Handwerkskammer für Schwaben

Interview: Die „schwarze Faser“ nimmt immer größeren Einfluss auf unseren Alltag

Ulrich Wagner, Hauptgeschäftsführer der HWK Schwaben. Foto: Handwerkskammer für Schwaben

Carbon verändert den regionalen Mittelstand, aber auch unser tagtägliches Leben. Im Interview erklärt Ulrich Wagner, Hauptgeschäftsführer der HWK Schwaben, warum dieser Stoff längst nicht mehr nur für die Luft- und Raumfahrt interessant ist.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Herr Wagner, was genau ist eigentlich Carbon?

Ulrich Wagner: Carbon ist zunächst ein chemisches Element, nämlich Kohlenstoff. Wird es durch spezielle Verfahren ausgerichtet und zu sehr dünnen Fasern verarbeitet, entstehen die sogenannten Carbonfasern. Im Vergleich zu Stahl oder Aluminium ist dieser Stoff bei gleicher Festigkeit bis zu 80 Prozent leichter.

Warum erfreut sich dieses Material wachsender Beliebtheit?

Neben dem niedrigen Gewicht haben Bauteile aus Kohlenstofffasern weitere Vorteile. So haben sie eine geringe Ermüdungsneigung. Außerdem dehnen sich Bauteile aus Carbonfasern, im Vergleich zu Stahl, auch bei hohen Temperaturen weniger stark aus. Zudem können sie nicht verrosten.

Welche Rolle spielen Faserverbundmaterialien im Handwerk?

Das Handwerk hat das Material bereits für sich entdeckt. So kommt es in den Bau- und Ausbauhandwerken als Armierungsmaterial zur Anwendung. Auch die Gesundheitshandwerke verwenden Carbonfasern, beispielsweise für Prothesen. In Verbindung mit traditionellen Materialen wie Holz oder auch neuen Werkstoffen wie Aluminiumschaum entstehen hybride Kombinationen. Diese ermöglichen sowohl extremen Leichtbau und sind sehr langlebig. Ein Großteil der Fasern wird heute noch mit Hand verarbeitet – das sind ideale Voraussetzungen für das Handwerk.

Wie fördert die Handwerkskammer für Schwaben den Einsatz von Carbon im Handwerk?

An der Einführung und Verbreitung in handwerksgerechten Anwendungen haben wir einen frühen Beitrag geleistet. Wir vernetzen zum Beispiel Betriebe mit Forschungseinrichtungen. Außerdem bieten wir passgenaue Beratungen sowie Weiterbildungen zum Einsatz von Carbon-Materialien an.

Wie verändert Carbon den Mittelstand?

Zunächst einmal gilt: Nicht alle Gewerke sind gleichermaßen betroffen. Veränderungen entstehen sehr häufig im Hintergrund, wo es die Endkunden gar nicht bemerken. So werden beispielsweise Beton-Armierungen aus Stahl erstmals durch Carbonfasern ersetzt. Dies wird den Baubereich nachhaltig verändern. Bauteile werden zum einen dünner, leichter und langlebiger. Gleichzeitig werden sie auch kostengünstiger.

Wie wichtig ist Carbon im Alltag?

Das kommt darauf, welchen Anspruch Sie an ihren Alltag stellen. Golfschläger, Fahrräder, Autos, aber auch orthopädische Produkte sind ohne diesen Werkstoff im Spitzensegment kaum noch denkbar.

Für viele von uns spielt er jedoch noch keine große Rolle. Dies wird sich vielleicht zukünftig ändern. Der niedrige Preis von unter 20 Euro pro Kilogramm machen Anwendungen mit Carbonfasern alltagstauglich. Ich denke hier auch an Leichtbaukonzepte für die Energiewende – beispielsweise an die Rotorblätter von Windkraftanlagen.

Im September findet mit der „Experience Composites“ ein neues Messeformat zum Thema Carbon statt. Welches Potential sehen Sie hier?

Grundsätzlich ist es Aufgabe der Kammer, für ein starkes zukunftsfähiges Handwerk einzutreten. Dazu leistet die „Experience Composites“ einen wichtigen Beitrag.

Vorgängermessen wie zum Beispiel die Composite Europe, die dieses Jahr in Düsseldorf stattfindet, bieten eine Vielzahl von Informationen ohne klare Gliederung. Ein interessierter Handwerker benötigt sehr viel Zeit, um sich überhaupt zu orientieren und verpasst vielleicht einen für ihn interessanten Beitrag.

Dieser Aspekt ist mit dem neuen Messeformat in Augsburg erstmals besser gelöst. So sind beispielsweise die Themenfelder klar gegliedert. Begleitende Vorträge und Workshops erleichtern den Einstieg für Besucher, die sich erstmals für den Werkstoff Carbon und dessen Anwendungsmöglichkeiten interessieren. Das Multi-Location-Konzept bringt dazu den wichtigen Praxisbezug aus der Region.

Wie unterstützt die HWK Schwaben die Experience Composites?

Die Handwerkskammer für Schwaben hat als Gesellschafter der Messe Augsburg schon sehr früh am Konzept der Messe mitgearbeitet. Wir sind davon überzeugt, dass ein erfolgreicher Start für ein neues Messekonzept nur gemeinsam gelingen kann. Neben finanzieller Unterstützung begleiten wir die Messe auch inhaltlich und personell. So moderieren wir beispielsweise eine Einführungsveranstaltung für das Thema Carbon im Bau. Dabei soll allen interessierten Handwerkern und Unternehmen die Bedeutung dieses Werkstoffs praktisch nähergebracht werden. Als Kammer ist es uns wichtig, die Möglichkeiten und Interessen des Handwerks zu berücksichtigen. Carbon ist ein sehr interessanter Stoff – nicht nur für die  Luft- und Raumfahrt. Das können wir hier zeigen.

Das Interview führte Rebecca Weingarten

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Warum erfreut sich dieses Material wachsender Beliebtheit?

Neben dem niedrigen Gewicht haben Bauteile aus Kohlenstofffasern weitere Vorteile. So haben sie eine geringe Ermüdungsneigung. Außerdem dehnen sich Bauteile aus Carbonfasern, im Vergleich zu Stahl, auch bei hohen Temperaturen weniger stark aus. Zudem können sie nicht verrosten.

Welche Rolle spielen Faserverbundmaterialien im Handwerk?

Das Handwerk hat das Material bereits für sich entdeckt. So kommt es in den Bau- und Ausbauhandwerken als Armierungsmaterial zur Anwendung. Auch die Gesundheitshandwerke verwenden Carbonfasern, beispielsweise für Prothesen. In Verbindung mit traditionellen Materialen wie Holz oder auch neuen Werkstoffen wie Aluminiumschaum entstehen hybride Kombinationen. Diese ermöglichen sowohl extremen Leichtbau und sind sehr langlebig. Ein Großteil der Fasern wird heute noch mit Hand verarbeitet – das sind ideale Voraussetzungen für das Handwerk.

Wie fördert die Handwerkskammer für Schwaben den Einsatz von Carbon im Handwerk?

An der Einführung und Verbreitung in handwerksgerechten Anwendungen haben wir einen frühen Beitrag geleistet. Wir vernetzen zum Beispiel Betriebe mit Forschungseinrichtungen. Außerdem bieten wir passgenaue Beratungen sowie Weiterbildungen zum Einsatz von Carbon-Materialien an.

Wie verändert Carbon den Mittelstand?

Zunächst einmal gilt: Nicht alle Gewerke sind gleichermaßen betroffen. Veränderungen entstehen sehr häufig im Hintergrund, wo es die Endkunden gar nicht bemerken. So werden beispielsweise Beton-Armierungen aus Stahl erstmals durch Carbonfasern ersetzt. Dies wird den Baubereich nachhaltig verändern. Bauteile werden zum einen dünner, leichter und langlebiger. Gleichzeitig werden sie auch kostengünstiger.

Wie wichtig ist Carbon im Alltag?

Das kommt darauf, welchen Anspruch Sie an ihren Alltag stellen. Golfschläger, Fahrräder, Autos, aber auch orthopädische Produkte sind ohne diesen Werkstoff im Spitzensegment kaum noch denkbar.

Für viele von uns spielt er jedoch noch keine große Rolle. Dies wird sich vielleicht zukünftig ändern. Der niedrige Preis von unter 20 Euro pro Kilogramm machen Anwendungen mit Carbonfasern alltagstauglich. Ich denke hier auch an Leichtbaukonzepte für die Energiewende – beispielsweise an die Rotorblätter von Windkraftanlagen.

Im September findet mit der „Experience Composites“ ein neues Messeformat zum Thema Carbon statt. Welches Potential sehen Sie hier?

Grundsätzlich ist es Aufgabe der Kammer, für ein starkes zukunftsfähiges Handwerk einzutreten. Dazu leistet die „Experience Composites“ einen wichtigen Beitrag.

Vorgängermessen wie zum Beispiel die Composite Europe, die dieses Jahr in Düsseldorf stattfindet, bieten eine Vielzahl von Informationen ohne klare Gliederung. Ein interessierter Handwerker benötigt sehr viel Zeit, um sich überhaupt zu orientieren und verpasst vielleicht einen für ihn interessanten Beitrag.

Dieser Aspekt ist mit dem neuen Messeformat in Augsburg erstmals besser gelöst. So sind beispielsweise die Themenfelder klar gegliedert. Begleitende Vorträge und Workshops erleichtern den Einstieg für Besucher, die sich erstmals für den Werkstoff Carbon und dessen Anwendungsmöglichkeiten interessieren. Das Multi-Location-Konzept bringt dazu den wichtigen Praxisbezug aus der Region.

Wie unterstützt die HWK Schwaben die Experience Composites?

Die Handwerkskammer für Schwaben hat als Gesellschafter der Messe Augsburg schon sehr früh am Konzept der Messe mitgearbeitet. Wir sind davon überzeugt, dass ein erfolgreicher Start für ein neues Messekonzept nur gemeinsam gelingen kann. Neben finanzieller Unterstützung begleiten wir die Messe auch inhaltlich und personell. So moderieren wir beispielsweise eine Einführungsveranstaltung für das Thema Carbon im Bau. Dabei soll allen interessierten Handwerkern und Unternehmen die Bedeutung dieses Werkstoffs praktisch nähergebracht werden. Als Kammer ist es uns wichtig, die Möglichkeiten und Interessen des Handwerks zu berücksichtigen. Carbon ist ein sehr interessanter Stoff – nicht nur für die  Luft- und Raumfahrt. Das können wir hier zeigen.

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