Polizeipräsidium Schwaben Nord

Pilotprojekt: Augsburger Polizei trägt künftig Body-Cams

Die Augsburger Polizei, ausgestattet mit Body-Cams. Foto: Polizeipräsidium Schwaben Nord
So sieht eine Body-Cam aus. Foto: Polizeipräsidium Schwaben Nord
Augsburger Polizei trägt künftig Body-Cams. Foto: Polizeipräsidium Schwaben Nord

Kleine, mehr oder weniger auffallende Body-Cams werden in Zukunft auch in Augsburg von Polizeibeamten während eines Einsatzes getragen. Als Auslöser für diesen Schritt steht vor allem die steigende Anzahl tätlicher Übergriffe auf Polizisten im Mittelpunkt. Mit der neuen Ausrüstung sollen diese bereits im Vornherein verhindert und potentielle Täter abgeschreckt werden.

von Tamina Andrasch, Online-Redaktion

Der Bayerische Innenminister Joachim Hermann gab am 2. November 2016 den Startschuss für einen einjährigen Probebetrieb der Body-Cam bei der Bayerischen Polizei. Am gestrigen Donnerstag stellte Michael Schwald, Präsident des Polizeipräsidiums Schwaben Nord, die Rahmenbedingungen des Einsatzes von Body-Cams der Öffentlichkeit vor. Mit dabei waren auch Werner Bayer, Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Augsburg Mitte und sein Stellvertreter, Robert Kühnel. In Augsburg werden zukünftig Angehörige der Polizeiinspektion Augsburg Mitte mit den kleinen Kameras ausgestattet und tragen diese während ihres Einsatzes. Bayernweit erhalten noch sechs weitere Polizeidienststellen Body-Cams zur Verfügung gestellt.

Steigende Zahl verbaler und körperlicher Übergriffe als Auslöser für Einsatz

Grund für den notwendigen Einsatz einer Body-Cam sind die seit Jahren hohen Fallzahlen, in denen sich Polizeibeamte des Augsburger Innenstadtreviers mit verbalen und auch körperlichen Übergriffen konfrontiert gesehen haben. So wurden 2015 rund 480 Übergriffe in Augsburg gezählt, davon allein bei der Polizeiinspektion Augsburg Mitte 218. Dabei wurden insgesamt 144 Polizeibeamte verletzt, davon 55 aus der Innenstadtinspektion.

Ausschreitungen vor allem zu später Stunde

Vor allem im Bereich der „Partyszene“ in der Augsburger Innenstadt werden Polizeibeamte bei nächtlichen Einsätzen überproportional häufig beleidigt oder auch körperlich angegriffen. Dabei sind Polizisten vor allem bei alkoholisierten Personen zur Zielscheibe von Aggressionen geworden. Polizeipräsident Schwald sieht in den Body-Cams zudem eine gewisse „Waffengleichheit“: Schließlich wird das Einschreiten von Polizeibeamten häufig mit Smartphones von privater Seite aus gefilmt.

Deutliche Erkennbarkeit der Kameras soll potentielle Angreifer abschrecken

Polizei-Präsident Michael Schwald betonte im Rahmen einer Pressekonferenz, dass die primäre Zielrichtung des Body-Cam-Einsatzes eine Reduzierung der Übergriffe auf Einsatzkräfte der Polizei sei. So sollen potentielle Angreifer durch den deutlich erkennbaren Einsatz der Kamera von ihrem Vorhaben abgehalten werden. Erst in zweiter Linie dienen die Aufnahmen einer Beweisführung im Falle eines anhängigen Ordnungswidrigkeiten- oder Strafverfahrens.

Body-Cams filmen nicht automatisch

Eine Sache ist aus Sicht der Polizei Augsburg von besonderer Bedeutung: Der Einsatz der Body-Cam erfolgt stets offen und erst nach Vorankündigung. So will die Polizei verhindern, dass Augsburger Bürger befürchen, von den Einsatzkräften verdeckt gefilmt zu werden. Alle mit einer Body-Cam ausgestatteten Polizeibeamten werden darüber hinaus auch mit einer deutlich sichtbaren Kennzeichnung an ihrer Uniform als Body-Cam-Träger erkennbar sein. Im Hinblick auf personenrechtliche und den datenschutztechnische Bedenken werden kritische Stimmen dennoch erwartet.

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