Kommentar

„Sexy Workplace“ – Arbeiten mit den Generations X, Y, Z

Die Arbeitswelt erfindet sich neu. 9-to-5 wird abgelöst, die Grenze zwischen beruflich und privat verschwimmt. Ein Arbeitsplatz muss heute „sexy“ sein, heißt es. Das allein reicht der neuen Generation aber nicht.

Den jüngeren Generationen wird nachgesagt, ungebunden und treulos zu sein. Sie brauchen einen Sinn – in der Arbeit wie im Leben. Sinn lässt sich aber nicht allein mit schönen Büromöbeln und flexiblen Arbeitszeiten stiften.

Ein „sexy Workplace“ ist nur ein Synonym für „Schall und Rauch“. Bunte Sofas, viele Pflanzen, kostenloses Obst, Wasser und Kaffe. Sieht hübsch aus, hat keinen Inhalt. Wenn das schlagendste Argument für einen Arbeitgeber ein schönes Büro mit vielen kleinen Extras ist, darf durchaus bezweifelt werden, wie viel Energie noch in die Themenentwicklung fließt. Keine Frage: eine freundliche Umgebung motiviert mehr. Wenn die Aufgabe an sich jedoch nichts hergibt, nützt es nichts, sie von überall und zu jeder beliebigen Zeit machen zu dürfen. Das hält kaum einen Mitarbeiter.

Ich schätze einen festen Schreibtisch an einem festen Ort sehr. Ist nicht ganz so „sexy“, soll aber auch eine Langzeitbeziehung werden, kein One-Day-Stand. Es mag anfangs eine reizvolle Abwechslung sein, signalisiert aber keinen festen Platz im Unternehmen. Allein die Vorstellung, mir jeden Tag einen neuen Schreibtisch zu suchen oder stundenlang durch das Gebäude zu irren, auf der Suche nach Kollegen, lässt mich jedoch den Kopf schütteln. Sehen Sie, ich kenne den Arbeitsplatz meines Vaters – liebevoll „das Aquarium“ genannt – und versichere Ihnen: So möchte ich nicht arbeiten. Ähnlich geht es mir hinsichtlich des Modells „Kaninchenstall“.  Die Zwischenlösung schafft den Vorteil, auch die Babyboomer-Generation im Unternehmen abzuholen.

New Work, das heißt für die junge Generation Selbstständigkeit, Freiheit und Teilhabe an der Gemeinschaft. Das lässt die Grenzen zwischen beruflich und privat verschwimmen. Arbeit wird immer mehr zum sozialen Hot-Spot. Heißt nicht, dass dies für alle der Generations X, Y und Z gleich stark gilt. Es mag stimmen, dass ein freundschaftliches Kollegen-Umfeld die Arbeit leichter und angenehmer macht. Gleichzeitig kann es auch für Spannungen sorgen. Es gilt daher darauf zu achten, gewisse Linien nicht zu überschreiten. Wer sich mit seinen Freunden nicht mehr versteht, der geht.

Letztes großes Thema der neuen Arbeitswelt: Work-Life-Balance dank flexibler Arbeitszeiten. Ein schönes Konzept, das von vielen leider leicht missverstanden wird. Immer und überall arbeiten zu können, heißt nicht, immer und überall arbeiten zu wollen. Es gibt sie, die Workaholics die Laptop und Smartphone an den Strand mitnehmen, die ohne nicht können. Doch eigentlich geht es darum, auch spontan mal eine Stunde früher zu gehen oder später zu kommen, für einen Arzttermin nicht einen ganzen Tag freinehmen zu müssen und einen schönen Sommertag doch am See statt im Büro zu verbringen. Sonderregelungen ausarbeiten zu können, wenn ein Familienmitglied gepflegt werden muss, oder in den Ferien keine Kinderbetreuung bereitsteht.

Die junge Generation will nicht vorrangig einen „sexy Workplace“, sie will „sexy“ Angebote und „sexy“ Konditionen. Ein hübsches Umfeld mag am Ende das Zünglein auf der Wage sein, doch wer mit Inhalten, Aufgaben und Verantwortungen überzeugt, gewinnt deutlich loyalere Mitarbeiter. Mit Jahrgang 1994 zähle ich noch knapp zur Generation Y, ebenso mein Freundeskreis. Lassen Sie mich daher ehrlich sein: Nur eine meiner Freundinnen hat sich aufgrund von Möbeln für ihren Arbeitgeber entschieden. Sie arbeitet bei IKEA.

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Die Arbeitswelt erfindet sich neu. 9-to-5 wird abgelöst, die Grenze zwischen beruflich und privat verschwimmt. Ein Arbeitsplatz muss heute „sexy“ sein, heißt es. Das allein reicht der neuen Generation aber nicht.

Den jüngeren Generationen wird nachgesagt, ungebunden und treulos zu sein. Sie brauchen einen Sinn – in der Arbeit wie im Leben. Sinn lässt sich aber nicht allein mit schönen Büromöbeln und flexiblen Arbeitszeiten stiften.

Ein „sexy Workplace“ ist nur ein Synonym für „Schall und Rauch“. Bunte Sofas, viele Pflanzen, kostenloses Obst, Wasser und Kaffe. Sieht hübsch aus, hat keinen Inhalt. Wenn das schlagendste Argument für einen Arbeitgeber ein schönes Büro mit vielen kleinen Extras ist, darf durchaus bezweifelt werden, wie viel Energie noch in die Themenentwicklung fließt. Keine Frage: eine freundliche Umgebung motiviert mehr. Wenn die Aufgabe an sich jedoch nichts hergibt, nützt es nichts, sie von überall und zu jeder beliebigen Zeit machen zu dürfen. Das hält kaum einen Mitarbeiter.

Ich schätze einen festen Schreibtisch an einem festen Ort sehr. Ist nicht ganz so „sexy“, soll aber auch eine Langzeitbeziehung werden, kein One-Day-Stand. Es mag anfangs eine reizvolle Abwechslung sein, signalisiert aber keinen festen Platz im Unternehmen. Allein die Vorstellung, mir jeden Tag einen neuen Schreibtisch zu suchen oder stundenlang durch das Gebäude zu irren, auf der Suche nach Kollegen, lässt mich jedoch den Kopf schütteln. Sehen Sie, ich kenne den Arbeitsplatz meines Vaters – liebevoll „das Aquarium“ genannt – und versichere Ihnen: So möchte ich nicht arbeiten. Ähnlich geht es mir hinsichtlich des Modells „Kaninchenstall“.  Die Zwischenlösung schafft den Vorteil, auch die Babyboomer-Generation im Unternehmen abzuholen.

New Work, das heißt für die junge Generation Selbstständigkeit, Freiheit und Teilhabe an der Gemeinschaft. Das lässt die Grenzen zwischen beruflich und privat verschwimmen. Arbeit wird immer mehr zum sozialen Hot-Spot. Heißt nicht, dass dies für alle der Generations X, Y und Z gleich stark gilt. Es mag stimmen, dass ein freundschaftliches Kollegen-Umfeld die Arbeit leichter und angenehmer macht. Gleichzeitig kann es auch für Spannungen sorgen. Es gilt daher darauf zu achten, gewisse Linien nicht zu überschreiten. Wer sich mit seinen Freunden nicht mehr versteht, der geht.

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Die junge Generation will nicht vorrangig einen „sexy Workplace“, sie will „sexy“ Angebote und „sexy“ Konditionen. Ein hübsches Umfeld mag am Ende das Zünglein auf der Wage sein, doch wer mit Inhalten, Aufgaben und Verantwortungen überzeugt, gewinnt deutlich loyalere Mitarbeiter. Mit Jahrgang 1994 zähle ich noch knapp zur Generation Y, ebenso mein Freundeskreis. Lassen Sie mich daher ehrlich sein: Nur eine meiner Freundinnen hat sich aufgrund von Möbeln für ihren Arbeitgeber entschieden. Sie arbeitet bei IKEA.

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