Standort-Umfrage, Folge 2

Thomas Hauser: „Corona ist Beginn einer Zeitenwende“

Wir haben bei Augsburger Unternehmen nachgefragt, wie sie die aktuelle Corona-Lage am Standort Augsburg einschätzen. Thomas Hauser, Geschäftsführender Gesellschafter der Thomas Hauser GmbH, hat erklärt, weshalb jetzt die richtige Zeit ist, in den Durchstarte-Modus umzuschalten.

B4B Wirtschaftsleben Schwaben: Die Corona-Krise hinterlässt immer deutlichere Spuren am Standort Augsburg. Wie schätzen Sie die aktuelle Lage ein?

Thomas Hauser: Sicher ist die Krise, die ja fast schon eine kleine Zeitenwende war, noch nicht überstanden. Aber die Unternehmen müssen jetzt alle mit Mut, Vertrauen und Zuversicht in die Zukunft schauen und gut ausbalancierte Entscheidungen mit Augenmaß treffen. Der Standort Augsburg mit seiner industriellen und in Großteilen internationalen Prägung ist massiv von der Pandemie betroffen. Trotzdem sollte nicht nur über Personalabbau und Kurzarbeit nachgedacht werden. Kreative Lösungen und schöpferische Kraft sind gefragt, gerade auch auf der Absatzseite. Über neue Geschäftsmodelle sprechen wir schon lange – dafür kann genau jetzt der Startschuss sein. Der notwendige Veränderungsdruck ist da. Unternehmen müssen Orientierung zurückgewinnen und aus der Ungewissheiten heraus neue Geschäftsmodelle und Produkte entwickeln. Manager sollten aktuelle Gestaltungsspielräume gezielt nutzen und vom Krisen- auf den Durchstarte-Modus umschalten.

Mit welchem Gefühl blicken Sie auf die nächsten drei Monate? Mit welchen Entwicklungen rechnen Sie?

Wir können uns nicht darauf verlassen, bald einen guten und in ausreichenden Mengen vorhandenen Impfstoff beziehungsweise entsprechende Medikamente zu haben. Aktuell müssen wir alle lernen, mit Corona umzugehen. Disziplin, Abstand, Hygiene und eine gute Kommunikation sind geboten. Von der Politik wünsche ich mir hier ein koordinierteres Vorgehen. Gerade wird jeden Tag ein neues Corona-Thema durch die Dörfer getrieben. Und meistens sind die Dinge so aufbereitet, dass sie nur schwer zu verstehen sind. Die Menschen sind verunsichert. Was wir aber brauchen sind Fakten, verlässliche Informationen und nachvollziehbare Lösungen. Wir brauchen Mutmacher, die uns motivieren und mit gesundem Menschenverstand agieren.

Was muss passieren, dass der Standort weiter attraktiv bleibt?

Die Industrie muss ein wichtiges Standbein der Augsburger Wirtschaft bleiben. Daneben gilt es, sukzessive neue Branchen und Zweige zu entwickeln und fördern. Grundsätzlich ist Augsburg auf einem guten Weg. Neben der Wirtschaft sollte die Mobilität weiterentwickelt werden. Noch mehr Fahrradfahrer in Augsburg fände ich toll und auch der Bereich des Sozialen muss gestärkt werden. Natürlich müssen auch Touristen nach Augsburg kommen – hierfür wurde und wird Vieles getan.

Braucht es politische Unterstützung? Wenn ja, in welcher Form?

Aus meiner Sicht hat es schon ganz schön viel politische Unterstützung in Form von Hilfen des Bundes und der Länder gegeben. Was wir brauchen sind gute und verlässliche Informationen sowie eine koordinierende Rolle der verantwortlichen Politiker. Parteigrenzen müssen aktuell gekappt werden. Alle müssen an einem Strang ziehen. Mehr Koordination braucht es vor allem in der abgestimmten Kommunikation. Ärzte, Virologen, Wirtschaftswaise und ähnliche müssen sich gemeinsam an einen Tisch setzen und sich zusammenraufen.

Die traditionellen Branchen kriseln. Wo sehen Sie Potenzial für neue Sparten, die den Standort gestärkt aus der Krise hervorgehen lassen?

Wie gesagt glaube ich, dass die Industrie am Standort ein zentrales Standbein bleiben wird. Ansonsten gibt es doch auch erfreuliche Entwicklungen: Im Bereich Umwelttechnologien, Kreativwirtschaft, Mobilitätslösungen, Logistiknetzwerke und Digitalwirtschaft ist in Augsburg vieles passiert. Es sind die richtigen Bereiche gefördert worden. Dieser Weg sollte systematisch und beharrlich weiterverfolgt werden. Und schließlich ist da noch die Medizin. Das Universitätsklinikum und der Ausbau der Universität sind erst der Anfang. Die Augsburger Hochschulen sind nah dran am Puls und greifen stets neue Entwicklungen auf. Aus meiner Sicht ist Augsburg gut aufgestellt.

Wie stellen Sie sich Augsburg in zehn Jahren vor?

Nicht zu groß, vielleicht noch etwas mediterraner als heute. Meiner Meinung nach sollten wir in zehn Jahren in der Stadt weniger Lärm und Autos vorfinden. Diesbezüglich habe ich Bauchschmerzen, denn im Moment geht die Entwicklung eher zu möglichst viel Beton auf kleinstem Raum. Persönlich wünsche ich mir den einen oder anderen neuen architektonischen „landmark“. So wie etwa das Guggenheim-Museum in Bilbao. Das würde Augsburg noch mehr Beachtung verschaffen.

Wann wird sich die Wirtschaft von der Corona-Krise erholen?

Ich glaube, dass Corona der Beginn einer kleinen Zeitenwende war. Ich hoffe, dass die Welt nachhaltiger, bewusster und wieder ein wenig entschleunigter wird. Vielleicht waren wirklich zu viele Flugzeuge am Himmel und zu viele Mega-Kreuzfahrtschiffe auf den Weltmeeren. Die Welt war in Teilen etwas zu dekadent und gierig unterwegs. Ich hoffe, dass sich das wieder einpendelt und die Menschen nicht nur an sich und ihr direktes Umfeld denken. Egoismus ist gerade jetzt extrem gefährlich. Denn dann wird die Schere derer, die sich gut mit der Krise arrangieren können und derer, die immer mehr Not leiden, größer und größer. Mehr solidarisches Denken und Handeln ist angebracht, denn nur dann werden wir gestärkt, erholt und neu ausgerichtet aus der Corona-Zeit herausstarten. Wenn nichts Größeres dazwischenkommt, kann ich mir vorstellen, dass sich ab dem zweiten Quartal 2021 die Dinge wieder in eine sehr positive Richtung entwickeln.

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Thomas Hauser: Sicher ist die Krise, die ja fast schon eine kleine Zeitenwende war, noch nicht überstanden. Aber die Unternehmen müssen jetzt alle mit Mut, Vertrauen und Zuversicht in die Zukunft schauen und gut ausbalancierte Entscheidungen mit Augenmaß treffen. Der Standort Augsburg mit seiner industriellen und in Großteilen internationalen Prägung ist massiv von der Pandemie betroffen. Trotzdem sollte nicht nur über Personalabbau und Kurzarbeit nachgedacht werden. Kreative Lösungen und schöpferische Kraft sind gefragt, gerade auch auf der Absatzseite. Über neue Geschäftsmodelle sprechen wir schon lange – dafür kann genau jetzt der Startschuss sein. Der notwendige Veränderungsdruck ist da. Unternehmen müssen Orientierung zurückgewinnen und aus der Ungewissheiten heraus neue Geschäftsmodelle und Produkte entwickeln. Manager sollten aktuelle Gestaltungsspielräume gezielt nutzen und vom Krisen- auf den Durchstarte-Modus umschalten.

Mit welchem Gefühl blicken Sie auf die nächsten drei Monate? Mit welchen Entwicklungen rechnen Sie?

Wir können uns nicht darauf verlassen, bald einen guten und in ausreichenden Mengen vorhandenen Impfstoff beziehungsweise entsprechende Medikamente zu haben. Aktuell müssen wir alle lernen, mit Corona umzugehen. Disziplin, Abstand, Hygiene und eine gute Kommunikation sind geboten. Von der Politik wünsche ich mir hier ein koordinierteres Vorgehen. Gerade wird jeden Tag ein neues Corona-Thema durch die Dörfer getrieben. Und meistens sind die Dinge so aufbereitet, dass sie nur schwer zu verstehen sind. Die Menschen sind verunsichert. Was wir aber brauchen sind Fakten, verlässliche Informationen und nachvollziehbare Lösungen. Wir brauchen Mutmacher, die uns motivieren und mit gesundem Menschenverstand agieren.

Was muss passieren, dass der Standort weiter attraktiv bleibt?

Die Industrie muss ein wichtiges Standbein der Augsburger Wirtschaft bleiben. Daneben gilt es, sukzessive neue Branchen und Zweige zu entwickeln und fördern. Grundsätzlich ist Augsburg auf einem guten Weg. Neben der Wirtschaft sollte die Mobilität weiterentwickelt werden. Noch mehr Fahrradfahrer in Augsburg fände ich toll und auch der Bereich des Sozialen muss gestärkt werden. Natürlich müssen auch Touristen nach Augsburg kommen – hierfür wurde und wird Vieles getan.

Braucht es politische Unterstützung? Wenn ja, in welcher Form?

Aus meiner Sicht hat es schon ganz schön viel politische Unterstützung in Form von Hilfen des Bundes und der Länder gegeben. Was wir brauchen sind gute und verlässliche Informationen sowie eine koordinierende Rolle der verantwortlichen Politiker. Parteigrenzen müssen aktuell gekappt werden. Alle müssen an einem Strang ziehen. Mehr Koordination braucht es vor allem in der abgestimmten Kommunikation. Ärzte, Virologen, Wirtschaftswaise und ähnliche müssen sich gemeinsam an einen Tisch setzen und sich zusammenraufen.

Die traditionellen Branchen kriseln. Wo sehen Sie Potenzial für neue Sparten, die den Standort gestärkt aus der Krise hervorgehen lassen?

Wie gesagt glaube ich, dass die Industrie am Standort ein zentrales Standbein bleiben wird. Ansonsten gibt es doch auch erfreuliche Entwicklungen: Im Bereich Umwelttechnologien, Kreativwirtschaft, Mobilitätslösungen, Logistiknetzwerke und Digitalwirtschaft ist in Augsburg vieles passiert. Es sind die richtigen Bereiche gefördert worden. Dieser Weg sollte systematisch und beharrlich weiterverfolgt werden. Und schließlich ist da noch die Medizin. Das Universitätsklinikum und der Ausbau der Universität sind erst der Anfang. Die Augsburger Hochschulen sind nah dran am Puls und greifen stets neue Entwicklungen auf. Aus meiner Sicht ist Augsburg gut aufgestellt.

Wie stellen Sie sich Augsburg in zehn Jahren vor?

Nicht zu groß, vielleicht noch etwas mediterraner als heute. Meiner Meinung nach sollten wir in zehn Jahren in der Stadt weniger Lärm und Autos vorfinden. Diesbezüglich habe ich Bauchschmerzen, denn im Moment geht die Entwicklung eher zu möglichst viel Beton auf kleinstem Raum. Persönlich wünsche ich mir den einen oder anderen neuen architektonischen „landmark“. So wie etwa das Guggenheim-Museum in Bilbao. Das würde Augsburg noch mehr Beachtung verschaffen.

Wann wird sich die Wirtschaft von der Corona-Krise erholen?

Ich glaube, dass Corona der Beginn einer kleinen Zeitenwende war. Ich hoffe, dass die Welt nachhaltiger, bewusster und wieder ein wenig entschleunigter wird. Vielleicht waren wirklich zu viele Flugzeuge am Himmel und zu viele Mega-Kreuzfahrtschiffe auf den Weltmeeren. Die Welt war in Teilen etwas zu dekadent und gierig unterwegs. Ich hoffe, dass sich das wieder einpendelt und die Menschen nicht nur an sich und ihr direktes Umfeld denken. Egoismus ist gerade jetzt extrem gefährlich. Denn dann wird die Schere derer, die sich gut mit der Krise arrangieren können und derer, die immer mehr Not leiden, größer und größer. Mehr solidarisches Denken und Handeln ist angebracht, denn nur dann werden wir gestärkt, erholt und neu ausgerichtet aus der Corona-Zeit herausstarten. Wenn nichts Größeres dazwischenkommt, kann ich mir vorstellen, dass sich ab dem zweiten Quartal 2021 die Dinge wieder in eine sehr positive Richtung entwickeln.

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