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B4BSCHWABEN.de: Was ist Ihre Vision für Augsburg?
Eva Weber: Meine Vision für Augsburg ist die gesunde Stadt: eine Stadt in Balance zwischen wirtschaftlicher Stärke, sozialem Zusammenhalt und hoher Lebensqualität. Genau diese Balance ist unser Wettbewerbsvorteil gegenüber überhitzten Metropolen. Augsburg soll sich realistisch und verantwortungsvoll weiterentwickeln, damit Wachstum, Alltag und Zukunft dauerhaft zusammenpassen.
Was macht Augsburg ihre Meinung nach als Wirtschaftsstandort aus? Wo sind Sie die größten Stärken und Schwächen?
Augsburg ist wirtschaftlich stark, breit aufgestellt, außergewöhnlich gut vernetzt und hat eine diversifizierte Forschungslandschaft, die eng mit den Unternehmen verbunden ist. Das zeigt sich auch ganz konkret: Die Gewerbesteuereinnahmen haben sich in den vergangenen 15 Jahren verdoppelt. Forschung, Industrie, Mittelstand und Stadt arbeiten hier eng zusammen. Und zwar mit kurzen Wegen und echter Unterstützung.
Unternehmen, die sich für Augsburg entscheiden, benennen dabei immer wieder verlässliche politische Rahmenbedingungen als entscheidenden Faktor. Sie erleben eine Politik, die proaktiv auf Unternehmen zugeht, Verantwortung übernimmt und Planungssicherheit bietet. Das verstehen wir in der CSU als eine unsere Kernaufgaben.
Für die Wirtschaft der Zukunft setzen wir gezielt auf Luft- und Raumfahrt und die Gesundheitswirtschaft: etwa mit dem Medical Valley rund um das Universitätsklinikum und auf Künstliche Intelligenz. In den vergangenen Jahren haben wir gemeinsam mit 700 regionalen Unternehmen rund 400 Millionen Euro in KI investiert und genau hier machen wir weiter und bauen diesen Schwerpunkt konsequent aus. Das sind Wachstumsfelder, die Arbeitsplätze und Wohlstand langfristig sichern.
Die Schwäche ist das relativ geringe Einkommen und die in Relation hierzu recht hohen Mieten und Immobilienpreise. Das lässt sich allerdings nur langfristig durch gut bezahlte Arbeitsplätze ändern. Hier sind wir mit dem starken Fokus auf Zukunftsbranchen wie Industrie 4.0 und 5.0, neue Materialien, Medizintechnik, Umwelttechnologie und künstliche Intelligenz auf einem guten Weg.
Die Wirtschaft in Deutschland schwächelt, auch in Augsburg bauen Unternehmen Stellen ab. Wie möchten Sie die Arbeitsplätze in Augsburg schützen – gerade auch bei mittelständischen Unternehmen?
Augsburg kann sich von gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen nicht abkoppeln, das wäre unehrlich zu behaupten. Umso wichtiger ist es, den Standort widerstandsfähig und zukunftsfähig aufzustellen. Deshalb setzen wir gezielt auf Zukunftsbranchen wie Luft- und Raumfahrt, Defence, die Gesundheitswirtschaft mit dem Medical Valley rund um das Universitätsklinikum und Künstliche Intelligenz. Mit diesen Schwerpunkten haben wir die Transformation unseres Wirtschaftsstandorts bereits eingeleitet.
Ganz wichtig aber auch: Eine breite Forschungslandschaft, die eng mit den Unternehmen verbunden ist. Hierdurch haben beide Seiten Vorteile: Forschungsergebnisse können einem Praxischeck unterzogen werden, bei gemeinsamen Projekten können auch größere Volumina bewegt werden, Unternehmen können unmittelbar auf die neuesten Forschungsergebnisse zurückgreifen. Hier hat Augsburg auch eine ideale Größe: Das Angebot ist sehr breit gefächert, trotzdem kennt man sich und weiß, an wen man sich wenden muss, wenn es Probleme gibt.
Unsere Anstrengungen in der Digitalisierung - Augsburg ist laut Bundesdigitalministerium an der Spitze der digitalisierten Prozesse in der Verwaltung und wird im Ranking des Smart City Monitor immer besser - kommen auch den Unternehmen zugute. Mit unserer Open Data Plattform stellen wir immer mehr Daten zur Verfügung, die Unternehmen für sich nutzen können. Nicht zuletzt die enge Zusammenarbeit im Digitalrat hilft, die gegenseitigen Herausforderungen besser zu verstehen und gemeinsam zu lösen.
Eine lebhafte Gründerszene ist nicht nur ein Gradmesser für die Innovationsfähigkeit eines Standorts und des Potentials an innovativen Köpfen, sondern legt die Grundlage für die Arbeitsplätze von morgen. Auch hier verbessert sich Augsburg kontinuierlich, getragen durch ein enges Netzwerk von Stadt, Kammern, Universitäten und Einrichtungen wie dem Digitalen Zentrum Schwaben, die sich gemeinsam in „Augsburg gründet” um alle Aspekte kümmern.
Was sind Ihre drei wichtigsten Maßnahmen, um kleine und mittelständische Unternehmen in Augsburg zu stärken – jenseits von Allgemeinplätzen wie ‚Entbürokratisierung‘?
Erstens: Innovation ermöglichen. Wir sorgen dafür, dass neue Ideen schneller aus Forschung und Entwicklung in die Anwendung kommen, gerade auch im Mittelstand. Zukunftsbranchen wie KI, Gesundheitswirtschaft und Luft- und Raumfahrt müssen für kleine und mittlere Unternehmen erreichbar sein, nicht nur für Konzerne.
Zweitens: Netzwerke gezielt stärken. Augsburg lebt von Vernetzung. Uns ist besonders wichtig, kleine und mittelständische Unternehmen systematisch mit großen Zukunftsunternehmen, Forschungseinrichtungen und Start-ups zusammenzubringen. Genau an diesen Schnittstellen entstehen neue Aufträge, neue Wertschöpfung und echte Standortvorteile.
Drittens: Zusammenarbeit verlässlich organisieren. Mittelständische Unternehmen brauchen klare Ansprechpartner, feste Zuständigkeiten und kurze Entscheidungswege. Wenn Fragen schnell geklärt werden und Prozesse verständlich sind, können Betriebe investieren, wachsen und Arbeitsplätze sichern.
Augsburg steht finanziell unter Druck. Welche Investitionen haben trotzdem Priorität?
Gerade in finanziell angespannten Zeiten braucht es klare Prioritäten und die setzen wir. Oberste Priorität haben Investitionen in Bildung, weil sie die Grundlage für Fachkräfte, Innovation und wirtschaftliche Stärke sind. Deshalb halten wir das Investitionstempo und investieren jährlich rund 50 Millionen Euro in unsere Schulen. Gleichzeitig investieren wir gezielt dort, wo Wertschöpfung und Attraktivität zusammenkommen: in unsere Gründungs- und Technologiestandorte, in Messe-, Kongress- und Tourismusinfrastruktur sowie in eine leistungsfähige, digitale Verwaltung und sichere öffentliche Räume. Dass Augsburg heute zu den sichersten Städten Deutschlands zählt, digitaler Spitzenreiter ist und eine hohe Lebensqualität bietet, ist kein Selbstzweck. Das ist ein entscheidender Standortfaktor dafür, dass Menschen hier gerne leben, arbeiten und Unternehmen investieren.
Wie wollen Sie dafür sorgen, dass sich am Wirtschaftsstandort Augsburg neue Unternehmen ansiedeln und er für Fachkräfte attraktiv ist?
Unternehmen siedeln sich dort an, wo Forschung, Netzwerke und verlässliche Rahmenbedingungen zusammenkommen. Genau das bietet Augsburg. Mit Universität, Hochschulen, Forschungsinstituten und klaren wirtschaftlichen Schwerpunkten schaffen wir ein Umfeld, in dem Innovation entstehen und wachsen kann. Für Fachkräfte zählt neben dem Arbeitsplatz vor allem die Lebensrealität. Augsburg gehört zu den sichersten Städten Deutschlands, ist digitaler Champion in Deutschland und zählt bei der Lebensqualität zu den Top-10 der 50 größten Städte. Entscheidend ist die Kombination aus guter Arbeit, bezahlbarem Wohnen, Betreuung und einer Stadt in Balance. Genau diese Mischung unterscheidet Augsburg von überhitzten Metropolen und macht den Standort dauerhaft attraktiv.
Ein wichtiger Faktor für Unternehmen und Fachkräfte sind der Wohnungsmarkt und die Kinderbetreuung. Welche Pläne haben Sie für mehr bezahlbaren Wohnraum und ausreichend Betreuungsplätze?
Bauen ist derzeit das letzte große Abenteuer. Und das in Augsburg wie in ganz Deutschland: zu teuer, zu langsam und zu kompliziert. Pandemie, Krieg und hohe Zinsen haben das Bauen zusätzlich ausgebremst. Aber genau deshalb gilt für uns: Wir müssen auch gegen den Wind bauen. Gemeinsam mit unserer Wohnbaugruppe Augsburg sind trotz der Krise in der Baubranche in den vergangenen Jahren rund 800 bezahlbare Wohnungen auf den Markt gekommen. Darauf bauen wir auf und bringen in den nächsten vier Jahren weitere 400 neue geförderte Wohnungen auf den Weg. Gleichzeitig investieren wir weiter in Kinderbetreuung und Schulen, weil bezahlbares Wohnen und verlässliche Betreuung zusammengehören.
Weiter werden wir gemeinsam mit der regionalen Bauwirtschaft konsequent die Rahmenbedingungen vor Ort verbessern – Stichwort kommunale Satzungen –, die Umnutzungen von Gewerbe zu Wohnen prüfen und denken Mehrfachnutzung von Anfang an mit: keine neue Kita, kein neuer Supermarkt und kein neuer Parkplatz ohne die Frage, ob darüber Wohnraum entstehen kann.
Mit dem Staatstheater und dem Hauptbahnhof hat die Stadt Augsburg zwei große und teure Bauprojekte. Was sind Ihre Ideen, damit die Kosten hier nicht weiter steigen und die Zeitpläne eingehalten werden?
Beim Hauptbahnhof befinden wir uns in der finalen Phase der Umsetzung. Die wesentlichen Bauabschnitte sind realisiert, es gibt keine offenen Grundsatzentscheidungen mehr. Jetzt geht es um Fertigstellung, Inbetriebnahme und eine saubere Abwicklung. Beim Staatstheater waren dagegen strukturelle Entscheidungen notwendig. Die Entscheidung, die Zusammenarbeit mit dem bisherigen Architekten zu beenden, war keine leichte, aber sie war notwendig, um Schaden von der Stadt abzuwenden. Das ist keine Entscheidung, für die man Applaus bekommt, aber eine, die Verantwortung zeigt. Die Befürchtungen der Opposition, man werde keinen neuen Architekten finden, die Kosten würden weiter steigen und der Zeitplan sei nicht zu halten, haben sich nicht bestätigt. Heute arbeitet mit HENN Architekten eines der renommiertesten Architekturbüros Deutschlands an dem Projekt, mit einem verantwortlichen Ansprechpartner, der aus Augsburg stammt und eine besondere persönliche Verbindung zum Theater hat. Das Projekt ist dadurch stabilisiert.
Entscheidend ist jetzt konsequentes Kosten- und Termincontrolling und eine Zusammenarbeit ohne weitere Brüche. Die Finanzierung ist gesichert: 75 Prozent der förderfähigen Kosten übernimmt der Freistaat Bayern; der städtische Eigenanteil ist finanziert und liegt bei rund 10 Millionen Euro pro Jahr. Das entspricht unter einem Prozent unseres Haushaltsvolumens von rund 1,5 Milliarden Euro. Unser Anspruch ist klar: Stabilität halten und das Projekt verantwortungsvoll zu Ende führen.
Die Augsburger Innenstadt steht unter Druck: Leerstände, veränderter Handel, hohe Kosten. Was ist Ihr Konzept, um Handel, Gastronomie und Leben in der Innenstadt zu stärken?
Wir nehmen die veränderte Nutzung der Innenstadt sehr ernst. Studien zeigen: Immer weniger Menschen kommen nur wegen des Handels in die Innenstadt. Sie kommen wegen Gastronomie, Aufenthaltsqualität und Atmosphäre und konsumieren dann auch im Handel. Gleichzeitig zeigen aktuelle Frequenzmessungen, dass so viele Menschen wie noch nie in unserer Innenstadt unterwegs sind. Das heißt: Die Innenstadt ist da, jetzt geht es darum, sie richtig zu nutzen. Deshalb gilt für uns ein klarer Grundsatz: Die Innenstadt muss unser Wohnzimmer sein. Ein Ort, an dem man sich gerne aufhält, nicht nur kurz etwas erledigt. Genau dafür haben wir einen strukturierten Innenstadtprozess gestartet. Gemeinsam mit Handel, Gastronomie, Immobilieneigentümerinnen und -eigentümern, Kultur, Bürgerinnen und Bürgern und der Stadtverwaltung entwickeln wir Schritt für Schritt, wie Nutzung, Aufenthaltsqualität und Wirtschaftlichkeit besser zusammenspielen können. Nicht ideologisch, sondern pragmatisch und umsetzungsorientiert.
Große Projekte wie der Hauptbahnhof und das Staatstheater setzen dabei wichtige Impulse. Entscheidend ist aber das tägliche Zusammenspiel vor Ort: Sauberkeit, Sicherheit, gute Erreichbarkeit und eine Innenstadt, die sich gut anfühlt. So steigern wir die Attraktivität der Innenstadt und darüber auch die Qualität der Frequenz und den Umsatz im Handel.
Viele Unternehmen stehen unter Druck, nachhaltiger zu wirtschaften. Wie wollen Sie die ökologische Transformation so begleiten, dass sie wirtschaftliche Chancen eröffnet und nicht nur neue Auflagen schafft?
Wir haben deshalb vor vier Jahren den Augsburger Klimapakt ins Leben gerufen. Hier geht es um drei Dinge: Ein Netzwerk, in dem Best Practices ausgetauscht und nach Möglichkeit implementiert werden: nicht nur von Unternehmen in Augsburg, sondern auch mit Impulsen aus anderen Regionen. Die Bewerbung der Lösungen, die in Augsburg entwickelt werden und die weltweit zum Klimaschutz beitragen. Denken Sie beispielsweise an Schiffsmotoren mit alternativen Kraftstoffen oder Großwärmepumpen, extrem ressourcenschonende Waschanlagen, Elektolyseure zur Wasserstoffproduktion, KI-basierte Steuerungen der Produktionsanlage mit dem Ziel, weniger Material und Energie zu verbrauchen und weniger Ausschuss zu produzieren, Kreislaufwirtschaft in der Textilindustrie oder Produktion, die ihren Energieverbrauch an Kenngrößen wie verfügbaren Strom aus Solaranlagen anpasst: Hier sind riesige Hebel für einen effektiven Klimaschutz und gleichzeitig wirtschaftliche Chancen. Und drittens: Im Klimapakt findet ein enger Schulterschluss statt, um von allen Seiten zu beleuchten, wie ein Ziel am besten erreicht werden kann. Idealerweise führt das dann eben nicht zu einer neuen Auflage, sondern einem besseren Rahmen.
Die ökologische Transformation gelingt aus meiner Sicht nur, wenn sie ökonomisch sinnvoll ist. Unser Ansatz als Stadt folgt deshalb einem klaren Prinzip: Blue City. Dabei geht es nicht ums Verbieten, sondern ums Ermöglichen. Blue City heißt: Wir setzen auf Technologie, Innovation und Zusammenarbeit mit der Wirtschaft, statt auf immer neue Auflagen. Nachhaltigkeit wird dann zum Standortvorteil, wenn Unternehmen effizienter werden, Kosten senken oder neue Märkte erschließen können: etwa durch Energieeffizienz, Kreislaufwirtschaft, neue Materialien oder digitale Lösungen. Wichtig ist dabei Planungssicherheit. Unternehmen brauchen klare Ansprechpartner, verlässliche Rahmenbedingungen und realistische Zeiträume für Investitionen. Genau das wollen wir bieten. So verstehen wir ökologische Transformation in Augsburg: als wirtschaftliche Chance, als Innovationstreiber und als Teil einer gesunden Stadtentwicklung, nicht als zusätzliche Belastung für Unternehmen.
Wo sehen Sie Augsburg wirtschaftlich im Jahr 2030? Welche Branchen und Stärken sollen die Stadt dann prägen?
Im Jahr 2030 sehe ich Augsburg als einen starken, ausgewogenen Wirtschaftsstandort, der Wachstum und Lebensqualität miteinander verbindet: nicht als überhitzte Metropole, sondern als Stadt, in der Innovation, Arbeit und Alltag gut zusammenpassen. Geprägt wird Augsburg von vier zentralen Säulen: einer starken Luft- und Raumfahrt, Defence, einer wachsenden Gesundheitswirtschaft mit dem Medical Valley rund um das Universitätsklinikum sowie Künstlicher Intelligenz und Digitalisierung als Querschnittstechnologie für Industrie, Mittelstand und Verwaltung.
Genauso wichtig wie diese Zukunftsbranchen ist das Fundament: ein starker Mittelstand, verlässliche politische Rahmenbedingungen, gut ausgebildete Fachkräfte und eine hohe Lebensqualität. Sicherheit, gute Schulen, bezahlbares Wohnen und eine funktionierende Innenstadt entscheiden darüber, ob Unternehmen investieren und Menschen bleiben. Augsburg gehört heute zu den sichersten, lebenswertesten und glücklichsten Städten Deutschlands. Und genau diese Stärken wollen wir auch in Zukunft bewahren.