vbw Mitgliederbefragung

M+E Industrie Schwaben: „Zeit der Hochkonjunktur ist vorbei“

Hirohito Imakoji, Vorsitzender des Vorstandes der bayme vbm Region Allgäu. Foto: bayme vbm
Der konjunkturelle Zenit ist überschritten – so das Fazit der aktuellen Mitgliederbefragung unter den M+E Arbeitgebern. Trotz sehr guter Lage gehen die Erwartungen zurück.

Die schwäbischen M+E Unternehmen bewerten die aktuelle Geschäftslage besser als noch in der Umfrage im Dezember 2017: Über 72 Prozent der Firmen beurteilten das Inlandsgeschäft als gut, nur drei Prozent waren unzufrieden. Das Auslandsgeschäft wurde von 76 Prozent der Unternehmen positiv bewertet, zehn Prozent kamen zu einer negativen Einschätzung.

Pessimistischer Blick in die Zukunft

„Die Unternehmen bewerten die Geschäftslage des zurückliegenden Halbjahres äußerst positiv. Aber die Zeit der Hochkonjunktur ist vorbei. Die Erwartungen der Betriebe für die künftige Geschäftsentwicklung haben sich verschlechtert und liegen per Saldo im negativen Bereich“, berichtete Hirohito Imakoji, Vorstandsvorsitzender der bayme vbm Region Allgäu, in Augsburg. Nur noch zwölf Prozent der schwäbischen M+E Betriebe blicken optimistisch auf das weitere Inlandsgeschäft, pessimistisch sind zehn Prozent. Knapp 80 Prozent rechnen mit einer gleichbleibenden Entwicklung.

„Handelskrieg wäre Gift für die die M+E Industrie“

Ähnlich skeptisch sind die Unternehmen im Hinblick auf den Export. „Hier sind nur noch 14 Prozent optimistisch, 21 Prozent befürchten aber eine Eintrübung“, so Hirohito Imakoji. Der Saldo für die Auslands-Geschäftserwartung liegt bei -7,3 Prozentpunkten, im Winter waren es noch +19,3. „Was unsere Unternehmen am stärksten umtreibt, ist das Thema Protektionismus. Fast 90 Prozent der bayerischen M+E Betriebe rechnen mit negativen Folgen. Dies gilt für die Handelspolitik der USA.“ Der Vorstandsvorsitzende machte es deutlich: „Ein Handelskrieg wäre Gift für die die M+E Industrie im Freistaat.“ 61 Prozent des Umsatzes werde im Ausland erwirtschaftet.

„Die USA sind unser größter Exportmarkt. 13,2 Prozent der M+E Ausfuhren Bayerns wurden im vergangenen Jahr in die Vereinigten Staaten geliefert. Unser zweitgrößter Exportmarkt ist China mit einem Anteil von 10,2 Prozent – das Land das für die USA besonders im Fokus seiner Zollpolitik steht. Ein Handelskrieg mit den USA wird die chinesische Wirtschaft treffen und das Wachstum dämpfen – und damit auch die Nachfrage Chinas nach unseren Produkten.“ Dazu kommen indirekte Folgen, indem sich Vorprodukte und Zulieferteile durch Zölle verteuern. „Das gilt auch für das Thema Brexit. Zwei Drittel unserer Betriebe sehen hier eine im Schnitt zumindest leichte Beeinträchtigung ihrer Geschäftstätigkeit. Die Firmen sorgen sich auch um die Stabilität der Eurozone.“

Weiterer Personalaufbau

In Schwaben arbeiten aktuell rund 135.000 Beschäftigte in der Metall- und Elektro-Industrie. Für 2018 erwartet die vbw einen Zuwachs von weiteren 3.000 Stellen. Über die Hälfte der Unternehmen gaben an, am Inlandsstandort neue Jobs zu schaffen. Nur sieben Prozent befürchten, Stellen abbauen zu müssen. Problematisch sei die Stellenbesetzung bei Facharbeitern aus dem Metall- und aus dem IT-Bereich. Hier können nur zehn beziehungsweise 18 Prozent der Stellen problemlos besetzt werden.

Fehlende Fachkräfte hemmen Wachstum

Der Fachkräftemangel bremst jedoch das Wachstum, erklärt die vbw weiter. Nur noch 13 Prozent der bayerischen Firmen gaben an, keine negativen Auswirkungen auf die Geschäftstätigkeit dadurch zu verspüren. Das Zusammentreffen aus hoch ausgelasteten Kapazitäten, Fachkräfte- und Materialengpässen auf der einen Seite und erheblichen wirtschaftspolitischen Risiken auf der anderen sei „brisant“. Die Folgen seien vor allem Produktionsverzögerungen.

Aufträge müssen teils abgelehnt werden

„So ist die Produktion der bayerischen M+E Industrie im bisherigen Jahresverlauf abwärtsgerichtet“, erklärt Imakoji. „Ein Blick auf die Branchen zeigt, dass die Verlangsamung auf die Automobilindustrie zurückzuführen ist.“ 28 Prozent der Firmen müssten Aufträge ablehnen. „Überstunden werden aufgebaut, Zusatzschichten werden gefahren, Vorproduktläger werden aufgebaut und es wird über Bedarf bestellt, um genügend Material zu haben.“ In den anderen M+E Branchen liegt das Produktionsniveau dagegen höher als im Vorjahr.

Weitere Artikel zum Gleichen Thema
vbw Mitgliederbefragung

M+E Industrie Schwaben: „Zeit der Hochkonjunktur ist vorbei“

Hirohito Imakoji, Vorsitzender des Vorstandes der bayme vbm Region Allgäu. Foto: bayme vbm
Der konjunkturelle Zenit ist überschritten – so das Fazit der aktuellen Mitgliederbefragung unter den M+E Arbeitgebern. Trotz sehr guter Lage gehen die Erwartungen zurück.

Die schwäbischen M+E Unternehmen bewerten die aktuelle Geschäftslage besser als noch in der Umfrage im Dezember 2017: Über 72 Prozent der Firmen beurteilten das Inlandsgeschäft als gut, nur drei Prozent waren unzufrieden. Das Auslandsgeschäft wurde von 76 Prozent der Unternehmen positiv bewertet, zehn Prozent kamen zu einer negativen Einschätzung.

Pessimistischer Blick in die Zukunft

„Die Unternehmen bewerten die Geschäftslage des zurückliegenden Halbjahres äußerst positiv. Aber die Zeit der Hochkonjunktur ist vorbei. Die Erwartungen der Betriebe für die künftige Geschäftsentwicklung haben sich verschlechtert und liegen per Saldo im negativen Bereich“, berichtete Hirohito Imakoji, Vorstandsvorsitzender der bayme vbm Region Allgäu, in Augsburg. Nur noch zwölf Prozent der schwäbischen M+E Betriebe blicken optimistisch auf das weitere Inlandsgeschäft, pessimistisch sind zehn Prozent. Knapp 80 Prozent rechnen mit einer gleichbleibenden Entwicklung.

„Handelskrieg wäre Gift für die die M+E Industrie“

Ähnlich skeptisch sind die Unternehmen im Hinblick auf den Export. „Hier sind nur noch 14 Prozent optimistisch, 21 Prozent befürchten aber eine Eintrübung“, so Hirohito Imakoji. Der Saldo für die Auslands-Geschäftserwartung liegt bei -7,3 Prozentpunkten, im Winter waren es noch +19,3. „Was unsere Unternehmen am stärksten umtreibt, ist das Thema Protektionismus. Fast 90 Prozent der bayerischen M+E Betriebe rechnen mit negativen Folgen. Dies gilt für die Handelspolitik der USA.“ Der Vorstandsvorsitzende machte es deutlich: „Ein Handelskrieg wäre Gift für die die M+E Industrie im Freistaat.“ 61 Prozent des Umsatzes werde im Ausland erwirtschaftet.

„Die USA sind unser größter Exportmarkt. 13,2 Prozent der M+E Ausfuhren Bayerns wurden im vergangenen Jahr in die Vereinigten Staaten geliefert. Unser zweitgrößter Exportmarkt ist China mit einem Anteil von 10,2 Prozent – das Land das für die USA besonders im Fokus seiner Zollpolitik steht. Ein Handelskrieg mit den USA wird die chinesische Wirtschaft treffen und das Wachstum dämpfen – und damit auch die Nachfrage Chinas nach unseren Produkten.“ Dazu kommen indirekte Folgen, indem sich Vorprodukte und Zulieferteile durch Zölle verteuern. „Das gilt auch für das Thema Brexit. Zwei Drittel unserer Betriebe sehen hier eine im Schnitt zumindest leichte Beeinträchtigung ihrer Geschäftstätigkeit. Die Firmen sorgen sich auch um die Stabilität der Eurozone.“

Weiterer Personalaufbau

In Schwaben arbeiten aktuell rund 135.000 Beschäftigte in der Metall- und Elektro-Industrie. Für 2018 erwartet die vbw einen Zuwachs von weiteren 3.000 Stellen. Über die Hälfte der Unternehmen gaben an, am Inlandsstandort neue Jobs zu schaffen. Nur sieben Prozent befürchten, Stellen abbauen zu müssen. Problematisch sei die Stellenbesetzung bei Facharbeitern aus dem Metall- und aus dem IT-Bereich. Hier können nur zehn beziehungsweise 18 Prozent der Stellen problemlos besetzt werden.

Fehlende Fachkräfte hemmen Wachstum

Der Fachkräftemangel bremst jedoch das Wachstum, erklärt die vbw weiter. Nur noch 13 Prozent der bayerischen Firmen gaben an, keine negativen Auswirkungen auf die Geschäftstätigkeit dadurch zu verspüren. Das Zusammentreffen aus hoch ausgelasteten Kapazitäten, Fachkräfte- und Materialengpässen auf der einen Seite und erheblichen wirtschaftspolitischen Risiken auf der anderen sei „brisant“. Die Folgen seien vor allem Produktionsverzögerungen.

Aufträge müssen teils abgelehnt werden

„So ist die Produktion der bayerischen M+E Industrie im bisherigen Jahresverlauf abwärtsgerichtet“, erklärt Imakoji. „Ein Blick auf die Branchen zeigt, dass die Verlangsamung auf die Automobilindustrie zurückzuführen ist.“ 28 Prozent der Firmen müssten Aufträge ablehnen. „Überstunden werden aufgebaut, Zusatzschichten werden gefahren, Vorproduktläger werden aufgebaut und es wird über Bedarf bestellt, um genügend Material zu haben.“ In den anderen M+E Branchen liegt das Produktionsniveau dagegen höher als im Vorjahr.

Weitere Artikel zum Gleichen Thema
nach oben