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Mittelmaß statt Aufbruch: Wieso Augsburgs Wirtschaft nicht richtig in Schwung kommt
Konjunktur

Mittelmaß statt Aufbruch: Wieso Augsburgs Wirtschaft nicht richtig in Schwung kommt

Die aktuelle Wirtschaftslage in Augsburg im Blick: Ellen Dinges-Dierig, Christoph Domberger und Jens Walter (v. l. n. r.) präsentieren die Ergebnisse der regionalen IHK-Konjunkturumfrage. Bild: Pauline Jung
Die aktuelle Wirtschaftslage in Augsburg im Blick: Ellen Dinges-Dierig, Christoph Domberger und Jens Walter (v. l. n. r.) präsentieren die Ergebnisse der regionalen IHK-Konjunkturumfrage. Bild: Pauline Jung

Die Stimmung unter Augsburgs Unternehmen hellt sich leicht auf, doch von einem nachhaltigen Aufschwung fehlt weiterhin jede Spur. Hohe Kosten, schwache Investitionen und zurückhaltende Personalplanungen bremsen die Wirtschaft. Die IHK Schwaben fordert deshalb dringend Reformen.

Ein kleiner Lichtblick, aber noch lange kein Grund zum Aufatmen: Die Wirtschaft in der Stadt Augsburg zeigt im Herbst 2026 erste Anzeichen einer Erholung. Der IHK-Konjunkturindex steigt gegenüber dem Frühjahr um zwei Punkte auf 111 und liegt damit über der Wachstumsschwelle von 100 Punkten. Auch im regionalen Vergleich steht Augsburg vergleichsweise gut da. Während der Wirtschaftsraum Augsburg einen Index von 103 Punkten erreicht, liegt Bayerisch-Schwaben insgesamt bei 105 Punkten. Von einem nachhaltigen Aufschwung wollen die Vertreter der IHK Schwaben dennoch nicht sprechen.

„Die Unternehmen in unserer Stadt müssen sich tagtäglich in einem immer schwierigeren wirtschaftlichen Umfeld behaupten“, betonte Ellen Dinges-Dierig, Vorsitzende der IHK-Regionalversammlung Augsburg-Stadt, bei der Vorstellung der aktuellen Konjunkturergebnisse am Dienstag. Die Politik müsse endlich handeln und für spürbare Entlastungen sorgen.

Mehr Zuversicht, aber kaum Bewegung 

Dass sich die Stimmung etwas verbessert hat, liegt vor allem an den Erwartungen für die kommenden Monate. 29 Prozent der befragten Augsburger Unternehmen rechnen mit besseren Geschäften, 18 Prozent befürchten eine Verschlechterung. Ihre aktuelle Lage bewerten hingegen nur 33 Prozent als gut, weitere 45 Prozent als befriedigend und 22 Prozent als schlecht.

Dabei fällt auf: Augsburgs Unternehmen blicken deutlich optimistischer in die Zukunft als der schwabenweite Durchschnitt. Doch die vorsichtige Zuversicht schlägt sich bislang kaum in konkreten Wachstumsplänen nieder.

„Von einem echten Aufbruch sind wir noch entfernt“, erklärte IHK-Regionalgeschäftsführer Jens Walter. Dafür müssten vor allem die Investitionsbereitschaft und die Beschäftigungsperspektiven der Unternehmen wieder deutlich zulegen.

Auch zwischen den Branchen zeigen sich Unterschiede. Während einzelne Industriebetriebe von einer besseren Exportnachfrage und zusätzlichen Aufträgen, etwa im Rüstungsbereich, profitieren, bleibt die Situation für den Einzelhandel angespannt. Die anhaltende Kaufzurückhaltung der Verbraucher macht vielen Betrieben zu schaffen. Auch die industrienahen Dienstleister zeigen sich weiterhin verhalten.

Unternehmen sparen bei Personal und Investitionen

Besonders deutlich wird die angespannte Lage beim Blick auf den Arbeitsmarkt. Schwabenweit rechnen 22 Prozent der Unternehmen mit sinkenden Beschäftigtenzahlen, während lediglich zwölf Prozent zusätzliche Mitarbeiter einstellen möchten. Auch im Wirtschaftsraum Augsburg überwiegen die negativen Beschäftigungserwartungen.

Statt neue Stellen zu schaffen, setzen viele Betriebe zunehmend darauf, vorhandene Ressourcen effizienter einzusetzen. Frei werdende Positionen werden nicht immer nachbesetzt, gleichzeitig sollen Digitalisierung und optimierte Abläufe helfen, Personalkosten zu reduzieren.

Ähnlich zurückhaltend präsentieren sich die Investitionspläne. Zwar ist regional eine leichte Verbesserung erkennbar, von einer größeren Investitionswelle kann jedoch keine Rede sein. Vielerorts steht zunächst die Modernisierung bestehender Anlagen im Vordergrund, während umfangreiche Erweiterungen aufgeschoben werden. Bestandspflege statt Aufbruch lautet damit weiterhin die Devise.

Hohe Kosten und Bürokratie bremsen die Betriebe

Was die Unternehmen besonders belastet, zeigen die Ergebnisse der IHK-Umfrage deutlich. Für 66 Prozent der Betriebe in Bayerisch-Schwaben zählen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen zu den größten Risiken. Fast ebenso viele nennen die hohen Energie- und Rohstoffpreise (65 Prozent). Hinzu kommen die schwache Inlandsnachfrage (59 Prozent) und steigende Arbeitskosten (57 Prozent).

„Unsere Unternehmen brauchen Planungssicherheit und international wettbewerbsfähige Standortbedingungen“, forderte Unternehmer und IHK-Vorstandsmitglied Christoph Domberger. Hohe Kosten und immer neue bürokratische Anforderungen würden die Betriebe zunehmend ausbremsen.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die mangelnde Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt. Domberger spricht sich unter anderem für weniger gesetzliche Vorgaben bei Arbeitszeiten aus. Statt starrer täglicher Grenzen brauche es Regelungen, die sich besser an den betrieblichen Alltag anpassen lassen.

Jetzt ist die Politik am Zug

Die Forderungen der Wirtschaftsvertreter richten sich vor allem an die Politik. Neben dem Abbau bürokratischer Hürden stehen wettbewerbsfähige Energiepreise, eine Begrenzung der Arbeitskosten und Reformen der Steuer- und Sozialpolitik im Mittelpunkt. Auch die Diskussion um das Renteneintrittsalter und die steuerliche Belastung von Fachkräften spielt dabei eine Rolle.

Für Dinges-Dierig und Domberger steht fest, dass der Wirtschaftsstandort Augsburg grundsätzlich über großes Potenzial verfügt. Doch dieses könne sich nur entfalten, wenn Unternehmen wieder verlässlich planen und investieren können.

Die Ergebnisse der Herbstumfrage zeigen damit vor allem eines: Die Zuversicht kehrt langsam zurück, der erhoffte wirtschaftliche Aufschwung lässt jedoch weiter auf sich warten. Ob aus den leicht verbesserten Erwartungen tatsächlich neue Investitionen und Arbeitsplätze entstehen, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie schnell die angekündigten Reformen in der Praxis ankommen.

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