
Holen Sie sich B4BSCHWABEN.de auf Ihr Smartphone.
Klicken Sie auf das Symbol zum „Teilen” in der Toolbar von Safari. Finden Sie die Option „Zum Home-Bildschirm”. Mit einem Klick auf „Hinzufügen” ist die Installation abgeschlossen! Schon ist die Website als App auf Ihrem iOS-Gerät installiert.
B4BSCHWABEN.de: In drei Sätzen: Was ist Ihre Vision für Augsburgs Zukunft?
Roland Wegner: Meine Vision für Augsburg ist eine Stadt, die wieder Mut macht: sozial gerecht, ökologisch verantwortlich und wirtschaftlich solide. Wir wollen ein Augsburg, das Lebensqualität schafft, ohne sich finanziell zu überfordern, und das ehrlich sagt, wo kommunale Möglichkeiten enden – statt Erwartungen zu enttäuschen. Nach Jahren der Frustration soll wieder spürbar werden: Diese Stadt hört zu, handelt verantwortungsvoll und macht Lust auf Zukunft.
Was macht Augsburg Ihrer Meinung nach als Wirtschaftsstandort aus? Wo sehen Sie die größten Stärken und Schwächen?
Augsburg hat als Wirtschaftsstandort große Stärken in seiner Lage, seiner industriellen Tradition, einer starken Hochschul- und Forschungslandschaft sowie vielen engagierten kleinen und mittleren Unternehmen. Gleichzeitig sehen wir Schwächen bei der Attraktivität für Fachkräfte, bei bezahlbarem Wohnraum, bei der Aufenthaltsqualität und bei teilweise schwerfälligen Verwaltungsstrukturen. Wenn wir diese Defizite ehrlich angehen, statt sie schönzureden, kann Augsburg sein Potenzial deutlich besser nutzen.
Die Wirtschaft in Deutschland schwächelt, auch in Augsburg bauen Unternehmen Stellen ab, etwa Kuka oder Eberle. Die Arbeitslosenquote im Raum Augsburg ist auf dem höchsten Stand seit 2006. Wie möchten Sie die Arbeitsplätze in Augsburg schützen, gerade auch bei mittelständischen Unternehmen?
Die Stadt kann den bundesweiten oder globalen Strukturwandel nicht aufhalten, aber sie kann Rahmenbedingungen schaffen, die helfen, Arbeitsplätze zu sichern. Dazu gehören eine verlässliche, schnelle Verwaltung, bezahlbare Gewerbeflächen, moderate kommunale Abgaben und gezielte Unterstützung für kleine und mittelständische Betriebe, die das Rückgrat der Augsburger Wirtschaft bilden. Gleichzeitig setzen wir auf Zukunftsfelder wie nachhaltige Produktion, Handwerk, Pflege und regionale Wertschöpfung, damit Augsburg widerstandsfähiger wird – statt von einzelnen Großunternehmen abhängig zu sein.
Was sind Ihre drei wichtigsten Maßnahmen, um kleine und mittelständische Unternehmen in Augsburg zu stärken – jenseits von Allgemeinplätzen wie „Entbürokratisierung“?
Erstens wollen wir kommunale Kosten spürbar senken, etwa durch eine Reduzierung der (kürzlich von der Stadtregierung erhöhten) Grundsteuer und maßvolle Gebühren, damit Betriebe wieder Planungssicherheit haben. Zweitens setzen wir auf aktive Nutzung und Vermittlung von leerstehenden Gewerbeflächen, statt immer neue Flächen auszuweisen. Drittens wollen wir die städtische Wirtschaftsförderung stärker als echten Lotsen für den Mittelstand ausrichten – mit klaren Ansprechpartnern, realer Unterstützung und weniger politischer Selbstdarstellung wie die letzten sechs Jahre unter Eva Weber.
Augsburg steht wie viele Kommunen finanziell unter Druck. Welche Investitionen in Wirtschaft und Infrastruktur haben für Sie trotz knapper Kassen oberste Priorität?
Trotz knapper Kassen müssen Investitionen dort priorisiert werden, wo sie langfristig Kosten senken und Wertschöpfung sichern. Dazu zählen eine funktionierende Verkehrsinfrastruktur, energetische Sanierungen städtischer Gebäude sowie der Erhalt und die Modernisierung bestehender Gewerbe- und Ausbildungsstandorte. Neue Prestigeprojekte lehne ich ab – Augsburg braucht zuerst Investitionen, die dauerhaft tragen und Vertrauen in eine verantwortungsvolle Finanzpolitik zurückbringen.
Wie wollen Sie dafür sorgen, dass sich am Wirtschaftsstandort Augsburg neue Unternehmen ansiedeln und er für Fachkräfte attraktiv ist?
Augsburg wird als Wirtschaftsstandort nur dann attraktiver, wenn es als Lebens- und Studienort überzeugt. Statt Versprechen über „bezahlbaren Wohnraum“, die eine Kommune allein nicht einlösen kann, setzen wir auf Aufenthaltsqualität, kulturelle Vielfalt, funktionierende Mobilität und ein lebendiges Stadtbild. Wer Augsburgs Universität oder seine Hochschulen wählt und während des Studiums gern hier lebt, bleibt auch eher nach dem Abschluss – und genau darin sehe ich einen wichtigen Hebel für Fachkräfte und Unternehmensansiedlungen.
Ein wichtiger Faktor, damit Unternehmen und Fachkräfte angezogen werden, sind auch der Wohnungsmarkt und die Kinder-Betreuungssituation einer Stadt. Welche Pläne haben Sie für bezahlbaren und mehr Wohnraum sowie ausreichend Betreuungsplätze für Kinder?
Beim Wohnungsmarkt setzt die V-Partei³ auf Ehrlichkeit: Die Stadt kann Preise nicht einfach steuern, deshalb konzentrieren wir uns auf die bessere Nutzung vorhandenen Wohnraums, die Reduzierung von Leerständen und nachhaltige, maßvolle Neubauten statt weiterer Flächenversiegelung.
In der Kinderbetreuung entspannt sich die Lage derzeit durch sinkende Geburtenzahlen, weshalb wir ein kontinuierliches Monitoring für unerlässlich halten. Ziel ist es, Kapazitäten flexibel anzupassen, Qualität zu sichern und frühzeitig gegenzusteuern, damit Betreuung verlässlich bleibt – ohne dauerhaft Über- oder Unterkapazitäten aufzubauen.
Mit dem Staatstheater und dem Hauptbahnhof hat die Stadt Augsburg zwei große und teure Bauprojekte. Was sind Ihre Ideen, damit die Kosten hier nicht weiter steigen und die Zeitpläne eingehalten werden?
Beim Staatstheater ist der Schaden leider bereits angerichtet: Die aktuelle Stadtregierung trägt Verantwortung für die größte Finanzmisere in der Geschichte Augsburgs. Sollte durch die laufende Gerichtsverhandlung an den entlassenen Architekten auch nur ein einziger Euro gezahlt werden müssen, erwarten wir klare Konsequenzen und Schadensersatz von den Verantwortlichen – in diesem Fall von Eva Weber, die eigenmächtig handelte. Für künftige Projekte fordern wir verbindliche Kontrollmechanismen, transparente Entscheidungsprozesse und frühzeitige Risikoabwägung, damit sich das nicht wiederholt.
Wie wollen Sie Innenstadthandel und Gastronomie stärken – gerade vor dem Hintergrund von Online-Handel, Leerständen und veränderten Konsumgewohnheiten?
Ich möchte den Innenstadthandel und die Gastronomie stärken, indem ich die Innenstadt wieder zu einem Ort mache, an dem Menschen gerne verweilen. Dazu gehören attraktive Fußgängerzonen, Kulturangebote, temporäre Nutzung von Leerständen und mehr Bäume, die im Sommer für Schatten und angenehme Temperaturen sorgen. Gleichzeitig setze ich mich dafür ein, lokale Betriebe aktiv zu unterstützen – mit Beratung, Kooperationen und Veranstaltungen.
Viele Unternehmen stehen unter Druck, nachhaltiger zu wirtschaften. Wie wollen Sie die ökologische Transformation begleiten, sodass sie gleichzeitig wirtschaftliche Chancen eröffnet und nicht nur neue Auflagen schafft?
Ich setze mich dafür ein, dass Nachhaltigkeit belohnt und unterstützt wird, statt Unternehmen nur neue Auflagen aufzubürden. Wir bieten Beratung, Kooperationen und Fördermöglichkeiten, geben aber auch zu: Bundes- und Landespolitik sind hier ebenso gefordert. Ziel muss sein, dass nachhaltige Produkte wirtschaftlich attraktiv werden – nicht teurer – damit ökologisches Handeln Chancen schafft, statt zu belasten.
Wo sehen Sie Augsburg wirtschaftlich im Jahr 2030? Welche Branchen und Stärken sollen die Stadt dann prägen?
Ich sehe Augsburg 2030 als eine Stadt, die Lebensqualität, Wirtschaft und Nachhaltigkeit verbindet. Starke mittelständische Unternehmen, zukunftsfähiges Handwerk, Forschung und Lehre sowie nachhaltige Produktion prägen unsere Wirtschaft, ergänzt durch lebendige Kultur, Gastronomie und Stadtleben, das Fachkräfte und Studierende anzieht. Augsburg soll eine Stadt sein, die nicht nur wirtschaftlich solide dasteht, sondern in der man gerne lebt, arbeitet und Zukunft gestaltet.