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B4BSCHWABEN.de: In drei Sätzen: Was ist Ihre Vision für Augsburgs Zukunft?
Iris Steiner: Augsburg sollte eine Stadt sein, die wirtschaftliche Stärke, soziale Sicherheit, ökologische Verantwortung und die Wahrung des historischen Erbes miteinander verbindet. Ich will eine Stadt, in der Wohnen bezahlbar bleibt und Familien, Fachkräfte und (mittelständische) Unternehmer echte Perspektiven haben. Augsburg hat das Potenzial, eine moderne, nachhaltige bayerische Industriestadt zu sein, wenn auf der Basis ihrer reichen Vergangenheit moderne Innovationen dazukommen dürfen, ohne dass man sich gegenseitig „das Wasser abgräbt“.
Was macht Augsburg Ihrer Meinung nach als Wirtschaftsstandort aus? Wo sehen Sie die größten Stärken und Schwächen?
Augsburg verbindet eine starke industrielle Basis mit Forschung, Hochschulen und innovativen Mittelständlern. Dazu hat das Uniklinikum den Standort stark aufgewertet. Die Lage zwischen München und Ulm, qualifizierte Fachkräfte und Cluster in Mechatronik, Umwelttechnologie und IT sind ebenfalls große Stärken. Schwächen sehe ich vor allem bei Genehmigungsdauern, der Verfügbarkeit von Flächen, den Mietpreisen, der hohen Gewerbesteuer und beim Zusammenspiel zwischen Stadtverwaltung und Wirtschaft.
Die Wirtschaft in Deutschland schwächelt, auch in Augsburg bauen Unternehmen Stellen ab, etwa Kuka oder Eberle. Die Arbeitslosenquote im Raum Augsburg ist auf dem höchsten Stand seit 2006. Wie möchten Sie die Arbeitsplätze in Augsburg schützen, gerade auch bei mittelständischen Unternehmen?
Arbeitsplätze schützt man nicht mit Symbolpolitik, sondern mit Verlässlichkeit und deregulierter Verwaltung. Ich will den Mittelstand unterstützen - durch aktive Wirtschaftsförderung, schnelle Entscheidungen und Hilfe bei Transformation, Qualifizierung und Nachfolge. Wichtig ist mir außerdem ein enger, regelmäßiger Dialog mit Betrieben, bevor mögliche Probleme eskalieren.
Was sind Ihre drei wichtigsten Maßnahmen, um kleine und mittelständische Unternehmen in Augsburg zu stärken – jenseits von Allgemeinplätzen wie „Entbürokratisierung“?
1. aktive Flächen- und Immobilienpolitik, damit Betriebe wachsen oder sich ansiedeln können.
2. gezielte Förder- und Beratungsangebote für Digitalisierung, Energieeffizienz und Fachkräftesicherung.
3. eine Stadtverwaltung, die als Partner und Dienstleister fungiert – mit festen Ansprechpartnern und klaren, möglichst schnellen Entscheidungswegen.
Augsburg steht wie viele Kommunen finanziell unter Druck. Welche Investitionen in Wirtschaft und Infrastruktur haben für Sie trotz knapper Kassen oberste Priorität?
Priorität haben Investitionen, die langfristig Wertschöpfung sichern: Verkehrsinfrastruktur, digitale Netze, berufliche Qualifizierung -und für mich herausragend: Bildung. Außerdem müssen wir die bestehende Infrastruktur erhalten, bevor sie noch teurer wird. Jeder investierte Euro sollte daraufhin überprüft werden, ob und wie er zur Zukunftsfähigkeit Augsburgs beiträgt.
Wie wollen Sie dafür sorgen, dass sich am Wirtschaftsstandort Augsburg neue Unternehmen ansiedeln und er für Fachkräfte attraktiv ist?
Durch aktive Ansprache statt Abwarten. Durch „positive Willkommenssignale“ für Gründer, Freiberufler, Fachkräfte und ihre Familien. Dazu gehören schnelle Verfahren, attraktive Gewerbeflächen, bezahlbare Mieten, attraktive Infrastruktur für Familien (Kita-Plätze, Freizeit- und Kulturangebot!) Augsburg muss zeigen: Hier kann man gut arbeiten – und gut leben.
Ein wichtiger Faktor, damit Unternehmen und Fachkräfte angezogen werden, sind auch der Wohnungsmarkt und die Kinder-Betreuungssituation einer Stadt. Welche Pläne haben Sie für bezahlbaren und mehr Wohnraum sowie ausreichend Betreuungsplätze für Kinder?
Bezahlbarer Wohnraum ist eine zentrale Standortfrage. Ich setze auf mehr Wohnungsbau, Verdichtung und Aufstockung, mehr Mischgebiete in Gewerbegebieten, stärkere Kooperation mit Wohnungsbaugesellschaften und die konsequente Nutzung städtischer Flächen. Gleichzeitig müssen wir den Ausbau von Kitas und Ganztagsbetreuung beschleunigen und die bereits vorhandenen Angebote privater Anbieter gleichbehandeln.
Mit dem Staatstheater und dem Hauptbahnhof hat die Stadt Augsburg zwei große und teure Bauprojekte. Was sind Ihre Ideen, damit die Kosten hier nicht weiter steigen und die Zeitpläne eingehalten werden?
Solche Großprojekte brauchen eine klare Steuerung, Transparenz und realistische Zeit- und Kostenpläne. Etwas, woran es bei diesen beiden Projekten offensichtlich mangelt. Öffentliches Bauen muss generell günstiger und schneller werden und sich mehr an der Privatwirtschaft orientieren. Ich will eine Überprüfung der Verantwortlichkeiten, konsequentere Kostenkontrolle und frühzeitigeres Gegensteuern, wenn sich Probleme ankündigen. Verzögerungen erzeugen immer Mehrkosten zulasten des Steuerzahlers. Das zu verhindern und einen möglichst reibungslosen Ablauf der Baumaßnahmen zu gewährleisten, ist Aufgabe der Politik.
Wie wollen Sie Innenstadthandel und Gastronomie stärken – gerade vor dem Hintergrund von Online-Handel, Leerständen und veränderten Konsumgewohnheiten?
Die Innenstadt muss wieder mehr „Erlebnisraum“ werden – auch für Familien und Kinder. Ich setze auf eine attraktivere Mischung aus Handel, Gastronomie, Kultur und Wohnen, auf flexible Nutzungskonzepte und „freundlichere“ öffentliche Räume. Veranstaltungen, Sauberkeit, Erreichbarkeit und Sicherheit sind dabei genauso wichtig wie die zielgerichtete Unterstützung des lokalen Handels.
Viele Unternehmen stehen unter Druck, nachhaltiger zu wirtschaften. Wie wollen Sie die ökologische Transformation begleiten, sodass sie gleichzeitig wirtschaftliche Chancen eröffnet und nicht nur neue Auflagen schafft?
Nachhaltigkeit darf kein Standortnachteil sein. Ich will Unternehmen dabei unterstützen, Klimaschutz als Innovations- und Wettbewerbsvorteil zu nutzen – durch Beratung, Förderung und Kooperationen mit Forschung und Hochschulen. Ziel ist weniger Bürokratie, mehr Praxis und die Konzentration auf die kommunal auch wirklich umsetzbaren Maßnahmen.
Wo sehen Sie Augsburg wirtschaftlich im Jahr 2030? Welche Branchen und Stärken sollen die Stadt dann prägen?
Als starken Standort für nachhaltige Industrie, moderne Dienstleistungen und innovative Technologien – und als Spitzenstandort für Medizin. Mittelstand, Handwerk und Industrie müssen gemeinsam wachsen, ergänzt durch Start-ups und Forschung. Augsburg soll als Stadt gelten, die den Wandel bewältigt und dabei niemanden zurücklässt.