Abschieds-Interview

Siegfried Kalkbrenner: „Freue mich darauf, mein eigener Herr zu sein“

Siegfried Kalkbrenner, bisheriger stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Schwaben. Foto: HWK Schwaben
Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Schwaben geht nach 40 Jahren in den Ruhestand. Im Interview verrät er, warum er die Kammer nie verließ, welche politischen Entscheidungen das Handwerk am stärksten verändert haben und welchen Tipp er für seine Nachfolger hat.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Herr Kalkbrenner, nach 40 Jahren bei der Handwerkskammer – gibt es etwas was Sie nach all der Zeit immer noch überrascht?

Siegfried Kalkbrenner: Die „Faszination Handwerk“ hat mich nie losgelassen und über die Jahrzehnte hinweg immer wieder auf’s Neue begeistert. Die Kreativität und der Ideenreichtum im Handwerk, der Mut und die pragmatische Herangehensweise der Unternehmer, der Einfallsreichtum in allen Facetten unseres Wirtschaftszweigs, das finde ich einfach toll!

Welche persönlichen Eigenschaften haben Sie in Ihrem Berufsleben weitergebracht?

Offenheit, Loyalität und Geduld. Mit diesen persönlichen Grundeinstellungen bin ich gut gefahren. Ein gesunder Humor, eine Portion Gelassenheit und die Einsicht, dass es manchmal wichtig ist, sich selbst nicht allzu wichtig zu nehmen.

Welche politischen Entscheidungen für das Handwerk waren Ihrer Meinung nach die schwerwiegendsten in den letzten vier Jahrzehnten?

Für das Handwerk bedeutet die Gleichstellung von akademischer und beruflicher Bildung einen Riesenschritt nach vorne. Diese Anerkennung war längst überfällig. Auch die Einführung des Meister BaföG ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung.

Dagegen war die Novellierung der Handwerksordnung (HwO) im Jahr 2004 ein massiver politischer Einschnitt in die Handwerkswirtschaft. Von den 94 „meisterpflichtigen Handwerken“ wurden 53 „zulassungsfrei“. Nur noch für 41 Gewerke braucht es heute einen Meister, um sich selbständig zu machen. Dies hatte schwerwiegende Folgen. Die Ausbildung in den meisterfreien Handwerken brach teilweise dramatisch ein, es kam zu Qualitätseinbußen und die erhofften Effekte der Agenda 2010 – zum Beispiel eine starke Zunahme der Beschäftigten im Handwerk – trat nicht ein.

Warum haben Sie nie den Arbeitgeber gewechselt?

Bei der Handwerkskammer und beim Handwerk hatte ich sehr interessante Aufgabenbereiche. Ich startete nach dem Studium als Betriebsberater und bekam dann die Chance, die Bildungszentren des Hauses auf- und auszubauen. Bildung ist zentral für das Handwerk, spannend und hier gibt es viele gestalterische Freiräume. Ich kam sehr schnell in verschiedene Führungspositionen und als Diplomökonom war mir der Posten des stellvertretenden Hauptgeschäftsführers und Finanzchefs quasi auf den Leib geschneidert.

Sie sollen das finanzielle Gewissen der Kammer sein. Wie kamen Sie zu diesem „Spitznamen“?

Als Finanzchef muss man das Geld zusammen halten und da ist man halt nicht immer „der Liebling aller“. Als Schwabe nehme ich das sehr gelassen. Für mich war immer wichtig, dass die Handwerkskammer über solide Finanzen verfügt, damit wir zielgerichtet, vor allen Dingen in die Bildung, investieren können. Denn diese Investition trägt gute Zinsen.

Rückblickend – Welche handwerkliche Tätigkeit hätten Sie gerne erlernt?

Ganz ehrlich – mein eigenes handwerkliches Talent ist sehr übersichtlich (lacht). Vielleicht hätte ich es als Zimmerer probieren können – aber so wie mein Berufsleben gelaufen ist, war’s sicher besser. Talent hätte ich auch für den Beruf des Lehrers mitgebracht. 

Vor welchem Handwerksberuf haben Sie den größten Respekt?

Da möchte ich keinen explizit hervorheben. Denn das Handwerk vereint so viele Talente, ganz gleich ob im technischen oder auch im künstlerischen Bereich. Ich kann mich dafür begeistern, was die Konditoren kreieren, ich bewundere die Arbeiten der Musikinstrumentenbauer und bin fasziniert davon, was in unseren Bau- und Ausbaugewerken alles geschaffen wird. Das Handwerk und seine Berufe begeistern mich einfach!

Welchen Rat geben Sie Ihren Nachfolgern?

Mit Alfred Kailing und Volker Zimmermann haben zwei erfahrene und langjährige Führungskräfte der Handwerkskammer meine Aufgaben übernommen und der Finanzbereich ist bei Peter Ernd in guten Händen. Da mache ich mir keine Sorgen, es wird alles geregelt weiterlaufen. Persönlich wünsche ich meinen Nachfolgern, dass sie auch von der Faszination Handwerk begleitet werden.

Woran erkannt man, dass es Zeit ist, sich zur Ruhe zu setzen?

Schwarz auf weiß sieht man es am eigenen Geburtsjahr. Das Tempo mit 30 ist anders als mit 60 und ich möchte nun in meinem Leben die Schwerpunkte anders setzen. Ganz wichtig sind mir dabei meine Frau, meine Familie und meine beiden Enkelkinder.

Welchen Traum erfüllen Sie sich nun im Ruhestand?

Ich freue mich darauf, nun ganz mein eigener Herr zu sein und nicht ständig in Terminzwängen zu stehen. Tempo rausnehmen, entschleunigen, mal ausreichend Zeit für Familie, für Freunde und die angenehmen Dinge im Leben, wie Kunst, Kultur und Reisen zu haben, das stelle ich mir schon schön vor. Und wenn die Gesundheit stimmt, dann wird bestimmt alles gut.

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Siegfried Kalkbrenner: Die „Faszination Handwerk“ hat mich nie losgelassen und über die Jahrzehnte hinweg immer wieder auf’s Neue begeistert. Die Kreativität und der Ideenreichtum im Handwerk, der Mut und die pragmatische Herangehensweise der Unternehmer, der Einfallsreichtum in allen Facetten unseres Wirtschaftszweigs, das finde ich einfach toll!

Welche persönlichen Eigenschaften haben Sie in Ihrem Berufsleben weitergebracht?

Offenheit, Loyalität und Geduld. Mit diesen persönlichen Grundeinstellungen bin ich gut gefahren. Ein gesunder Humor, eine Portion Gelassenheit und die Einsicht, dass es manchmal wichtig ist, sich selbst nicht allzu wichtig zu nehmen.

Welche politischen Entscheidungen für das Handwerk waren Ihrer Meinung nach die schwerwiegendsten in den letzten vier Jahrzehnten?

Für das Handwerk bedeutet die Gleichstellung von akademischer und beruflicher Bildung einen Riesenschritt nach vorne. Diese Anerkennung war längst überfällig. Auch die Einführung des Meister BaföG ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung.

Dagegen war die Novellierung der Handwerksordnung (HwO) im Jahr 2004 ein massiver politischer Einschnitt in die Handwerkswirtschaft. Von den 94 „meisterpflichtigen Handwerken“ wurden 53 „zulassungsfrei“. Nur noch für 41 Gewerke braucht es heute einen Meister, um sich selbständig zu machen. Dies hatte schwerwiegende Folgen. Die Ausbildung in den meisterfreien Handwerken brach teilweise dramatisch ein, es kam zu Qualitätseinbußen und die erhofften Effekte der Agenda 2010 – zum Beispiel eine starke Zunahme der Beschäftigten im Handwerk – trat nicht ein.

Warum haben Sie nie den Arbeitgeber gewechselt?

Bei der Handwerkskammer und beim Handwerk hatte ich sehr interessante Aufgabenbereiche. Ich startete nach dem Studium als Betriebsberater und bekam dann die Chance, die Bildungszentren des Hauses auf- und auszubauen. Bildung ist zentral für das Handwerk, spannend und hier gibt es viele gestalterische Freiräume. Ich kam sehr schnell in verschiedene Führungspositionen und als Diplomökonom war mir der Posten des stellvertretenden Hauptgeschäftsführers und Finanzchefs quasi auf den Leib geschneidert.

Sie sollen das finanzielle Gewissen der Kammer sein. Wie kamen Sie zu diesem „Spitznamen“?

Als Finanzchef muss man das Geld zusammen halten und da ist man halt nicht immer „der Liebling aller“. Als Schwabe nehme ich das sehr gelassen. Für mich war immer wichtig, dass die Handwerkskammer über solide Finanzen verfügt, damit wir zielgerichtet, vor allen Dingen in die Bildung, investieren können. Denn diese Investition trägt gute Zinsen.

Rückblickend – Welche handwerkliche Tätigkeit hätten Sie gerne erlernt?

Ganz ehrlich – mein eigenes handwerkliches Talent ist sehr übersichtlich (lacht). Vielleicht hätte ich es als Zimmerer probieren können – aber so wie mein Berufsleben gelaufen ist, war’s sicher besser. Talent hätte ich auch für den Beruf des Lehrers mitgebracht. 

Vor welchem Handwerksberuf haben Sie den größten Respekt?

Da möchte ich keinen explizit hervorheben. Denn das Handwerk vereint so viele Talente, ganz gleich ob im technischen oder auch im künstlerischen Bereich. Ich kann mich dafür begeistern, was die Konditoren kreieren, ich bewundere die Arbeiten der Musikinstrumentenbauer und bin fasziniert davon, was in unseren Bau- und Ausbaugewerken alles geschaffen wird. Das Handwerk und seine Berufe begeistern mich einfach!

Welchen Rat geben Sie Ihren Nachfolgern?

Mit Alfred Kailing und Volker Zimmermann haben zwei erfahrene und langjährige Führungskräfte der Handwerkskammer meine Aufgaben übernommen und der Finanzbereich ist bei Peter Ernd in guten Händen. Da mache ich mir keine Sorgen, es wird alles geregelt weiterlaufen. Persönlich wünsche ich meinen Nachfolgern, dass sie auch von der Faszination Handwerk begleitet werden.

Woran erkannt man, dass es Zeit ist, sich zur Ruhe zu setzen?

Schwarz auf weiß sieht man es am eigenen Geburtsjahr. Das Tempo mit 30 ist anders als mit 60 und ich möchte nun in meinem Leben die Schwerpunkte anders setzen. Ganz wichtig sind mir dabei meine Frau, meine Familie und meine beiden Enkelkinder.

Welchen Traum erfüllen Sie sich nun im Ruhestand?

Ich freue mich darauf, nun ganz mein eigener Herr zu sein und nicht ständig in Terminzwängen zu stehen. Tempo rausnehmen, entschleunigen, mal ausreichend Zeit für Familie, für Freunde und die angenehmen Dinge im Leben, wie Kunst, Kultur und Reisen zu haben, das stelle ich mir schon schön vor. Und wenn die Gesundheit stimmt, dann wird bestimmt alles gut.

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