Generationenwechsel

Karriere im Familienbetrieb: Der neue Dierig-Vorstand im Interview

Ellen Dinges-Dierig und Benjamin Dierig, die künftigen Vorstände der Dierig Holding AG. Foto: Dierig
Benjamin Dierig und Ellen Dinges-Dierig treten zum 1. Mai 2018 ihre Ämter im Vorstand der Gesellschaft an. Ob für die Beiden die Karriere im Familienunternehmen schon immer feststand und welche Herausforderungen dieser Weg bringt, erzählen sie im Interview mit unserer Redaktion.

War für Sie auch vor Ihrem Start bei Dierig Holding klar, dass Sie in das Familienunternehmen einsteigen, beziehungsweise das Unternehmen führen wollen, oder gab es auch andere Karrierepläne?

Ellen Dinges-Dierig: Das Interesse für das Familienunternehmen war immer da, sicherlich nicht immer gleich stark. Aber mein Großvater hat für einen Teilkonzern von Dierig gearbeitet und meine Mutter ist bereits seit vielen Jahren im Beirat der Familiengesellschaft, die die Anteile an der Dierig Holding hält, aktiv. Daher war das Unternehmen schon von klein auf präsent. Mit meinem 18. Geburtstag wurde ich Gesellschafterin der Familiengesellschaft und von da an waren die jährlichen Gesellschafterversammlungen mit abendlichem Familientreffen ein wichtiger Bestandteil des Jahres. Direkt an einen Job dort habe ich eher nicht gedacht. Ich war als Steuerberaterin mit meiner Tätigkeit in der Steuerberatung/Wirtschaftsprüfung und später in der Financial Due Diligence Beratung (Unternehmenskäufe/-verkäufe) glücklich und habe meinen Weg gemacht.

Benjamin Dierig: ‚Klar‘ würde ich es nicht nennen. Ich stamme aus einem Haushalt, in dem über medizinische Dinge statt über Textilien geredet wurde. Unser Vater hat uns aber absolute Freiheit bei der Wahl der beruflichen Zukunft gelassen und so wurden wir vier Ingenieure. Meine Wahl fiel damals auf die Architektur, weil mir das Um- oder Neugestalten baulicher Art mit und für Menschen immer gefallen hat. Die Faszination für die Familie ist mit 18 Jahren und dem Eintritt in die Familiengesellschaft, der Textil Treuhand, erwacht.

Welche Vor- und Nachteile hat es, ein Familienunternehmen zu führen?

Dinges-Dierig: Ein Familienunternehmen zu führen hat im Wesentlichen Vorteile: Die Familie denkt langfristig mit uns; das ist eine starke Unterstützung, denn der Spagat zwischen Familienunternehmen und börsennotierter AG ist alles andere als leicht. Der Aktionär im Streubesitz denkt gegebenenfalls anders und verfolgt andere, kurzfristigere Ziele. Da tut es gut, wenn man eine Familie im Rücken hat, die die Langfristigkeit mitgeht. Der Nachteil: Familie ist – gefühlt – eine höhere Bürde. Man möchte nicht die Generation sein, die es verbockt.

Dierig: Zuerst möchte ich an dieser Stelle gerne hinzufügen, dass es sich ja nicht nur um ein Familienunternehmen, sondern um eine börsennotierte Aktiengesellschaft mit freien Aktionären handelt. Dann gibt es drei mögliche Weisen, diese Frage zu beantworten.

Generell gesehen, ist der Vorteil aus meiner Sicht ganz sicher in der Langfristigkeit der Denke zu finden. Hierfür gibt es den schönen Begriff der Nachhaltigkeit. Projekte, die man angeht, sollen dem Unternehmen lange wirtschaftlich positiv erhalten bleiben. Deswegen wird auch mal ein Projekt mit eventueller Aussicht auf eine Spitzenrendite, aber gleichzeitig hohem Risiko nicht angegangen. Gleichzeitig könnte man hier auch einen Nachteil sehen: wenn man das Risiko zu sehr scheut und zu lange zögert. Manche Projekte gelingen nur, wenn man ihr Potential schnell erkennt und der Erste ist, der zugreift. Wenn man dann erst das letzte Risiko betrachtet haben muss, war vielleicht ein anderer schneller.

Die Vor- oder Nachteile, als Namensträger ein Familienunternehmen zu führen, definiere ich für mich gerne so: Mit dem Namen Dierig geht die ein oder andere Türe vielleicht leichter auf, wenn du aber beim Durchgehen stolperst, wird auch lauter gelacht. Unterm Strich heben sich also aus meiner Sicht, Vor- und Nachteile auf.

Bei der Frage, ob die tatsächliche Verwandtschaft Vor- und Nachteile bei der Unternehmensführung mit sich bringt, dann ist wichtig zu wissen, dass wir drei aus völlig unterschiedlichen Familienzweigen stammen. Wir haben also keine klassische gemeinsame Vergangenheit als Familie mit all ihrem Für und Wider. Dafür aber eine große Affinität zueinander und zu unserem Unternehmen. Das ist ein großer Vorteil und auch sinnbildlich für das Unternehmen an sich, das irgendwie doch auch eine große Familie darstellt.

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War für Sie auch vor Ihrem Start bei Dierig Holding klar, dass Sie in das Familienunternehmen einsteigen, beziehungsweise das Unternehmen führen wollen, oder gab es auch andere Karrierepläne?

Ellen Dinges-Dierig: Das Interesse für das Familienunternehmen war immer da, sicherlich nicht immer gleich stark. Aber mein Großvater hat für einen Teilkonzern von Dierig gearbeitet und meine Mutter ist bereits seit vielen Jahren im Beirat der Familiengesellschaft, die die Anteile an der Dierig Holding hält, aktiv. Daher war das Unternehmen schon von klein auf präsent. Mit meinem 18. Geburtstag wurde ich Gesellschafterin der Familiengesellschaft und von da an waren die jährlichen Gesellschafterversammlungen mit abendlichem Familientreffen ein wichtiger Bestandteil des Jahres. Direkt an einen Job dort habe ich eher nicht gedacht. Ich war als Steuerberaterin mit meiner Tätigkeit in der Steuerberatung/Wirtschaftsprüfung und später in der Financial Due Diligence Beratung (Unternehmenskäufe/-verkäufe) glücklich und habe meinen Weg gemacht.

Benjamin Dierig: ‚Klar‘ würde ich es nicht nennen. Ich stamme aus einem Haushalt, in dem über medizinische Dinge statt über Textilien geredet wurde. Unser Vater hat uns aber absolute Freiheit bei der Wahl der beruflichen Zukunft gelassen und so wurden wir vier Ingenieure. Meine Wahl fiel damals auf die Architektur, weil mir das Um- oder Neugestalten baulicher Art mit und für Menschen immer gefallen hat. Die Faszination für die Familie ist mit 18 Jahren und dem Eintritt in die Familiengesellschaft, der Textil Treuhand, erwacht.

Welche Vor- und Nachteile hat es, ein Familienunternehmen zu führen?

Dinges-Dierig: Ein Familienunternehmen zu führen hat im Wesentlichen Vorteile: Die Familie denkt langfristig mit uns; das ist eine starke Unterstützung, denn der Spagat zwischen Familienunternehmen und börsennotierter AG ist alles andere als leicht. Der Aktionär im Streubesitz denkt gegebenenfalls anders und verfolgt andere, kurzfristigere Ziele. Da tut es gut, wenn man eine Familie im Rücken hat, die die Langfristigkeit mitgeht. Der Nachteil: Familie ist – gefühlt – eine höhere Bürde. Man möchte nicht die Generation sein, die es verbockt.

Dierig: Zuerst möchte ich an dieser Stelle gerne hinzufügen, dass es sich ja nicht nur um ein Familienunternehmen, sondern um eine börsennotierte Aktiengesellschaft mit freien Aktionären handelt. Dann gibt es drei mögliche Weisen, diese Frage zu beantworten.

Generell gesehen, ist der Vorteil aus meiner Sicht ganz sicher in der Langfristigkeit der Denke zu finden. Hierfür gibt es den schönen Begriff der Nachhaltigkeit. Projekte, die man angeht, sollen dem Unternehmen lange wirtschaftlich positiv erhalten bleiben. Deswegen wird auch mal ein Projekt mit eventueller Aussicht auf eine Spitzenrendite, aber gleichzeitig hohem Risiko nicht angegangen. Gleichzeitig könnte man hier auch einen Nachteil sehen: wenn man das Risiko zu sehr scheut und zu lange zögert. Manche Projekte gelingen nur, wenn man ihr Potential schnell erkennt und der Erste ist, der zugreift. Wenn man dann erst das letzte Risiko betrachtet haben muss, war vielleicht ein anderer schneller.

Die Vor- oder Nachteile, als Namensträger ein Familienunternehmen zu führen, definiere ich für mich gerne so: Mit dem Namen Dierig geht die ein oder andere Türe vielleicht leichter auf, wenn du aber beim Durchgehen stolperst, wird auch lauter gelacht. Unterm Strich heben sich also aus meiner Sicht, Vor- und Nachteile auf.

Bei der Frage, ob die tatsächliche Verwandtschaft Vor- und Nachteile bei der Unternehmensführung mit sich bringt, dann ist wichtig zu wissen, dass wir drei aus völlig unterschiedlichen Familienzweigen stammen. Wir haben also keine klassische gemeinsame Vergangenheit als Familie mit all ihrem Für und Wider. Dafür aber eine große Affinität zueinander und zu unserem Unternehmen. Das ist ein großer Vorteil und auch sinnbildlich für das Unternehmen an sich, das irgendwie doch auch eine große Familie darstellt.

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