Kommentar

Mein Banker, der Roboter

Symbolbild. Roboter als Banker? Foto: iStock / YakobchukOlena
Der Trend geht zur virtuellen Bank, dennoch halten Geldinstitute an ihren Filialnetzen und Mitarbeitern fest. Ein Argument: Roboter seien nicht empathisch. Reicht Einfühlsvermögen für die Zukunft des Berufsfeldes?

Es gibt verschiedene Hochrechnungen, wie zukunftsfähig ein Beruf ist. Die Sparda-Bank Augsburg verwies in ihrer Bilanzpressekonferenz auf den Job-Futuromat hin. Dieser rechnet vor, dass 88 Prozent der Tätigkeiten von Bankkaufleuten durch Roboter ersetzbar wären. Dennoch die klare Botschaft: Wir halten am Filialnetz fest. Ist das sinnvoll?

88 Prozent sprechen dagegen. Seien es Kontoführung, Kreditgeschäft oder Bonitätsprüfungen – das alles lässt sich ohne menschliches Zutun bewältigen. Gerade das Tagesgeschäft wird immer digitaler, bestätigt auch die Deutsche Bank. Die einzige Komponente, wozu ein Mitarbeiter gebraucht wird, ist die Kundenberatung beziehungsweise -betreuung. Vor allem wenn es um komplexe Themen geht. Wer ein Haus kaufen oder große Summe verwaltet haben möchte, verknüpft dies immer noch lieber mit einem persönlichen Gespräch. Schließlich handelt es sich hier um weitreichende Entscheidungen. Dabei verlassen sich Kunden lieber auf den Banker als auf den Roboter.

Das bringt Vorteile, auch für die Bank. Online lebt von der Geschwindigkeit und ist nicht die Heimat der Geduldigen. Im Netz können die Angebote unzähliger Banken gleichzeitig in den Registerkarten des Browsers geöffnet werden. Etwas funktioniert nicht gleich? Klick, weg. Etwas ist unverständlich? Klick, weg. Etwas spricht den Kunden nicht an? Klick, das war‘s. Wer in die Filiale kommt wird versorgt, braucht aber Zeit.

Hier wird es wieder kritisch – Flexible Arbeitszeitmodelle hin oder her. Abends in Ruhe auf dem Sofa, unterwegs im Zug oder sonntagmorgens beim Frühstück. Bank wird heute überall gemacht. Darauf haben die Geldinstitute bereits reagiert. Überweisungen online tätigen oder selbst ein Konto am Smartphone eröffnen geht heute. Ansprechpartner sind telefonisch oder per Video-Call schnell und immer länger erreichbar. Und da ist sie wieder – die menschliche Komponente.

Wer eine Frage hat, kann freilich Google nutzen. Spätestens wenn man sich jedoch überlegt, auf die Suchergebnis-Seite zwei zu klicken, wird es knifflig. Je spezieller die Frage, desto länger die Suche. Schneller geht es mit einem Experten, einen Bankfachmann. Der kann einem auch einen Rat aus Erfahrung geben. Das hat eine ganz andere Wirkung. Nehmen wir das Risikogeschäft: Es ist ein wenig wie in der Geisterbahn. Klar – die mechanischen Fratzen sind schaurig. Richtig gruselig wird es aber erst, wenn „lebende Geister“ hervorspringen. Nun wollen Bankkaufleute in der Regel niemanden verschrecken, dennoch: Das persönliche Gespräch im selben Raum kann einen enormen Einfluss auf die Entscheidung des Kunden haben.

An denen hängt es letztendlich auch. Angebot und Nachfrage müssen stimmen. Bleiben die Filialen leer, werden Banken sie nicht mit Mitarbeitern füllen. Wenn, dann werden es andere sein als heute. Denn ob Bankkaufleute in zehn Jahren noch den selben Tätigkeiten nachgehen, darf bezweifelt werden. Der Wandel hat bereits begonnen.

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Mein Banker, der Roboter

Symbolbild. Roboter als Banker? Foto: iStock / YakobchukOlena
Der Trend geht zur virtuellen Bank, dennoch halten Geldinstitute an ihren Filialnetzen und Mitarbeitern fest. Ein Argument: Roboter seien nicht empathisch. Reicht Einfühlsvermögen für die Zukunft des Berufsfeldes?

Es gibt verschiedene Hochrechnungen, wie zukunftsfähig ein Beruf ist. Die Sparda-Bank Augsburg verwies in ihrer Bilanzpressekonferenz auf den Job-Futuromat hin. Dieser rechnet vor, dass 88 Prozent der Tätigkeiten von Bankkaufleuten durch Roboter ersetzbar wären. Dennoch die klare Botschaft: Wir halten am Filialnetz fest. Ist das sinnvoll?

88 Prozent sprechen dagegen. Seien es Kontoführung, Kreditgeschäft oder Bonitätsprüfungen – das alles lässt sich ohne menschliches Zutun bewältigen. Gerade das Tagesgeschäft wird immer digitaler, bestätigt auch die Deutsche Bank. Die einzige Komponente, wozu ein Mitarbeiter gebraucht wird, ist die Kundenberatung beziehungsweise -betreuung. Vor allem wenn es um komplexe Themen geht. Wer ein Haus kaufen oder große Summe verwaltet haben möchte, verknüpft dies immer noch lieber mit einem persönlichen Gespräch. Schließlich handelt es sich hier um weitreichende Entscheidungen. Dabei verlassen sich Kunden lieber auf den Banker als auf den Roboter.

Das bringt Vorteile, auch für die Bank. Online lebt von der Geschwindigkeit und ist nicht die Heimat der Geduldigen. Im Netz können die Angebote unzähliger Banken gleichzeitig in den Registerkarten des Browsers geöffnet werden. Etwas funktioniert nicht gleich? Klick, weg. Etwas ist unverständlich? Klick, weg. Etwas spricht den Kunden nicht an? Klick, das war‘s. Wer in die Filiale kommt wird versorgt, braucht aber Zeit.

Hier wird es wieder kritisch – Flexible Arbeitszeitmodelle hin oder her. Abends in Ruhe auf dem Sofa, unterwegs im Zug oder sonntagmorgens beim Frühstück. Bank wird heute überall gemacht. Darauf haben die Geldinstitute bereits reagiert. Überweisungen online tätigen oder selbst ein Konto am Smartphone eröffnen geht heute. Ansprechpartner sind telefonisch oder per Video-Call schnell und immer länger erreichbar. Und da ist sie wieder – die menschliche Komponente.

Wer eine Frage hat, kann freilich Google nutzen. Spätestens wenn man sich jedoch überlegt, auf die Suchergebnis-Seite zwei zu klicken, wird es knifflig. Je spezieller die Frage, desto länger die Suche. Schneller geht es mit einem Experten, einen Bankfachmann. Der kann einem auch einen Rat aus Erfahrung geben. Das hat eine ganz andere Wirkung. Nehmen wir das Risikogeschäft: Es ist ein wenig wie in der Geisterbahn. Klar – die mechanischen Fratzen sind schaurig. Richtig gruselig wird es aber erst, wenn „lebende Geister“ hervorspringen. Nun wollen Bankkaufleute in der Regel niemanden verschrecken, dennoch: Das persönliche Gespräch im selben Raum kann einen enormen Einfluss auf die Entscheidung des Kunden haben.

An denen hängt es letztendlich auch. Angebot und Nachfrage müssen stimmen. Bleiben die Filialen leer, werden Banken sie nicht mit Mitarbeitern füllen. Wenn, dann werden es andere sein als heute. Denn ob Bankkaufleute in zehn Jahren noch den selben Tätigkeiten nachgehen, darf bezweifelt werden. Der Wandel hat bereits begonnen.

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