Chinesische Investoren in Schwaben

Spätzle mit Stäbchen?

Symbolbild. Foto: iStock/bernjuer, nevodka, TiSanti
Die schwäbisch-chinesischen Beziehungen erreichten 2016 eine neue Blüte. Denn hiesige Unternehmen sind als Investitionsobjekt ins Visier von Einkäufern aus dem Reich der Mitte gelangt.

Investoren aus China befinden sich derzeit auf Ein­kaufstour quer durch Europa. Gerade eine Region wie Bayerisch-Schwaben verfügt dabei über hohe Anziehungskraft. Der Eigentümerwechsel bei KUKA steht symptomatisch für die neue Entwicklung. Das In­teresse der Chinesen hat mit Standort-Faktoren zu tun, die gemeinhin als Stärke des bayerisch-schwäbischen Wirtschaftsraums verstanden werden. Zum Beispiel mit dem hohen industriellen Anteil im Branchenquer­schnitt, zum Beispiel mit der ausgeprägten Hightech- Orientierung, zum Beispiel mit dem weitverbreiteten Verständnis für ökonomische Zweckmäßigkeit, wie sie in den „Mächlern und Sächlern“ des Allgäus sogar zum kulturprägenden Standortfaktor wurde.

Allerdings geht es den Chinesen um etwas ganz an­deres als um eine Schnäppchenjagd bei „made in Ger­many“. In den vergangenen Jahrzehnten hätten chine­sische Unternehmen ihr Geschäft zu sehr auf das Reich der Mitte ausgerichtet, analysiert das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) die Ausgangslage. Nun ma­che sich dort die Sorge breit, Chinas Wachstums-Maschine könnte bald die Puste ausgehen. „Eine Diversifizierung des Geschäfts und der Zugang zu aus­ländischen Märkten werden immer wichtiger. Deswe­gen schauen sich die Chinesen nun auch in Europa um“, schreibt das IW.

„Made in China“ braucht Beratungskompetenz vor Ort

Zudem hätten sich die Produktions- und Angebots­-Strukturen des Landes verändert. Der Stempel „made in China“ finde sich immer häufiger auf Hochtechnolo­gie-Produkten. „Doch um die Kunden bei entsprechen­den Produkten zu betreuen, zu beraten sowie ihre Be­dürfnisse zu berücksichtigen, ist Präsenz auf dem Markt unerlässlich. Allein aus diesem Grund wollen die chinesischen Investoren ihre Präsenz in Europa stärken“, so das IW. „Dabei lässt sich Markenbindung viel leichter mit einer übernommenen etablierten eu­ropäischen Marke herstellen als mit einer neu einge­führten chinesischen.“

Zahlreiche Beispiele hätten bisher gezeigt, dass es keinen Grund zur Sorge für deutsche Belegschaften bei einer Übernahme aus Fernost gebe: Der Betonpum­pen-Hersteller Putzmeister oder der Automobilzuliefe­rer Kiekert etwa wurden ebenfalls aus Fernost über­nommen. Die Chinesen haben bis heute an den Stand­orten festgehalten und schufen im Fall Putzmeister so­gar neue Arbeitsplätze. „Auch beim Roboterhersteller KUKA spricht für den Fall einer chinesischen Übernah­me viel dafür, dass die Käufer den Standort halten. Das Ziel der Chinesen ist es in der Regel nämlich, den Be­trieb fortzuführen, ja sogar zu expandieren“, argumen­tiert das Institut.

Besserer Marktzugang für schwäbische Unternehmen in China

Positiv gestimmt, was das chinesische Engagement angeht, ist man auch bei der IHK Schwaben. Bei der Er­öffnung des eigenen China Competence Centers (CCC) Ende Oktober würdigte Dieter Weidner, Vizepräsident der IHK Schwaben, den fulminanten Aufstieg der Wirt­schaftsmacht: „Da sich immer öfter chinesische Unter­nehmen für Unternehmen in Deutschland interessie­ren, mit dem Wunsch sich hierzulande anzusiedeln, wollen wir mit dem CCC die Zusammenarbeit und Ver­netzung bayerischer und chinesischer Firmen in Schwaben unterstützen. Dabei verfolgen wir als Ziele die Standort-Sicherung unserer Region durch langfristi­ge Innovationen, die Bestands-Sicherung und Erweite­rung hiesiger Firmen sowie Arbeitsplätze und verhel­fen schwäbischen Unternehmen zu einem besseren Marktzugang in China.“

China bietet Chancen für den bayerisch-schwäbischen Mittelstand

Diese Frage brennt in der Tat vielen Unternehmen un­ter den Nägeln: Wie sieht es in umgekehrter Richtung aus, mit den Chancen schwäbischer Mittelständler in China? Dass das Land seinen Status als billige Werk­bank verloren hat, ist inzwischen eine Binsenweisheit. In der Tat zählen andere Parameter. „Es geht den Un­ternehmen bei Neuansiedlungen längst nicht mehr nur um den Aufbau von Produktions-Anlagen“, sagte Christian Sommer, Geschäftsführer des German Centre Shanghai anlässlich des „China Polls 2015“, den sein Haus gemeinsam mit dem Chinaforum Bayern veröf­fentlicht hatte.

„Die in den vergangenen Jahren auf dem Markt ver­kauften Maschinen benötigen Ersatzteile und Repara­turen. Entsprechend stehen Service- und After-Sales- Angebote hoch im Kurs. Aber auch Unternehmen an­derer Branchen suchen vermehrt nach weiteren Standorten in China: Logistiker, Rechtsanwälte, Con­sulting-Häuser oder Steuerberater – sie alle interes­sieren sich für neue Niederlassungen. Das zeigt die Befragung ebenso wie unsere Praxis vor Ort.“ Die Zah­len sprechen für sich: Wer bereits vor Ort in China vertreten ist, weitet sein Geschäft aus. Mehr als jedes dritte deutsche Unternehmen plant weitere Standor­te, 32 Prozent sind unentschieden und nur 33 Prozent haben keine entsprechenden Pläne.

„Die Unternehmen prüfen sehr genau, wo sie sich niederlassen wollen. Und sie sind bei der Standortent­scheidung wählerischer geworden“, spricht China-Ex­perte Sommer über seine Erfahrungen. Insbesondere Produktions- und Einkaufs-Niederlassungen werden im Gegensatz zu früher zunehmend außerhalb von Shanghai, Peking oder Guangzhou errichtet. Im Fokus stehen oft kleinere Städte im Umfeld der großen Metro­polen.“ Ein vertrautes Terrain für Firmen aus Baye­risch-Schwaben: Mit dieser Art von Land und Leuten sind sie bestens vertraut.

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Allerdings geht es den Chinesen um etwas ganz an­deres als um eine Schnäppchenjagd bei „made in Ger­many“. In den vergangenen Jahrzehnten hätten chine­sische Unternehmen ihr Geschäft zu sehr auf das Reich der Mitte ausgerichtet, analysiert das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) die Ausgangslage. Nun ma­che sich dort die Sorge breit, Chinas Wachstums-Maschine könnte bald die Puste ausgehen. „Eine Diversifizierung des Geschäfts und der Zugang zu aus­ländischen Märkten werden immer wichtiger. Deswe­gen schauen sich die Chinesen nun auch in Europa um“, schreibt das IW.

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Zudem hätten sich die Produktions- und Angebots­-Strukturen des Landes verändert. Der Stempel „made in China“ finde sich immer häufiger auf Hochtechnolo­gie-Produkten. „Doch um die Kunden bei entsprechen­den Produkten zu betreuen, zu beraten sowie ihre Be­dürfnisse zu berücksichtigen, ist Präsenz auf dem Markt unerlässlich. Allein aus diesem Grund wollen die chinesischen Investoren ihre Präsenz in Europa stärken“, so das IW. „Dabei lässt sich Markenbindung viel leichter mit einer übernommenen etablierten eu­ropäischen Marke herstellen als mit einer neu einge­führten chinesischen.“

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„Die Unternehmen prüfen sehr genau, wo sie sich niederlassen wollen. Und sie sind bei der Standortent­scheidung wählerischer geworden“, spricht China-Ex­perte Sommer über seine Erfahrungen. Insbesondere Produktions- und Einkaufs-Niederlassungen werden im Gegensatz zu früher zunehmend außerhalb von Shanghai, Peking oder Guangzhou errichtet. Im Fokus stehen oft kleinere Städte im Umfeld der großen Metro­polen.“ Ein vertrautes Terrain für Firmen aus Baye­risch-Schwaben: Mit dieser Art von Land und Leuten sind sie bestens vertraut.

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