleichbar sind sie mit dem Open Space-Format, jedoch durchweg lockerer. Spannend an diesem Veranstaltungsformat ist, dass Menschen aufeinander treffen, die außerhalb des Barcamps trotz thematischer Nähe oft wenig Chancen auf direkten Austausch auf Augenhöhe haben, plakativ zum Beispiel Vorstände und Praktikanten. Alle sind per Du, jeder lernt von jedem.

Warum hat sich diese Veranstaltungsform für Sie bewährt?

In allererster Linie sind wir Barcamp-Enthusiasten. Mir und meinen Kollegen macht das Format einfach sehr viel Spaß. Der Blick über den Tellerrand passiert hier ganz von allein. Der Austausch zwischen den Teilnehmern ist dazu grandios (kann man gar nicht anders sagen). Da entstehen ganz spontan Arbeitsgruppen und Workshops, manchmal auch Kooperationen zwischen Unternehmen und Teilnehmer finden neue Jobs. Die Ungezwungenheit des Formats und die Einbeziehung der Teilnehmer tragen viel dazu bei.

Barcamps leben auch davon, dass sie in eine niedrige Einstiegsschwelle haben – auch eine finanzielle. Während klassische Konferenzen in der Regel auf Gewinn ausgelegt sind und mit Ticketpreise im unteren oder mittleren dreistelligen Bereich aufwarten, arbeiten Barcamps in der Regel gerade so kostendeckend. Da haben auch Azubis und Studenten die Chance auf die Teilnahme und treffen auf Unternehmer und Professionals. Es geht für Barcamper viel eher um Networking, Austausch und Lernen, als um teure Keynote-Speaker.

Was ist das besondere an der Veranstaltungsreihe #digicamp?

Obwohl das Thema „Digitalisierung“ mit all seinen Facetten schon seit geraumer Zeit die Tagespresse beherrscht, waren wir doch ein wenig überrascht, dass es noch kein einziges Barcamp zum Thema „Digitalisierung“ in Deutschland gab. Das haben wir dann kurzerhand umgesetzt. Dabei geht es aber nicht um das rein technische Thema, sondern letztlich um alles, was damit einher geht. Also auch New Work, die Menschen und die Auswirkungen auf Gesellschaft.

Wie war die Resonanz bisher auf das #digicamp in Augsburg?

Sensationell. Kann man gar nicht anders sagen. Wir veranstalten Barcamps nun seit mehr als sechs Jahren und wir haben noch nie so einen großen Zuspruch auf ein neues Barcamp bekommen. Schon beim ersten #digicamp waren es deutlich mehr als 100 Teilnehmer, in diesem April 134. Mehr als die Hälfte aller Besucher kam aus einer Entfernung von mehr als 250 Kilometern. Das Thema zieht und vermutlich auch die Stadt Augsburg, die bisher noch nicht auf der Barcamp-Landkarte aufgetaucht ist – so das direkte Feedback einiger Teilnehmer.

Gibt es bereits eine Augsburger Barcamper-Szene und wenn ja, wie sieht diese aus?

Langsam, aber sicher entwickelt sich Augsburg zur heimlichen Barcamp-Hauptstadt. Neben dem #digicamp gab es inzwischen auch ein Barcamp rund um IT-Sicherheit und zu HR-Themen, beide auch sehr professionell organisiert. Ich hoffe, die gibt es 2020 noch einmal. Auf jeden Fall wird es im Frühjahr wieder ein #digicamp in Augsburg geben!

Warum veranstaltet ein Augsburger Unternehmen Barcamps in Augsburg und Aachen?

Viele Besucher der letzten beiden Barcamps in Augsburg hatten eine extrem weiter Anreise aus dem Norden und Westen der Republik. Das widerspricht so ein bisschen unserem Wunsch nach einer niedrigen Einstiegshürde. Lange Anfahrten und notwendige Übernachtungen machen ein Barcamp für Besucher dann doch teurer, als es sein müsste. Und da wir über das Thema Coworking gute Kontakte in die Aachener Region haben, bringen wir das Digicamp in diesem Jahr nochmal in einen Coworking-Space ganz in den Westen – was ja auch ganz gut passt, da „Coworking“ und „Digitalisierung“ von Haus aus ja irgendwie Hand in Hand gehen.

Was sind die drei spannendsten/wichtigsten Lektionen und Infos die Sie persönlich aus Barcamps gezogen haben?

  • Barcamps dienen auch als Jobbörse. Wir hatten mal ein Unternehmen, das auf dem Barcamp spontan einen Arbeitsvertrag mit einem Teilnehmer abgeschlossen hat.
  • Barcamps funktionieren leider nicht ohne regionale Sponsoren und Presse. Und da bin ich gerade unseren Augsburger Partnern sehr dankbar, die das #digicamp vom Start weg so toll unterstützt haben.
  • Der bewusst niedrige Ticketpreis bringt leider auch einen Malus mit sich: Was nichts kostet, kann nichts sein. Das scheint den ein oder anderen zu Unrecht abzuschrecken.
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Tobias Kollewe: Barcamps gibt es seit rund 15 Jahren. Als sogenannte „Un-Konferenz“ stehen sie häufig unter einem Leitmotto, zum Beispiel „Digitalisierung“. Jeder Teilnehmer kann selbst zum Konferenzprogramm beitragen. Das Programm wird dabei von den Teilnehmern selbst vorgeschlagen und koordiniert. Vergleichbar sind sie mit dem Open Space-Format, jedoch durchweg lockerer. Spannend an diesem Veranstaltungsformat ist, dass Menschen aufeinander treffen, die außerhalb des Barcamps trotz thematischer Nähe oft wenig Chancen auf direkten Austausch auf Augenhöhe haben, plakativ zum Beispiel Vorstände und Praktikanten. Alle sind per Du, jeder lernt von jedem.

Warum hat sich diese Veranstaltungsform für Sie bewährt?

In allererster Linie sind wir Barcamp-Enthusiasten. Mir und meinen Kollegen macht das Format einfach sehr viel Spaß. Der Blick über den Tellerrand passiert hier ganz von allein. Der Austausch zwischen den Teilnehmern ist dazu grandios (kann man gar nicht anders sagen). Da entstehen ganz spontan Arbeitsgruppen und Workshops, manchmal auch Kooperationen zwischen Unternehmen und Teilnehmer finden neue Jobs. Die Ungezwungenheit des Formats und die Einbeziehung der Teilnehmer tragen viel dazu bei.

Barcamps leben auch davon, dass sie in eine niedrige Einstiegsschwelle haben – auch eine finanzielle. Während klassische Konferenzen in der Regel auf Gewinn ausgelegt sind und mit Ticketpreise im unteren oder mittleren dreistelligen Bereich aufwarten, arbeiten Barcamps in der Regel gerade so kostendeckend. Da haben auch Azubis und Studenten die Chance auf die Teilnahme und treffen auf Unternehmer und Professionals. Es geht für Barcamper viel eher um Networking, Austausch und Lernen, als um teure Keynote-Speaker.

Was ist das besondere an der Veranstaltungsreihe #digicamp?

Obwohl das Thema „Digitalisierung“ mit all seinen Facetten schon seit geraumer Zeit die Tagespresse beherrscht, waren wir doch ein wenig überrascht, dass es noch kein einziges Barcamp zum Thema „Digitalisierung“ in Deutschland gab. Das haben wir dann kurzerhand umgesetzt. Dabei geht es aber nicht um das rein technische Thema, sondern letztlich um alles, was damit einher geht. Also auch New Work, die Menschen und die Auswirkungen auf Gesellschaft.

Wie war die Resonanz bisher auf das #digicamp in Augsburg?

Sensationell. Kann man gar nicht anders sagen. Wir veranstalten Barcamps nun seit mehr als sechs Jahren und wir haben noch nie so einen großen Zuspruch auf ein neues Barcamp bekommen. Schon beim ersten #digicamp waren es deutlich mehr als 100 Teilnehmer, in diesem April 134. Mehr als die Hälfte aller Besucher kam aus einer Entfernung von mehr als 250 Kilometern. Das Thema zieht und vermutlich auch die Stadt Augsburg, die bisher noch nicht auf der Barcamp-Landkarte aufgetaucht ist – so das direkte Feedback einiger Teilnehmer.

Gibt es bereits eine Augsburger Barcamper-Szene und wenn ja, wie sieht diese aus?

Langsam, aber sicher entwickelt sich Augsburg zur heimlichen Barcamp-Hauptstadt. Neben dem #digicamp gab es inzwischen auch ein Barcamp rund um IT-Sicherheit und zu HR-Themen, beide auch sehr professionell organisiert. Ich hoffe, die gibt es 2020 noch einmal. Auf jeden Fall wird es im Frühjahr wieder ein #digicamp in Augsburg geben!

Warum veranstaltet ein Augsburger Unternehmen Barcamps in Augsburg und Aachen?

Viele Besucher der letzten beiden Barcamps in Augsburg hatten eine extrem weiter Anreise aus dem Norden und Westen der Republik. Das widerspricht so ein bisschen unserem Wunsch nach einer niedrigen Einstiegshürde. Lange Anfahrten und notwendige Übernachtungen machen ein Barcamp für Besucher dann doch teurer, als es sein müsste. Und da wir über das Thema Coworking gute Kontakte in die Aachener Region haben, bringen wir das Digicamp in diesem Jahr nochmal in einen Coworking-Space ganz in den Westen – was ja auch ganz gut passt, da „Coworking“ und „Digitalisierung“ von Haus aus ja irgendwie Hand in Hand gehen.

Was sind die drei spannendsten/wichtigsten Lektionen und Infos die Sie persönlich aus Barcamps gezogen haben?

  • Barcamps dienen auch als Jobbörse. Wir hatten mal ein Unternehmen, das auf dem Barcamp spontan einen Arbeitsvertrag mit einem Teilnehmer abgeschlossen hat.
  • Barcamps funktionieren leider nicht ohne regionale Sponsoren und Presse. Und da bin ich gerade unseren Augsburger Partnern sehr dankbar, die das #digicamp vom Start weg so toll unterstützt haben.
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