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B4BSCHWABEN.de: In drei Sätzen: Was ist Ihre Vision für Augsburgs Zukunft?
Christian Pettinger: Augsburg muss sich einem Wandel stellen, weil auf dem Hintergrund unkalkulierbarer Abhängigkeiten von Faktoren, die die Kommunalpolitik kaum beeinflussen kann, große Firmen abwandern bzw. verkauft werden. Deshalb muss Augsburg langfristig auf starke lokale und zukunftsfähige Kreisläufe setzen, wobei kleine und mittelständische Unternehmen zu stärken und Innovationskräfte zu fördern sind. Unsere konkreten Projekte „7.000 Bäume“ und „hoch funktionaler ÖPNV“ tragen in diesem Rahmen dazu bei, ein attraktives Umfeld mit hoher Lebensqualität für Arbeitskräfte in unserer Stadt zu schaffen.
Wie möchte Ihre Partei den Wirtschaftsstandort Augsburg stärken?
Die ÖDP Augsburg setzt wirtschaftlich auf Stärkung der lokalen Ökonomie, besonders auf kleine und mittelständische Strukturen als Rückgrat des urbanen Lebens. Deshalb gilt unser Hauptaugenmerk einem bodenständigen, dialogorientierten Ansatz, der sich darum dreht, Nahversorgung, Handwerk und lokale Dienstleistung lebendig und stabil zu halten.
Was sind Ihre drei wichtigsten Maßnahmen, um kleine und mittelständische Unternehmen in Augsburg zu stärken – jenseits von Allgemeinplätzen wie „Entbürokratisierung“?
Augsburg steht wie viele Kommunen finanziell unter Druck. Welche Investitionen in Wirtschaft und Infrastruktur haben für Sie trotz knapper Kassen oberste Priorität?
Wir setzen auf Ausbau und Modernisierung des öffentlichen Nahverkehrs, einschließlich besserer Taktung und barrierefreier Infrastruktur. Wichtig für den Wirtschaftsstandort Augsburg ist auch weiter eine gute Bahnanbindung. Außerdem wollen wir den Standort Augsburg etwa durch mehr Stadtgrün und Baumpflege in seiner Aufenthaltsqualität attraktiv und ökologisch resilient gestalten. Grundsätzlich halten wir auch Ansätze wie jene beim KI-Produktionsnetzwerk Augsburg für sinnvoll, bei dem die investierten Fördermittel durch Drittmittel fast verfünffacht wurden. Allerdings ist darauf zu achten, dass aus der Forschung dann auch Umsätze in Augsburg generiert werden, die zu Einnahmen für die Stadt führen.
Darüber hinaus möchten wir darauf verweisen, dass die Kommunalwahl 2026 auf den 8. März fällt – den Internationalen Frauentag. Ein starkes Signal, um Frauengesundheit in den Mittelpunkt der Stadtpolitik zu rücken. Denn noch immer orientieren sich medizinische Forschung, Diagnostik und Therapien überwiegend am männlichen Körper. Frauen werden dadurch häufiger falsch oder zu spät diagnostiziert, ihre Symptome werden verharmlost oder nicht ernst genommen. Eine gerechte Gesellschaft braucht eine Medizin, die alle Körper berücksichtigt. Hier könnte sich ein großes Arbeitsspektrum in Forschung und Therapie an unserem Universitätsklinikum eröffnen.
Welches Potenzial sehen Sie, das im Wirtschaftsstandort Augsburg bisher noch nicht ausgeschöpft oder beachtet wurde?
Augsburg wurde bereits vor Jahren als nachhaltigste Großstadt Deutschlands ausgezeichnet und hat innovative Zukunftsleitlinien und Beteiligungsprozesse. Dieser Anerkennung von Außerhalb stehen leider oftmals kleinliche, blockierende Debatten im Inneren gegenüber. Und so werden viele Potenziale aus dem Nachhaltigkeitsprozess bisher nicht genutzt für eine Transformation hin zu einem resilienten wirtschaftlichen Umfeld.