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OB-Kandidat Florian Freund: „Wirtschaft wird wieder Chefsache in Augsburg“
Kommunalwahl 2026: Die OB-Kandidaten in Augsburg im Interview

OB-Kandidat Florian Freund: „Wirtschaft wird wieder Chefsache in Augsburg“

Augsburgs OB-Kandidat Florian Freund (SPD). Foto: Nikky Maier
Augsburgs OB-Kandidat Florian Freund (SPD). Foto: Nikky Maier

Im Rahmen der Kommunalwahl 2026 spricht Florian Freund (SPD) darüber, wie er Augsburg wirtschaftlich neu ausrichten und wie er mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen will.

B4BSCHWABEN.de: In drei Sätzen: Was ist Ihre Vision für Augsburgs Zukunft?

Florian Freund: Wirtschaft wird wieder Chefsache in Augsburg. Wir brauchen eine unternehmerfreundliche Verwaltung und eine aktiv gestaltende Politik, die nicht nur auf nette Netzwerkveranstaltungen setzt, sondern sich auf ihren eigentlichen Job konzentriert: die Rahmenbedingungen so setzen, dass unsere Unternehmen prosperieren und Arbeitsplätze schaffen können. Sie sind der entscheidende Faktor unseres Wohlstands und der städtischen Einnahmen. Ich werde die Verwaltung so aufstellen, dass es am Ende eine abgestimmte Antwort der Stadt Augsburg gibt und nicht drei Antworten unterschiedlicher Dienststellen. Und ich werde gemeinsam mit den Nachbarstädten Neusäß und Stadtbergen die Uniklinik zu einer „Medical City“ entwickeln, die neue Unternehmen nach Augsburg bringt und ein echter Gamechanger wird.

Was macht Augsburg Ihrer Meinung nach als Wirtschaftsstandort aus? Wo sehen Sie die größten Stärken und Schwächen?

Augsburg hat in seiner langen und großen Geschichte immer wieder gezeigt, dass es Strukturwandel bewältigen kann und ist aus Krisen stärker hervorgegangen. Wir haben starke Unternehmen, mutige Gründerinnen und Gründer und motivierte, gut ausgebildete Beschäftigte. Das sind neben unserer günstigen Lage mitten in Europa unsere Stärken. Trotzdem waren die letzten sechs Jahre nicht einfach für diese starke Stadt, weil der Politik der Mut und die Entscheidungskraft fehlte, die Transformation zu gestalten. Weil wir uns mit Verwaltungsschleifen aufgehalten haben, wo Weitblick, Schnelligkeit und Pragmatismus gefragt gewesen wären.

Die Wirtschaft in Deutschland schwächelt, auch in Augsburg bauen Unternehmen Stellen ab, etwa Kuka oder Eberle. Die Arbeitslosenquote im Raum Augsburg ist auf dem höchsten Stand seit 2006. Wie möchten Sie die Arbeitsplätze in Augsburg schützen, gerade auch bei mittelständischen Unternehmen?

Ich werde direkt nach der Wahl einen Think Tank zur Entwicklung einer umfassenden Wachstumsstrategie einrichten, in dem die entscheidenden Player vertreten sind. Wir entwickeln ein neues Gewerbegebiet besonders für Handwerk, Mittelstand und Start-ups. Und wir bringen den Neu- und Ausbau des Uniklinikums als Arbeitsplatz- und Innovationsmotor für Augsburg voran. Gute und sichere Arbeitsplätze bei unseren Unternehmen stärken die Kaufkraft und damit die regionale Nachfrage, was gerade auch bei der Entwicklung der Innenstadt von entscheidender Bedeutung ist. Ohne Nachfrage kein Handel.

Was sind Ihre drei wichtigsten Maßnahmen, um kleine und mittelständische Unternehmen in Augsburg zu stärken – jenseits von Allgemeinplätzen wie „Entbürokratisierung“?

Man kann es zugegeben fast nicht mehr hören, aber Entbürokratisierung ist trotzdem wichtig – man muss sie nur tatsächlich umsetzen. Das werde ich mit aller Entschlossenheit tun. Wir müssen aus Wirtschaftsförderung, Stadtmarketing und Amt für Marktwesen eine starke Verwaltungseinheit bilden, die nahe am Handel und unseren Unternehmen agiert. Und natürlich geht es auch darum, endlich wieder Entscheidermut in der Politik zu zeigen – anstatt Sitzkreisen und alles-allen-recht-machen. Das haben mir alle Unternehmerinnen und Unternehmer, mit denen ich in den letzten Jahren gesprochen habe, immer wieder deutlich gesagt. Die Modernisierung der digitalen Infrastruktur und eine flächendeckende Versorgung mit Glasfaser und Mobilfunknetzen in ganz Augsburg spielen dabei eine Rolle. Und wir werden langfristige, regionale Investitionen vor einfacher Billigpreis-Politik priorisieren. Dafür werden wir öffentliche Aufträge stärker an regionale Unternehmen mit Tarifbindung vergeben.

Augsburg steht wie viele Kommunen finanziell unter Druck. Welche Investitionen in Wirtschaft und Infrastruktur haben für Sie trotz knapper Kassen oberste Priorität?

Als Erstes packen wir die Sanierung der Fuggerpromenade und der Schultoiletten in Augsburg an. Beides sind Projekte mit überschaubarem finanziellem Aufwand, aber mit großer psychologischer Bedeutung. Dringend angepackt werden muss auch die Neugestaltung des Außenbereichs am Kongress am Park und dabei insbesondere die Lösung der Parkplatz-Situation. Um insbesondere Fachkräfte nach Augsburg zu ziehen und hier zu halten sind Investitionen in bezahlbaren Wohnraum und Kitas zentral: bauen, bauen, bauen lautet hier die Devise.

Wie wollen Sie dafür sorgen, dass sich am Wirtschaftsstandort Augsburg neue Unternehmen ansiedeln und er für Fachkräfte attraktiv ist?

Wirtschaftliche Stärke entsteht niemals isoliert. Sie braucht einen attraktiven Standort und das strategische Denken in kommunizierenden Röhren. Ich werde das Thema Unternehmensakquise als Chef-Thema ins OB-Referat holen und auch die Fachkräfte Thematik von vorneherein mitdenken. Dafür kümmere ich mich um bezahlbaren Wohnraum für alle Altersgruppen, um eine gute Kinderbetreuung und Schulen, um den ÖPNV, aber auch um eine attraktive Stadt, in der Menschen gerne leben und sich aufhalten, mit gut erhaltenen historischen Gebäuden, grünen Freiräumen und einem ansprechenden Kulturangebot.

Ein wichtiger Faktor, damit Unternehmen und Fachkräfte angezogen werden, sind auch der Wohnungsmarkt und die Kinder-Betreuungssituation einer Stadt. Welche Pläne haben Sie für bezahlbaren und mehr Wohnraum sowie ausreichend Betreuungsplätze für Kinder?

Bauen ist der wichtigste Hebel, um in einer wachsenden Stadt bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Dafür werden wir wo möglich und sinnvoll Bürokratie abbauen und Genehmigungsabläufe beschleunigen. Wir werden dichteres und höheres Bauen zulassen müssen. Der Bauturbo der Bundesregierung und die Lockerungen der bayerischen Bauordnung müssen wir konsequenter anwenden. Wir bringen das Neubaugebiet Haunstetten-Südwest voran, um der stetigen Nachfrage nach Wohnraum gerecht zu werden.

Es kommt aber nicht nur darauf an, dass gebaut wird, sondern auch, wie. Es geht darum, dass der Bau von bezahlbarem Wohnraum vorankommt, allen voran durch die stadteigene Wohnbaugruppe. Wir schaffen Wohnraum für jede Lebenssituation – besonders für Auszubildende fehlt häufig passender Wohnraum. Genau dafür werden wir in Augsburg ein Azubiwerk gründen.

Die Kinderbetreuung ist von entscheidender Bedeutung für unsere Familien. In Zeiten von Teilzeitmodellen, vor allem für Frauen, ist das von entscheidender Wichtigkeit. Auch, was die gleichmäßigen Berufs-Chancen von Mann und Frau angeht. Um eine bessere und zuverlässigere Kinderbetreuung zu garantieren, müssen wir dringend attraktivere Arbeitsbedingungen für das städtische Personal schaffen - und durch die Förderpolitik auch für das Personal der freien und gemeinnützigen Träger. Außerdem werden wir die Einrichtung von Betriebskitas vorantreiben.

Mit dem Staatstheater und dem Hauptbahnhof hat die Stadt Augsburg zwei große und teure Bauprojekte. Was sind Ihre Ideen, damit die Kosten hier nicht weiter steigen und die Zeitpläne eingehalten werden?

Wir stehen zur Sanierung des Staatstheaters. Aber das Baustellenmanagement der vergangenen Jahre war ein Desaster, das der Steuerzahler jetzt ausbaden muss. Und diesen Trend müssen wir stoppen. Das bedeutet, dass ich die schlecht gemanagte Baustelle als OB persönlich wieder sehr viel enger begleiten werde - so wie Gribl das getan hat. Wir werden sowohl Hauptbahnhof als auch Staatstheater verlässlich umsetzen, ohne weitere große Umplanungen. Dafür werden wir einen realistischen Plan vorlegen und offen, ehrlich und verantwortungsvoll mit den Kosten umgehen.

Wie wollen Sie Innenstadthandel und Gastronomie stärken – gerade vor dem Hintergrund von Online-Handel, Leerständen und veränderten Konsumgewohnheiten?

Die Innenstadt benötigt mehr Grün, mehr Sitzgelegenheiten und mehr Spielplätze. Gleichzeitig brauchen wir mehr kulturelle Angebote, die das Angebot von Einzelhandel und Gastronomie ergänzen und Menschen in die Innenstadt locken. Die Fuggerstrasse wird mit mir zur Fuggerpromenade. Dort werden wir zeigen, dass Attraktivität, mehr Grün und Erreichbarkeit zusammengehen und sie wird ein wichtiger Lückenschluss zwischen Bahnhof und Annastraße.

Viele Unternehmen stehen unter Druck, nachhaltiger zu wirtschaften. Wie wollen Sie die ökologische Transformation begleiten, sodass sie gleichzeitig wirtschaftliche Chancen eröffnet und nicht nur neue Auflagen schafft?

Augsburg hat mit dem Umweltcluster und seinen Unternehmen jede Chance, von der Transformation und der zunehmenden Bedeutung des Klimaschutzes zu profitieren. Ganze Wertschöpfungsketten sind seit den Nullerjahren hier entstanden. Für mich gehen deshalb in Augsburg Klimaschutz und Wirtschaft gehen Hand in Hand. Die städtische Förder- und Vergabepolitik wird mit mir Investitionen in nachhaltiges Wirtschaften unterstützen. Wir bringen die Wärmewände voran und setzen auf nachhaltiges Bauen und die Förderung von Solardächern.

Wo sehen Sie Augsburg wirtschaftlich im Jahr 2030? Welche Branchen und Stärken sollen die Stadt dann prägen?

2030 wird die Augsburger Innenstadt durch mehr Grün, mehr Aufenthaltsqualität und mehr Tourismus geprägt sein. Das Staatstheater steht kurz vor Wiedereröffnung und wird als kultureller Anziehungspunkt viele Menschen in die Stadt ziehen. Das Uniklinikum wird im Zusammenspiel mit unseren Unternehmen ein Jobmotor sein - erste Anknüpfungspunkte gibt es bereits beim Thema Sicherheit zwischen Medizin und Luft- und Raumfahrtindustrie. Wohnraum wird bezahlbarer sein als heute, Fachkräfte wandern nicht mehr ab. Die Augsburger Schultoiletten sind alle in einem ordentlichen Zustand und die Einweihung der umgebauten Fuggerpromenade gibt Mut für die weitere Entwicklung der Innenstadt und der Stadtteile.

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