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B4BSCHWABEN.de: Was ist Ihre Vision für Augsburgs Zukunft?
Hannes Aigner: Augsburg soll eine wirtschaftlich starke, aufstrebende Stadt mit einem starken Mittelstand sein. Eine Stadt, in der sich Menschen aller Generationen und Hintergründe wohlfühlen und die sich Sport, Kultur und soziale Angebote leisten kann. Dafür braucht es eine serviceorientierte Verwaltung und eine klare Zukunftsorientierung.
Was macht Augsburg Ihrer Meinung nach als Wirtschaftsstandort aus? Wo sehen Sie die größten Stärken und Schwächen?
Augsburg verfügt über starke, auch international sehr erfolgreiche und bekannte Unternehmen wie Kuka, Renk oder Everllence und profitiert von seiner wachsenden Bekanntheit, etwa durch den FC Augsburg. Die Nähe zu München ist Chance und Risiko zugleich: Sie schafft Arbeitsplätze, erhöht aber massiv den Druck auf den Wohnungsmarkt. Hohe Wohnkosten schwächen die Kaufkraft – mit spürbaren Folgen für Einzelhandel und Innenstadt.
Die Wirtschaft in Deutschland schwächelt, auch in Augsburg bauen Unternehmen Stellen ab, etwa Kuka oder Eberle. Die Arbeitslosenquote im Raum Augsburg ist auf dem höchsten Stand seit 2006. Wie möchten Sie die Arbeitsplätze in Augsburg schützen, gerade auch bei mittelständischen Unternehmen?
Arbeitsplätze lassen sich nur sichern, wenn Augsburg für Unternehmen und Beschäftigte attraktiv bleibt. Dazu gehören bezahlbarer Wohnraum, Unterstützung bei Betriebserweiterungen und eine ehrliche Diskussion über wettbewerbsfähige Gewerbesteuersätze. Beispiele aus dem Augsburger Umland zeigen, dass wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen langfristig zu höheren Einnahmen und mehr Beschäftigung führen können. Zudem darf die Ausbildung von qualifiziertem Fachpersonal nicht vernachlässigt werden. Denn nur dann können auch Arbeitsplätze geschaffen und Stellen besetzt werden. Die Förderung und Unterstützung von Ausbildungsbetrieben sowie die Ermöglichung von Teilqualifizierungen können hier einen wichtigen Beitrag leisten.
Was sind Ihre drei wichtigsten Maßnahmen, um kleine und mittelständische Unternehmen in Augsburg zu stärken – jenseits von Allgemeinplätzen wie „Entbürokratisierung“?
Erstens: Stärkung der Kaufkraft in der Stadt, insbesondere durch Entlastung beim Wohnen.
Zweitens: Beschleunigte und verlässliche Genehmigungsverfahren bei Erweiterungen und Investitionen.
Drittens: Aktive Standortpolitik durch gezielte Gewerbeflächenentwicklung und wettbewerbsfähige Abgaben.
Augsburg steht wie viele Kommunen finanziell unter Druck. Welche Investitionen in Wirtschaft und Infrastruktur haben für Sie trotz knapper Kassen oberste Priorität?
Digitale Infrastruktur, insbesondere der flächendeckende Glasfaserausbau, ist entscheidend für Wettbewerbsfähigkeit. Ebenso wichtig sind Verkehrsinfrastruktur und Bildungseinrichtungen. Investitionen müssen dabei strikt priorisiert und wirtschaftlich gedacht werden.
Wie wollen Sie dafür sorgen, dass sich am Wirtschaftsstandort Augsburg neue Unternehmen ansiedeln und er für Fachkräfte attraktiv ist?
Durch eine Kombination aus bezahlbarem Wohnen, fairen Standortbedingungen und hoher Lebensqualität. Augsburg punktet mit Sport, Kultur und kurzen Wegen – diese Stärken müssen gezielt vermarktet werden. Gleichzeitig darf die Gewerbesteuer kein Standortnachteil sein.
Ein wichtiger Faktor, damit Unternehmen und Fachkräfte angezogen werden, sind auch der Wohnungsmarkt und die Kinder-Betreuungssituation einer Stadt. Welche Pläne haben Sie für bezahlbaren und mehr Wohnraum sowie ausreichend Betreuungsplätze für Kinder?
Augsburg braucht vor allem eines: mehr Angebot – beim Wohnen wie bei der Kinderbetreuung. Deshalb lautet die zentrale Maßnahme: bauen, bauen, bauen – schneller, einfacher und in größerem Umfang. Dazu gehören konsequente Nachverdichtung, die Aktivierung vorhandener Bauflächen sowie deutlich beschleunigte Genehmigungsverfahren.
Selbstverständlich ist dabei der soziale Wohnungsbau besonders wichtig. Gleichzeitig müssen aber auch andere Marktsegmente mitgedacht werden. Denn nur, wenn auch im mittleren und höheren Preissegment ausreichend Wohnraum entsteht, kommt Bewegung in den Markt und es findet eine Umverteilung statt. Am Ende reguliert sich der Wohnungsmarkt – wie jeder andere Markt – über Angebot und Nachfrage.
Bei der Kinderbetreuung gilt: Betreuungsplätze müssen von Anfang an mitgeplant und parallel gebaut werden, insbesondere in neuen Wohnquartieren. Dafür braucht es mehr Flexibilität bei Trägern und Bauformen, um schneller Plätze zu schaffen.
Mit dem Staatstheater und dem Hauptbahnhof hat die Stadt Augsburg zwei große und teure Bauprojekte. Was sind Ihre Ideen, damit die Kosten hier nicht weiter steigen und die Zeitpläne eingehalten werden?
Es braucht einen klaren Kostendeckel und eine Prüfung des Gesamtkonzepts. Auch ein Baustopp darf in Anbetracht die Summen, die Raum stehen, kein Tabuthema sein. Wenn die Kostenkalkulation für den Spielbetrieb des Theaters in ähnlichem Ausmaß fehlerhaft ist wie die ursprünglich veranschlagten Baukosten des Staatstheaters, wird die Stadt auf Jahrzehnte finanziell handlungsunfähig. Kostenexplosionen dürfen nicht auf dem Rücken der Bevölkerung ausgetragen werden. Öffentliche Bauprojekte müssen genauso wirtschaftlich geführt werden wie private Unternehmen.
Wie wollen Sie Innenstadthandel und Gastronomie stärken – gerade vor dem Hintergrund von Online-Handel, Leerständen und veränderten Konsumgewohnheiten?
Mit pragmatischen Modellprojekten, etwa verkaufsoffenen Events in Kombination mit kostenlosem ÖPNV. Andere Städte zeigen, dass solche Maßnahmen Innenstadt und Handel beleben können. Wichtig ist, Neues auszuprobieren und Wirkungen messbar zu machen.
Viele Unternehmen stehen unter Druck, nachhaltiger zu wirtschaften. Wie wollen Sie die ökologische Transformation begleiten, sodass sie gleichzeitig wirtschaftliche Chancen eröffnet und nicht nur neue Auflagen schafft?
Indem sie als Chance verstanden wird, nicht nur als Auflagenpaket. Innovation, Effizienzsteigerung und neue Geschäftsmodelle müssen im Mittelpunkt stehen. Die Stadt sollte ermöglichen, beraten und fördern – nicht zusätzlich belasten.
Wo sehen Sie Augsburg wirtschaftlich im Jahr 2030? Welche Branchen und Stärken sollen die Stadt dann prägen?
Idealerweise hat sich die Industrie von den Krisenjahren erholt und schafft wieder Arbeitsplätze. Ergänzend gewinnt Augsburg an Profil in den Bereichen Digitalisierung und Technologie. Mit dem Uniklinikum kann zudem ein starkes medizinisches und forschungsnahes Ökosystem entstehen.