Stadt Augsburg /Stadtwerke Augsburg / erdgas schwaben

Stadtwerke-Fusion auf dem Prüfstand: Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie

(v.l.) Dietmayer (swa/egs), Gribl (Oberbürgermeister), Reichel (Thüga), Casazza (swa) zur möglichen Stadtwerke Fusion. Foto: B4B

Das Geschäftsmodell kommunaler Stadtwerke steht am Scheideweg: Kaum einer anderen Branche stehen so drastische Veränderungen bevor wie den Energiedienstleistungen. Dieser Herausforderung wollen sich die Stadtwerke Augsburg und erdgas schwaben künftig gemeinsam stellen. Welche Chancen sich aus einer Fusion ergeben und wie groß die Risiken für die Unternehmen und Mitarbeiter tatsächlich sind, wurde im Rahmen einer Machbarkeitsstudie ermittelt, deren Ergebnisse nun präsentiert wurden.

von Kathrin Lüders, Online-Redaktion

Für die Stadtwerke Augsburg (swa) und erdgas schwaben hängt viel von der Entscheidung zur möglichen Fusion ab. Dies bestätigt der zweite Teil der vom Stadtrat beantragten Machbarkeitsstudie, deren Ergebnisse am 8. April 2015 im Kongress am Park präsentiert wurden. „Der Wandel am Energiemarkt drängt uns in eine Ecke und macht uns über kurz oder lang manövrierunfähig“, veranschaulichte swa und erdgas schwaben Geschäftsführer Klaus-Peter Dietmayer die Situation. „Um am Markt bestehen zu bleiben, brauchen wir ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell.“  Dieses ist nach Auffassung der beiden Augsburger Energieversorger allein langfristig nicht stemmbar. Die swa befürchten vor allem durch die absehbaren Einbußen im Energiebereich Probleme bei der Querfinanzierung des Verkehrsbereichs, der auf den Zuschuss durch die Energiesparte angewiesen ist, um rund 40 Millionen jährlichen Verlust auszugleichen.

Restrukturierung trifft swa auch ohne Fusion: rund 60 Stellen werden abgebaut

Die Studie bestätigt das hohe Synergiepotential von rund 11,5 Millionen Euro jährlich. 70 Prozent davon würden auf die Stadtwerke entfallen. Ermöglicht werden diese Summen unter anderem durch die Reduktion von Mitarbeiterstellen, Einsparungen bei IT-Systemen, besserer Auslastung bestehender Abteilungen und den gemeinsamen Einkauf über den Thüga-Verbund. Betriebsbedingte Kündigungen wären bis 31. Dezember 2023, also in den nächsten acht Jahren, nicht möglich, bestätigte Geschäftsführer Dr. Walter Casazza. Der Abbau von Arbeitsplätzen bei den Stadtwerken wäre jedoch auch ohne eine Fusion nicht zu vermeiden. Aufgrund des Wandels im Energiemarkt ist eine Restruktierung ohnehin notwendig, die unabhängig von einer Partnerschaft mit erdgas schwaben innerhalb der nächsten fünf bis sechs Jahre 50 bis 60 Planstellen betreffen würde. Durch eine Fusion könnten im gleichen Zeitraum 50 weitere Arbeitsplätze wegfallen – diese insgesamt 110 Stellen würden jedoch durch die natürliche Fluktuation im Unternehmen aufgefangen. „Rund 195 Mitarbeiter werden in den nächsten fünf bis sechs Jahren in Altersteilzeit oder den Ruhestand gehen“, so Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl. Daher würde es innerhalb dieser Zeit trotz dem Abbau von Planstellen auch Neu-Einstellungen geben. Derzeit sind 2.164 Mitarbeiter bei beiden Unternehmen beschäftigt, 1.200 davon in der Energiesparte. Besonders die Ausbildung von eigenen Nachwuchskräften, etwa durch duale Studiengänge, könnte durch eine Fusion gestärkt werden.

Gegenstimmen streben ein Bürgerbegehren an. Sie fürchten unter anderem um die Eigenständigkeit der kommunalen Stadtwerke und Arbeitsplätze. Auch diese Bedenken kamen im Rahmen der Machbarkeitsstudie II auf den Prüfstand. OB Gribl betonte wiederholt, dass von einer möglichen Fusion nur die Energiesparte, nicht etwa Trinkwasser oder Verkehr, betroffen wäre. Auch die vertraglich festgelegte Sperrminorität sei keineswegs so drastisch, wie sie von Fusions-Gegnern angeführt würde. Als Minderheitsgesellschafter könne die Thüga ihr Veto bei schwerwiegenden Veränderungen am Gesellschaftervertrag einlegen. Außerdem wäre für einen der beiden Geschäftsführer des Energiebereichs eine Einheitsbestimmung notwendig.

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden dieser Anzeige!

Wir verwenden einen Drittanbieterdienst, um Anzeigen darzustellen, die möglicherweise Daten über Ihre Aktivität sammeln. Bitte überprüfen Sie die Details und akzeptieren Sie den Dienst, um diese Anzeige zu sehen.

Dieser Inhalt darf aufgrund von Trackern, die dem Besucher nicht bekannt gegeben werden, nicht geladen werden. Der Website-Eigentümer muss die Website mit seinem CMP einrichten, um diesen Inhalt in die Liste der verwendeten Technologien aufzunehmen.

powered by Usercentrics Consent Management Platform

Auch für den Fall, dass die Thüga ihre Anteile an den Augsburger Stadtwerken verkaufen wolle, oder das Unternehmen sich verändern sollte, beispielsweise durch die mehrheitliche Anteilsvergabe an private Investoren, könne vorgesorgt werden. Dafür gäbe es für die Stadtwerke Augsburg ein Vorkaufsrecht, die Unternehmensanteile zu einem Preis, der durch ein unabhängiges Wertgutachten ermittelt wird, zurückzukaufen.

Nicht ganz reibungslos präsentiert sich das Ergebnis um die Inhouse-Vergabe von Energiedienstleistungen: Hier müsste die Stadt Augsburg künftig öffentlich ausschreiben, und das fusionierte Unternehmen ein Angebot abgeben. „In der Praxis spielt das jedoch keine große Rolle“, stellte OB Gribl klar. „Die Stadtwerke Augsburg werden ein gutes Angebot machen. Sollte dieses von einem anderen Dienstleister unterboten werden, bleibt der Vorteil, dass wir für die Energiedienstleistung weniger bezahlen werden“.

Bürger und Mitarbeiter können sich an den Stadtwerken beteiligen

Für beide Unternehmen gemeinsam wurde ein Gesamtwert von 1,3 Milliarden Euro ermittelt. In Form eines Bürgerdarlehens sollen im Falle einer Fusion bevorzugt Mitarbeiter, aber auch Bürger die Möglichkeit haben, sich mit insgesamt 1 Prozent an den Stadtwerken zu beteiligen. Dieses Prozent würde die Thüga von ihrem Anteil zur Verfügung stellen. Sollten durch Mitarbeiter und Bürger die erforderlichen 13.000.000 Euro nicht zustande kommen, würde der Rest von den Stadtwerken Augsburg übernommen. „Dies stellt für die Stadtwerke kein Problem dar“, so OB Gribl. „Wir möchten den Mitarbeitern und Bürgern dieses Angebot jedoch gerne unterbreiten, als klares Signal, dass Engagement erwünscht ist“.

Mit der Veröffentlichung der Studienergebnisse bezieht Oberbürgermeister Gribl klar Stellung: „Auch wenn mir anderes unterstellt wurde, habe ich den Prozess vom Anfang, bis zur Feststellung der Ergebnisse der Machbarkeitsstudie als ergebnisoffen betrachtet.“ Nach der eingehenden Prüfung wäre er sich nun sicher, dass die Thüga der richtige Partner sei, mit dem man Zukunft gestalten könne. Auf die Frage, wie es denn nun weiterginge, antwortete der Oberbürgermeister schlicht: „Ich weiß es nicht“, und verwies auf die Stadtratssitzung am 23. April 2015.

Weitere Artikel zum Gleichen Thema
Stadt Augsburg /Stadtwerke Augsburg / erdgas schwaben

Stadtwerke-Fusion auf dem Prüfstand: Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie

(v.l.) Dietmayer (swa/egs), Gribl (Oberbürgermeister), Reichel (Thüga), Casazza (swa) zur möglichen Stadtwerke Fusion. Foto: B4B

Das Geschäftsmodell kommunaler Stadtwerke steht am Scheideweg: Kaum einer anderen Branche stehen so drastische Veränderungen bevor wie den Energiedienstleistungen. Dieser Herausforderung wollen sich die Stadtwerke Augsburg und erdgas schwaben künftig gemeinsam stellen. Welche Chancen sich aus einer Fusion ergeben und wie groß die Risiken für die Unternehmen und Mitarbeiter tatsächlich sind, wurde im Rahmen einer Machbarkeitsstudie ermittelt, deren Ergebnisse nun präsentiert wurden.

von Kathrin Lüders, Online-Redaktion

Für die Stadtwerke Augsburg (swa) und erdgas schwaben hängt viel von der Entscheidung zur möglichen Fusion ab. Dies bestätigt der zweite Teil der vom Stadtrat beantragten Machbarkeitsstudie, deren Ergebnisse am 8. April 2015 im Kongress am Park präsentiert wurden. „Der Wandel am Energiemarkt drängt uns in eine Ecke und macht uns über kurz oder lang manövrierunfähig“, veranschaulichte swa und erdgas schwaben Geschäftsführer Klaus-Peter Dietmayer die Situation. „Um am Markt bestehen zu bleiben, brauchen wir ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell.“  Dieses ist nach Auffassung der beiden Augsburger Energieversorger allein langfristig nicht stemmbar. Die swa befürchten vor allem durch die absehbaren Einbußen im Energiebereich Probleme bei der Querfinanzierung des Verkehrsbereichs, der auf den Zuschuss durch die Energiesparte angewiesen ist, um rund 40 Millionen jährlichen Verlust auszugleichen.

Restrukturierung trifft swa auch ohne Fusion: rund 60 Stellen werden abgebaut

Die Studie bestätigt das hohe Synergiepotential von rund 11,5 Millionen Euro jährlich. 70 Prozent davon würden auf die Stadtwerke entfallen. Ermöglicht werden diese Summen unter anderem durch die Reduktion von Mitarbeiterstellen, Einsparungen bei IT-Systemen, besserer Auslastung bestehender Abteilungen und den gemeinsamen Einkauf über den Thüga-Verbund. Betriebsbedingte Kündigungen wären bis 31. Dezember 2023, also in den nächsten acht Jahren, nicht möglich, bestätigte Geschäftsführer Dr. Walter Casazza. Der Abbau von Arbeitsplätzen bei den Stadtwerken wäre jedoch auch ohne eine Fusion nicht zu vermeiden. Aufgrund des Wandels im Energiemarkt ist eine Restruktierung ohnehin notwendig, die unabhängig von einer Partnerschaft mit erdgas schwaben innerhalb der nächsten fünf bis sechs Jahre 50 bis 60 Planstellen betreffen würde. Durch eine Fusion könnten im gleichen Zeitraum 50 weitere Arbeitsplätze wegfallen – diese insgesamt 110 Stellen würden jedoch durch die natürliche Fluktuation im Unternehmen aufgefangen. „Rund 195 Mitarbeiter werden in den nächsten fünf bis sechs Jahren in Altersteilzeit oder den Ruhestand gehen“, so Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl. Daher würde es innerhalb dieser Zeit trotz dem Abbau von Planstellen auch Neu-Einstellungen geben. Derzeit sind 2.164 Mitarbeiter bei beiden Unternehmen beschäftigt, 1.200 davon in der Energiesparte. Besonders die Ausbildung von eigenen Nachwuchskräften, etwa durch duale Studiengänge, könnte durch eine Fusion gestärkt werden.

Gegenstimmen streben ein Bürgerbegehren an. Sie fürchten unter anderem um die Eigenständigkeit der kommunalen Stadtwerke und Arbeitsplätze. Auch diese Bedenken kamen im Rahmen der Machbarkeitsstudie II auf den Prüfstand. OB Gribl betonte wiederholt, dass von einer möglichen Fusion nur die Energiesparte, nicht etwa Trinkwasser oder Verkehr, betroffen wäre. Auch die vertraglich festgelegte Sperrminorität sei keineswegs so drastisch, wie sie von Fusions-Gegnern angeführt würde. Als Minderheitsgesellschafter könne die Thüga ihr Veto bei schwerwiegenden Veränderungen am Gesellschaftervertrag einlegen. Außerdem wäre für einen der beiden Geschäftsführer des Energiebereichs eine Einheitsbestimmung notwendig.

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden dieser Anzeige!

Wir verwenden einen Drittanbieterdienst, um Anzeigen darzustellen, die möglicherweise Daten über Ihre Aktivität sammeln. Bitte überprüfen Sie die Details und akzeptieren Sie den Dienst, um diese Anzeige zu sehen.

Dieser Inhalt darf aufgrund von Trackern, die dem Besucher nicht bekannt gegeben werden, nicht geladen werden. Der Website-Eigentümer muss die Website mit seinem CMP einrichten, um diesen Inhalt in die Liste der verwendeten Technologien aufzunehmen.

powered by Usercentrics Consent Management Platform

Auch für den Fall, dass die Thüga ihre Anteile an den Augsburger Stadtwerken verkaufen wolle, oder das Unternehmen sich verändern sollte, beispielsweise durch die mehrheitliche Anteilsvergabe an private Investoren, könne vorgesorgt werden. Dafür gäbe es für die Stadtwerke Augsburg ein Vorkaufsrecht, die Unternehmensanteile zu einem Preis, der durch ein unabhängiges Wertgutachten ermittelt wird, zurückzukaufen.

Nicht ganz reibungslos präsentiert sich das Ergebnis um die Inhouse-Vergabe von Energiedienstleistungen: Hier müsste die Stadt Augsburg künftig öffentlich ausschreiben, und das fusionierte Unternehmen ein Angebot abgeben. „In der Praxis spielt das jedoch keine große Rolle“, stellte OB Gribl klar. „Die Stadtwerke Augsburg werden ein gutes Angebot machen. Sollte dieses von einem anderen Dienstleister unterboten werden, bleibt der Vorteil, dass wir für die Energiedienstleistung weniger bezahlen werden“.

Bürger und Mitarbeiter können sich an den Stadtwerken beteiligen

Für beide Unternehmen gemeinsam wurde ein Gesamtwert von 1,3 Milliarden Euro ermittelt. In Form eines Bürgerdarlehens sollen im Falle einer Fusion bevorzugt Mitarbeiter, aber auch Bürger die Möglichkeit haben, sich mit insgesamt 1 Prozent an den Stadtwerken zu beteiligen. Dieses Prozent würde die Thüga von ihrem Anteil zur Verfügung stellen. Sollten durch Mitarbeiter und Bürger die erforderlichen 13.000.000 Euro nicht zustande kommen, würde der Rest von den Stadtwerken Augsburg übernommen. „Dies stellt für die Stadtwerke kein Problem dar“, so OB Gribl. „Wir möchten den Mitarbeitern und Bürgern dieses Angebot jedoch gerne unterbreiten, als klares Signal, dass Engagement erwünscht ist“.

Mit der Veröffentlichung der Studienergebnisse bezieht Oberbürgermeister Gribl klar Stellung: „Auch wenn mir anderes unterstellt wurde, habe ich den Prozess vom Anfang, bis zur Feststellung der Ergebnisse der Machbarkeitsstudie als ergebnisoffen betrachtet.“ Nach der eingehenden Prüfung wäre er sich nun sicher, dass die Thüga der richtige Partner sei, mit dem man Zukunft gestalten könne. Auf die Frage, wie es denn nun weiterginge, antwortete der Oberbürgermeister schlicht: „Ich weiß es nicht“, und verwies auf die Stadtratssitzung am 23. April 2015.

Weitere Artikel zum Gleichen Thema
nach oben