Kommentar

#NotmyDigitalministerium

Bayerns Staatsministerin Judith Gerlach. Foto: Iris Zeilnhofer/B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
„Business next door to Munich.“ Mit diesem Slogan ging die Wirtschaftsförderung A³ vor zehn Jahren an den Start. Man machte sich klein neben der Wirtschaftsmacht, die abzugreifen schien, was die Region nach vorne bringen könnte: Internationale Konzerne, etablierte Unternehmen, pfiffige Start-ups und gut ausgebildete Fachkräfte zog es in die Landeshauptstadt. Augsburg? Wer oder was ist schon Augsburg?

Beim Festakt zum 10. Geburtstag in der Spielstätte des Staatstheaters im martini-Park zeigte sich: Kleinmachen muss sich hier keiner mehr. Rund 600 Gäste folgten der Einladung des Teams rund um A³-Geschäftsführer Andreas Thiel. Der Wandel, den man in den letzten 10 Jahren vollzogen hat, ist Grund genug zum Feiern. Trotz aller Hürden, die den Weg versperrten.

Die Spannung steigt: Welche Visionen hat die Ministerin für die Region?

Wie bei einem Festakt üblich durften die Grußworte der Bayerischen Staatsregierung nicht fehlen. Nach Augsburg kam Staatsministerin Judith Gerlach. Die Chefin des neu geschaffenen Digitalministeriums. Eine junge Frau, 33 Jahre alt. Von ihr erwartet man Visionen. Mut, neue Wege zu gehen, Dinge anders zu machen. Die gute Portion „ich mach jetzt mein Ding“, wie man es von Frauen aus meiner Generation eben hören möchte – vor allem, wenn sie an der Spitze eines Zukunftsministeriums stehen.

Den ersten Tritt knapp neben das Fettnäpfchen machte Frau Gerlach schon zu Beginn ihrer gut halbstündigen Rede: Als sie die Einladung zum Grußwort bekam, habe sie fälschlicherweise gleich an die vielbefahrene Autobahn gedacht, die sich durch ihre Heimat Franken schlängelt: A3 oder A hoch 3, da kann man schon mal durcheinanderkommen.

eGovernment: Ganz schön „lahm“

Nach einer Herleitung, welch wichtige Wirtschaftsadern Straßen doch seien (die A8 blieb übrigens unerwähnt) ging sie endlich auf ihr Kernthema über: Digitalisierung. Doch statt des großen Wurfes, statt Visionen und Appellen, kamen Allgemeinplätze: Ein bisschen KI hier, ein bisschen Automation da, Blockchain – ja, die habe Für- und Widersprecher – und das Versprechen, dass man am Thema eGovernment mit Hochdruck arbeite. Ein Thema, das nicht sexy sei – und sie selbst vor einem halben Jahr als ziemlich „lahm“ betrachtet habe. Das Rädchen lasse sich nicht mehr zurückdrehen. Man dürfe sich auf bayerischen Erfolgen aus der Vergangenheit nicht ausruhen. Vor fünf Jahren wäre ihre Rede ein großer Wurf gewesen. Heute sorgte sie im Publikum eher für Verwunderung, wie der „analogen Live-Abstimmung“ – die Unruhe im Saal nahm von Minute zu Minute zu – zu entnehmen war.

Augsburg viel weiter, als das Digitalministerium zu denken scheint

Hätte Judith Gerlach sich auf ihrer staureichen Fahrt auf der A8 noch mit der Region beschäftigt, hätte sie gesehen, dass man hier in Sachen Digitalisierung schon viel weiter ist. Mit jedem großen Unternehmen, das medial umfassend begleitet von der Bildfläche verschwindet, kommen agile, clevere und nach vorn blickende kleine Firmen und Start-ups hinterher. Getrieben und gemanagt vom Digitale Zentrum Schwaben (DZ.S) holen sie Zukunft in die Region. Unter den 18 Neumitgliedern der Regio A³, die nach Judith Gerlachs Auftritt auf der Bühne vorgestellt wurden, waren zahlreiche Digitalfirmen. Darunter der New-Work-Weiterdenker fly-tech, die cioplenu GmbH – Spezialist für digitale Arbeitsanweisungen –der Digitalisierungspartner XITASO und die Digitalagentur TEAM23. Einer brachte prompt auf den Punkt, was sich viele im Raum dachten und das für alle auf der Bühne galt: „Wir machen schon lange genau das, was Frau Gerlach gerade eingefordert hat.“ Den Applaus für diese Erkenntnis hörte die Digitalministerin allerdings nicht mehr. Nachdem sie mit Verspätung anreiste, musste sie auch gleich nach ihrem Grußwort wieder gehen. Zum nächsten Termin.

Was in vielen anderen Ministerien schon lange bekannt ist, scheint ausgerechnet im Digitalministerium noch nicht angekommen zu sein: Die Region ist weiter, viel weiter, als so mancher „next door“ den Schwaben zutraut. Deshalb macht der neue Slogan, den sich A³ zum Jubiläum geschenkt hat, viel klarer, wohin die Reise gehen soll: „Wir machen die Zukunft. Besser“.

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Beim Festakt zum 10. Geburtstag in der Spielstätte des Staatstheaters im martini-Park zeigte sich: Kleinmachen muss sich hier keiner mehr. Rund 600 Gäste folgten der Einladung des Teams rund um A³-Geschäftsführer Andreas Thiel. Der Wandel, den man in den letzten 10 Jahren vollzogen hat, ist Grund genug zum Feiern. Trotz aller Hürden, die den Weg versperrten.

Die Spannung steigt: Welche Visionen hat die Ministerin für die Region?

Wie bei einem Festakt üblich durften die Grußworte der Bayerischen Staatsregierung nicht fehlen. Nach Augsburg kam Staatsministerin Judith Gerlach. Die Chefin des neu geschaffenen Digitalministeriums. Eine junge Frau, 33 Jahre alt. Von ihr erwartet man Visionen. Mut, neue Wege zu gehen, Dinge anders zu machen. Die gute Portion „ich mach jetzt mein Ding“, wie man es von Frauen aus meiner Generation eben hören möchte – vor allem, wenn sie an der Spitze eines Zukunftsministeriums stehen.

Den ersten Tritt knapp neben das Fettnäpfchen machte Frau Gerlach schon zu Beginn ihrer gut halbstündigen Rede: Als sie die Einladung zum Grußwort bekam, habe sie fälschlicherweise gleich an die vielbefahrene Autobahn gedacht, die sich durch ihre Heimat Franken schlängelt: A3 oder A hoch 3, da kann man schon mal durcheinanderkommen.

eGovernment: Ganz schön „lahm“

Nach einer Herleitung, welch wichtige Wirtschaftsadern Straßen doch seien (die A8 blieb übrigens unerwähnt) ging sie endlich auf ihr Kernthema über: Digitalisierung. Doch statt des großen Wurfes, statt Visionen und Appellen, kamen Allgemeinplätze: Ein bisschen KI hier, ein bisschen Automation da, Blockchain – ja, die habe Für- und Widersprecher – und das Versprechen, dass man am Thema eGovernment mit Hochdruck arbeite. Ein Thema, das nicht sexy sei – und sie selbst vor einem halben Jahr als ziemlich „lahm“ betrachtet habe. Das Rädchen lasse sich nicht mehr zurückdrehen. Man dürfe sich auf bayerischen Erfolgen aus der Vergangenheit nicht ausruhen. Vor fünf Jahren wäre ihre Rede ein großer Wurf gewesen. Heute sorgte sie im Publikum eher für Verwunderung, wie der „analogen Live-Abstimmung“ – die Unruhe im Saal nahm von Minute zu Minute zu – zu entnehmen war.

Augsburg viel weiter, als das Digitalministerium zu denken scheint

Hätte Judith Gerlach sich auf ihrer staureichen Fahrt auf der A8 noch mit der Region beschäftigt, hätte sie gesehen, dass man hier in Sachen Digitalisierung schon viel weiter ist. Mit jedem großen Unternehmen, das medial umfassend begleitet von der Bildfläche verschwindet, kommen agile, clevere und nach vorn blickende kleine Firmen und Start-ups hinterher. Getrieben und gemanagt vom Digitale Zentrum Schwaben (DZ.S) holen sie Zukunft in die Region. Unter den 18 Neumitgliedern der Regio A³, die nach Judith Gerlachs Auftritt auf der Bühne vorgestellt wurden, waren zahlreiche Digitalfirmen. Darunter der New-Work-Weiterdenker fly-tech, die cioplenu GmbH – Spezialist für digitale Arbeitsanweisungen –der Digitalisierungspartner XITASO und die Digitalagentur TEAM23. Einer brachte prompt auf den Punkt, was sich viele im Raum dachten und das für alle auf der Bühne galt: „Wir machen schon lange genau das, was Frau Gerlach gerade eingefordert hat.“ Den Applaus für diese Erkenntnis hörte die Digitalministerin allerdings nicht mehr. Nachdem sie mit Verspätung anreiste, musste sie auch gleich nach ihrem Grußwort wieder gehen. Zum nächsten Termin.

Was in vielen anderen Ministerien schon lange bekannt ist, scheint ausgerechnet im Digitalministerium noch nicht angekommen zu sein: Die Region ist weiter, viel weiter, als so mancher „next door“ den Schwaben zutraut. Deshalb macht der neue Slogan, den sich A³ zum Jubiläum geschenkt hat, viel klarer, wohin die Reise gehen soll: „Wir machen die Zukunft. Besser“.

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