Online-Integration

Interview: Integreat-App als digitalisierte Hilfe für Migranten

Daniel Kehne ist Geschäftsführer und Gründer der Tür an Tür - Digitalfabrik gGmbH und Projektleiter von Integreat. Im Interview verrät er, weshalb die Hilfestellung von Ämtern für Migranten nicht ausreicht und an welcher neuen App das Unternehmen bereits arbeitet.

B4B WIRTSCHHAFTSLEBEN SCHWABEN: Sie haben Integreat vor fünf Jahren gegründet. Wie entstand die Idee dazu?

Daniel Kehne: Der Integrationsverein Tür an Tür hat 1997 gemeinsam mit den Wohlfahrtsverbänden in Augsburg eine Broschüre namens „First Steps” veröffentlicht – einen Alltagsguide für neuzugezogene Menschen, der lokale Tipps und Angebote beinhaltete. Wir wollten diese Broschüre ins Zeitalter der neuen Medien überführen und haben als Ausgründung der TU München mit Integreat eine Lösung geschaffen, die heute weit über die Augsburger Grenzen bekannt ist.

Wie soll Migranten durch Ihre App geholfen werden?

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Ein Grund, warum Integrationsprozesse in der Praxis scheitern, ist unter anderem Informationsarmut. Teil liegt das an der Dezentralität der Informationen, teils daran, dass die Informationen gar nicht erst digital vorhanden sind. Ein großes Problem in den ersten Jahren ist natürlich auch oft die Sprache. Mit unserer Lösung schaffen wir eine Plattform mit verifizierten Informationen, die jederzeit in vielen Sprachen abrufbar sind. So entlasten wir auch Beratungsstellen und Behörden, da sich erste Fragen und Probleme bereits über Integreat lösen lassen.

Reicht die Hilfestellung durch Ämter heutzutage nicht mehr aus?

Die Ressourcen der Ämter sind begrenzt. Gleichzeitig ist der digitale Kommunikationsraum immer noch ein Kanal, der in Behörden wenig genutzt wird. Mit Integreat bauen wir eine Brücke, die es den Ämtern ermöglicht ohne große IT-Kenntnisse diesen digitalen Kommunikationsraum zumindest im Integrationsbereich zu bespielen. Integreat ist dabei vor allem ein Werkzeug, um erste Fragen zu klären, Hilfestellungen zu geben und die Ratsuchenden an die richtige Stelle beziehungsweise zum richtigen Amt zu lotsen. Gleichzeitig sorgen wir auch dafür, dass es eine Transparenz über alle Angebote in einer Region gibt. Das hilft nicht nur zugewanderten Menschen, sondern allen Bürgern.

Integration online, ist das ein wichtiger Schritt Richtung Digitalisierung?

Die Corona-Pandemie hat uns bereits gezeigt, wie wichtig digitale Medien sind. Über Integreat haben fast alle unserer 65 Partnerkommunen mehrsprachig über Quarantänebestimmungen und Regelungen informiert. Wichtig ist aber auch zu sagen: Digitale Lösungen wie Integreat können immer nur ein begleitendes Instrument zu erfolgreicher Integrationsarbeit sein und genau so sehen wir uns auch: als unterstützendes Medium.

Wie bewerten Sie die vergangenen Jahre und die Entwicklung, die Ihr Startup durchlaufen hat?

Die Entwicklung ist natürlich ein Stück weit wie aus dem Bilderbuch. Die Ausgründung von Integreat als Sozialunternehmen war auch nach dem Start der App Ende 2015 in Augsburg noch gar nicht angedacht. Erst Mitte 2016 haben wir den Schritt gewagt. Bis Ende 2018 waren wir zum Teil noch von Fördermitteln und Spenden abhängig, haben es aber dann geschafft durch Kooperationen als eigenständiges Sozialunternehmen Fuß zu fassen und beschäftigen heute 15 Mitarbeitende.

Die Stadt Sydney und das afrikanische Land Uganda möchten Ihre Plattform nutzen. Was bedeutet das für Sie?

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Erstmal freut es uns natürlich, dass sich unsere Lösung auch international herumspricht. Hier ist vor allem die TU München und der dortige Wirtschaftsinformatik-Lehrstuhl beteiligt, die uns wissenschaftlich begleiten und Erkenntnisse aus dem Integreat-Projekt regelmäßig auf internationalen Konferenzen präsentieren und diskutieren. Dadurch kommen auch die meisten unserer internationalen Kontakte zustande.

Nicht vergessen dürfen wir natürlich, dass die Integrationsarbeit in Deutschland im internationalen Vergleich schon sehr strukturiert und fortgeschritten funktioniert. Die erwartete Wirkung von Integreat im Ausland in Bezug auf den Abbau von Informationsarmut dürfte also deutlich höher sein, als es hierzulande der Fall ist. Das motiviert uns als Organisation natürlich auch die Technologie und unser Wissen so zu abstrahieren, dass es auch im Ausland nutzbar ist.

Die Corona-Krise stürzt viele Unternehmen in den Ruin. Sie haben Ihre Zugriffe im Laufe der Pandemie mehr als verdoppelt. Würden Sie sich als Krisengewinner sehen?

Die Corona-Pandemie war für die Digitalisierung ein starker Treiber. Unsere Umsätze sind 2020 stabil geblieben, was aber auch an den langfristigen Partnerschaften liegt, die wir mit unseren Kunden eingehen. Mittelfristige Auswirkungen sind noch nicht absehbar. Aber wenn Kommunen in den nächsten Jahren ihre Haushalte kürzen müssen, kann es natürlich auch für die Finanzierung von Übersetzungen oder Verwaltungspersonal für Integreat-Inhalte in Einzelfällen eng werden. Als Krisengewinner würde ich uns also nicht bezeichnen, aber wir merken zumindest in 2020 keine signifikanten Einbußen.

Welche Ziele haben Sie sich für die nächsten Jahre gesteckt?

Wir wollen vor allem die Kommunen, die Integreat bereits nutzen, noch besser unterstützen und arbeiten an Schulungsangeboten, um die digitale Öffentlichkeitsarbeit im Kontext von Integreat in den Städten und Landkreisen auszubauen. Gleichzeitig wollen wir unsere App funktional um eine datenschutzfreundliche Karten-Funktion erweitern, die auch ohne Internetverbindung funktioniert, um die Navigation zu verbessern.

Unabhängig von Integreat arbeiten wir bereits an einer zweiten App, die beim Erwerb von berufsbezogener Sprache helfen soll. Geplant ist diese App ebenfalls als quelloffenes Projekt, um Berufsschulen und Unternehmen digital bei der Qualifikation von Fachkräften zu unterstützen.

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B4B WIRTSCHHAFTSLEBEN SCHWABEN: Sie haben Integreat vor fünf Jahren gegründet. Wie entstand die Idee dazu?

Daniel Kehne: Der Integrationsverein Tür an Tür hat 1997 gemeinsam mit den Wohlfahrtsverbänden in Augsburg eine Broschüre namens „First Steps” veröffentlicht – einen Alltagsguide für neuzugezogene Menschen, der lokale Tipps und Angebote beinhaltete. Wir wollten diese Broschüre ins Zeitalter der neuen Medien überführen und haben als Ausgründung der TU München mit Integreat eine Lösung geschaffen, die heute weit über die Augsburger Grenzen bekannt ist.

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Reicht die Hilfestellung durch Ämter heutzutage nicht mehr aus?

Die Ressourcen der Ämter sind begrenzt. Gleichzeitig ist der digitale Kommunikationsraum immer noch ein Kanal, der in Behörden wenig genutzt wird. Mit Integreat bauen wir eine Brücke, die es den Ämtern ermöglicht ohne große IT-Kenntnisse diesen digitalen Kommunikationsraum zumindest im Integrationsbereich zu bespielen. Integreat ist dabei vor allem ein Werkzeug, um erste Fragen zu klären, Hilfestellungen zu geben und die Ratsuchenden an die richtige Stelle beziehungsweise zum richtigen Amt zu lotsen. Gleichzeitig sorgen wir auch dafür, dass es eine Transparenz über alle Angebote in einer Region gibt. Das hilft nicht nur zugewanderten Menschen, sondern allen Bürgern.

Integration online, ist das ein wichtiger Schritt Richtung Digitalisierung?

Die Corona-Pandemie hat uns bereits gezeigt, wie wichtig digitale Medien sind. Über Integreat haben fast alle unserer 65 Partnerkommunen mehrsprachig über Quarantänebestimmungen und Regelungen informiert. Wichtig ist aber auch zu sagen: Digitale Lösungen wie Integreat können immer nur ein begleitendes Instrument zu erfolgreicher Integrationsarbeit sein und genau so sehen wir uns auch: als unterstützendes Medium.

Wie bewerten Sie die vergangenen Jahre und die Entwicklung, die Ihr Startup durchlaufen hat?

Die Entwicklung ist natürlich ein Stück weit wie aus dem Bilderbuch. Die Ausgründung von Integreat als Sozialunternehmen war auch nach dem Start der App Ende 2015 in Augsburg noch gar nicht angedacht. Erst Mitte 2016 haben wir den Schritt gewagt. Bis Ende 2018 waren wir zum Teil noch von Fördermitteln und Spenden abhängig, haben es aber dann geschafft durch Kooperationen als eigenständiges Sozialunternehmen Fuß zu fassen und beschäftigen heute 15 Mitarbeitende.

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Nicht vergessen dürfen wir natürlich, dass die Integrationsarbeit in Deutschland im internationalen Vergleich schon sehr strukturiert und fortgeschritten funktioniert. Die erwartete Wirkung von Integreat im Ausland in Bezug auf den Abbau von Informationsarmut dürfte also deutlich höher sein, als es hierzulande der Fall ist. Das motiviert uns als Organisation natürlich auch die Technologie und unser Wissen so zu abstrahieren, dass es auch im Ausland nutzbar ist.

Die Corona-Krise stürzt viele Unternehmen in den Ruin. Sie haben Ihre Zugriffe im Laufe der Pandemie mehr als verdoppelt. Würden Sie sich als Krisengewinner sehen?

Die Corona-Pandemie war für die Digitalisierung ein starker Treiber. Unsere Umsätze sind 2020 stabil geblieben, was aber auch an den langfristigen Partnerschaften liegt, die wir mit unseren Kunden eingehen. Mittelfristige Auswirkungen sind noch nicht absehbar. Aber wenn Kommunen in den nächsten Jahren ihre Haushalte kürzen müssen, kann es natürlich auch für die Finanzierung von Übersetzungen oder Verwaltungspersonal für Integreat-Inhalte in Einzelfällen eng werden. Als Krisengewinner würde ich uns also nicht bezeichnen, aber wir merken zumindest in 2020 keine signifikanten Einbußen.

Welche Ziele haben Sie sich für die nächsten Jahre gesteckt?

Wir wollen vor allem die Kommunen, die Integreat bereits nutzen, noch besser unterstützen und arbeiten an Schulungsangeboten, um die digitale Öffentlichkeitsarbeit im Kontext von Integreat in den Städten und Landkreisen auszubauen. Gleichzeitig wollen wir unsere App funktional um eine datenschutzfreundliche Karten-Funktion erweitern, die auch ohne Internetverbindung funktioniert, um die Navigation zu verbessern.

Unabhängig von Integreat arbeiten wir bereits an einer zweiten App, die beim Erwerb von berufsbezogener Sprache helfen soll. Geplant ist diese App ebenfalls als quelloffenes Projekt, um Berufsschulen und Unternehmen digital bei der Qualifikation von Fachkräften zu unterstützen.

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