Technikerschule Augsburg

Technikerschule Augsburg im Wandel: Interview mit Schuldirektor Schalk

Schuldirektor der Technikerschule Augsburg, Werner Schalk. Foto: Christina Bleier

Die Technikerschule Augsburg (TA) hat innerhalb kürzester Zeit gleich drei Jubiläen: Schulleiter Werner Schalk ist seit 20 Jahren im Amt, die kontakTA feiert 2017 ihr zehnjähriges Jubiläum und die TA wird kommendes Frühjahr 25. Welche grundlegenden Änderungen damit auf die Technikerschule Augsburg zukommen, verriet Schalk im Interview mit B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Sie sind seit 20 Jahren als Schulleiter der TA aktiv. Wie viel sind zwei Jahrzehnte umgerechnet in „Technikjahren“?

Werner Schalk: In zwei Jahrzehnten haben sich unzählige technologische Neuerungen durchgesetzt. Bezüglich der Lerninhalte hat die berufliche Bildung einen enormen Wandel vollzogen. Ich denke dabei an die Entwicklung der IT-Techniken und die damit einhergehende Digitalisierung. Aber auch die umfassende Automatisierung und Vernetzung der Produktion und das integrierende Konzept der Mechatronik sind Beispiele. So gesehen sind zwei Jahrzehnte eine sehr lange, zugleich aber sehr schnelllebige Zeit, denn die Entwicklungszyklen in der Technik wurden immer kürzer.

Über welchen technischen Fortschritt hat man vor 20 Jahren noch gelacht, der jetzt Realität oder vielleicht sogar Alltag ist?

Da fallen mir spontan zwei Beispiele ein: Kommunikation via SMS und das selbstfahrende Auto. Jeder hat in den 90er Jahren gedacht, dass der Austausch von SMS-Nachrichten eine unnötige Spielerei ist. Heute kommunizieren wir privat, aber auch beruflich über diesen Kanal. Der Gedanke an das selbstfahrende Auto war immer einen Lacher wert und gehörte in den Bereich Science Fiction. Heute findet das Auto die Parklücke und parkt selbständig ein.

Sie haben eine Ausbildung im Bereich Kommunikationselektronik gemacht, dann jedoch Lehramt studiert. Wie hat beides Sie beruflich geprägt?

Aufgrund der technischen Ausbildung und beruflichen Erfahrung verstehe ich technische Zusammenhänge und kann technologische Entwicklungen in ihrer Wertigkeit für die Schule deuten. Über das Lehramtsstudium habe ich meine berufliche Liebe zum Thema Unterricht und Schulorganisation gefunden. Die Verknüpfung von Technik und Lernen hat mich in den vielen Jahren als Schulleiter begeistert und vorangetrieben.

Jeder Techniker hat seinen Werkzeugkasten: Welches Werkzeug darf bei einem Schulleiter der TA nie fehlen?

Mein wichtigstes Werkzeug ist Kommunikation – nach innen wie nach außen. Aber auch die Fähigkeit interessensausgleichende Kompromisse zu erzeugen, gehört dazu.

Kommendes Jahr veranstaltet die TA zum zehnten Mal die kontakTA – Jobmesse für Techniker. Was bedeutet Ihnen das?

Etwas stolz sind wir schon. Wir haben als Technikerschule innerhalb von zehn Jahren eine in der Wirtschaftsregion Augsburg bestens etablierte Jobmesse geschaffen. Jährlich nehmen circa 50 Unternehmen daran teil. Wir werden zum Jubiläum das bewährte Konzept aber nicht grundlegend verändern. Die eine oder andere Überraschung lassen wir uns dennoch einfallen. Mehr verraten wir jedoch noch nicht.

Im Laufe des kommenden Schuljahrs wird die TA 25 Jahre alt. An welchen Stellschrauben würden Sie gerne weiter drehen?

Vorrangig werden wir unsere Unterrichtsmethoden verändern. Lernen an sich, aber insbesondere das Lernen im System Schule wird sich mit der nächsten Jugendgeneration maßgeblich verändern. Wir sind gefordert, neue Lernkonzepte zu entwickeln. Vorrangig wollen wir die Lehre modern, interaktiv und motivierend gestalten. Zudem werden sich die Lerninhalte in den nächsten Jahren in vielen Lernfeldern verändern – für das Thema „Industrie 4.0“ haben wir an der Technikerschule Augsburg bereits die Türen geöffnet.

Ein weiteres wichtiges Feld sind die Kooperationen mit Hochschulen im In- und Ausland. Hier entwickeln wir verkürzte Studienangebote, bei denen der Abschluss an der TA angerechnet wird. Sogar der Hochschulzugang kann schon an unserer Schule vorbereitet werden.

Gibt es ein Thema, auf das Sie sich persönlich besonders freuen?

Ja, ich würde gerne die Verpackungstechnologie an die Schule bringen. Da verbinden sich hochkomplexe Produktionstechnologie mit kreativer Ideenvielfalt in der Gestaltung. Das fasziniert mich.

Halten Sie Kontakt zu Ihren Absolventen?

Da wir circa 900 Studierende zu staatlich geprüften Technikern weiterbilden, kenne ich nicht mehr jeden Absolventen persönlich. Wir alle sind hier aber sehr interessiert, welche berufliche Laufbahn die Absolventen einschlagen. Wir laden jährlich zum Ehemaligentreffen ein und seit zwei Jahren hat sich ein AbsolventINNENforum erfolgreich etabliert. Gar nicht so selten empfehlen Techniker, die die TA besuchten, dasselbe ihrem Nachwuchs. Darauf sind wir besonders stolz. Joachim Herfert, heute Ausbildungsleiter bei Airbus Helicopters in Donauwörth, ist so ein Beispiel.

Das Interview führte Iris Zeilnhofer.

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Schuldirektor der Technikerschule Augsburg, Werner Schalk. Foto: Christina Bleier

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B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Sie sind seit 20 Jahren als Schulleiter der TA aktiv. Wie viel sind zwei Jahrzehnte umgerechnet in „Technikjahren“?

Werner Schalk: In zwei Jahrzehnten haben sich unzählige technologische Neuerungen durchgesetzt. Bezüglich der Lerninhalte hat die berufliche Bildung einen enormen Wandel vollzogen. Ich denke dabei an die Entwicklung der IT-Techniken und die damit einhergehende Digitalisierung. Aber auch die umfassende Automatisierung und Vernetzung der Produktion und das integrierende Konzept der Mechatronik sind Beispiele. So gesehen sind zwei Jahrzehnte eine sehr lange, zugleich aber sehr schnelllebige Zeit, denn die Entwicklungszyklen in der Technik wurden immer kürzer.

Über welchen technischen Fortschritt hat man vor 20 Jahren noch gelacht, der jetzt Realität oder vielleicht sogar Alltag ist?

Da fallen mir spontan zwei Beispiele ein: Kommunikation via SMS und das selbstfahrende Auto. Jeder hat in den 90er Jahren gedacht, dass der Austausch von SMS-Nachrichten eine unnötige Spielerei ist. Heute kommunizieren wir privat, aber auch beruflich über diesen Kanal. Der Gedanke an das selbstfahrende Auto war immer einen Lacher wert und gehörte in den Bereich Science Fiction. Heute findet das Auto die Parklücke und parkt selbständig ein.

Sie haben eine Ausbildung im Bereich Kommunikationselektronik gemacht, dann jedoch Lehramt studiert. Wie hat beides Sie beruflich geprägt?

Aufgrund der technischen Ausbildung und beruflichen Erfahrung verstehe ich technische Zusammenhänge und kann technologische Entwicklungen in ihrer Wertigkeit für die Schule deuten. Über das Lehramtsstudium habe ich meine berufliche Liebe zum Thema Unterricht und Schulorganisation gefunden. Die Verknüpfung von Technik und Lernen hat mich in den vielen Jahren als Schulleiter begeistert und vorangetrieben.

Jeder Techniker hat seinen Werkzeugkasten: Welches Werkzeug darf bei einem Schulleiter der TA nie fehlen?

Mein wichtigstes Werkzeug ist Kommunikation – nach innen wie nach außen. Aber auch die Fähigkeit interessensausgleichende Kompromisse zu erzeugen, gehört dazu.

Kommendes Jahr veranstaltet die TA zum zehnten Mal die kontakTA – Jobmesse für Techniker. Was bedeutet Ihnen das?

Etwas stolz sind wir schon. Wir haben als Technikerschule innerhalb von zehn Jahren eine in der Wirtschaftsregion Augsburg bestens etablierte Jobmesse geschaffen. Jährlich nehmen circa 50 Unternehmen daran teil. Wir werden zum Jubiläum das bewährte Konzept aber nicht grundlegend verändern. Die eine oder andere Überraschung lassen wir uns dennoch einfallen. Mehr verraten wir jedoch noch nicht.

Im Laufe des kommenden Schuljahrs wird die TA 25 Jahre alt. An welchen Stellschrauben würden Sie gerne weiter drehen?

Vorrangig werden wir unsere Unterrichtsmethoden verändern. Lernen an sich, aber insbesondere das Lernen im System Schule wird sich mit der nächsten Jugendgeneration maßgeblich verändern. Wir sind gefordert, neue Lernkonzepte zu entwickeln. Vorrangig wollen wir die Lehre modern, interaktiv und motivierend gestalten. Zudem werden sich die Lerninhalte in den nächsten Jahren in vielen Lernfeldern verändern – für das Thema „Industrie 4.0“ haben wir an der Technikerschule Augsburg bereits die Türen geöffnet.

Ein weiteres wichtiges Feld sind die Kooperationen mit Hochschulen im In- und Ausland. Hier entwickeln wir verkürzte Studienangebote, bei denen der Abschluss an der TA angerechnet wird. Sogar der Hochschulzugang kann schon an unserer Schule vorbereitet werden.

Gibt es ein Thema, auf das Sie sich persönlich besonders freuen?

Ja, ich würde gerne die Verpackungstechnologie an die Schule bringen. Da verbinden sich hochkomplexe Produktionstechnologie mit kreativer Ideenvielfalt in der Gestaltung. Das fasziniert mich.

Halten Sie Kontakt zu Ihren Absolventen?

Da wir circa 900 Studierende zu staatlich geprüften Technikern weiterbilden, kenne ich nicht mehr jeden Absolventen persönlich. Wir alle sind hier aber sehr interessiert, welche berufliche Laufbahn die Absolventen einschlagen. Wir laden jährlich zum Ehemaligentreffen ein und seit zwei Jahren hat sich ein AbsolventINNENforum erfolgreich etabliert. Gar nicht so selten empfehlen Techniker, die die TA besuchten, dasselbe ihrem Nachwuchs. Darauf sind wir besonders stolz. Joachim Herfert, heute Ausbildungsleiter bei Airbus Helicopters in Donauwörth, ist so ein Beispiel.

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