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„Lasst uns mutiger sein“: Diese Auswege sieht Ramona Meinzer in der Wirtschaftskrise
Wirtschaftslage

„Lasst uns mutiger sein“: Diese Auswege sieht Ramona Meinzer in der Wirtschaftskrise

Ramona Meinzer (Mitte) ist Vorsitzende der IHK-Regionalversammlung Augsburg-Land. Mit ihrem Stellvertreter Paul Kienberger (l.) und dem IHK-Regionalgeschäftsführer Jens Walter (r.) hat sie die Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage für den Landkreis Augsburg vorgestellt. Foto: B4B/ Katharina Seeburger
Ramona Meinzer (Mitte) ist Vorsitzende der IHK-Regionalversammlung Augsburg-Land. Mit ihrem Stellvertreter Paul Kienberger (l.) und dem IHK-Regionalgeschäftsführer Jens Walter (r.) hat sie die Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage für den Landkreis Augsburg vorgestellt. Foto: B4B/ Katharina Seeburger

Die Unternehmen im Landkreis Augsburg blicken pessimistischer in die Zukunft. Ramona Meinzer, Vorsitzende der IHK-Regionalversammlung hat klare Erwartungen, um das Ruder rumzureißen. Nicht nur an die Politik, sondern auch an die Unternehmer selbst.

„Die aktuelle Geschäftslage sehen die Unternehmen als stabil an, die Erwartungen sind das Problem“, sagt Ramona Meinzer, Vorsitzende der IHK-Regionalversammlung und Geschäftsführerin der Aumüller Aumatic GmbH in Thierhaupten.

Denn die Unternehmen im Landkreis Augsburg blicken pessimistischer in die Zukunft. 28 Prozent gehen davon aus, dass sich ihre Geschäftslage verschlechtern wird, nur neun Prozent erwarten eine Verbesserung. 63 Prozent rechnen mit einer gleichbleibenden Geschäftslage. Das zeigt die Konjunkturumfrage der IHK Schwaben. Doch Aufgeben oder Jammern kommt für Meinzer nicht in Frage. „Wir sind Unternehmer und keine Unterlasser. Am Ende des Tages müssen wir schauen, dass wir weitermachen und unseren Job machen. Egal wie schlecht die Zahlen sind“, appelliert sie an die Eigenverantwortung. 

Viel Bau und Industrie

Die schlechten Erwartungen drücken auch den IHK-Konjunkturindex im Landkreis Augsburg. So ist dieser im Vergleich zum Frühjahr von 104 auf 92 Punkte gesunken und liegt deutlich unter der Wachstumsschwelle von 100. „Hier bin ich hellhörig geworden. Denn 92 ist ein Absturz“, sagt Meinzer.

Zudem entwickelt sich die Wirtschaft im Landkreis Augsburg entgegen dem Trend in Bayerisch-Schwaben. Schwabenweit ist der Konjunkturindex um drei Punkte auf 105 gestiegen. Auch liegt der Index deutlich unter den 103 Punkten des Wirtschaftsraums Augsburg (Stadt und Landkreis sowie Kreis Aichach-Friedberg).

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Meinzer erklärt die schlechtere Situation der Unternehmen in Augsburg Land mit dem Branchenmix. So gebe es im Landkreis viel Industrie und Bauunternehmen. „Und im Bau läuft es seit Jahren sehr schlecht“, sagt Meinzer. In der Stadt Augsburg hingegen gibt es viele Dienstleister. Dieser Branche geht es besser als der Industrie, wie der IHK-Konjunkturindex zeigt. Zudem profitiert die Wirtschaft in der Stadt Augsburg von der Rüstungsindustrie, ein Zweig, der im Landkreis schwächer ist.

Bürokratie bindet Arbeitskraft

Als größte Risiken sehen die Unternehmen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (66 Prozent) und die Preise für Energie und Rohstoffe (65 Prozent). „Wir haben kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem. Dass wir zu viel Bürokratie haben, wissen wir seit 25 Jahren“, wird Meinzer deutlich.

Lesen Sie auch:Ramona Meinzer: „Wir müssen wieder aufstehen und handeln“

In der Praxis bedeutet das, dass bei Aumüller Aumatic wegen der Ökodesign-Verordnung ein Jahr lang zwei Entwickler damit beschäftigt waren, den Energieverbrauch der Produkte im Stand-by-Modus zu messen und zu reduzieren. Der Energieverbrauch sei dadurch so minimal gesunken, dass es weder dem Unternehmen noch den Kunden am Ende etwas bringt. Aumüller Aumatic entwickelt Rauch- und Wärmeabzugsanlagen sowie Lösungen für die kontrollierte natürliche Lüftung.

Ramona Meinzer: Handeln statt jammern

 „Vieles können wir auf nationaler Ebene nicht ändern, weil es die EU betrifft. Aber was können wir hier ändern und tun?“, fragt Meinzer. Jammern und Aufgeben kommen für Meinzer nicht in Frage. „Es hat nie jemand gesagt, dass alles leicht sein muss. Deswegen habe ich mir diesen Job auch nicht ausgesucht“, sagt sie und fordert von Unternehmern und jedem Einzelnen, aufzustehen und etwas zu tun. „Es gibt keine Alternative, sonst schreiben wir uns selbst ab. Wenn jeder das tut, was er beitragen kann, ist genügend für alle da. Auch für die, die es nicht können. Das ist für mich soziale Marktwirtschaft“, sagt Meinzer.

Hören Sie auch die B4B-Podcastfolge:Wieso wird es ohne Mittelstand zappenduster in Deutschland?

KI im Mittelstand fördern

Den Vorteil des Mittelstandes und damit auch für die deutsche Wirtschaft sieht sie darin, dass der Mittelstand agil und flexibel ist. Beim Thema KI müsse der Mittelstand Gas geben und sich gegenseitig unterstützen. So hat Meinzer in den vergangenen Monaten an der US-Universität Stanford und in 1:1 Workshops gelernt, wie sie KI konkret bei Aumüller Aumatic anwenden kann.

Inzwischen coded sie selbst. „Ich löse mit Claude Probleme, die wir seit zehn Jahren haben.“ So konnte sie das Bearbeiten der Auftragseingänge mit KI vollständig automatisieren. Dadurch haben ihre Mitarbeitenden mehr Zeit, um Verträge nachzuverhandeln oder Kunden zu gewinnen. Ihr KI-Wissen will sie an andere Unternehmer weitergeben. „Wir müssen Gas geben, und uns was trauen. Es ist noch nicht vorbei“, ruft Meinzer zum Handeln auf.

Politik soll Reformen liefern

Meinzer hat nicht nur an Unternehmer und jeden Einzelnen die Erwartung, zu handeln, sondern auch an die Politik, die versprochenen Reformen, umzusetzen: Die Bürokratie verringen und die Kosten für Energie, Rohstoffe und Arbeitskräfte senken. „Ich weiß, dass es schwierig ist, Konsens zu finden. Aber es ist die Verantwortung der Parteien der Mitte, sich zusammenzuraufen.“ Sonst, so Meinzer, verlieren Unternehmen und Menschen die Zuversicht. „Das ist das Schlimmste, was passieren kann. Wir müssen jetzt alle liefern.“

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