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Technische Hochschule Augsburg darf fahrerlose Autos im öffentlichen Verkehr testen
E-Mobilität

Technische Hochschule Augsburg darf fahrerlose Autos im öffentlichen Verkehr testen

Die THA hat als erste Hochschule für angewandte Wissenschaften in Deutschland die Genehmigung erhalten, ein Level-4-System für
Die THA hat als erste Hochschule für angewandte Wissenschaften inDeutschland die Genehmigung erhalten, ein Level-4-System für dasautonome Fahren auf öffentlichen Straßen deutschlandweit zu testen. (v.r.): Prof. Dr. Carsten Markgraft, Wissenschaftlicher Leiter des TTZLandsberg am Lech, und Prof. Dr. Gordon Thomas Rohrmair, Präsidentder Technischen Hochschule Augsburg, mit dem Forschungsfahrzeug. Foto: THA

Die THA erhält als erste Hochschule für angewandte Wissenschaften in Deutschland die bundesweite Genehmigung zur Erprobung eines Level-4-Systems für autonomes Fahren auf öffentlichen Straßen. Das Kraftfahrt-Bundesamt erlaubt damit fahrerlose Testfahrten in definierten Einsatzbereichen.

Das Kraftfahrt-Bundesamt hat den Forschenden der Technischen Hochschule Augsburg (THA) am Technologietransferzentrum (TTZ) in Landsberg am Lech eine deutschlandweite Erprobungsgenehmigung für ein Level-4-System erteilt. Das bedeutet, dass künftig ein Testfahrzeug ohne Fahrer innerhalb klar abgegrenzter Bereiche im öffentlichen Straßenverkehr eingesetzt werden darf. Die THA ist die erste Hochschule für angewandte Wissenschaften und insgesamt die zweite Hochschule in Deutschland, die eine solche Genehmigung federführend erhält. 

Autonomes Fahren als Forschungsschwerpunkt 

Autonomes Fahren ist vielerorts fester Bestandteil von Lehre und Forschung, so auch an der THA. Studierende des Vereins StarkStrom Augsburg e.V. entwickeln autonome Elektro-Rennwagen und erzielen damit regelmäßig Spitzenplatzierungen bei der international ausgerichteten Formula Student. Viele der heutigen Forschenden im Bereich autonome Systeme am TTZ waren zuvor selbst in diesem Umfeld aktiv. Nun ist es ihnen gelungen, das autonome Fahren ohne Fahrer auf Level 4 im öffentlichen Straßenverkehr zu erproben, wobei die Fahrten weiterhin durch eine technische Aufsichtsperson überwacht werden. „Diesen Erfolg hat sich das Team über Jahre hin hart erarbeitet. Das ist Forschung für die Zukunft der Mobilität. Mit dieser Genehmigung haben sich die Forscherinnen und Forscher am TTZ Landsberg am Lech eine Pole-Position verdientermaßen gesichert“, würdigt der Präsident der Technischen Hochschule Augsburg, Prof. Dr. Dr. h.c. Gordon Thomas Rohrmair, die Erteilung der Erlaubnis. Dass Automatisierung und KI feste Bestandteile fast aller THA-Studiengänge sind, erklärte Rohrmair der B4B-Redaktion auch in seinem Ausblick auf das Wirtschaftsjahr

NeMo.bil als Grundlage der Genehmigung 

Die Basis für die bundesweite Level-4-Genehmigung wurde am TTZ Data Science und Autonome Systeme in Landsberg am Lech gelegt. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr.-Ing. Carsten Markgraf entstand sie im Rahmen des Verbundprojekts „Neue Mobilität“ (NeMo.bil), das 2024 mit dem Deutschen Mobilitätspreis in der Kategorie „Neue Mobilitätslösungen“ ausgezeichnet wurde. Ziel des Projekts sei ein schwarmfähiges Mobilitätssystem, das eine nachhaltige und bedarfsgerechte Personen- und Güterbeförderung im ländlichen Raum ermöglicht. Entwickelt werden dafür selbstfahrende Leichtbaufahrzeuge, sogenannte Cabs, die sich selbstständig an- und abkoppeln können. 

Sicherheit, Überwachung und Reallabor 

Die Level-4-Genehmigung ermögliche es, die autonomen Fahrfunktionen der NeMo.bil-Cabs unter realen Verkehrsbedingungen zu testen und weiterzuentwickeln. Dabei stehen insbesondere Sicherheit und Zuverlässigkeit im Fokus. „Die Level-4-Genehmigung des Kraftfahrt-Bundesamtes ermöglicht es uns, autonome Testfahrten auf von uns festgelegten Routen auf öffentlichen Straßen und damit sozusagen im Reallabor vorzunehmen und unser Forschungsumfeld zu erweitern“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Carsten Markgraf.

Getestet wird unter anderem der Umgang mit sogenannten Edge-Cases, also ungewöhnlichen oder extremen Verkehrssituationen. Die Fahrzeuge sind dafür mit umfangreicher Sensorik ausgestattet, darunter LiDAR-Sensoren zur Erstellung präziser 3D-Umgebungsmodelle, Kameras, Radar, detaillierte Umgebungskarten und eine digitale Steuerungsplattform. Während der Erprobung ist weiterhin eine technische Aufsichtsperson vorgesehen. „Sicherheitsfahrer begleiten unser Cab wie ein Fahrlehrer den Fahrschüler – das ist bei Erprobung und Forschung von Level 4 noch vorgesehen“, so Markgraf.

Rahmenbedingungen und Förderung 

Die Erprobung von Level-4-Systemen ist in Deutschland gesetzlich geregelt. Mit der Änderung des Straßenverkehrsgesetzes im Juli 2021 wurde die Grundlage für automatisiertes und autonomes Fahren geschaffen. Die Genehmigung erfordert ein mehrstufiges behördliches Verfahren, einschließlich einer Betriebserlaubnis durch das Kraftfahrt-Bundesamt sowie Genehmigungen lokaler Behörden. 

Die THA erhielt eine deutschlandweite Erlaubnis für öffentliche Straßen mit einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von bis zu 60 km/h, Autobahnen sind daher ausgeschlossen, befristet auf vier Jahre. Eine Verlängerung sei bei Bedarf möglich. Die Forschungsarbeiten im Projekt NeMo.bil werden vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. Zusätzlich unterstützt der Freistaat Bayern im Rahmen der Hightech Agenda Bayern das Technologietransferzentrum Data Science und Autonome Systeme. Die Räumlichkeiten für das TTZ werden vom Landkreis sowie von der Stadt Landsberg am Lech bereitgestellt. 

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