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Zugausfälle, Verspätungen, überfüllte Züge. Wer mit der Bahn fährt, braucht oft starke Nerven. Oder viel Zeit. Die Taskforce „Zuverlässige Bahn“ hat jetzt 22 Vorschläge gemacht, wie die Bahn kurzfristig zuverlässiger und besser werden kann. Umgesetzt werden sollen diese bereits dieses und kommendes Jahr. Teil der Taskforce waren unter anderem Vertreter von Bund, Ländern, Bundesnetzagentur, Eisenbahn-Bundesamt, Eisenbahnverkehrsunternehmen, Fahrgastverband Pro Bahn und DB InfraGO AG.
Grund für den schlechten Zustand der Bahn ist laut Taskforce, dass immer mehr Menschen mit der Bahn reisen, gleichzeitig aber die Infrastruktur nicht ausreichend ausgebaut und saniert wurde. Dadurch sind viele Knoten und Korridore strukturell überlastet. Besonders betroffen sind die Metropolregionen Frankfurt am Main, München, Köln, Hamburg, Mannheim, Hannover und Berlin.
In vier Themenfeldern will die Taskforce die Situation der Bahn kurzfristig verbessern:
Für die hochbelasteten Knoten Frankfurt, München, Köln, Hannover, Hamburg, Mannheim und Berlin schlägt die Taskforce etwa „Joker-Gleise“ vor: In den Bahnhöfen sollen manche Gleise systematisch freigehalten werden, um so Kapazitäten für kurzfristigen Umplanungen zu haben. Außerdem soll es möglich werden, Bahnsteige zu verlängern, um längere Züge einsetzen zu können. Auch sollen Züge in den Knoten an anderen Bahnhöfen halten können als bisher.
Sogenannte „Flex-Abfahrten“ sollen künftig die Abfahrt der Züge beschleunigen. Dafür wird die Abfahrtszeit, die im Fahrplan steht, früher angegeben, als sie innerhalb des Betriebes kommuniziert wird. „So wird ein früherer Beginn der Zugabfertigung ermöglicht und die Chance der Einhaltung der betrieblich vorgesehenen Abfahrtzeit in Knoten erhöht“, steht im Abschlussbericht der Taskforce. Das reduziere auch Folgeverspätungen. Zusätzlich sollen Bahnmitarbeitende Reisende dabei unterstützen, schneller umzusteigen. Auch sollen Reisende künftig frühzeitig über etwa einen Bahnsteigwechsel informiert werden.
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Mithilfe von KI soll die Disposition der Züge verbessert werden. Bisher treffen Mitarbeitende in den Stellwerken individuelle Entscheidungen. In dem KI die Mitarbeitenden unterstützt, sollen Konflikte und Engpässe frühzeitig erkannt werden.
Immer wieder gab es Vorwürfe gegen die Baustellenplanung der DB Infrago AG: Diese kommuniziere etwa Baustellen und damit verbundene Streckensperrungen zu kurzfristig. Künftig sollen Bauarbeiten besser koordiniert werden. Konkret bedeutet das, dass die DB Infrago die Verkehrsunternehmen in die Planung der Baustellen mit einbezieht und berücksichtigt, wie der Verkehr dabei möglichst gut aufrechterhalten werden kann.
Die Zeiten, in denen Strecken gesperrt werden, sollen standardisiert werden: Regelmäßig planbare Zeitfenster, in denen auf bestimmten Strecken gebaut wird. Bauarbeiten werden gebündelt, statt viele Einzelbaustellen über das Jahr zu verteilen. Personal und Material soll künftig dezentral an neuralgischen Stellen bereitstehen, also nicht mehr nur an einzelnen Orten gebündelt. Dadurch sollen Störungen schneller behoben werden können.
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In den vergangenen Monaten gab es Befürchtungen, dass Zugverbindungen in stark belasteten Knoten gestrichen werden. Das würde auch Verbindungen zwischen Augsburg und München betreffen. Zwar findet sich dieser Punkt nicht unter den 22 Vorschlägen. Dennoch nennt die Taskforce einen vorübergehenden Wegfall von Verbindungen als Möglichkeit, den Betrieb kurzfristig zu stabilisieren. Dies könne „als Ultima Ratio und nur im Einvernehmen mit allen beteiligten Akteuren in Betracht gezogen werden“ und sei „punktuell“ „prüfenswert“.
Aus Sicht des Fahrgastverbands Pro Bahn ist damit das Thema nicht vom Tisch. Außerdem wirft Pro Bahn die Frage auf, ob Fahrgastverbände bei einer Abstimmung zu den „beteiligten Akteuren“ zählen oder nicht. Auch Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter sieht es kritisch, dass der Wegfall von Verbindungen nicht endgültig vom Tisch ist. „Gerade in den großen Knotenbahnhöfen sind die von uns bestellten Züge sehr gut ausgelastet und jeder Zug erfüllt die Verkehrsbedürfnisse zahlreicher Menschen“, teilt Bernreiter mit.
Pro Bahn und Bernreiter fordern, dass parallel zu den kurzfristigen Vorschlägen der Taskforce Aus- und Neubauprojekte weiter im Fokus stehen müssen. „Wenn parallel dazu aber nicht Maßnahmen wie der Ausbau der überlasteten Bahnhöfe erfolgt, dann bringt das die Eisenbahn und damit uns Fahrgäste nicht wirklich weiter“, heißt es in einer Mitteilung von Pro Bahn.
Ulrich Lange, Vorsitzender der Taskforce und parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesverkehrsministerium, betont, dass es mit den Vorschlägen der Taskforce allein nicht getan ist. „Eine stabile und auskömmliche Finanzierung des Systems Schiene ist unverzichtbar – insbesondere, um den über Jahre gewachsenen Investitionsbedarf zu decken“, sagt Lange.