Haus- und Grundbesitzerverein Augsburg und Umgebung e.V. | Mieterverein Augsburg und Umgebung e.V.

Mietspiegel in Augsburg: Das sind die Argumente dafür und dagegen

Symbolbild. Foto: B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN

Mit 37:17 Stimmen hat der Augsburger Stadtrat die Einführung eines Mietspiegels beschlossen. Dieser Schritt findet viele Befürworter – und auch viele Gegner. B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN stellt hier beide Positionen einander gegenüber.

von Rebecca Weingarten, Online-Redaktion

Bisher ist Augsburg eine der wenigen deutschen Großstädte, die keinen Mietspiegel hat. Der Stadtrat hat vergangene Woche beschlossen, dass sich dies ändern soll. Für rund 200.000 Euro wird ein qualifizierter Mietspiegel erstellt. Im Gegensatz zum einfachen Mietspiegel handelt es sich dabei um eine umfassende wissenschaftliche Datenerhebung. Neben Art, Größe, Beschaffenheit und Lage der Wohnung spielt auch ihre Energieeffizienz eine Rolle.

Ohne Mietspiegel keine verlässlichen Daten

Thomas Weiand, Geschäftsführer Mieterverein Augsburg und Umgebung, hält den Mietspiegel für ein notwendiges Instrument. „In Augsburg haben wir bisher keine verlässlichen Daten, was tatsächlich die ortsübliche Miete ist. Dies gibt der Mietspiegel wieder. Er ist ein gesetzlicher Anknüpfungspunkt um festzustellen, ob eine Mieterhöhung berechtigt ist. Zum anderen kann geprüft werden, ob die Mietpreisbremse eingehalten wird.“

Mietpreisbremse ohne Mietspiegel „kaum eine Relevanz“

Die Mietpreisbremse gilt seit August letzten Jahres auch in Augsburg. „In der Praxis hat dies allerdings kaum eine Relevanz: Wie soll das Ergebnis festgestellt werden, ohne Mietspiegel“, so Thomas Weiand. Seine Sorge ist, dass ohne klare Regelung immer mehr Mieter zunehmend auf ihre Rechte verzichten: „Es wird viel geschluckt, auch wenn Mängel in der Wohnung sind.“ Im Mietspiegel sieht er zudem eine friedenswahrende Wirkung: „Wenn alle wissen, woran sie sind, sind teure Sachverständigengutachten im Streitfall nicht notwendig.“

Mangel an bezahlbarem Wohnraum: Mietpreisbremse soll Abhilfe schaffen

Der Mietspiegel ist also eine wichtige Grundlage für die Mietpreisbremse. Doch Beide haben auch Kritiker. Gabriele Seidenspinner, Geschäftsführerin Haus & Grund Augsburg, erklärt: „Der jetzt im Augsburger Stadtrat beschlossenen Mietspiegel ändert gar nichts am aktuellen Wohnungsmarkt. Ein Mietspiegel schafft keine einzige neue Wohnung. Der soziale Wohnungsbau wird dadurch nicht unterstützt.“ In Augsburg mangelt es an ausreichend Wohnraum, vor allem an bezahlbarem. Derzeit gibt es in der Großstadt nur mit circa 270.000 Einwohnern nur rund 6.000 sozialgebundene Wohnungen. Thomas Weiand hingegen argumentiert, dass die Mietpreisbremse gerade deshalb besonders wichtig ist. Denn bis es ausreichend bezahlbaren Wohnraum in Augsburg gibt, wird es dauern.

Droht Augsburg eine Immobilienblase?

Gabriele Seidenspinner spricht sich auch klar gegen die Mietpreisbremse aus: „Haus & Grund hat immer auf ihre schädlichen Auswirkungen hingewiesen. Leider zeigt die Praxis nun: Die Befürchtungen bewahrheiten sich fast alle. Auf Grund von einerseits gedeckelten Mieten und andererseits stark steigenden Kaufpreisen für Immobilien warnt die Bundesbank inzwischen vor einer Immobilienblase. Gleichzeitig zeichnet sich ab, dass Eigentümer nunmehr Modernisierungen zurückstellen – eine logische Reaktion und ein Schaden für den Eigentümer und die Mieter.“

Haus & Grund sieht Interessen der Investoren in Gefahr

Die Lösung für Augsburgs Wohnsituation sieht Gabriele Seidenspinner woanders: „Der Neubau muss gefördert werden. Allein die Leerstandsakquise bringt uns nicht weiter. Die aktuellen Baukosten sind viel zu hoch. Energetische Anforderungen und massive Brandschutzvorschriften sind einfach zu teuer. Investitionen in den Wohnungsmarkt müssen sich wieder lohnen, oder sie bleiben aus.“

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Ohne Mietspiegel keine verlässlichen Daten

Thomas Weiand, Geschäftsführer Mieterverein Augsburg und Umgebung, hält den Mietspiegel für ein notwendiges Instrument. „In Augsburg haben wir bisher keine verlässlichen Daten, was tatsächlich die ortsübliche Miete ist. Dies gibt der Mietspiegel wieder. Er ist ein gesetzlicher Anknüpfungspunkt um festzustellen, ob eine Mieterhöhung berechtigt ist. Zum anderen kann geprüft werden, ob die Mietpreisbremse eingehalten wird.“

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Die Mietpreisbremse gilt seit August letzten Jahres auch in Augsburg. „In der Praxis hat dies allerdings kaum eine Relevanz: Wie soll das Ergebnis festgestellt werden, ohne Mietspiegel“, so Thomas Weiand. Seine Sorge ist, dass ohne klare Regelung immer mehr Mieter zunehmend auf ihre Rechte verzichten: „Es wird viel geschluckt, auch wenn Mängel in der Wohnung sind.“ Im Mietspiegel sieht er zudem eine friedenswahrende Wirkung: „Wenn alle wissen, woran sie sind, sind teure Sachverständigengutachten im Streitfall nicht notwendig.“

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