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B4BSCHWABEN.de: Sie haben einen Zehn-Punkte-Plan zum Thema Nachfolge erarbeitet. Dieser richtet sich an die Politik und soll Betriebsübernahmen erleichtern. Was sind Ihre Kernforderungen?
Ulrich Wagner: Ganz entscheidend ist das Thema Finanzierung und Kapitalzugang. Der Staat muss Wagniskapital und gängige Finanzierungsinstrumente wie KfW-Darlehen oder LfA-Förderbank-Darlehen so günstig und unternehmensnah wie möglich gestalten, damit Übernahmen nicht schon an der Finanzierung scheitern. In der Bildungspolitik brauchen wir eine Rückbesinnung auf die duale Ausbildung und eine Bildungswende. Wir werden mit dieser Überakademisierung an die Wand fahren. Wir müssen mehr Geld für die Mittel- und Berufsschulen zur Verfügung stellen und in der Bildungsarbeit deutlich machen, dass die duale Ausbildung eine ernst zu nehmende, zukunftsträchtige Alternative ist. Wir fordern auch ein Umdenken beim Thema Steuern. Zwischen 70 und 80 Prozent der Handwerksbetriebe sind inhabergeführt. Da geht es nicht um Steueroasen im Ausland, sondern der Unternehmer bezahlt die Steuer als Einkommenssteuer. Der Progressionsbauch, also der übermäßige Anstieg der Einkommenssteuer bei Gehaltserhöhungen, ist leistungsfeindlich. Unternehmer müssen Mitarbeitende gut bezahlen, in den Betrieb investieren und sich selbst versorgen können. Sonst wirkt ein sicherer Angestelltenjob für viele attraktiver.
Viele kümmern sich zu spät um die Nachfolge. Wann sollte man damit anfangen?
Wir haben im Haus zehn Unternehmensberaterinnen und -berater, die die Themen Existenzgründung, Business Planning und Übergabe betreuen. Aus unseren Erfahrungen heraus empfehlen wir, fünf Jahre vor der geplanten Übergabe anzufangen. Das klingt lang, ist es aber nicht. Man muss nicht nur einen Nachfolger finden, sondern sich abstimmen, formale Dinge klären, Verträge aufsetzen, Investitions- und Personalfragen lösen. Das muss alles stimmig sein, sonst wird es schwierig mit der Übergabe. Es geht bei einem Handwerksunternehmen ja auch um ein Lebenswerk und das Loslassen braucht Zeit. Wer zu spät beginnt, riskiert zudem, dass der Betrieb nicht vorbereitet ist: Maschinenpark, Logistik und Kundennetzwerk müssen gepflegt und erneuert werden. Wenn über Jahre nicht investiert wird, weil man unsicher ist, wie es weitergeht, leidet die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens. Dann wird es schwer, einen Nachfolger zu finden, weil der Betrieb nicht auf dem neuesten Stand ist oder der Nachfolger zu viel investieren müsste.
Lesen Sie hier den ersten Teil des Interviews: Unattraktives Handwerk? Schwabens Handwerk sucht Nachfolger
Das Nachfolgeproblem ist auch ein demografisches Problem. Welche Möglichkeiten sehen Sie für Handwerksbetriebe, den Fachkräftemangel zum Beispiel durch Digitalisierung und KI ein Stück weit auszugleichen?
Da funktioniert schon vieles, es gibt aber auch enormes Potenzial. Robotik beispielsweise ist ein wichtiges Thema. Einfache, gleichförmige Aufgaben wie Bohren, Maschinen bestücken, Schweißen oder Material transportieren, können heute Maschinen übernehmen. Anders wäre das Handwerk heutzutage oft nicht mehr leistungsfähig. Ein Roboter kann einfache und eintönige Arbeiten übernehmen und schafft damit die Möglichkeit, qualifizierte Mitarbeitende für anspruchsvollere Aufgaben einzusetzen. Ob Robotik, Digitalisierung und KI reichen werden, um den Fachkräftemangel auszugleichen, ist schwer zu sagen, aber es ist zumindest ein Beitrag dazu. Wenn Fachkräfte fehlen und Engpässe entstehen, trifft das am Ende aber die Kunden und nicht den Unternehmer. Deshalb: Es ist wirtschaftlich und gesellschaftlich wichtig, mehr auf den Mittelstand zu schauen.
Welchen Rat geben Sie Inhabern, die ihr Unternehmen übergeben wollen?
Frühzeitig darüber nachdenken und Ausschau halten – in der Familie, im Betrieb, außerhalb. Und unbedingt die Handwerkskammer einschalten, um sich beraten zu lassen und ein realistisches Bild zu bekommen: Vom Unternehmenswert, aber auch davon, was man im Ruhestand finanziell braucht.
Welchen Rat geben Sie Mitarbeitenden, die theoretisch einen Betrieb übernehmen könnten?
Mutig sein und die Chancen ergreifen, die da sind. Diese sind zurzeit so gut wie seit vielen, vielen Jahren nicht. Gleichzeitig realistisch planen: Verantwortung und Risiko gehören dazu. Sich davon aber auch nicht verunsichern lassen. Sich rechtzeitig bei uns, bei der Bank und bei einem Steuerberater Rat holen. Es will also gut überlegt und geplant sein. Aber jetzt ist die richtige Zeit, das mutig und mit viel Optimismus anzugehen.