Schwäbische Wirtschaft

Neujahrsempfang der IHK Schwaben: Zwischen Tradition und Wandel

Zahlreiche hochkarätige Gäste kamen zum IHK Neujahrsempfang nach Augsburg. Foto: Zeilnhofer / B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
Rund 1.200 Gäste feierten am 24. Januar 2017 den Neujahrsempfang der schwäbischen Wirtschaft. Dazu hatte die IHK Schwaben traditionell in den Kongress am Park nach Augsburg eingeladen.

„Warum sind Sie heute Abend hier?“, fragte Dr. Andreas Kopton, Präsident der IHK Schwaben, die zahlreichen Gäste. „Sie sind hier, weil Sie an Ihrem Netzwerk arbeiten“, beantwortete er seine Frage gleich selbst. „Sie wollen ihr berufliches Netzwerk ausbauen, Ihre Unternehmen stärken.“

Südbayern-Initiative gestartet

Wie wichtig starke Netzwerke sind, weiß auch die IHK Schwaben. Sie hat deshalb mit der IHK Oberbayern und der IHK Niederbayern die Südbayern-Initiative gestartet. Zur Podiumsdiskussion waren neben Dr. Kopton deshalb Dr. Eberhard Sasse, Präsident der IHK München und Oberbayern, und Thomas Leebmann, Präsident der IHK Niederbayern, vor Ort. Alle drei betonten, dass gemeinsam viel mehr erreicht werden kann – nicht nur für die Gemeinschaft, sondern auch für den einzelnen. Neben einer stark durch die Industrie geprägten Wirtschaft gibt es untereinander noch mehr Gemeinsamkeiten. Dazu gehören auch die sehr ähnlichen Herausforderungen, vor denen alle Unternehmen und auch die Kammern in der Region stehen.

IHK Schwaben-Neujahrsempfang 2017 mit rund 1.200 Gästen

Große Herausforderungen für die bayerische Wirtschaft

„Die Starken müssen weiter gestärkt werden, damit sie die Schwachen auch mit an Bord nehmen können. Wir hatten früher eine Politik, die die Wirtschaft weitgehend verstanden hat. Heute fließt – gut gemeint – viel Geld in soziale Projekte und in die Energie-Wende. Dieses Geld fehlt aber für wichtige, zukunftsweisende Projekte“, sagte Sasse. Dem schloss sich Kopton an: „Wir werden von der Digitalisierung abhängig sein. Wir brauchen mehr Investitionen für zukunftsweisende Projekte, nicht für die Energiewende.“ „Ich bin Automobil-Händler, ich habe gesehen, was die Automobil-Industrie mit uns vorhat. Da sind künftig ungeheure Daten-Ströme nötig. Wir dürfen nie aufhören, unseren Fokus darauf zu legen. Wir brauchen Fördermittel, um Forschung und Entwicklung weiter voranzutreiben“, bekräftigte auch Leebmann.

Schwächt die aktuelle Flüchtlings-Politik bayerische Unternehmer?

Kopton kritisierte auf dem Neujahrsempfang der IHK Schwaben auch die Flüchtlingspolitik der Bayerischen Staatsregierung. „Ausgemacht war, dass die Flüchtlinge, die einen Ausbildungsvertrag erhalten, diese auch abschließen und danach mindestens zwei Jahre in ihrem Beruf arbeiten können“, so Kopton, „jetzt umgeht die Regierung diese Abmachung. Junge Menschen, in deren Ausbildung wir bereits viel Zeit und Geld investiert haben – als Unternehmer, als Steuerzahler – werden entgegen dieses Versprechens abgeschoben. Das war nicht ausgemacht.“

Traditionsbruch als Herausforderung

Die Festrede des Abends hielt Prof. Dr. Andreas Wirsching, Direktor des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin. „Wir erleben derzeit den Zusammenbruch der liberalen Weltordnung“, so Wirsching. „Die Gesellschaft spaltet sich. Der Grund dafür liegt nicht nur in der wachsenden sozialen Ungerechtigkeit. Vielmehr ist es die Globalisierung, die polarisiert. Es formt sich eine radikale Mittelschicht. Sie reagiert auf wachsende kognitive Überlastung und auf den härter werdenden Wettbewerb.“ Zunehmend werde von Arbeitnehmern mehr verlangt. „Es gibt Menschen, die damit gut klar kommen. Sie bewegen sich auf dem Markt souverän, sie nehmen ihre eigene Biografie selbst in die Hand und sind in der Lage, zwischen verschiedensten Karriere-Optionen aktiv und erfolgreich zu wählen. Aber seien wir ehrlich: In der Breite ist der Typus nicht zu finden.“ Wirsching betonte, dass mit den neuen Herausforderungen vor allem auch neue Gestaltungs-Möglichkeiten kommen – für Unternehmer, Politik und Gesellschaft.

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IHK Schwaben-Neujahrsempfang 2017 mit rund 1.200 Gästen

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Kopton kritisierte auf dem Neujahrsempfang der IHK Schwaben auch die Flüchtlingspolitik der Bayerischen Staatsregierung. „Ausgemacht war, dass die Flüchtlinge, die einen Ausbildungsvertrag erhalten, diese auch abschließen und danach mindestens zwei Jahre in ihrem Beruf arbeiten können“, so Kopton, „jetzt umgeht die Regierung diese Abmachung. Junge Menschen, in deren Ausbildung wir bereits viel Zeit und Geld investiert haben – als Unternehmer, als Steuerzahler – werden entgegen dieses Versprechens abgeschoben. Das war nicht ausgemacht.“

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