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Kaum bezahlbarer Wohnraum in Augsburg – warum eigentlich?

Symbolbild: In Augsburg wird Wohnraum knapp. Foto: B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN

Wer zurzeit eine Wohnung in Augsburg sucht, hat es oft schwer. Denn Wohnraum wird in der Fuggerstadt knapp – und vor allem immer teurer. Doch warum ist das eigentlich so?

von Rebecca Weingarten, Online-Redaktion

In Augsburg ist es inzwischen fast unmöglich geworden, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Und dieser Trend verstärkt sich. Doch warum ist es eigentlich so schwer, in Augsburg bezahlbaren Wohnraum zu finden?

Ist die Flüchtlingskrise Schuld am Wohnraummangel in Augsburg?

Auf der Fachtagung in Augsburg stellte Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl kürzlich klar: „Die Flüchtlingsströme sind nicht der Grund für unsere grundständige Problematik.“ Dennoch ist naheliegend, dass die wachsende Einwohnerzahl für die Fuggerstadt eine Herausforderung darstellt. Dies ist bereits in durchschnittlichen Jahren der Fall. Denn immer mehr Menschen wollen in Bayerisch-Schwaben leben und arbeiten. Das ist eine gute Nachricht, denn es bedeutet, dass die Lebensqualität in der Region grundsätzlich hoch ist. Die Kehrseite der Medaille: Es ist eine Mammutaufgabe, die Infrastruktur dieser Entwicklung zeitnah anzupassen und insbesondere auch ausreichend adäquaten Wohnraum zu schaffen. Anorganisches Einwohnerwachstum wie beispielsweise nach dem Fall der Berliner Mauer oder jetzt zur Flüchtlingskrise kann zudem schwer einkalkuliert werden. Dadurch verstärkt sich die akute Dringlichkeit des Problems zusätzlich.

Warum werden nicht einfach mehr Wohnungen gebaut?

Derzeit müsste Augsburg 3,2-mal mehr neue Wohnungen bauen, um den Bedarf decken zu können. Hier geht es vor allem um günstige Wohnungen. Doch dies kann sich die Stadt nicht leisten. Zum einen fehlen die Flächen, zum anderen die Fördermittel. Hinzu kommt, dass die Baukosten in den vergangenen Jahren stark gestiegen sind. Wenn sozialer Wohnungsbau jedoch nicht wirtschaftlich ist, bleiben die Investoren aus. Zudem mangelt es der Politik oftmals an einer einheitlichen Strategie, die für Vertrauen auf dem Markt sorgen würde. Die Mietpreisbremse ist ein gutes Beispiel dafür, dass auch eine gesetzliche Regelung das Problem nicht unbedingt löst.

War der Wohnungsmangel nicht absehbar? Warum wurde nicht früher gehandelt?

Manche Entwicklungen wurden schlichtweg falsch prognostiziert. Normalerweise werden für eine Voraussage die Trends der vergangenen Jahre fortgeschrieben. Was in der Regel funktioniert, muss jedoch nicht immer stimmen.

Ein Beispiel: Beim Wohnungsbau in Bayern wurde die Wohnfläche je Einwohner in den vergangenen Jahrzehnten stetig vergrößert. Denn der Trend ging dahin, dass Menschen alleine leben und gleichzeitig mehr Wohnraum zur Verfügung haben wollten. Außerdem sind die Gehälter lange Zeit immer weiter angestiegen. Die Ansprüche der Menschen an ihren Wohnraum sind mit ihrem Einkommen ebenfalls gewachsen.

Im Zuge des demografischen Wandels sind die Mieter jedoch immer älter geworden. Zudem sind viele Kosten – beispielsweise die für das Heizen im Zuge der Klimapolitik – stark  gestiegen. Viele ältere Menschen leben heute in Wohnungen, die für sie eigentlich zu groß und auch zu teuer sind. Gleichzeitig fehlt in den Städten der Platz, um neuen Wohnraum zu gestalten. Und von vielen Jobs, die früher für eine ganze Familie gereicht haben, kann heute nur einer gut leben.

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Warum leben immer mehr Menschen in Städten?

Es ist paradox: Auf dem Land ist mehr Platz zum Leben, dennoch zieht es die Menschen immer stärker in die Städte. Auch dafür gibt es viele Gründe. So hat beispielsweise die Akademisierung der Ausbildung in den vergangenen Jahren dazu beigetragen, dass immer mehr junge Menschen in die Städte ziehen – dahin, wo die Hochschulen sind. Ein Teil dieser Gruppe gründet irgendwann eine Familie. Früher sind die Menschen dafür oft aufs Land gezogen. Heute bleiben sie in der Stadt. Warum? Die Gründe sind oft finanzieller und auch logistischer Natur.

Viele Unternehmen stellen heute insbesondere Berufsanfängern nur Zeitverträge aus. Damit wird es für junge Menschen zunehmend schwieriger, Geld für große Investitionen – wie beispielsweise ein Haus auf dem Land – einzuplanen. Gleichzeitig fällt die steuerliche Eigenheimförderung weg. Grund- und Grunderwerbssteuer sind hingegen gestiegen, ebenso wie die Kosten für Mobilität. Wer in der Nähe seines Arbeitsplatzes wohnt, spart nicht nur Zeit, sondern auch viel Geld. Desweiteren ist es für junge Familien in der Stadt deutlich einfacher, die Kinderbetreuung zu organisieren – vor allem dann, wenn beide Elternteile berufstätig sind, was viele aus finanziellen Gründen auch sein müssen. Wohneigentum behindert zudem oftmals den Karrieresprung: Wer ein Haus besitzt, wird es sich zweimal überlegen, ob er oder sie wegen eines Jobangebots umzieht.

Was könnte helfen?

Auf der Fachtagung zum Thema Wohnraummangel in Augsburg stellte Matthias Günther vom Eduard Pestel Institut für Systemforschung klar: „Der Markt schafft immer eine Lösung. Sozialverträglich ist diese nicht.“ Wir leben in einer sozialen Marktwirtschaft. Es kann nicht sein, dass es der Region wirtschaftlich gut geht und die Menschen gleichzeitig nicht wissen, wo sie leben sollen. Insbesondere beim Wohnungsbau ist ein gewisser Handlungsspielraum für Kommunen essentiell. Außerdem müssen grundlegende Strukturen geändert werden. Es darf kein Nachteil sein, jung zu sein, eine Familie gründen zu wollen, in Wohnraum zu investieren. Das Wohnraumproblem in Augsburg ist keine gesonderte Aufgabe, sondern ein Spiegel für zahlreiche gesellschaftliche Entwicklungen, die alle ineinander greifen.

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Symbolbild: In Augsburg wird Wohnraum knapp. Foto: B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN

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von Rebecca Weingarten, Online-Redaktion

In Augsburg ist es inzwischen fast unmöglich geworden, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Und dieser Trend verstärkt sich. Doch warum ist es eigentlich so schwer, in Augsburg bezahlbaren Wohnraum zu finden?

Ist die Flüchtlingskrise Schuld am Wohnraummangel in Augsburg?

Auf der Fachtagung in Augsburg stellte Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl kürzlich klar: „Die Flüchtlingsströme sind nicht der Grund für unsere grundständige Problematik.“ Dennoch ist naheliegend, dass die wachsende Einwohnerzahl für die Fuggerstadt eine Herausforderung darstellt. Dies ist bereits in durchschnittlichen Jahren der Fall. Denn immer mehr Menschen wollen in Bayerisch-Schwaben leben und arbeiten. Das ist eine gute Nachricht, denn es bedeutet, dass die Lebensqualität in der Region grundsätzlich hoch ist. Die Kehrseite der Medaille: Es ist eine Mammutaufgabe, die Infrastruktur dieser Entwicklung zeitnah anzupassen und insbesondere auch ausreichend adäquaten Wohnraum zu schaffen. Anorganisches Einwohnerwachstum wie beispielsweise nach dem Fall der Berliner Mauer oder jetzt zur Flüchtlingskrise kann zudem schwer einkalkuliert werden. Dadurch verstärkt sich die akute Dringlichkeit des Problems zusätzlich.

Warum werden nicht einfach mehr Wohnungen gebaut?

Derzeit müsste Augsburg 3,2-mal mehr neue Wohnungen bauen, um den Bedarf decken zu können. Hier geht es vor allem um günstige Wohnungen. Doch dies kann sich die Stadt nicht leisten. Zum einen fehlen die Flächen, zum anderen die Fördermittel. Hinzu kommt, dass die Baukosten in den vergangenen Jahren stark gestiegen sind. Wenn sozialer Wohnungsbau jedoch nicht wirtschaftlich ist, bleiben die Investoren aus. Zudem mangelt es der Politik oftmals an einer einheitlichen Strategie, die für Vertrauen auf dem Markt sorgen würde. Die Mietpreisbremse ist ein gutes Beispiel dafür, dass auch eine gesetzliche Regelung das Problem nicht unbedingt löst.

War der Wohnungsmangel nicht absehbar? Warum wurde nicht früher gehandelt?

Manche Entwicklungen wurden schlichtweg falsch prognostiziert. Normalerweise werden für eine Voraussage die Trends der vergangenen Jahre fortgeschrieben. Was in der Regel funktioniert, muss jedoch nicht immer stimmen.

Ein Beispiel: Beim Wohnungsbau in Bayern wurde die Wohnfläche je Einwohner in den vergangenen Jahrzehnten stetig vergrößert. Denn der Trend ging dahin, dass Menschen alleine leben und gleichzeitig mehr Wohnraum zur Verfügung haben wollten. Außerdem sind die Gehälter lange Zeit immer weiter angestiegen. Die Ansprüche der Menschen an ihren Wohnraum sind mit ihrem Einkommen ebenfalls gewachsen.

Im Zuge des demografischen Wandels sind die Mieter jedoch immer älter geworden. Zudem sind viele Kosten – beispielsweise die für das Heizen im Zuge der Klimapolitik – stark  gestiegen. Viele ältere Menschen leben heute in Wohnungen, die für sie eigentlich zu groß und auch zu teuer sind. Gleichzeitig fehlt in den Städten der Platz, um neuen Wohnraum zu gestalten. Und von vielen Jobs, die früher für eine ganze Familie gereicht haben, kann heute nur einer gut leben.

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Warum leben immer mehr Menschen in Städten?

Es ist paradox: Auf dem Land ist mehr Platz zum Leben, dennoch zieht es die Menschen immer stärker in die Städte. Auch dafür gibt es viele Gründe. So hat beispielsweise die Akademisierung der Ausbildung in den vergangenen Jahren dazu beigetragen, dass immer mehr junge Menschen in die Städte ziehen – dahin, wo die Hochschulen sind. Ein Teil dieser Gruppe gründet irgendwann eine Familie. Früher sind die Menschen dafür oft aufs Land gezogen. Heute bleiben sie in der Stadt. Warum? Die Gründe sind oft finanzieller und auch logistischer Natur.

Viele Unternehmen stellen heute insbesondere Berufsanfängern nur Zeitverträge aus. Damit wird es für junge Menschen zunehmend schwieriger, Geld für große Investitionen – wie beispielsweise ein Haus auf dem Land – einzuplanen. Gleichzeitig fällt die steuerliche Eigenheimförderung weg. Grund- und Grunderwerbssteuer sind hingegen gestiegen, ebenso wie die Kosten für Mobilität. Wer in der Nähe seines Arbeitsplatzes wohnt, spart nicht nur Zeit, sondern auch viel Geld. Desweiteren ist es für junge Familien in der Stadt deutlich einfacher, die Kinderbetreuung zu organisieren – vor allem dann, wenn beide Elternteile berufstätig sind, was viele aus finanziellen Gründen auch sein müssen. Wohneigentum behindert zudem oftmals den Karrieresprung: Wer ein Haus besitzt, wird es sich zweimal überlegen, ob er oder sie wegen eines Jobangebots umzieht.

Was könnte helfen?

Auf der Fachtagung zum Thema Wohnraummangel in Augsburg stellte Matthias Günther vom Eduard Pestel Institut für Systemforschung klar: „Der Markt schafft immer eine Lösung. Sozialverträglich ist diese nicht.“ Wir leben in einer sozialen Marktwirtschaft. Es kann nicht sein, dass es der Region wirtschaftlich gut geht und die Menschen gleichzeitig nicht wissen, wo sie leben sollen. Insbesondere beim Wohnungsbau ist ein gewisser Handlungsspielraum für Kommunen essentiell. Außerdem müssen grundlegende Strukturen geändert werden. Es darf kein Nachteil sein, jung zu sein, eine Familie gründen zu wollen, in Wohnraum zu investieren. Das Wohnraumproblem in Augsburg ist keine gesonderte Aufgabe, sondern ein Spiegel für zahlreiche gesellschaftliche Entwicklungen, die alle ineinander greifen.

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