Ladeneröffnung in Augsburg

PAULIKOCHT: Ein Hashtag auf Instagram wird zum Startup

Das Augsburger Startup PAULIKOCHT ist aus einem Instagram Account entstanden. Im Interview verrät Gründerin Anja Licht , wie sie es von einer Food-Bloggerin zu einer Unternehmerin geschafft hat und was ihre größten Erfolge bis jetzt sind.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Was ist PAULIKOCHT?

Anja Licht: PAULIKOCHT hat es sich also zum Ziel gemacht, dass jeder seinen individuell gewählten Ernährungsstil mit Spaß und Leichtigkeit im Alltag umsetzen kann. Und hierfür entwickle ich Produkte. Das PAULIKOCHT „Einfach Mahl“ ist ein ungekühlt haltbares Essen im Glas, dass so zusammengesetzt ist, dass es leicht in unterschiedliche Ernährungspläne integriert werden kann.

Wie ist PAULIKOCHT entstanden?

PAULIKOCHT ist auf Instagram entstanden. 2015 habe ich einfach zum Spaß einen privaten Account zum Thema Fitfood gestartet und habe dort angefangen mit immer mehr Menschen mein tägliches Essen zu teilen, Rezepte zu entwickeln und aufzuschreiben. PAULIKOCHT war und ist immer noch mein Hashtag auf meinem Account.

Als ich im Januar 2016 mit meinem Mann aus München nach Augsburg gezogen bin, war ich plötzlich Pendler und habe begonnen mein Essen einmal die Woche vorzubereiten und mindestens 14 Portionen Mittagessen pro Woche einzufrieren. Da begann das Interesse der Community, die inzwischen auf über 10.000 Menschen angestiegen war. Jeder wollte plötzliche Mealprep bei mir bestellen. Alle haben ja immer das gleiche Problem: Wie transportiere ich mein Essen von A nach B ohne Kühlschrank. Und so begann die Idee in meinem Kopf zu reifen: Wenn Mealprep - denn auf jeden Fall ungekühlt. Die Idee, das Produkt, die Nachfrage - alles ist also durch die Community auf Instagram entstanden.

Wie haben Sie den Sprung von einer Foodbloggerin zu einer Unternehmerin geschafft?

Den Sprung schafft man, indem man springt. Einfach machen! Auch wenn das in meinem Alter einfacher gesagt war als getan - denn wer schmeißt schon so einfach mit knapp 40 einen gut bezahlten, unbefristeten Job als Führungskraft hin und gründet als Quereinsteiger in einer fremden Branche ein maximal unberechenbares Startup-Unternehmen aus einem Hashtag heraus. Ich habe den „Sprung“ fast ein Jahr vorbereitet. Aber alleine hätte ich mich wahrscheinlich dennoch nicht getraut. Naja - und bei mir war es dann so: Ich bin in sehr kaltes Wasser gesprungen, aber seitdem bin ich zu stur aufzugeben. Das hält einen am „Schwimmen“.

Meiner Meinung nach die beste Unterstützung: Support von anderen Selbständigen oder Gründern. Es ist nicht sehr hilfreich nur auf Menschen zu hören, die so etwas noch nie gemacht haben. Mein Mann, der selbst seit 20 Jahren selbständig ist und ein Innovations-Coach aus München haben mir hier total geholfen. 

Was waren für Sie die größten Erfolge bis jetzt?

Ich habe mit PAULIKOCHT schon zwei bundesweite Startup-Wettbewerbe gewonnen: 2017 den Crowdfunding Contest Food des Clusters Ernährung. Hierzu habe ich auch eine erfolgreiche Crowdfunding Kampagne umgesetzt und fast 28.000 Euro eingesammelt, mit der die erste Produktion meines Hauptproduktes „Einfach Mahls“ bezahlt werden konnte.

Im März 2018 habe ich dann noch den Startup-Wettbewerb „deinpepstore“ der ECE für mich entschieden. Ich habe dadurch eine 50 Quadratmeter-Ladenfläche mit vergünstigter Miete im größten ECE-Einkaufscenter Münchens (pep) gewonnen und für ein Jahr dort einen eigenen PAULIKOCHT-Store betrieben. Im Februar 2019 habe ich aus dem Laden im pep heraus dann noch einen Onlineshop gestartet. Der Vertrag im pep endete nun Ende April 2019 und hätte vom pep aus zu neuen Mietkonditionen auch verlängert werden können. Doch der Aufwand des Pendelns steht in keinem Verhältnis und auch die normalen Center-Mietpreise kann ich als Startup unmöglich stemmen. Also bin ich Anfang Mai mit Sack und Pack umgezogen und nach 2 Wochen Umbauphase konnte ich nun in Augsburg ein neues Lädchen mit direkt angeschlossenem Büro und Onlineshoplager eröffnen. Darauf bin ich stolz.

Welche Hindernisse mussten Sie auf Ihrem Weg bis zum eigenen Laden überwinden?

Einen Laden wollte ich eigentlich nie. Mein Hauptaugenmerk liegt ja eigentlich immer noch auf der Produktentwicklung des „Einfach Mahls“. Erst durch den Gewinn des ECE-Wettbewerbs bin ich in das Thema „stationärer Handel“ gerutscht.

Die meisten Hindernisse sind bürokratischer und finanzieller Natur. Von der Beantragung einer denkmalschutzrechtlichen Erlaubnis für ein Werbeschildes über dem Schaufenster, bis hin zur Finanzierung des Umzuges und der nächste Produktion. All das stellt einen „gebootstrappten“ Einzelgründer vor Herausforderungen.

Wo sehen Sie sich in den nächsten drei Jahren?

Also wenn ich es mir aussuchen dürfte, dann steht bis dahin die Produktion des PAULIKOCHT Einfach Mahls auf stabilen Beinen, ich kann meine gefühlt 100 Jobs auf Mitarbeiter verteilen und ich kann mich um Weiterentwicklung des Unternehmens und der Vision von PAULIKOCHT kümmern.

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Anja Licht: PAULIKOCHT hat es sich also zum Ziel gemacht, dass jeder seinen individuell gewählten Ernährungsstil mit Spaß und Leichtigkeit im Alltag umsetzen kann. Und hierfür entwickle ich Produkte. Das PAULIKOCHT „Einfach Mahl“ ist ein ungekühlt haltbares Essen im Glas, dass so zusammengesetzt ist, dass es leicht in unterschiedliche Ernährungspläne integriert werden kann.

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PAULIKOCHT ist auf Instagram entstanden. 2015 habe ich einfach zum Spaß einen privaten Account zum Thema Fitfood gestartet und habe dort angefangen mit immer mehr Menschen mein tägliches Essen zu teilen, Rezepte zu entwickeln und aufzuschreiben. PAULIKOCHT war und ist immer noch mein Hashtag auf meinem Account.

Als ich im Januar 2016 mit meinem Mann aus München nach Augsburg gezogen bin, war ich plötzlich Pendler und habe begonnen mein Essen einmal die Woche vorzubereiten und mindestens 14 Portionen Mittagessen pro Woche einzufrieren. Da begann das Interesse der Community, die inzwischen auf über 10.000 Menschen angestiegen war. Jeder wollte plötzliche Mealprep bei mir bestellen. Alle haben ja immer das gleiche Problem: Wie transportiere ich mein Essen von A nach B ohne Kühlschrank. Und so begann die Idee in meinem Kopf zu reifen: Wenn Mealprep - denn auf jeden Fall ungekühlt. Die Idee, das Produkt, die Nachfrage - alles ist also durch die Community auf Instagram entstanden.

Wie haben Sie den Sprung von einer Foodbloggerin zu einer Unternehmerin geschafft?

Den Sprung schafft man, indem man springt. Einfach machen! Auch wenn das in meinem Alter einfacher gesagt war als getan - denn wer schmeißt schon so einfach mit knapp 40 einen gut bezahlten, unbefristeten Job als Führungskraft hin und gründet als Quereinsteiger in einer fremden Branche ein maximal unberechenbares Startup-Unternehmen aus einem Hashtag heraus. Ich habe den „Sprung“ fast ein Jahr vorbereitet. Aber alleine hätte ich mich wahrscheinlich dennoch nicht getraut. Naja - und bei mir war es dann so: Ich bin in sehr kaltes Wasser gesprungen, aber seitdem bin ich zu stur aufzugeben. Das hält einen am „Schwimmen“.

Meiner Meinung nach die beste Unterstützung: Support von anderen Selbständigen oder Gründern. Es ist nicht sehr hilfreich nur auf Menschen zu hören, die so etwas noch nie gemacht haben. Mein Mann, der selbst seit 20 Jahren selbständig ist und ein Innovations-Coach aus München haben mir hier total geholfen. 

Was waren für Sie die größten Erfolge bis jetzt?

Ich habe mit PAULIKOCHT schon zwei bundesweite Startup-Wettbewerbe gewonnen: 2017 den Crowdfunding Contest Food des Clusters Ernährung. Hierzu habe ich auch eine erfolgreiche Crowdfunding Kampagne umgesetzt und fast 28.000 Euro eingesammelt, mit der die erste Produktion meines Hauptproduktes „Einfach Mahls“ bezahlt werden konnte.

Im März 2018 habe ich dann noch den Startup-Wettbewerb „deinpepstore“ der ECE für mich entschieden. Ich habe dadurch eine 50 Quadratmeter-Ladenfläche mit vergünstigter Miete im größten ECE-Einkaufscenter Münchens (pep) gewonnen und für ein Jahr dort einen eigenen PAULIKOCHT-Store betrieben. Im Februar 2019 habe ich aus dem Laden im pep heraus dann noch einen Onlineshop gestartet. Der Vertrag im pep endete nun Ende April 2019 und hätte vom pep aus zu neuen Mietkonditionen auch verlängert werden können. Doch der Aufwand des Pendelns steht in keinem Verhältnis und auch die normalen Center-Mietpreise kann ich als Startup unmöglich stemmen. Also bin ich Anfang Mai mit Sack und Pack umgezogen und nach 2 Wochen Umbauphase konnte ich nun in Augsburg ein neues Lädchen mit direkt angeschlossenem Büro und Onlineshoplager eröffnen. Darauf bin ich stolz.

Welche Hindernisse mussten Sie auf Ihrem Weg bis zum eigenen Laden überwinden?

Einen Laden wollte ich eigentlich nie. Mein Hauptaugenmerk liegt ja eigentlich immer noch auf der Produktentwicklung des „Einfach Mahls“. Erst durch den Gewinn des ECE-Wettbewerbs bin ich in das Thema „stationärer Handel“ gerutscht.

Die meisten Hindernisse sind bürokratischer und finanzieller Natur. Von der Beantragung einer denkmalschutzrechtlichen Erlaubnis für ein Werbeschildes über dem Schaufenster, bis hin zur Finanzierung des Umzuges und der nächste Produktion. All das stellt einen „gebootstrappten“ Einzelgründer vor Herausforderungen.

Wo sehen Sie sich in den nächsten drei Jahren?

Also wenn ich es mir aussuchen dürfte, dann steht bis dahin die Produktion des PAULIKOCHT Einfach Mahls auf stabilen Beinen, ich kann meine gefühlt 100 Jobs auf Mitarbeiter verteilen und ich kann mich um Weiterentwicklung des Unternehmens und der Vision von PAULIKOCHT kümmern.

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