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B4BSCHWABEN.de: In drei Sätzen: Was ist Ihre Vision für Augsburgs Zukunft?
Martina Wild: Ich stehe für ein Augsburg, in dem wirtschaftliche Stärke, ökologische Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit zusammengehören. Als Bürgermeisterin habe ich gezeigt, dass man Wandel aktiv steuern kann – mit klaren Zielen, Verlässlichkeit und Zusammenarbeit. Augsburg soll krisenfest, innovativ und lebenswert bleiben, für Unternehmen wie für die Menschen, die hier arbeiten und leben.
Was macht Augsburg Ihrer Meinung nach als Wirtschaftsstandort aus? Wo sehen Sie die größten Stärken und Schwächen?
Augsburg lebt von seiner Vielfalt: Industrie, Handwerk, Mittelstand, Wissenschaft, Kreativwirtschaft und ein starker Erfindergeist prägen den Standort.
Eine große Stärke ist die Vielfalt und die Nähe von Forschung, Produktion und Anwendung. Meine Erfahrung ist: Dort, wo Stadt, Wirtschaft und Wissenschaft miteinander arbeiten, entstehen Innovation und Stabilität.
Die größten Herausforderungen liegen im Fachkräftemangel, bei Energie‑ und Transformationskosten – genau hier braucht es politische Steuerung statt Abwarten.
Die Wirtschaft in Deutschland schwächelt, auch in Augsburg bauen Unternehmen Stellen ab, etwa Kuka oder Eberle. Die Arbeitslosenquote im Raum Augsburg ist auf dem höchsten Stand seit 2006. Wie möchten Sie die Arbeitsplätze in Augsburg schützen, gerade auch bei mittelständischen Unternehmen?
Arbeitsplätze lassen sich nur sichern, wenn Unternehmen Planungssicherheit haben. Dazu gehören bezahlbare, verlässliche Energie, Kinderbetreuungsplätze, gezielte Fachkräftegewinnung aus dem Ausland, gute Qualifizierungs‑ und Weiterbildungsangebote und eine Wirtschaftsförderung, die Betriebe in Veränderungsprozessen begleitet. Gerade der Mittelstand braucht stabile Rahmenbedingungen und eine Stadt, die unterstützt und moderiert.
Was sind Ihre drei wichtigsten Maßnahmen, um kleine und mittelständische Unternehmen in Augsburg zu stärken – jenseits von Allgemeinplätzen wie „Entbürokratisierung“?
Erstens braucht es eine Wirtschaftsförderung, die regionale Strukturen stärkt und auf stabile, krisenfeste Geschäftsmodelle setzt.
Zweitens sollte die Stadt ihre Rolle als Auftraggeberin stärker nutzen und bei Vergaben regionale sowie nachhaltige Kriterien berücksichtigen.
Drittens investieren wir gezielt weiter in Innovationsinfrastrukturen, etwa mit dem Innovationspark, dem Ausbau des Uniklinikums, dem KI‑Produktionsnetzwerk und einer verlässlichen Start‑up‑Förderung wie beim Umwelt- Technologischen Gründerzentrum Augsburg und sorgen dafür, dass die Messe Augsburg als Plattform für diese Netzwerke und zur Stärkung der Regionalen Unternehmen noch besser arbeiten kann.
Augsburg steht wie viele Kommunen finanziell unter Druck. Welche Investitionen in Wirtschaft und Infrastruktur haben für Sie trotz knapper Kassen oberste Priorität?
Vorrang haben Investitionen, die langfristig Zukunft und wirtschaftliche Stabilität sichern: erneuerbare Energien, Fernwärme, Digitalisierung, Bildung und Forschung. Der Ausbau des Innovationsparks und des Uniklinikums schafft hochwertige Arbeitsplätze und Innovationskraft.
Wir befinden uns angesichts der schwierigen politischen, wirtschaftlichen und finanziellen Lage in Deutschland in herausfordernden Zeiten. Das trifft Augsburg nicht anders als den Rest Bayerns und Deutschland. Im Mittelpunkt muss daher die Zukunftsfähigkeit stehen.
Wie wollen Sie dafür sorgen, dass sich am Wirtschaftsstandort Augsburg neue Unternehmen ansiedeln und er für Fachkräfte attraktiv ist?
Augsburg ist bereits ein attraktiver Standort – und wir entwickeln diese Stärken gezielt weiter. Dazu fördern wir Gründungen ebenso wie Unternehmen, die aus der Start‑up‑Phase herauswachsen, und sorgen für verlässliche Standortbedingungen. Für Fachkräfte sind bezahlbarer Wohnraum, eine gute Kinderbetreuung und ein unkomplizierter Zugang zur Verwaltung entscheidend.
Ein wichtiger Faktor, damit Unternehmen und Fachkräfte angezogen werden, sind auch der Wohnungsmarkt und die Kinder-Betreuungssituation einer Stadt. Welche Pläne haben Sie für bezahlbaren und mehr Wohnraum sowie ausreichend Betreuungsplätze für Kinder?
Im Bereich der Kinderbetreuung habe ich in den letzten Jahren gezeigt, dass Fachkräftemangel kein Naturgesetz ist. Durch bessere Arbeitsbedingungen, gezielte Ausbildung und Weiterbildung sowie Wohnangebote für Erzieher*innen haben wir heute kaum noch offene Stellen in unseren Kitas und bewegen uns in Richtung Vollversorgung.
Beim Wohnen setze ich bewusst auf einen Mix: Wir nutzen vorhandenen Leerstand, bauen verstärkt innerhalb der Stadt, schaffen ökologische und bezahlbare Wohnungen und entwickeln Quartiere, in denen Gemeinschaft wachsen kann – etwa mit guten Nachbarschaften und wohnortnaher Infrastruktur. So sorgen wir dafür, dass Familie und Beruf in Augsburg gut vereinbar sind und die Stadt für Fachkräfte attraktiv bleibt.
Mit dem Staatstheater und dem Hauptbahnhof hat die Stadt Augsburg zwei große und teure Bauprojekte. Was sind Ihre Ideen, damit die Kosten hier nicht weiter steigen und die Zeitpläne eingehalten werden?
Große Bauprojekte brauchen klare Steuerung und transparente Prozesse. Wichtig sind konsequentes Kosten‑ und Termincontrolling sowie realistische Planungen. Änderungen während der Bauphase müssen kritisch geprüft und auf das Notwendige begrenzt werden. Übrigens sind unter den größten Baustellen der Stadt vor allem Schulen. Die FOS/BOS/RWS ist die zweitgrößte städtische Baustelle in Augsburg, gefolgt vom Neubau der Johann-Strauß-Grundschule. Wir liegen hier aktuell im Zeitplan und auch die Kostensteigerung ist im Rahmen. Als zuständige Referentin für Bildung freut mich das natürlich sehr.
Wie wollen Sie Innenstadthandel und Gastronomie stärken – gerade vor dem Hintergrund von Online-Handel, Leerständen und veränderten Konsumgewohnheiten?
Die Innenstadt muss als Aufenthalts‑ und Erlebnisraum weiterentwickelt werden. Dazu gehören mehr Aufenthaltsqualität, Begrünung, Kultur, Gastronomie und flexible Nutzungen. Mit Projekten wie Max 59, das Bildung, Kultur und soziale Nutzung miteinander verbindet, zeigen wir, wie Leerstand neu gedacht und Innenstadt belebt werden kann. Ergänzend setzen wir auf die Weiterentwicklung des Stadtmarkts, Zwischennutzungen, umsatzabhängige Gewerbemieten und faire Vergabekriterien, um Handel und Gastronomie gezielt zu unterstützen.
Viele Unternehmen stehen unter Druck, nachhaltiger zu wirtschaften. Wie wollen Sie die ökologische Transformation begleiten, sodass sie gleichzeitig wirtschaftliche Chancen eröffnet und nicht nur neue Auflagen schafft?
Ökologische Transformation gelingt nur, wenn sie gemeinsam mit der Wirtschaft gestaltet wird. Mit dem Klimapakt schaffen wir einen verbindlichen Rahmen, in dem Stadt und Unternehmen konkrete Projekte umsetzen – etwa bei erneuerbaren Energien, Energieeffizienz, Kreislaufwirtschaft oder klimafreundlicher Mobilität. Die Stadt unterstützt dabei mit Beratung, Vernetzung, Förderzugängen und einer Wirtschaftsförderung, die nachhaltige Innovationen gezielt priorisiert. So entstehen statt zusätzlicher Bürokratie neue Geschäftsmodelle, geringere Energiekosten und echte Wettbewerbsvorteile.
Wo sehen Sie Augsburg wirtschaftlich im Jahr 2030? Welche Branchen und Stärken sollen die Stadt dann prägen?
Ich sehe Augsburg als vielfältigen und zukunftsfesten Wirtschaftsstandort mit nachhaltiger Industrie, Gesundheits‑ und Medizintechnologie, Kreativwirtschaft, Wasser‑ und Kreislaufwirtschaft sowie digitalen Anwendungen. Das geplante Uniklinikum wird dabei eine zentrale Rolle spielen: Es stärkt Augsburg als Gesundheitsstandort, verknüpft Forschung, Versorgung und Innovation und eröffnet neue Chancen für Ausgründungen, Medizintechnik und Gesundheitswirtschaft.
Entscheidend wird sein, dass Wirtschaft, Wissenschaft – insbesondere Universität und THA – und Stadtgesellschaft eng zusammenarbeiten. Aufgabe der Stadt bleibt es, diese Entwicklung verlässlich zu begleiten und strategisch zu steuern.