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Dr. Stefan Söhn: China hat im Jahr 2021 zum x. Mal hintereinander einen Rekord-Handelsbilanzüberschuss ausgewiesen: 676 Milliarden Euro. Heißt: China hat deutlich mehr ex- als importiert. Dieser extreme Überschuss ist sicherlich auch auf die unfairen Wettbewerbsbedingungen im Land zurückzuführen: Will ein westliches Unternehmen im Reich der Mitte Fuß fassen, müssen noch immer zahlreiche Restriktionen akzeptiert werden. Doch was die Wenigsten wissen: Deutschland hat sehr viel mehr in China investiert als China in uns. Insofern befinden wir uns in einer gegenseitigen Abhängigkeit. Deswegen: Übermacht: Ja. Aber an ,Aufhalten‘ sollten wir aus wirtschaftlicher Sicht kein Interesse haben.
Darüber kann und soll man sicherlich trefflich streiten. Doch man muss wissen, dass es sich nicht um klassische, traditionelle Entwicklungshilfe handelt. Das sind Großteils KfW-Kredite, die verzinst und auch zurückgezahlt werden. Das läuft unter der Überschrift Entwicklungshilfe, ist aber nicht das, was wir zur Armutsbekämpfung an unterentwickelte Länder zahlen.
Wir dürfen nicht blauäugig sein. Es gilt wachsam zu bleiben, besonders auch hinsichtlich des Know-How-Transfers. Aber viel entscheidender ist es meiner Meinung nach, dass wir unsere Bildungsanstrengungen weiter forcieren, sodass wir die Nase immer ein Stück vorne haben. Wir müssen zudem dringend unsere Abhängigkeiten von China reduzieren, sonst stehen wir irgendwann vor demselben Dilemma wie jetzt mit Russland. Wir brauchen zum Beispiel dringend alternative Quellen für Seltene Erden. Tesla beispielsweise ist ja schon in Goldgräberstimmung im Erzgebirge und will dort Lithium abbauen.
Jein. Wer in China Geschäfte machen will, muss damit rechnen, dass damit ein Stück Know-how abfließt. Wer hier erfolgreich sein will, der braucht vor Ort eine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Nur so kann man auf die lokalen Bedürfnisse eingehen. Ein chinesischer VW beispielsweise sieht ganz anders aus als der deutsche. Doch dafür müssen dann deutsche und chinesische Ingenieure zusammenarbeiten. Aber: VW ist jetzt seit 40 Jahren in China tätig und bisher ist es den Chinesen nicht gelungen so viel Know-how rüberzuschaffen, dass sie in der Lage wären den großen deutschen Herstellern irgendwo auf dem Weltmarkt Konkurrenz zu bieten.
Ich finde nach wie vor, dass für Kuka die Vorteile aus der Übernahme überwiegen. Kuka macht aktuell mehr Umsatz als im letzten Jahr vor der Übernahme. In Lechhausen wurde viel investiert und es gab keine Klagen über Personalabbau. Wenn Sie sich erinnern: 2005 hat ein Private-Equity-Investor in Kuka investiert: Guy Wyser-Pratte aus Amerika. Damals war die Angst groß, der Konzern könnte zerschlagen werden. Glücklicherweise kam es anders. Die Amerikaner fackeln da nicht lange. Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich einen chinesischen Investor einem amerikanischen vorziehen. Die Amerikaner handeln nach „Hire and Fire“. Die Chinesen denken sehr strategisch und zukunftsorientiert und treffen daher eher die richtige Entscheidung.
Es gibt bereits eine starke F&E-Abteilung von Kuka in China. Kuka wird vor Ort wie ein lokaler Anbieter angesehen und dadurch hat Kuka viele Vorteile, denn China ist aktuell der am stärksten wachsende Markt in Sachen Automatisierung. Aktuell hat Kuka also nichts zu befürchten. Im nächsten Jahr läuft die Vereinbarung aus und dann muss man mal sehen, was passiert.
Spannend ist, ob die Chinesen möglicherweise überlegen, Kuka in China an die Börse zu bringen.
Dr. Stefan Söhn
Ich glaube nicht, dass Entscheidungen getroffen werden, die den Standort gefährden. Midea hat Kuka von der Börse genommen und sich dadurch mehr Beweglichkeit erkauft. Für mich ist die Frage spannend, ob die Chinesen möglicherweise überlegen, die Firma in China an die Börse zu bringen.
Midea kann dort an der Börse vermutlich mehr erzielen als sie hier für Kuka ausgegeben hat. Der Münchner Anlagenbauer Krauss-Maffei könnte eine Blaupause sein. Dieser ist auch in chinesischer Hand und dort mit der riesigen Gesellschaft an die Börse gegangen.
In Augsburg ist ,das Gehirn‘, das Headquarter. Das lässt sich nicht einfach nach China verpflanzen. Also ich befürchte nichts Gravierendes. Selbst wenn jetzt 100 Prozent in Midea-Hand liegen, bringt das für Augsburg keine zusätzlichen Risiken. Stichwort: Investorenvereinbarung. Im Normalfall sind Chinesen vertragstreu.
Peter Mohnen hat bereits Alexander Liong Hauw Tan an seiner Seite. Der ist bisher öffentlich nicht groß in Erscheinung getreten. Ich war überrascht, dass es so lange gedauert hat, bis sie einen Mann ihres Vertrauens ins operative Geschäft gesetzt haben. Es ist ja durchaus nachvollziehbar, dass man rund 9.000 Kilometer weit weg eine Vertrauensperson installieren möchte.