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OB-Kandidatin Lisa McQueen: „Wirtschaft stirbt nicht an Rauch, sondern an Langeweile“
Kommunalwahl 2026: Die OB-Kandidaten in Augsburg im Interview

OB-Kandidatin Lisa McQueen: „Wirtschaft stirbt nicht an Rauch, sondern an Langeweile“

Lisa McQueen tritt für „Die Partei“ als OB-Kandidatin an. Foto: Dominik Kneißl Fotografie
Lisa McQueen tritt für „Die Partei“ als OB-Kandidatin an. Foto: Dominik Kneißl Fotografie

Im Rahmen der Kommunalwahl 2026 Lisa McQueen („Die Partei“) über Kultur, Kreativität und Lebensgefühl als wirtschaftliche Faktoren – und warum Attraktivität nicht in Excel-Tabellen entsteht.

B4BSCHWABEN.de: In drei Sätzen: Was ist Ihre Vision für Augsburgs Zukunft?

Lisa McQueen: Augsburg wird eine Stadt mit Tempo am Tag und Rauch in der Nacht. Kostenloser ÖPNV bringt alle hin, wo Jazz gespielt, Wein ausgeschenkt und Kunst nicht erklärt wird. Wer das für unvernünftig hält, ist vermutlich vor 22 Uhr im Bett.

B4BSCHWABEN.de: Was macht Augsburg Ihrer Meinung nach als Wirtschaftsstandort aus? Wo sehen Sie die größten Stärken und Schwächen?

Lisa McQueen: Stärken: Mittelstand, Lage und ein enormes kulturelles Untergrundpotenzial. Schwächen: Zu viel Frischluftdenken und zu wenig Nachtökonomie. Kreativität braucht Sauerstoff, klar, aber manchmal auch Nikotin.

Die Wirtschaft in Deutschland schwächelt, auch in Augsburg bauen Unternehmen Stellen ab, etwa Kuka oder Eberle. Die Arbeitslosenquote im Raum Augsburg ist auf dem höchsten Stand seit 2006. Wie möchten Sie die Arbeitsplätze in Augsburg schützen, gerade auch bei mittelständischen Unternehmen?

Arbeitsplätze sichern wir, indem wir neue schaffen: in Kultur, Betreuung und Verwaltungskontrolle. Wer arbeitet, darf bleiben, rauchen und sich entfalten. Wirtschaft stirbt nicht an Rauch, sondern an Langeweile.

Was sind Ihre drei wichtigsten Maßnahmen, um kleine und mittelständische Unternehmen in Augsburg zu stärken – jenseits von Allgemeinplätzen wie „Entbürokratisierung“?

Erstens: 1-Euro-Solidarfonds für Projekte, die nicht Excel-kompatibel sind.

Zweitens: städtische Räume günstig für Ateliers, Bars, Lesungen und hybride Existenzen.

Drittens: Wer Kultur ermöglicht, bekommt weniger Auflagen und mehr Ruhe.

Augsburg steht wie viele Kommunen finanziell unter Druck. Welche Investitionen in Wirtschaft und Infrastruktur haben für Sie trotz knapper Kassen oberste Priorität?

Priorität haben Verkehr, digitale Infrastruktur und Orte, an denen Menschen freiwillig Zeit verbringen. Jazzkneipen sind günstiger als Imagekampagnen. Aufenthaltsqualität rechnet sich – oft nachts.

Wie wollen Sie dafür sorgen, dass sich am Wirtschaftsstandort Augsburg neue Unternehmen ansiedeln und er für Fachkräfte attraktiv ist?

Fachkräfte kommen nicht wegen Broschüren, sondern wegen Lebensgefühl. Unternehmen folgen Menschen, nicht umgekehrt. Augsburg wird attraktiv, wenn man hier nicht nur arbeitet, sondern auch versackt. Ein wichtiger Faktor, damit Unternehmen und Fachkräfte angezogen werden, sind auch der Wohnungsmarkt und die Kinder-Betreuungssituation einer Stadt.

Welche Pläne haben Sie für bezahlbaren und mehr Wohnraum sowie ausreichend Betreuungsplätze für Kinder?

Leerstand wird besteuert, bis wieder Licht brennt. Kinderbetreuung wird entlastet durch Technik, damit Erwachsene abends wieder Erwachsene sein dürfen. Familie heißt auch: jemand passt auf, während man ein Glas trinkt.

Mit dem Staatstheater und dem Hauptbahnhof hat die Stadt Augsburg zwei große und teure Bauprojekte. Was sind Ihre Ideen, damit die Kosten hier nicht weiter steigen und die Zeitpläne eingehalten werden?

Großprojekte werden stabilisiert, nicht ständig neu erfunden. Das Theater wird nutzbar gemacht – auch jenseits des Premierenpublikums. Kultur darf glänzen, aber sie muss offen sein.

Wie wollen Sie Innenstadthandel und Gastronomie stärken – gerade vor dem Hintergrund von Online-Handel, Leerständen und veränderten Konsumgewohnheiten?

Die Innenstadt wird Wohnzimmer: Wein, Bücher, Jazz, Gespräche. Weniger Ketten, mehr Charakter. Onlinehandel kann liefern – Atmosphäre nicht. Viele Unternehmen stehen unter Druck, nachhaltiger zu wirtschaften.

Wie wollen Sie die ökologische Transformation begleiten, sodass sie gleichzeitig wirtschaftliche Chancen eröffnet und nicht nur neue Auflagen schafft?

Nachhaltigkeit heißt: langlebige Orte, kurze Wege, lokale Wertschöpfung. Eine gute Kneipe ist ökologischer als drei Pendelfahrten ins Nichts. Transformation darf Spaß machen.

Wo sehen Sie Augsburg wirtschaftlich im Jahr 2030? Welche Branchen und Stärken sollen die Stadt dann prägen?

Augsburg ist wach, eigenwillig und angenehm verraucht. Wirtschaftlich getragen von Mittelstand, Kreativen und einer funktionierenden Nacht. Nicht perfekt – aber verdammt lebendig.

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