IHK Schwaben

So wirkt sich die Brexit-Einigung auf die schwäbische Wirtschaft aus

Der Sitz der IHK Schwaben in Augsburg. Foto: B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
In der EU werden gerade wichtige Weichen gestellt. Diese haben auch Auswirkungen auf die Wirtschaft in Bayerisch-Schwaben. Das sagt die IHK Schwaben zu der kürzlich erzielten Einigung zum Brexit.

Mit großer Erleichterung hat die IHK Schwaben die erzielte Einigung zum Brexit aufgenommen. Die Wirtschaft in Bayerisch-Schwaben hofft jetzt auf ein baldiges Ende der Hängepartie, berichtet die IHK- Verlässliche Regelungen für die Zeit nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU sind nun möglich, heißt es seitens der IHK weiter.

Aussicht auf Planungssicherheit für Unternehmen

„Für die rund 500 Firmen aus Bayerisch-Schwaben mit aktiven Geschäftsbeziehungen ins Vereinigte Königreich ist die Aussicht auf Planungssicherheit in greifbare Nähe gerückt. Es ist zu hoffen, dass das Parlament der Einigung rasch zustimmen wird“, so Jana Lovell, Leiterin des IHK-Geschäftsfelds International. Bei einem positiven Votum wäre der Weg frei für eine Übergangsphase bis Ende 2020. Die Option eines „harten Brexits“ am 30.03.2019 sei damit vom Tisch.

Verunsicherung über den Brexit

Wie wichtig die Entscheidung für die Wirtschaft ist, hat sich in einer IHK-Umfrage im Oktober 2018 gezeigt. Mehr als die Hälfte der Unternehmen aus Schwaben hatte angegeben, dass sie die konkreten Auswirkungen des Brexit noch immer nicht absehen kann. 87 Prozent der Unternehmer sprachen sich dafür aus, dass zusätzliche Kostenbelastungen durch Zölle und Steuern verhindert werden sollten. Genau so viele Unternehmen befürchten mehr Bürokratie wie Zollanmeldungen oder Zulassungsverfahren.

Rückläufige Außenhandelszahlen

Die Verunsicherung über den Brexit in der Wirtschaft ist auch an den rückläufigen Außenhandelszahlen deutlich geworden. So sinkt das Handelsvolumen Bayerns mit dem Vereinigten Königreich seit dem Brexit-Referendum in 2016 immer weiter ab. Auf der Rangliste der wichtigsten Handelspartner nimmt das Land nunmehr Rang 7 ein, 2016 lag das Vereinigte Königreich noch auf Platz 5. Obwohl die bayerischen Gesamt-Exporte und Importe während der ersten acht Monate diesen Jahres deutlich gewachsen sind, liegen die Handelszahlen mit dem Vereinigten Königreich deutlich unter den Werten des Vorjahrs.

Italienische Haushaltsdebatte beunruhigt Unternehmen 

Auch die Debatte um die Haushaltspläne der italienischen Regierung sorgt bei einem Teil der dort aktiven schwäbischen Unternehmen für Beunruhigung. Eine aktuelle IHK-Befragung unter den rund 700 schwäbischen Unternehmen mit aktiven Geschäftsbeziehungen mit Italien ergab, dass mit rund 15 Prozent rund jedes siebte Unternehmen noch für 2018 negative Auswirkungen durch die politische Verschärfung der Haushaltskrise befürchtet, wie etwa ein Absatzrückgang oder Preissteigerungen beim Einkauf.

Großteil bleibt aber gelassen 

Ein gleich großer Anteil geht von einer mittelfristig sinkenden Entwicklung des eigenen Italien-Geschäftes aus. Dass sich mittelfristig nichts ändert, glauben 26 Prozent, 11 Prozent gehen gar von einer mittelfristig positiven Entwicklung aus. Der größte Teil der Unternehmen bleibt aber trotz des Schlagabtausches zwischen Italien und der EU-Kommission gelassen. Rund 65 Prozent sehen keine unmittelbare Auswirkung auf ihr Italien-Geschäft.

Unternehmen stellen sich den Herausforderungen

Jörg Buck, Vorstandsmitglied der AHK Italien, dazu: „Der Optimismus unserer Mitgliedsunternehmen ist ein Zeichen dafür, dass aktuell die italienische Industrie und die hier aktiven Unternehmen sich robust den strukturellen Herausforderungen des Landes stellen. Das Wachstum ist vor allem über internationale Märkte getrieben. Die Qualifizierung von Fachkräften ist Grundlage für diesen positiven Trend.“  

Geringe Zahlungsmoral und Kaufkraft italienischer Kunden

„Die Haushaltspläne der italienischen Regierung signalisieren eine bedauernswerte Abkehr Italiens vom vereinbarten Stabilitäts- und Reformkurs", sagt Andreas Wind, Länderreferent Italien aus dem Mittelmeer-Projektbüro der IHK Schwaben in Lindau. Die EU-Kommission fordere zu Recht Nachbesserungen, betont Wind. „Denn die Eurozone kann nur funktionieren, wenn sich all ihre Mitglieder an die vereinbarten Regeln halten." Laut Umfrage der IHK Schwaben sind die derzeit größten Geschäftshemmnisse für schwäbische Unternehmen in Italien die geringe Zahlungsmoral und Kaufkraft italienischer Kunden.

Weitere Artikel zum Gleichen Thema
IHK Schwaben

So wirkt sich die Brexit-Einigung auf die schwäbische Wirtschaft aus

Der Sitz der IHK Schwaben in Augsburg. Foto: B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
In der EU werden gerade wichtige Weichen gestellt. Diese haben auch Auswirkungen auf die Wirtschaft in Bayerisch-Schwaben. Das sagt die IHK Schwaben zu der kürzlich erzielten Einigung zum Brexit.

Mit großer Erleichterung hat die IHK Schwaben die erzielte Einigung zum Brexit aufgenommen. Die Wirtschaft in Bayerisch-Schwaben hofft jetzt auf ein baldiges Ende der Hängepartie, berichtet die IHK- Verlässliche Regelungen für die Zeit nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU sind nun möglich, heißt es seitens der IHK weiter.

Aussicht auf Planungssicherheit für Unternehmen

„Für die rund 500 Firmen aus Bayerisch-Schwaben mit aktiven Geschäftsbeziehungen ins Vereinigte Königreich ist die Aussicht auf Planungssicherheit in greifbare Nähe gerückt. Es ist zu hoffen, dass das Parlament der Einigung rasch zustimmen wird“, so Jana Lovell, Leiterin des IHK-Geschäftsfelds International. Bei einem positiven Votum wäre der Weg frei für eine Übergangsphase bis Ende 2020. Die Option eines „harten Brexits“ am 30.03.2019 sei damit vom Tisch.

Verunsicherung über den Brexit

Wie wichtig die Entscheidung für die Wirtschaft ist, hat sich in einer IHK-Umfrage im Oktober 2018 gezeigt. Mehr als die Hälfte der Unternehmen aus Schwaben hatte angegeben, dass sie die konkreten Auswirkungen des Brexit noch immer nicht absehen kann. 87 Prozent der Unternehmer sprachen sich dafür aus, dass zusätzliche Kostenbelastungen durch Zölle und Steuern verhindert werden sollten. Genau so viele Unternehmen befürchten mehr Bürokratie wie Zollanmeldungen oder Zulassungsverfahren.

Rückläufige Außenhandelszahlen

Die Verunsicherung über den Brexit in der Wirtschaft ist auch an den rückläufigen Außenhandelszahlen deutlich geworden. So sinkt das Handelsvolumen Bayerns mit dem Vereinigten Königreich seit dem Brexit-Referendum in 2016 immer weiter ab. Auf der Rangliste der wichtigsten Handelspartner nimmt das Land nunmehr Rang 7 ein, 2016 lag das Vereinigte Königreich noch auf Platz 5. Obwohl die bayerischen Gesamt-Exporte und Importe während der ersten acht Monate diesen Jahres deutlich gewachsen sind, liegen die Handelszahlen mit dem Vereinigten Königreich deutlich unter den Werten des Vorjahrs.

Italienische Haushaltsdebatte beunruhigt Unternehmen 

Auch die Debatte um die Haushaltspläne der italienischen Regierung sorgt bei einem Teil der dort aktiven schwäbischen Unternehmen für Beunruhigung. Eine aktuelle IHK-Befragung unter den rund 700 schwäbischen Unternehmen mit aktiven Geschäftsbeziehungen mit Italien ergab, dass mit rund 15 Prozent rund jedes siebte Unternehmen noch für 2018 negative Auswirkungen durch die politische Verschärfung der Haushaltskrise befürchtet, wie etwa ein Absatzrückgang oder Preissteigerungen beim Einkauf.

Großteil bleibt aber gelassen 

Ein gleich großer Anteil geht von einer mittelfristig sinkenden Entwicklung des eigenen Italien-Geschäftes aus. Dass sich mittelfristig nichts ändert, glauben 26 Prozent, 11 Prozent gehen gar von einer mittelfristig positiven Entwicklung aus. Der größte Teil der Unternehmen bleibt aber trotz des Schlagabtausches zwischen Italien und der EU-Kommission gelassen. Rund 65 Prozent sehen keine unmittelbare Auswirkung auf ihr Italien-Geschäft.

Unternehmen stellen sich den Herausforderungen

Jörg Buck, Vorstandsmitglied der AHK Italien, dazu: „Der Optimismus unserer Mitgliedsunternehmen ist ein Zeichen dafür, dass aktuell die italienische Industrie und die hier aktiven Unternehmen sich robust den strukturellen Herausforderungen des Landes stellen. Das Wachstum ist vor allem über internationale Märkte getrieben. Die Qualifizierung von Fachkräften ist Grundlage für diesen positiven Trend.“  

Geringe Zahlungsmoral und Kaufkraft italienischer Kunden

„Die Haushaltspläne der italienischen Regierung signalisieren eine bedauernswerte Abkehr Italiens vom vereinbarten Stabilitäts- und Reformkurs", sagt Andreas Wind, Länderreferent Italien aus dem Mittelmeer-Projektbüro der IHK Schwaben in Lindau. Die EU-Kommission fordere zu Recht Nachbesserungen, betont Wind. „Denn die Eurozone kann nur funktionieren, wenn sich all ihre Mitglieder an die vereinbarten Regeln halten." Laut Umfrage der IHK Schwaben sind die derzeit größten Geschäftshemmnisse für schwäbische Unternehmen in Italien die geringe Zahlungsmoral und Kaufkraft italienischer Kunden.

Weitere Artikel zum Gleichen Thema
nach oben